Mass Effect 2
09:45 Uhr - Knapp zwei Jahre liegt unser erster Einsatz mit Commander Shepard in Mass Effect zurück, da bekommen wir nun endlich den langersehnten zweiten Teil serviert. Etwas Raum für Verbesserungen hatte der Erstling ja zweifellos gelassen, weshalb selbst der größte Mass Effect Fan der Redaktion gespannt auf den zweiten Wurf von Bioware gewartet hat. Geht nun ein neuer Stern im Mass Effect Universum auf, oder verschwindet das Franchise in einem schwarzen Loch?
Der Tod steht im gut
Commander Shepard ist tot. Was wie ein Spoiler aus der Mitte des Spiels klingt ist natürlich nur die Vorgeschichte von Mass Effect 2 und wurde bereits in diversen Trailern thematisiert. Wir wollen euch daher auch nicht viel mehr erzählen, als ihr ohnehin in den ersten 10 Minuten erzählt bekommt. Das Spiel knüpft nahtlos an das Ende von Mass Effect 1 an. Sheppard befindet sich an Bord der Normandy um nach der Rettung der Citadel-Station die restlichen Geth-Truppen auszulöschen. Plötzlich wird die Normandy von einem fremden Schiff angegriffen und buchstäblich in seine Einzelteile zerschossen. Wie es in der Marine üblich ist, verlässt der Commander natürlich als Letzter das explodierende Schiff, um auf dem Weg dann noch schnell den Piloten Joker zu retten, der mal wieder unbedingt bis zum Schluss bleiben möchte. Nur leider scheint diese waghalsige Rettung doch etwas zu knapp gewesen zu sein: Shepard wird ins All gesaugt und stirbt den zwar heldenhaften, aber doch sehr sauerstoffarmen Weltraumtod. Zwei Jahre später wiederfährt Commander Sheppard allerdings das gleiche, was schon Ellen Ripley aus Alien oder den Dinos aus Jurassic Park passierte: Aus seinen sterblichen Überresten wird ein neuer Sheppard geklont, der fortan mit einigen Kratzern im Gesicht gezeichnet ist, damit jeder auf Anhieb erkent, dass man es mit Sheppard 2.0 zu tun. Auftraggeber dieses Klonvorgangs war jedoch nicht die Allianz, sondern die Cerberus-Corporation. Wer im ersten Mass Effect fleissig die Nebenmissionen erfüllt hat, wird bereits ein paar Mal über die zwielichtige Gruppe gestolpert sein, die damals noch mit Rachni-Lebensformen herumexperimentiert hat.
Natürlich macht die Cerberus Corporation das nicht aus purer Nächstenliebe. Stattdessen versprechen sie sich von der Reanimierung Shepards einen wertvollen Verbündeten, der ihnen hilft, das Verschwinden von Siedlern an den Randgebieten aufzuklären. Damit Sheppard nicht alleine aufbrechen muss, stellt er sich schnell ein Team zusammen, dass sowohl Neuzugänge wie die extrem heiße Miranda, als auch alte Bekannte wie z.B. Pilot Joker enthält. Und da der Weg von Planet zu Planet nicht zu Fuß zurückgelegt werden soll, stellt Cerberus Sheppard schlichtweg eine neue Normandy zur Verfügung, die logischerweise die Registrierung SR-2 trägt und eine aufgepimpte Superversion des ersten Schiffes darstellt. Neben einem größeren Maschinenraum bietet das neue Schiff als auffälligste Merkmale ein schickes eigenes Chefzimmer für Shepard und eine Kantine. Shepards Zimmer ist der zentrale Hub, um sich die eigene Ausrüstung anzusehen, Erfolge zu kontrollieren oder seine emails zu checken. Oder um in Ruhe die Goldfische zu betrachten.
Nicht nur für Kaufleute: Charakter-Import
Schon im Vorfeld wurde viel über den Charakter-Import von Mass Effect 2 gesprochen, daher hier eine kurze Zusammenfassung: Wenn ihr nicht zu der Gruppe der Neueinsteigern gehört, importiert ihr aus einem alten Spielstand der PC- oder Xbox 360 Version „euren“ Commander Sheppard. Damit ist allerdings kein Import der Charakterwerte gemeint, stattdessen werden rund ein Dutzend Entscheidungen ausgelesen, die ihr im Vorgänger gemacht habt. Habt ihr Überlebende in Ferros gerettet? Habt ihr die Rachni-Königin beseitigt? Habt ihr Kaidan geopfert? Wrex umgebracht? All diese Entscheidungen haben Einfluss auf kleinere Nebengeschichten in Mass Effect 2. Lebt der Kroganer Wrex bei euch zum Beispiel noch, trefft ihr ihn in bester Conan-Manier auf dem Thron seines Volkes. All diese netten Details führen dazu, dass man wirklich das Gefühl hat, sein „eigenes“ Mass Effect Universum zu entdecken. Solltet ihr allerdings nicht das Standardgesicht bei Mass Effect 1 gewählt haben, kann es sein, dass ihr euren Shepard auf den ersten Blick nicht wieder erkennt, da nicht alle Gesichtskonfigurationen 1:1 übernommen worden sind.
Abwrackprämie für den Mako. Und was sich sonst noch geändert hat.
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dutzende Planeten, die von uns in Mass Effect mit dem Einsatzfahrzeug Mako abgegrast wurden. Doch was jetzt? Mass Effect 2 hat den Mako vorerst eingemottet. Das freie Erkunden von Planeten gibt es nicht mehr. Stattdessen suchen wir jeden Planeten schlicht vom Orbit (nein, nicht der Kaugummi) aus nach Mineralien und Anomalien ab, und stolpern vereinzelt über eine Nebenquest. Auch wenn niemand so richtig dem alten Mako mit seiner schwammigen Pseudo-Warthog Steuerung nachtrauert, so richtig Spaß macht das öde Scannen auf Dauer natürlich auch nicht, zumal es schnell zu einer recht langweiligen und eigentlich auch sinnlosen Routine verkommt: Denn bis auf sehr seltene Nebenmissionen findet man auf den Planeten nur Rohstoffe, die man zum Aufrüsten der Normandy braucht. Leider gibt es in Mass Effect 2 keinen Moment, in dem die Normandy irgendeinen Kampf bestehen müsste, bei der es auf gute Ausrüstung ankommt. Vielleicht bietet DLC in Zukunft hier Abhilfe. Was durch Downloadcontent wohl auf jeden Fall wieder kommen wird, sind Einsätze in Fahrzeugen. Zum einen sind die dafür notwendigen Optionen bereits im Spiel versteckt, zum anderen wurde ein Fahrzeug-Download bereits von Bioware angekündigt.
Wenn man schon nicht frei mit einem Mako über staubige Planetenoberflächen düsen darf, dann lässt sich jetzt doch zumindest die Normandy wie ein kleines Spielzeugraumschiff auf der Galaxiekarte bewegen. Auch das ist mehr eine Spielerei, die zudem durch nervige Auftankpausen unterbrochen wird. Ja richtig gehört, die Sonden zum Scannen der Planeten müssen genauso aufgefüllt werden wie der Treibstoff des Schiffes.
X Y A X Y - Und schon war der Medigel-Container offen, das Artefakt geborgen oder der Spind geplündert. Schon in Mass Effect 1 zeigte Bioware einen Mangel an originellen Ideen für Minispiele, den mit dem immer gleichen Senso-Minispiel alle möglichen Dinge zu öffnen, war nun wirklich nicht besonders originell. Sehr viel mehr ist den Jungs allerdings auch nicht für den zweiten Teil eingefallen: So gibt es zum einen den Bypass Modus, der nichts anderes ist, als eine Memory-Variante unter Zeitdruck. Daneben steht dann der Hacker-Modus, bei dem zwei identische Codezeilen gefunden werden müssen. Beide Spiele hat man nach Sekunden begriffen und bei beiden Spielen stellt sich nach knapp 10 Wiederholungen Langeweile ein. Im Vergleich zu A X Y X A aber natürlich ein Fortschritt.
Action auf Warpgeschwindigkeit, Rollenspiel nur auf Impulskraft
Auch wenn eine der größten Stärken von Mass Effect 2 die Dialoge sind, die meisten Konflikte lassen sich natürlich am besten mit der richtigen Waffe lösen. An dieser Stelle wird vor allem das verbesserte Kampfsystem demonstriert. Im Kern hat sich diesbezüglich zwar nichts im Vergleich zum Vorgänger geändert, dafür sind die Echtzeit-Kämpfe nun aber noch intensiver und actionreicher. Die Figuren lassen sich direkter steuern, und auch das Deckungssystem funktioniert jetzt endlich genau so, wie man es von anderen Shootern gewohnt ist. Auch wenn sich fast jeder Konflikt im Grunde durch ausdauernde Waffengewalt lösen lässt, so ist der Schwierigkeitsgrad der Kämpfe sanft angestiegen, so dass ein sinnvoller Einsatz der Teamkollegen oft überlebensnotwendig ist. Medpacks werden durch das automatsche Regenerationsprinzip ersetzt, taktische Befehle an Teammitglieder leichter zugänglich und körperbasierte Attacken einen größeren Fokus einnehmen. Neu ist auch die Einführung von Trefferzonen. So können Schüsse aufs Bein den Gegner an der Fortbewegung hindern, aber hey, natürlich zielt jeder sofort auf den Kopf, was auch mit dem entsprechenden Ergebnis belohnt wird. Neu im Waffenarsenal sind schwere Waffen wie Granaten- oder Raketenwerfer, für die aus Balancinggründen aber natürlich die Munition begrenzt ist. Mit Pistolen und Sturmgewehren lässt sich natürlich auch weiterhin endlos ballern, allerdings gibt es eine Pseudo-Nachladepause, in der die Wärme-Energie abgebaut wird.
Damit man nicht mit einem Messer zu einem Pistolenduell kommt, wurde die Inventarverwaltung stark optimiert. Im Grunde braucht ihr euch um die Ausrüstung euer Kollegen nicht mehr zu kümmern, sie nehmen sich automatisch immer die beste Knarre und die stabilste Rüstung. Ihr selbst könnt in eurem Zimmer an Bord der Normandy natürlich an eurem Outfit basteln, aber genau wie bei stark zusammengeschrumpften Charakterwerten steht hier Bedienerkomfort vor Rollenspieltiefe. Wer also am liebsten Stunden im Inventaren herumstöbert, um zu prüfen ob ein +1 Kälteschutz besser ist als eine -1 Blitzresistenz ist bei der Hardcore-Fantasy von Dragon Age vermutlich besser aufgehoben. Egal für welche Waffe oder Rüstung ihr euch entschieden habt, sie sehen alle wieder wahnsinnig gut und detailliert aus, was vor allem in den Zwischensequenzen zur Geltung kommt.
Der schönste Stern im ganzen Universum
Wenn der erste Teil eine auffällige Schwäche hatte, dann war es die grafische Präsentation. Nicht nur das bekannte Halo-Syndrom, das sich darin äußerte, dass viele Orte und Gebäude aus den immer gleichen Bausteinen bestanden, nein auch unschöne Textur-Nachlade Effekte trübten das Gesamtbild. Und obwohl einige Level nicht allzu groß waren, brauchte das Spiel doch immer wieder längere Fahrstuhlfahrten, um die Ladezeiten zu verbergen. Die meisten dieser Kritikpunkte fegt Mass Effect 2 gnadenlos durch die nächste Luftschleuse: Die Schauplätze sind diesmal enorm detailliert gestaltet und müssen sich auch nicht hinter Titeln wie Dead Space verstecken. Schon in den ersten Minuten des Spiels fällt auf, das Sheppard anscheinend auch einige Animationsphasen bei Nathan Drake abgeschaut hat, denn genau wie der Kollege aus Uncharted zeigt Sheppard jetzt eine physische Wahrnehmung der Umgebung und schützt sich mit seiner Hand vor Feuer. Und obwohl das Spiel von der bereits einigen Jahre alten Unreal 3 Engine befeuert wird, ist es beeindruckend, welche technischen Leckerbissen die Jungs von Bioware der Epic Engine entlocken. Vor allem die Gesichtsanimationen sind beeindrucken und nähern sich wieder ein Schritt näher dem oft bemühten Fotorealismus. Gerade im Vergleich zu den doch sehr steifen Figuren in Dragon Age, wirken die Mimik und Gestiken der Spielfiguren aus Mass Effect 2 vielschichtiger und ausgereifter, was den zahlreichen Dialogen zu Gute kommt. Die Schauplätze, die wieder an eine Mischung aus Star Wars und Blade Runner erinnern, beeindrucken durch die stimmungsvolle Beleuchtung und die vielen Details, die einen deutlich besseren Eindruck machen, als die doch manchmal sehr undetaillierten Umgebungen in Mass Effect 1.
Musikalisch wird das Spiel mit einem tollen, orchestralen Soundtrack unterstützt, der auch jedem Sci-Fi Filmepos gut zu Gesicht stehen würde. Die Sprachausgabe trübt leider den akustischen Gesamteindruck: Viele Rollen, wie die von Miranda oder dem Unbekannten haben zwar tolle deutsche Synchronstimmen, aber ausgerechnet Commander Shepard musste einen neuen Sprecher bekommen, der sich deutlich schwächer als sein Vorgänger anhört. Und auch Mitstreiter wie Garrus haben eine neue Stimme bekommen, die eine deutliche Verschlechterung darstellt. Für PC-Spieler ist dies kein großes Problem, sie können jederzeit zwischen deutscher und englischer Sprachausgabe wählen. Xbox 360 Nutzer sollen diese Option noch als Download nachgereicht bekommen.
Pro und Contra
- + Stimmungsvolles Sci-Fi Universum
- + Taktisch interessante Action
- + Sowohl Haupt- als auch Nebengeschichten interessant und glaubwürdig
- + Toll realisierter Charakterimport
- + Grafisch imposant, in Dialogen sogar umwerfend
- - Keine Planetenerkundung im Mako
- - Nur wenig Minispiele, die schnell langweilen
- - Planetenscannen auf Dauer öde
- - Rollenspielaspekte treten stark in den Hintergrund
Neuer Maßstab für SciFi-Rollenspiele
Was macht ein gutes Rollenspiel aus? Das möglichst genaue Auswürfeln von Proben auf Waffenkenntnisse? Ein möglichst umfangreicher Katalog an Talenten und Eigenschaften? Oder die Möglichkeit, mit seinen Entscheidungen direkten Einfluss auf die Umgebung und die Geschichte der Spielwelt zu nehmen? Wenn auch ihr vor allem auf letzteres Wert legt, ist Mass Effect 2 euer Spiel. Klar, der Actionanteil des Spiels hat deutlich zugenommen und die rollenspieltypischen Attribute und Inventarspielereien wurden merklich zurück gefahren. Trotzdem entfaltet das Spiel ein glaubhaftes Universum, in dem eurer Charakter, vor allem dank des Import aus dem Vorgänger, deutlich sichtbare Fußspuren hinterlässt. Viele der Zwischensequenzen wirken absolut filmreif und auch das Verhalten der Spielfiguren ist stets nachvollziehbar. Vor allem die Cereberus-Gruppe mit ihrem unbekannten Anführer sorgt für weitaus mehr Spannung als das noch recht behäbige Sternenflotte, äh Allianz-Setting im Vorgänger.
Mass Effect 2 setzt damit im Genre der Scifi-Rollenspiele Maßstäbe, die noch über Monate Bestand haben werden. Aber, und auch das sollte nicht unerwähnt bleiben, es bietet auch noch Luft nach oben: Die beiden Hacking-Minispiele sind schnell langweilig und auch der völlig Verzicht auf echte Planetenerkundung via Mako dürfte nicht allen Fans schmecken. Damit wird auch der zweite Teil nicht alle Spieler überzeugen, die schon mit dem ersten Abenteuer nichts anzufangen wussten. Wem die Star Trek meets Star Wars Welt von Commander Sheppards oder das Sci-Fi Genre allgemein nicht zusagt, der wird auch dieses Mal nicht bekehrt. Alle Spieler jedoch, denen Teil 1 nur wegen der hakeligen Shootersteuerung und der langweiligen Planetenerforschung nicht zugesagt hat, solten nun einen zweiten Versuch wagen. Sie werden nicht enttäuscht sein.
Bewertung
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Kommentare (80) « 1 2 3 .. 5 .. 8 »
Flaming BiFi
Alexander Laschewski-Voigt
26.01.2010 11:42 - Ja, als RPG stimmt das auf jeden Fall. Wenn man es aber direkt mit Shootern wie Gears of War vergleicht, dann war das in Deckung gehen allerdings in ME 1 immer etwas fummelig, zumal nicht jedes Objekt Deckung bot.[LeX] DirtyP2002
26.01.2010 11:54 - Eure Tests sind sooo langweilig. Man kann jedes Ergebnis vorhersagen.Hier übrigens Metacritic:
http://www.metacritic.com/games/platforms/xbox360/masseffect2
CommanderShepard
26.01.2010 11:55 - Das schlimmste ist, dass Shepard einen neuen Sprecher bekommen hat, der alte war um Längen besser.jobforacowboy
26.01.2010 12:01 - werde diesesmal den test nicht durchlesen, da ich angst vor unerwünschten informationen habe ^^das fazit hört sich aber im ganzen sehr positiv an.
noch einmal schlafen, dann werde ich endlich erlöst.
Spanky
26.01.2010 12:02 - Wichtige Frage wurde nicht beantwortet: Lohnt es sich das Game zu spielen wenn ich den ersten Teil nicht gespielt habe?Fenix Fontaine
26.01.2010 12:03 - Super Test zu einem genialen Spiel. Zum Heulen, dass ich heute nicht zum spielen komme, obwohl dieses Epos schon hier neben mir liegt.Das mit der neuen Stimme für Shepard kann schon ärgerlich sein - zum Glück habe ich eine weibliche Shepard und lt. einem Vergleichsvideo, welches ich mir auf einer nicht näher genannten Seite gesehen habe, hat sie die gleiche Stimme wie in ME 1.

































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