Medal of Honor
15:49 Uhr - Beard of Honor. Der moderne Soldat hat Persönlichkeit, trägt seine Waffe immer wieder anders und kleidet sich mit einem Bart, in dem man zur Not auch eine Handgranate verstecken könnte. Behauptet zumindest EA. Und zu deren Weiterbildung hat die Crême de la crême der amerikanischen Infanterie aus dem Feldrucksack geplaudert. Na, gut, die Sache mit der Granate hab' ich mir ausgedacht. Wäre doch aber praktisch, oder?
Sollte der Zweite Weltkrieg tatsächlich beendet sein? Während Dokumentarfilmer weiterhin ausreichend Stoff zum drehen haben, solange noch irgendwer versteinerte Urenkel der Flöhe auf Hitlers Hund ausgräbt, hat Hollywood, mit der sechsfachen Oscar-Ehrung des Irak-Kriegsfilms Tödliches Kommando, seine Reihe bedeutungsschwerer Action-Reißer mit konflikthistorischem Hintergrund in aktuelle Krisengebiete geführt. Und im Videospielbereich ist, nach Call of Duty und Battlefield, nun auch die Mutter aller Kriegs-Shooter endlich im 21. Jahrhundert angekommen. Medal-Wenn-dir-nichts-mehr-einfällt-dann-nenn-es-einfach-wie-den-ersten-Teil-of-Honor ist EAs Versuch, die Serie in alte Klasse aufsteigen zu lassen, nachdem die letzten Teile ein wenig schwächelten. Da der hauseigene Konkurrent Bad Company für Solo-Zocker nur eine nette, aber weitestgehend unspektakuläre Kampagne bietet, die dem intensiven Jerry Bruckheimer-Bombast eines Modern Warfare nicht viel entgegenzusetzen hat, will man dem Activision-Shooter mit dem Medal of Honor-Neustart auch im Einzelspieler-Bereich das Wasser abgraben und zwar indem man sich genau auf die Faktoren fokussiert, bei denen dieser immer noch etwas dumm dasteht: Eine konsequente Geschichte, Figuren mit Charakter und Realismus.
Wilde Tiere
Damit soll Medal of Honor das dreckige, bodenständige Gegenstück zum rasanten, mit Schauwerten protzenden Modern Warfare werden, was letztlich beiden ihre Existenzberechtigung lassen dürfte. Zumal sich EAs Vorhaben zwar hübsch anhören, die bislang verbreiteten Informationen aber noch kein radikal anderes Spielgefühl versprechen und von der Story und den handelnden Personen so gut wie nichts bekannt ist. Dabei soll die angesprochene Realitätsnähe des Geschehens natürlich nicht den Simulationsgehalt eines Operation: Flashpoint annehmen. Medal of Honor möchte auch weiterhin ein zugängliches Erlebnis für den gemeinen Durchschnittszocker bleiben. Um das erwünschte Maß an Authentizität einzubringen, führen die Entwickler zahlreiche Gespräche mit erfahrenen Soldaten der im Spiel dargestellten Militär-Einheiten. Ihr werdet zum einen die Kontrolle über eine Gruppe von Rangern übernehmen. Sie bilden die Rambo-Fraktion. Mit ihnen werdet ihr eher schnelle, intensive Gefechte erleben und das grobe Handwerkszeug erledigen, jede Menge Kleinholz inklusive. Die Ranger arbeiten mit zwei Tier One-Teams zusammen. Letztere stellen die absolute Elite der Spec Ops dar, die wiederum ohnehin schon die Besten Menschen der Welt sind. Obwohl es anscheinend immer noch besser geht, wenn man an die ganzen Spezial-Einheiten, Einzelkämpfer und was weiß ich denkt, welche das Militär auffährt. Die Tier Ones werden nur für die brisantesten Einsätze gerufen und bestehen aus den härtesten Hunden jenseits der AreaGames-Redaktion. Sie agieren direkt im Feindgebiet, sprechen die jeweilige Landessprache, überleben in unwirtlicher Umgebung und setzen auf Tarnung (zum Beispiel mit Bärten) und präzises, möglichst unbemerktes Vorgehen (So wie die AreaGames-Redaktion.). Der Clou: Die Geschichte und die jeweiligen Einsätze sollt ihr abwechselnd aus der Sicht dieser beiden Einheiten erleben, was allein schon regelmäßige spielerische Variationen verspricht.
Lagerfeuergeschichten
Von allen aktuellen Krisenheerden hat sich EA für Afghanistan entschieden und schickt euch, innerhalb einer fiktiven Handlung gegen die Russen, verarbeitet diese aber in teils authentischen Missionen. So gilt es, sich nächtens leise und vorsichtig über eine schroffe, vegetationsarme Hügellandschaft auf kleine, feindliche Camps zu zu bewegen, welche lediglich durch den fernen Schein der Lagerfeuer erhellt werden. Währenddessen stellt nur das Flüstern eurer Kameraden in der Dunkelheit sicher, dass ihr nicht plötzlich allein unterwegs seid – ein Beispiel, wie EA die Spielbarkeit im Zweifelsfall dann doch über den Realismus stellt. Denn laut Erfahrungsbericht eines beratenden Spec Ops-Soldaten, wird bei so einem Einsatz kein Wort gesprochen. Gegnerische Patrouillen mit Taschenlampen sorgen dabei dafür, dass ihr nicht unkonzentriert werdet. Statt aber wild ballernd ins Lager zu stürzen, versammelt ihr euch mit eurern Begleitern an bestimmten Punkten um die unbedarft plappernde Feindesgruppe und entlasst ein, zwei gezielte Schüsse aus eurem Gewehr. Danach geht’s weiter zum nächsten Ziel. Ihr werdet also einerseits schleichen, andererseits harte Schiessereien bestreiten? Klingt für mich zwar gut, da ich diesen Mix grundsätzlich willkommen heiße, aber bei weitem nicht nach der Art von spielerischer Neuausrichtung, die mich in Aufregung versetzen könnte. Doch für einen Vorabeinschätzung sind auch einfach noch zu wenige Infos vorhanden. Letztlich kann das pure Spielgefühl allein schon einen gewaltigen Unterschied machen, ohne dass die Situationen grundlegend anders aufgebaut wären. Ganz abgesehen von der, noch völlig unbekannten Story. Die Trennung der Gameplay-Elemente soll aber ohnehin nicht so streng erfolgen, wie oben beschrieben. Unerwartete Änderungen der Einsatzbedingungen oder neue Ziele innerhalb eines Auftrags können das Tempo und das Vorgehen schnell ändern und dazu führen, dass auch die Tier Ones im offenen Schusswechsel ihr Können beweisen müssen.
Lichtwechsel
In derselben Mission zeigt sich aber noch EA LAs ambitionierter Ansatz, die beiden Einheiten inhaltlich und spielerisch zu verknüpfen, als plötzlich ein Truck-Konvoi mit hellem Scheinwerferlicht die Szenerie erleuchtet und die Tier Ones zu enttarnen droht. Unter dem Nachtsichtgerät lassen sich allerdings kleine Stroboskoplichter an den Fahrzeugen ausmachen, die ihr zuvor mit den Rangern angebracht habt. Der Zweck dieser Bastelstunde zeigt sich sogleich, als ein verbündetes Flugzeug den Konvoi ebenfalls in ein schmuckes Lagerfeuer verwandelt. So sollt ihr stetig das Gefühl bekommen, dass ihr nicht allein den Krieg gewinnt (oder verliert?), sondern stets ein Teil eines großen, zusammenarbeitenden Militäraufgebots seid, was sich auch darin zeigt, dass hier und dort im Hintergrund Dinge in die Luft fliegen und Kampfhandlungen stattfinden, an denen ihr gar nicht beteiligt sein werdet. Auch die beschriebene Nachtmission ist Teil einer Verkettung von strategischen Maßnahmen, da ihr hier den Bergpass freiräumt, um die Route eines Versorgungshelikopters sicherer zu machen. Electronic Arts hat allerdings nicht durchklingen lassen, ob die Einsätze dynamisch ineinander überlaufen und ihr so später vor neuen Problemen steht, solltet ihr diesen Auftrag nicht erledigen.
Handarbeit
Besonderen Wert legen die Amerikaner auf glaubwürdige Feinheiten. Damit ist nicht nur die grafische Darstellung der Landschaft und Menschen gemeint, die von der Unreal Engine 3 zum Leben erweckt werden und, dem ersten Trailern nach zu urteilen, tatsächlich, zumindest schon mal optisch den Realismusanspruch des Spiels zu erfüllen scheinen. Das Gezeigte vermittelt, dank der rauhen Landschaft, überzeugender Partikeleffekte und wuchtiger Explosionen auf jeden Fall die erhoffte, dreckig-harte Authentizität. Nein, die Amerikaner haben sogar jemanden gefunden, der ihnen sagt, wie, welche Art von Soldat seine Waffe trägt, da sich wohl, trotz gleichen Modells, innerhalb verschiedener Abteilungen des Militärs unterschiedliche Gewohnheiten des Waffenhandlings etablieren. Details, welche die Spielwelt immer ein wenig tiefer und überzeugender wirken lassen. Wenn die Entwickler beim Gameplay auch so enthusiastisch sind, dürfen wir ernsthaft hoffen, dass Medal of Honor nicht einfach der realistischste 08/15-Shooter der Welt wird. Damit das Spiel aber auch im wichtigen Multiplayer-Part konkurrenzfähig bleibt, werkelt DICE separat am Mehrspieler-Modus. Wie der letztendlich aussehen wird, inwiefern er sich von Battlefield unterscheidet und was das überhaupt für Bad Company bedeutet, kann ich nicht mal raten. Da ihr aber auch im Hauptspiel in allerhand Fahrzeuge steigen dürft, gehe ich davon aus, dass auch gegen menschliche Mitspieler motorisiertes Kriegswerkzeug zum Einsatz kommt. Für mich schon mal ein klarer Vorteil gegenüber Modern Warfare.
The Word Locker/Mögliches Kommando
Im Herbst soll Medal of Honor für PC, PS 3 und Xbox 360 erscheinen. Das ist noch gut ein halbes Jahr für die Entwickler, um ihre Versprechen von der ernsthaften Darstellung des Soldatenalltags, abseits eines pathetischen Action-Spektakels umzusetzen. Bis jetzt wurde darüber mal wieder viel geredet, aber nur wenig gezeigt, sodass das Maß der Vorfreude, wie so oft, stark von eurer eigenen Vorstellungskraft abhängt. Wenn EA es allerdings schafft eine gute, realistische Geschichte mit glaubwürdigen Protagonisten zu erzählen, die Spielweise von Rangern und Tier Ones deutlich zu unterscheiden und ihre Handlungen so zu verbinden, dass am Ende wirklich das Gefühl entsteht, man wäre Teil eines zusammenhängenden Systems, anstatt nur einen losgelösten Auftrag nach dem anderen zu erledigen, dann könnte Medal of Honor tatsächlich einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des festgefahrenen Kriegs-Shooter-Genres vollziehen.
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Kommentare (16)
yelloosnow
Alexander Laschewski-Voigt
yelloosnow
yelloosnow
habs nicht so gemeint wies vlt klang herr laschewski-voigt :)
samurai
asta091
find ich auch
Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
LookMyBullet
EA kennt Call of Duty und ich denke sie wissen genau was nötig ist um da wieder aufzuholen!
Hab MW2 zwar noch nicht gespielt aber habe es damit auch nicht wirklich eilig da der MP total überfrachtet ist mmn. und der Singleplayer ja eig. nur haltlose Missionen sind mit immer neuen Protagonisten.
Ich denke das EA sich wirklich mühe gibt um gleich oder sogar vorbei zu ziehen..Fahrzeuge sind da schonmal ein dickes + gegenüber MW2 und COD allg.
Ich persönlich ziehe MP games mit Fahr-Flugvehikeln jederzeit solchen vor in denen man nur zu Fuß unterwegs ist.
Hau rein EA!
ludgrau
gegen Halo, Brink und das neue CoD werden alle anderen Shooter bei weitem nicht rankommen.
-und schon garnicht ein EA/Dice shice :)
pommesUNDwurst