Mario & Luigi: Abenteuer Bowser
11:51 Uhr - Früher war der Release eines Mariospiels ein echtes Highlight im Kalender eines jeden Zockers, heutzutage geht die Veröffentlichung bei Nintendo bei all den Hirntrainern, Fitnessspielen und Edutainmenttiteln fast ein wenig unter. Klammheimlich schleicht sich der neueste Auftritt unser aller Lieblingsklempner in die Verkaufsregale. Zwar handelt es sich bei Mario & Luigi: Bowsers Inside Story um kein reinrassiges Jump´n Run, aber auch die Rollenspielauftritte des berühmten Bruderpaars waren ja schon immer ein Anspielen wert. Was der Titel zu bieten hat, lest ihr in unserem Review.
Bowsers Superstar Saga
Star des Spiels ist aber weder die dickliche Rothose, noch sein tollpatschiger grüner Bruder, sondern Bowser, seines Zeichens Erzfeind von Mario und Schrecken aller Prinzessinnen. Auf die hat er es natürlich auch diesmal abgesehen, wird bei seinem Angriff auf das Schloss aber wieder einmal vom prominentesten Bartträger der Welt in seine Schranken verwiesen. Aus Verzweifelung und Wut schluckt das Monster daraufhin einen magischen Pilz, den er sich von einem zwielichtigen Händler andrehen lässt. Der Pilz lässt Bowser sämtliche Bewohner des Mushroom Kingdom verschlucken. Während Mario und Luigi nun verzweifelt versuchen, dem schleimigen Gedärm des Königs der Koopas zu entkommen, kämpft Bowser meist mit sich selbst, seiner Dummheit und um die Herrschaft des Königreichs. Die Hintergrundgeschichte ist äußerst schräg und wird durch viele erstklassige, humorvolle Dialoge, fein ausgearbeitete Nebencharaktere und witzige Schauplätze vorrangetrieben. Waren schon die ersten beiden Rollenspielabenteuer des dynamischen Duos echte Spaßgranaten, setzt das Entwicklerteam Alphaduo hier noch mal einen oben drauf und überrascht mit viel Wortwitz, genialen Einfällen und herrlichen Slapstickeinlagen. Letztere werden vor allen Dingen durch die anmutigen Animationen der Hauptcharaktere ins Szene gesetzt. Wenn Mario und Luigi sich mit Händen und Füssen gegen das Unheil stemmen und Bowser mit seinem leicht depperten Blick durch die Pampa watschelt bleibt kein Auge trocken. Sobald dazu ein Kauderwelsch aus gesprochenen Wortfetzen und dem üblichen Nintendogebrabbel aus den Boxen klingt, verfolgt man gebannt und amüsiert zugleich die Geschehnisse auf dem Schirm, die durch eine bunte Comicoptik schön in Szene gesetzt wird.
Odyssee im Bauchraum
Und es passiert so einiges im Lande Mario. Vor allen Dingen in den untypischen Rundenkämpfen, die ihr zu überstehen habt. Während ihr in klassischen Rollenspiele nur rudimentäre Befehle gebt und dann darauf wartet, das eure Recken diese treu ausführen, greift ihr in den Mario & Luigi Titeln selber zu den Tasten. Drückt ihr Knöpfe reaktionsschnell kurz bevor ihr euren Gegner trefft, verursacht ihr mehr Schaden und kämpft euch so schneller durch die Schlachten. Eigenem Energieverlust wirkt ihr entgegen, wenn ihr den Attacken eurer Gegner ausweicht. Da wird wie in den guten alten Zeiten gehüpft und geduckt, Feuerbällen muss ausgewichen werden und auch der ein oder andere Schildkrötenpanzer will stilvoll umgangen werden. Neben Hüpf- und Hammerattacke stehen euch weitere Spezialmanöver zur Verfügung, die allerdings an eurer Magieleiste knabbern. Kenner der Vorgänger werden sich zudem daran stören das alle Attacken schon auf ähnliche Weise spielbar waren, richtig frische Ideen sucht ihr bei dem Bruderpaar vergebens, die gibt es nur beim König der Koopas zu sehen. Da dieser alleine kämpft, ruft er sich für seine Spezialattacken vorher befreite Koopas und Goombas. Auch hier ist euer ganzes Geschick gefragt, je nachdem wie reaktionsschnell ihr die Aktionstasten drückt, fügt ihr dem Gegenüber mehr Schaden zu. Gesteuert werden die Aktionen des dynamischen Duos im übrigen mit je einem separaten Knopf. Für Attacken mit Mario drückt ihr A, Luigi greift nur mittels B-Taste ins Geschehen ein. Verwirrend wird es wenn ihr mitten im Spiel zu Bowser wechselt, denn dessen Aktionen werden mit X und Y koordiniert. Den Kämpfen im Spiel könnt ihr dank sichtbarer Feinde jederzeit ausweichen, die diversen Hüpf und Geschicklichkeitsanlagen sind dagegen ein Muss und Vergnügen zu gleich. Das Leveldesign ist großartig, viele Abschnitte könnt ihr erst erreichen, wenn ihr bestimmte Fähigkeiten erspielt habt. Im Laufe des Spiels findet ihr beispielsweise eine Wirbelattacke die euch durch die Luft befördert, oder aber ihr befreit Bowsers Luftröhre von einer Verunreinigung, so dass dieser auf seine mächtigen Feuerbälle zurückgreifen kann. Auf der Oberwelt seit ihr stets mit dem Panzervieh unterwegs und bahnt euch euren Weg durch das Königreich, auf Mario und Luigi greift ihr eigentlich nur zurück, wenn Bowser sich mal wieder in eine körperliche Notlage manövriert hat. So helft ihr im mittels eines Rhythmusspiels dabei seine Muskeln voll aufzupumpen oder leert in bester Tetrismanier seinen Magen damit er noch mehr Unrat in sich hineinstopfen kann. Diese vielen kleinen Extraabschnitte machen den dritten Ableger wunderbar abwechslungsreich und kurzweilig. Das Spiel wird nie langweilig, stets werden euch neue Aufgaben gestellt, die den Rollenspielalltag herrlich auflockern.
Spielt sich wie ein Hüpfer, ist aber ein Rollenspiel
Denn trotz all seiner Minispiele, der abwechslungsreichen Hintergrundgeschichte, dem vielseitigen Gameplay und den durchdachten Actionelementen bleibt Bowsers Inside Story ein rassiges RPG mit zahlreichen Kämpfen, denen man zwar ausweichen kann, es aber nicht tun sollte. Schließlich will man seine Charaktere mit der Zeit ja aufleveln, will neue Fähigkeiten erlangen und massig Gold erkämpfen. Das setzt man dann am besten in neue Rüstungen um oder kauft sich diverse Heiltränke. Die habt ihr meist auch durchaus nötig, denn obwohl ihr Kämpfen theoretisch ohne Lebensenergieverlust überstehen könnt, treiben euch einige Attacken in den Wahnsinn und erfordern einiges an Geschick um ihnen zu entgehen. Alle Gegner verraten durch ihr Auftreten zwar die kommenden Attacken, ihnen tatsächlich auszuweichen ist manchmal aber gar nicht so einfach. Gerade der ein oder andere Bossfight hat es durchaus in sich und erfordert einen hohen Vorrat an Heiltränken. Wer sich schnell durch die Hauptstory kämpft, wird nach gut fünfundzwanzig Stunden den Endbildschirm sehen, verpasst dadurch aber einigen Spielspaß. Wie es sich für ein anständiges Rollenspiel gehört ist Mario & Luigi 3 gespickt mit zahlreichen Nebenquest und gut versteckten Items. Auf den DS-typischen Einsatz des Touchscreens und des Stylus verzichtete die Entwicklertruppe fast komplett. Lediglich in einigen Minispielen und bei dem Ausführen einiger Spezialattacken greift ihr auf den Stift zurück. Hier lässt euch Alphadream aber genügend Zeit euch auf die neuen Geschehnisse einzustellen und den Stylus zu zücken. Erst wenn ihr per Druck auf den Screen euer OK gebt, startet die jeweilige Sequenz. Im weiteren Spielverlauf müsst ihr den DS sogar gelegentlich kippen um einen riesigen Bowser gegen Kampfschiffe und ganze Armeen in den Kampf zu schicken. Der Test basiert auf der US-Version, die überdurchschnittliche Kenntnisse der englischen Sprache erfordert, da viele Textpassagen akzentuiert wurden. Für die deutsche Fassung, die ab Mitte Oktober in den Händlerregalen stehen wird, erwarten wir von Nintendo wie immer eine erstklassige Übersetzung, die dem Charme des Originals gerecht wird.
Pro und Contra
- + Schräge Story
- + Ausgezeichnete Spielbarkeit
- + Charakter, die einem ans Herz wachsen
- + Abwechslungsreich
- + Luigi
- - Für ein Rollenspiel ein wenig kurz
- - Spezialattacken kennt man aus den Vorgängern
Luigi for Bundeskanzler
Alles im allem ist der neueste Auftritt des Bruderpaars mal wieder ein echter Garant für ein paar unterhaltsame Stunden auf dem Nintendo DS. Die verrückte Spielidee , das dubiose Konzept und die zahlreichen Slapstickeinlagen sorgen für jede Menge Spaß, gerade der tollpatschige Luigi wächst einem schnell ans Herz. Doch nicht nur die äußeren Werte stimmen, auch inhaltlich hat Mario & Luigi: Bowsers Inside Story genügend zu bieten um euch für Stunden vor den Bildschirm zu fesseln. Das Rollenspielgerüst passt perfekt, um es herum wurden zahlreiche abwechslungsreiche Minispiele aufgebaut, die euch den Zeitvertreib wunderbar versüßen. Mal eine kleine Shootereinlage, gelegentlich ist ein wenig Hirnschmalz gefragt, und häufig kommt ihr nur mit gut getimten Geschicklichkeitseinlagen zum Ziel. Und im genau richtigen Moment wechselt der Titel wieder zum klassischen Rollenspiel mit seinem ewigen Aufleveln und dem verbessern seiner Fähigkeiten. Hier entdeckt ihr eine neue Geheimpassage, dort bekommt ihr ein neues Item ... immer wieder werdet ihr vom Spiel überrascht. Also ein fast perfektes Spielvergnügen wäre da nicht der leicht fade Beigeschmack des Recyclings von Spezialattacken oder den immer gleichen Gegnern innerhalb einer Welt. Mit knapp 25 Stunden kann man den Titel auch sicherlich nicht episch nennen, ein wenig mehr Spielzeit wäre schön gewesen.
Bewertung
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Kommentare (7)
chiefrebelangel
Saibot
Ansonsten guter Test :)
pb2007
Ich würde mal sagen die "Rollenspielauftritte" von Mario & Luigi waren eigentlich immer besser als die Jump 'n Run Spiele.
CeeKay
zig
Johannes Krohn
Blackburn7