Marvel vs. Capcom 3 – Fate of Two Worlds
Nach zehn Jahren Turnierruhm steht endlich auch beim legendären „Marvel vs. Capcom 2“ der Generationenwechsel an. Mit neugeborenen Capcom-Helden und einer Flut an Comicverfilmungen, die recht zuverlässig die Kinosääle füllen, ist die Zeit mehr als reif. Beat'em ups erleben ebenfalls gerade so etwas wie ihren dritten Frühling und das Franchise-Crossover ist sicherlich der wichtigste Genre-Vertreter dieses Jahres. Doch macht es einem der Hype-Prügler gar nicht immer so leicht ihn zu mögen.
Crossover können eine spannende Sache sein, sind aber stets einer erhöhten Gefahr ausgesetzt albern und vor allem inkonsistent zu wirken. Vielleicht ist das der Grund warum so wenige Entwickler oder auch Filmemacher das Wagnis eines solchen Projektes eingehen, mal ganz abgesehen von vorprogrammierten Lizenzquerelen. Dabei wären einige Kombinationen nicht nur reizvoll, sondern auch naheliegend. Nathan Drake („Uncharted“) und Lara Croft („Tomb Raider“) jagen um die Wette nach einem wertvollen Artefakt oder Schatz. Dante („Devil may Cry“) und Alucard („Castlevania“) schicken gemeinsam Dämonen zumTeufel. Ryu Hayabusa („Ninja Gaiden“) und Joe Musashi („Shinobi“) machen ... Ninja-Zeug. Oder ein wilder Haufen Capcom-Recken haut sich mit einer bunten Truppe Marvel-Kreationen gegenseitig die Farbe aus der Umrandung. Prügelspiele eignen sich wohl immer noch am besten für solche Begegnungen. Man kann unzählige beliebte Charaktere, inklusive typischer Franchise-Merkmale unterbringen und niemand schert sich einen feuchten Kehricht darum, wie die alle überhaupt ins selbe Universum passen. Die „Capcom vs.“-Reihe ist hier seit über einer Dekade die Vorzeige-Produktion der Beat'em up-versierten Japaner. So ist auch bei Teil 3 das wichtigste Aushängeschild wieder der mal mehr mal weniger prominente Cast aus sage und schreibe 36 (plus zwei bereits als DLC angekündigten) Ladies und Gentlemen der Comic- und Videospielkultur.
In einem recht eingeschränkten Genre wie Prügelspielen, noch dazu bei einem Titel der eine große Fangemeinde zu halten hat, sind schwerwiegende Neuerungen oft auch schwer zu vermitteln. „Street Fighter IV“ hat es vortrefflich verstanden das Gameplay der Vorgänger sinnvoll weiterzuentwickeln, ohne die vertraute Spielmechanik anzugreifen. „Marvel vs. Capcom 3“ hält sich mit interessanten Neuerungen leider sehr zurück. Klar das Kernprinzip bleibt unangetastet und das ist auch gut so. Wieder stellt ihr euch aus der illustren Runde ein Team aus drei Fightern zusammen und tretet gegen die gegnerische Gruppe an, wobei sich immer nur zwei Halbstarke gegenüberstehen, während die restlichen Mitglieder für einen kurzen Special-Move-Einstand aufs Feld gerufen oder gleich ganz ausgetauscht werden können. Wie zuletzt im spielerisch sehr ähnlichen „Tatsunoko vs. Capcom“ bleibt bei Energieverlust immer noch ein kleines Stück roter Restenergie zurück, es sei denn der gelbe Balken leert sich komplett. Diese Reserve lädt sich allmählich wieder auf, wenn der Charakter vorübergehend auf der Ersatzbank landet. Wer also geschickt wechselt, verschafft sich bessere Chancen auf einen Sieg. Die maßgeblichste Änderung betrifft das Tastenlayout. Statt eines speziellen, für jeden Charakter gleich auszuführenden Launcher-Move, der euer Gegenüber in die Luft schleudert, gibt es für diese wichtige Aktion jetzt einen einzigen Knopf.
Auf diese Weise den Gegner zum Football umfunktioniert, könnt ihr wie früher gleich hinterherschnellen und ihn mit dem selben Button plus Richtungseingabe noch weiter emporbefördern oder rabiat zu Boden rammen. Sollte euer Kontrahent die Attacke allerdings vorausahnen, kann er sie mit der gleichen Tastenkombination entsprechend kontern. So werden die traditionell häufigen Luftkämpfe noch etwas stärker forciert und bekommen eine dezent taktischere Note. Für die Standardattacken bedeutet der Wegfall eines Buttons die Reduzierung auf drei Moves unterschiedlicher Stärke, welche zudem nicht mehr in Schläge oder Tritte unterschieden werden, wie man es zum Beispiel schon aus „BlazBlue“ oder – you guess it – „Bleach – The Blade of Fate“ kennt. Zweite Neuerung ist der „X-Factor“, den ihr einmal pro Runde durch Drücken aller vier Tasten gleichzeit aktivieren könnt und der dann für eine, in Prügelspieldimensionen recht lange Zeit eure Energie wieder auffüllt. Spärliche Abwandlungen, die meiner Meinung nach die Spannung und den Spielfluss aber tatsächlich etwas fördern. „Fluss“ ist dabei jedoch reichlich untertrieben, denn die Matches gleichen eher einem verheerenden Sturm. Feuertornados, Klingentänze, Lasersalven und Raketeneinschläge im Viertelsekundentakt sind zwar spektakulär, darin aber nicht den Überblick zu verlieren dürfte selbst bei erfahrenen Zockern einen Stresstest für die Augenmuskulatur bedeuten, vor allem wenn sie sonst in eher bedächtigeren Prüglern wie „Tekken“ oder „Dead or Alive“ Schläge verteilen.
Lest auf Seite 2 des Tests ob Marvel vs. Capcom 3 das passende Spiel für Einsteiger geworden ist.
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Kommentare (8)
salasar
Blackburn7
MvC 3 sieht aber dennoch klasse aus, auch wenn ich kein wirklicher Marvel bzw. Capcom Fan bin...
salasar
ja ja das liebe Blaz Blue. Sorry aber seh ich überhaupt nicht so. Die ganze Camility Trigger reihe ist generell nur für manga verrückte nerds ;-)
Blaz Blue hat nämlich das gleiche problem wie ein Virtua fighter. Belanglose Charaktere und null einsteigerfreundlichkeit!
Wann ist ein beat um up am besten? Wenn ein Kumpel mal ne runde mitspielt. Und nicht jeder Kumpel ist bereit Blaz Blue mässig 2 tage combos zu lernen. Er brauch in kurzer zeit ein paar erfolgserlebnise, damit er mal auch öfters mitspielt ;-) Etwas was Capcom kapiert hat :-)
Beelzebub
Johannes Krohn
@ Beelzebub: Endlich mal jemand der anscheinend verstanden hat das eine 8/10 eine super Wertung ist.
Fresh
Alles gelungen, bis auf die Character Auswahl...zu wenig Street Fighter für mich...kein DAN
Aber ich erwarte einiges an DLC.
theunrealcorax
Prügelspiele sind (so wie vieles im Leben) Geschmackssache, fehlende Spielmodi , Tutorials und ein überzogener Schwierigkeitsgrad wohl eher nicht....
Claudandus