Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen
13:07 Uhr - Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und der Wintersportsaison schickt Sega abermals große Namen in den sportlichen Wettstreit, damit wir gar nicht erst nach draußen gehen müssen. Sind die Jump’n run-Legenden fit fürs Schneegestöber oder müsst ihr doch Schlittschuhe und Snowboard aus dem Schrank kramen?
Normalerweise haben die Abenteuer von Mario und Sonic wenig mit olympischen Sportsgeist zu tun, geht es doch häufig um nicht weniger als die Rettung der Welt. Ein Umstand der bezeugt das die Erzfeinde Bowser und Dr. Eggman schlicht verdammt böse sind. Wie kann man sich mit solchen Banausen nur zu sozialen Großereignissen treffen, ohne sich gleich an die Gurgel zu gehen? Eine Frage, deren Antwort sowohl Nintendo als auch Sega schon seit Jahren für sich behalten, schließlich gab es derartig außergewöhnliche Zusammenkünfte schon erklärungslos in diversen Renn- und Sportspielablegern der beliebten Franchises. Nach den leichtathletischen Ertüchtigungen vor ca. zwei Jahren, geht es nun ins verschneite Vancouver, um sich erstmalig in typischen (und untypischen) Wintersportdisziplinen zu messen.
Traumhaftes Spiel?
Da die Entwickler keine Zeit mit unnötigem Logik-Firlefanz verschwenden, will ich das auch nicht tun. Abgesehen von seiner soliden visuellen Darbietung, die ansehnlich, aber wenig aufwendig daherkommt und leider nicht ansatzweise den klaren, stimmungsvollen Look eines Klonoa oder Super Mario Galaxy erreicht, welchen man nach dem schicken Renderintro erwarten könnte und der passablen Soundkulisse, die entsprechend bunte Melodien, sowie ein paar lizenzierte Musikstücke parat hält, aber bei der Sprachausgabe mal wieder auf Sparflamme läuft und den 20 spielbaren Charakteren jeweils nur zwei Sätze gönnt, dafür aber mit dem penetrantesten, schreisüchtigen Ansager seit langem aufwartet, steht und fällt das Spiel mit seinen unterschiedlichen Disziplinen. Und genau das tut es auch – es steht und fällt. Insgesamt stehen 27 Sportarten zur Auswahl. Viele davon sind Traumabwandlungen ihrer realistischen Vorbilder, die ein wesentlich Mario/Sonic-typischeres Gameplay, mit Power-Ups, Riesensprüngen und Gegnern bieten. Was nach mehr Spaß klingt, macht auch mehr Spaß. Meiner Meinung hätten sich die Entwickler auf diese Art der Umsetzung konzentrieren und die „trockenen“ Varianten als Option einbauen sollen. Leider entschied man sich für den umgekehrten Weg, weswegen ihr die Traumdisziplinen erst einmal freispielen müsst. Das macht ihr unter anderem im Sportfest-Modus, dem Kernstück des Spiels, in dem ihr, wahlweise auch mit bis zu drei weiteren Spielern, an mehreren Tagen in allen Disziplinen nach Olympischen Gold strebt. Vom Ski-Fahren, über Schlittschuhlauf, Eishockey und sogar Curling sind so ziemlich alle Facetten der körperlichen Ertüchtigung bei kühlen Temperaturen vertreten.
Die zwei Seiten der Medaille
Die Auswahl klingt allerdings weniger eindrucksvoll, wenn man bedenkt, dass einige davon sich recht ähnlich sind (Bobfahren – Rodeln, Snowboard – Ski), andere kaum über das erste Anspielen hinaus motivieren und fast alle wenig Tiefgang bieten. Abfahrtslauf und Slalom auf Skiern oder Snowboard sind ansprechend temporeich und intuitiv. Hierfür haltet ihr die Wiimote und optional auch das Nunchuk, wie Skistöcke und lenkt, indem ihr sie zur jeweiligen Seite neigt. Schwung holt ihr, indem ihr sie – was sonst – kräftig schüttelt. Alternativ könnt ihr auch das Balance Board anschließen, welches insgesamt 14 Disziplinen unterstützt und ordentlich funktioniert, aber leider meist kein Spielgefühl vermittelt, dass es nicht zum Beispiel schon beim Skifahren in Wii Fit (besser) gegeben hätte. Obendrein gibt es einen eigenen Menüpunkt für das Spielen mit dem Sportbrett, sodass ihr es etwa nicht im regulären Sportfest verwenden könnt. Ebenfalls unterhalten können das arcadige, wenngleich etwas chaotische Eishockey und vor allem das Curling. Das taktisch angehauchte Steineschubsen bietet die größte Langzeitmotivation und macht dem partyerprobten Wii Sports Bowling Konkurrenz. Ziemliche Rohrkrepierer sind hingegen der wackelintensive Eisschnelllauf und der recht stupide Eiskunstlauf, bei dem euer Charakter automatisch eine Bahn entlangschlittert und ihr an bestimmten Punkten vorgegebene Aktionen mit der Wiimote vollführen müsst. Beinahe allen Disziplinen zum Schaden gereicht das simple und uninspirierte Bedienungskonzept. Hier ein bisschen wackeln, da ein wenig neigen und noch ein paar mal schwingen. Das klappt alles meist recht gut, ist aber nichts, was wir nicht schon tausendfach gesehen hätten. In vielen Fällen verschenkt das Spiel auch gerade dadurch Potential, denn eine überlegte Mischung aus klassischer und bewegungssensitiver Steuerung hätte dem Spielgeschehen wesentlich mehr Substanz und Anspruch verleihen können, auch ohne Einsteiger zu überfordern, anstatt es so in der Masse an Minispielsammlungen untergehen zu lassen.
Die DS-Version: Dezent besser!
Auf einem tragbaren System, welches der Natur nach meist ausgepackt wird, wenn grad nicht viel Raum für stundenlange Spielsessions, aber dennoch genug Lust auf den kleinen Videospielsnack vorhanden ist, sollte sich das Prinzip simpler Mini-Games nicht ganz so unausgebacken anfühlen. Ironischerweise hat man gerade der DS-Version ein wesentlich gehaltvolleres Einzelspieler-Erlebnis in Form eines Adventure-Modus spendiert, ähnlich den Rollenspiel-Modi in Camelots grandiosen Mario Golf- und MarioTennis-Handheld-Umsetzungen. Der Story nach (Ach, na gut, sie hat den Namen nicht verdient, aber mir viel nichts anderes ein.) haben Bowser und Dr. Eggman alle Eisgeister-Scheißerchen entführt, ohne die es keinen Schnee gibt, um so die Winterspiele zu sabotieren. Zu ihrer Rettung lauft ihr mit Mario und Sonic durch winterliche Draufsichtlevel, redet mit anderen Charakteren und löst mit den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Figuren aus den beiden Universen kleinere Quests. Zwischendurch müsst ihr dann in einzelnen Disziplinen Kopf an Kopf gegen euere ewigen Widersacher antreten. Das ist alles nett, leider krankt das Abenteuer etwas unter leicht verwirrendem Leveldesign, was langwieriges Herumgelatsche zur Folge hat und den größtenteils sehr simplen Aufgaben. Im Vergleich zur Wii-Fassung haben die eigentlichen Sportarten, welche ihr hier einzeln oder in Siebenerpaketen angehen könnt und sich in Stylus- und Button-gesteuerte Disziplinen einteilen, allerdings nicht an Tiefgang zugelegt, zumal es manchmal nicht so einfach ist das genaue Timing für den Touchpen-Einsatz – etwa beim Absprung von der Ski-Schanze – herauszufinden. Macht aber nichts, denn beiden Fassungen zu eigen ist der ziemlich niedrige Schwierigkeitsgrad, der den Dauerspaßfaktor nicht unbedingt in die Höhe treibt.
Pro und Contra
- + Curling, Eishockey und Abfahrtslauf machen Laune
- + Traumdisziplinen geben Ausblick wie gut das Spiel hätte sein können
- + im Multiplayer brauchbar
- + alle wichtigen Mario/Sonic-Charaktere dabei
- - die meisten Sportarten sind zu simpel umgesetzt
- - typisches Minispiel-Gameplay ohne neue Ideen
- - Präsentation nur Mittelmaß
- - zu leicht
Nur Bronze!
Ich geb’s zu, der Test-Bericht klingt mal wieder ziemlich hart. Letztlich ist Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen aber eine grundsolide Sportspielsammlung, die in beiden Versionen, zumindest bei einigen Disziplinen, im Mehrspielermodus durchaus für ein paar launige Herbst- und Winterabende sorgen kann. Hier liegt aber genau das Problem: Das Spiel ist nichts Besonderes, obwohl es das sein sollte. Grafik und Sound gelangen nur selten knapp über Durchschnittsniveau und die Umsetzung der verschiedenen Wintersportdisziplinen feiert eingefahrene Minispielkonzepte ab. Um so tragischer ist es in den Traumdisziplinen zu sehen, was für eine Spielspaßbombe aus dem Titel hätte werden können, hätte man sich ganz auf die irrwitzige, Extrawaffen-strotzende Spin-Off-Tradition á la Mario Kart, Tennis, Golf konzentriert, anstatt die Helden die meiste Zeit unpassenderweise in leidlich realistisch und wenig spannend inszenierten Sportarten antreten zu lassen, ohne jeglichen spektakulären Schnickschnack, der nun mal einfach zu ihnen gehört. Für jüngere Semester oder Gelegenheitsspieler, die mit den Namen Mario und Sonic etwas anfangen können und gerne ein paar Freunde vor dem Fernseher oder eben im Zimmer mit mehreren Handhelds versammeln, lohnt sich dennoch ein Blick.
Bewertung
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Kommentare (3)
Der Schwarze Ritter
Aber wer hat schon für 4 Leute Controller und vor allem für 4 Leute Platz im Zimmer.
Test ist vollkommen in Ordnung.
Denn alleine.
Naja.
Grüsse
rorschach
j1mbo