Metal Gear Solid: Peace Walker
13:06 Uhr - Mit einem vollwertigen, exklusiven PSP-Einsatz der berühmtesten aller Videospielschlangen, schickt sich Konami-Star Hideo Kojima an, der darbenden Hosentaschen-Playstation aus dem Prestige-Loch zu helfen. Allen voran lautet Snakes neuster Auftrag dementsprechend auch nicht den Weltfrieden zu sichern, sondern allgemein die Grenzen von Handheld-Spielen auszuloten ... und sie zu sprengen.
Metal Gear Solid 4 – Guns of the Patriots ist der Abschluss der Saga um Solid Snake, die schon in den 80ern auf dem MSX, aber in der eigentlich gemeinten Zeitrechnung erst 1998 auf der Playstation ihren Anfang genommen hat. So ließ es zumindest MGS-Papa Kojima verlauten. Hähä. Aber welchem Entwickler, Designer, Publisher ist schon zu glauben, man hätte nun endgültig den letzten Teil vor der Nase, wenn das Franchise immer noch Geld scheißt und die Fans sowieso den Rand nicht voll kriegen? „Prequel“ heißt das Zauberwort. God of War – Ghost of Sparta wird später in diesem Jahr, ebenfalls auf der PSP nochmal darauf zurückkommen. Doch erstmal ist Snake alias Big Boss an der Reihe, um im direkten Nachfolger von Metal Gear Solid 3, das wiederum vor dem legendären ersten Teil spielte, was auch Peace Walker zu dessen Quasi-Vorgänger macht, zu zeigen wie man ein Universum auf hohen Niveau scheinbar endlos ausquetschen kann. Mann, is' ja schlimmer als in jeder Zeitreisegeschichte.
Longtalker
Peace Walker spielt ein paar Jahre nach den Ereignissen aus Snake Eater und nach der Kuba-Krise. Ein etwas zwielichtiger Professor für Frieden (!), mit Beziehungen zum KGB (!!) und ein kleines Rotkäppchen, das auch Frieden studiert und dessen Name Paz auch noch Frieden bedeutet (Hör mal wer da holzhämmert!) bitten Big Boss und seine „Söldner ohne Grenzen“ (Oh Gott!) die Vorgänge um eine ungewöhnlich gut ausgerüstete Militär-Gruppierung zu untersuchen, welche sich in Nicaragua breit macht. Als Belohnung winkt eine eigene Basis für die heimatlosen Soldaten, was spielerisch noch von enormer Bedeutung sein wird. Schnell kommt der Verdacht auf Verbindungen zum CIA und eine neue atomare Bedrohung auf. Seine wie gewohnt enorm komplexe und tiefgehende Handlung erzählt Peace Walker in ultra-stylischen, punktuell animierten Comic-Sequenzen und vor allem in Funk-Gesprächen. Beides natürlich in der berüchtigt maßlosen Überlänge aller Metal Gear Solid-Spiele. Während die in kritzligen Schwarzkohle-Zeichnungen gehaltenen Cutscenes aber noch ein visueller Genuss sind und hin und wieder mit Interaktiven Momenten aufwarten, in denen ihr etwa manuell den Raketenwerfer ansetzt oder bestimmte Details genauer betrachten könnt, wie einen Knochenbruch oder Rotkäppchens Unterwäsche (Warum auch immer.), sind die Dialoge zwar häufig optional, aber wirklich schier endlos lang. Sicher steht es euch frei die Unterredungen einfach auszulassen, ohne einen nennenswerten spielerischen Nachteil zu erleiden. Dann entgeht euch aber ein Großteil an Informationen über das Szenario und die vielen Charaktere und ihre Eigenheiten und sich entwickelnden Verhältnisse zueinander, wenngleich einige Passagen ins Banale abdriften. Teilweise dienen die Unterhaltungen auch als Tutorial für die unglaublich reichhaltigen Facetten des Spiels. Naja, MGS-Veteranen sind derartige passive Dauersitzungen ja bereits gewohnt. Protzfaktor der ganzen Laberlastigkeit: Die englische Sprachausgabe kann man in einem Wort getrost als perfekt bezeichnen. Snake wird wieder von seinem Stammsprecher David Hayter übernommen, der dem Einzelkämpfer wieder hingebungsvoll mit überzogener Raubeinigkeit Leben einhaucht. Doch auch all die anderen Sprecher vollführen ihre Aufgabe in sämtlichen (!) Dialogen mit differenzierten, emotionalen, stets dem Inhalt des Gesagten glaubwürdig entsprechenden Darbietungen.
Slowwalker
Auch grafisch lässt Peace Walker vergessen, dass man lediglich einen Handheld-Titel vor der Nase hat. Schon allein im Intro bringen die professionelle Kamera-Arbeit, die realistische Bewegungen und die gesamte Ausgestaltung des Settings echtes Film-Feeling auf die PSP ... Die auch Filme abspielen kann ... Aber vergessen wir das. Die Umgebungen in denen ihr euch bewegt sind ohnehin das große visuelle Highlight des Spiels. Egal ob Dschungelpfad, Guerilla-Camp, Flussgebiet oder Hightech-Basis: Die, in kleine, überschaubare Areale aufgeteilten Level sind mit einem Höchstmaß an Glaubwürdig designt und wirken wie natürlich gewachsen bzw. sinnvoll gebaut. Nebel verdickt die Luft. Vögel zwitschern im Geäst. So schafft das Spiel mal wieder eine enorm dichte Stimmung, wenn es zur eigentlichen Action kommt. Die lautet freilich wieder eher schleichen und den Schussarm in der Jackentasche lassen. Wie in den vorangegangenen Metal Gear Solid-Episoden gilt es die schwer bewaffneten Feind-Soldaten lieber zu umwandern, sich versteckt zu halten oder sie im Zweifellsfall leise mit Betäubungspistole oder Nahkampfangriffen schlafen zu legen. Dank durchdachten Level-Aufbaus und Gegner-Positionierung, sowie der zahlosen Möglichkeiten und Gadgets bleiben die Einsätze immer spannend und vielseitig. Zwar entfällt das Nahrungs- und Heilsystem aus Snake Eater, dafür gibt es immer noch einen Tarnindex, der durch die Wahl der richtigen Uniform beeinflusst wird. Sie bestimmt auch, wie gut ihr geschützt seid und wieviel Ausrüstung ihr mitschleppen könnt. Vor jeder Mission heißt es also gut überlegen was für den folgenden Ausflug nötig ist. Mit nacktem Oberkörper könnt ihr zum Beispiel das gesamte Rambo-Arsenal einpacken, seid aber auffällig wie ein Nackedei im Wald, der Snake dann nunmal ist. Euer größter Feind ist diesmal allerdings die Kamera. Wohl im Bewusstsein, dass sich die mit Subsistence und Guns of the Patriots inzwischen Serien-etablierte Bedienung kaum auf die PSP umsetzen lässt, die dafür einfach einen Analogstick zu wenig hat, bieten die Designer drei verschiedene Steuerungsmethoden an. Zwei davon sind völlig unsinnig, die dritte – die Shooter-Variante, bei der die Kamera mit den vier rechten Buttons gedreht wird – ist mit viel gutem Willen als gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen. Da ihr die Perspektive zur nötigen Übersicht praktisch permanent wechseln und teilweise so auch noch zielen müsst, gleichzeitig aber präzise und gut getimte Aktionen gefragt sind, könnt ihr euch selbst ausmalen was das für die Häufigkeit versehentlich ausgelöster Alarme und gelassener Bildschirmleben bedeutet. Zumal ihr eine Mission komplett von vorn beginnen müsst, sollte Snake über den Jordan springen. Snaaaaaaaaaaake!
Piecemaker
Wenn Snake nicht auf dem Schlachtfeld ist, is' er auf'm Sonnendeck ... eurer niegelnagelneuen Heimatbasis. Der Aufenthalt hier gleicht einer Wirtschaftssimulation light, denn hier heißt es für euch das neugewonnene Mini-Reich angemessen zu verwalten. Neues Personal, welches ihr zumeist auf euren Ausflügen findet, indem ihr Gefangene oder betäubte Feinde (Die dann widerstandslos für euch arbeiten. Versteh' einer die Welt. Es gibt einfach keine Loyalität mehr.) in bester Dark Knight-Manier mit dem neuen Fulton-Rettungssystem abholen lasst, teilt ihr dann, ihren Talenten entsprechend in Forschungs-, Kampf-, Kantinen-, Medizin- oder Intelbereichen ein, wo sie für Snake neue Waffen und Ausrüstung entwickeln, mit lecker Schmackofatz die Truppenmoral aufrecht erhalten, Kranke und Verletzte heilen oder euch im Kampf zur Seite stehen. Denn alle Missionen dürfen diesmal auch, abhängig vom jeweiligen Einsatz mit bis zu drei Freunden bestritten werden, die dann mit euch gemeinsam [tiefe Kriegsveteranen-Stimme von einem der schon alles gesehen hat jetzt] barfuß durch die Hölle gehen [Stimme wieder aus jetzt], was euch ein paar exklusive Aktionen (Räuberleiter), ganz andere Taktiken und im besten Fall natürlich mehr Spaß bringt. Gleichzeitig begrüßenswert wie seltsam: Trefft ihr auf einen Boss wird dieser auch als eigenständige Mission behandelt. Einerseits eine glückliche Design-Entscheidung, da so nicht nochmal der ganze Schleichmarathon abgehandelt werden muss, solltet ihr beim Endgegner verrecken. Andererseits ist es schon komisch das Snake dann zwischendurch wieder im Hauptquartier hockt und mit seinen Kameraden plaudert, obwohl er doch eigentlich jetzt mitten im Gefecht stecken müsste. Das Basis-Management läuft übrigens komplett über recht gut sortierte, aber trockene Menüs, was zeitweise den euphorischen Eindruck über den audiovisuellen Bombast von Peace Walker etwas schmählert und somit sowohl Gameplay als auch Präsentation jeweils in zwei Lager aufgeteilt werden. Auch die Bosskämpfe sind ein zweischneidiges Schwert. Sonst aufgrund ihrer originellen, mehrdimensional gezeichneten Figuren stets Höhepunkte in jedem Teil, sind sie hier zwar immer noch reichlich schweißtreibend. Statt cooler Comic-Über-Krieger zerlegt ihr dieses Mal aber überwiegend unzweifelhaft teils beeindruckend große Kampfvehikel und Roboter.
Pro und Contra
- + Heimkonsolen-würdige Präsentation für unterwegs
- + enormer spielerischer Tiefgang
- + packende Handlung
- + detailliert ausgearbeitetes Szenario zwischen Historie und Comic-Fiktion
- + geniale Sprachausgabe
- + atemberaubend stylische Cutscenes
- - frustrierende (Kamera-)Steuerung
- - kein Speichern innerhalb der Missionen
- - Wirtschafts-Part und ewig lange Dialoge bremsen das eigentliche Gameplay aus
- - eher einfallslose Endgegner
Zu groß für die Hose!
Was Metal Gear Solid – Peace Walker grafisch und akustisch abfeuert sucht im Handheld-Bereich seinesgleichen. Doch auch inhaltlich protzt der Titel mit Marianengraben-Tiefgang, sei es nun bei der fesselnden Polit-Thriller-Handlung oder dem komplexen Gameplay. Soweit, so Metal Gear Solid, so toll. Eine PSP-Superlative in jeder Hinsicht. Fans müssen das Spiel sowieso haben, denken sich die 9 von 10 und kaufen es, sofern sie das noch nicht getan haben. Abgesehen davon, dass ich auf einige neue Elemente auch hätte verzichten können (Das Verwalten des Stützpunktes ist zwar story-technisch interessant, gut eingebunden und ein netter Abstecher ins Strategie-Genre, nimmt aber noch mehr vom Spielfluß.), ist Peace Walkers größtes Problem einfach die Hardware auf der es erscheint bzw. eigentlich eher der Anspruch der Entwickler an selbige als tragbare Heimkonsole. Allein die Steuerung: Warum musste Konami auf Biegen und Brechen versuchen das System der stationären Konsolen auf die Playstation Portable zu übertragen, anstatt sich eine komfortablere Alternative für den Handheld zu überlegen? Die Frage wird umso bedeutungsvoller, wenn man sich überlegt das, bis zur Neuauflage des dritten Teils alle Metal Gear Solid-Spiele mit einer festgelegten Kamera funktionierten. Bis ihr hier euren Frieden mit der Kontrolle der Linse gefunden habt, wird euer Wutunterdrückungsreflex auf die ultimative Probe gestellt. Auch die niemals enden wollenden Dialoge prüfen eure Geduld. Wenn ich auf einer zwei Stunden langen Zugfahrt die Hälfte der Zeit mit lesen beschäftigt bin, hätte ich auch ein Buch rauskramen können. In der zweiten Hälfte muss ich wiederum Angst haben, dass die bekanntermaßen enorm lange Akkulaufzeit der PSP im rechten Moment den Geist aufgibt und ich die ganze Mission von vorne beginnen muss. Peace Walker ist kein Spiel für unterwegs. Ihr wollt es mit Sicherheit zu hause in Ruhe auf der Couch zocken, denn unter ein bis zwei Stunden spielen ist hier einfach nicht drin. Ein grandioses Spiel, welches aber leider nicht adäquat auf seine zugrunde liegende Plattform konzipiert wurde. Somit kann ich nur hoffen, dass Konami sich doch noch ein Herz fasst und den Titel auf die Playstation 2 oder ihren Nachfolger umsetzt.
Metal Gear Solid - Peace Walker Trailer
Bewertung
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Kommentare (23)
Fenix Fontaine
xXDonReneXx
Speil
Claudandus
Dr4g0nfir3
"- Wirtschafts-Part und ewig lange Dialoge bremsen das eigentliche Gameplay aus" als Negativpunkt?
Moah... Das verdient imo doch Schläge auf die nackte Eichel :D
Lange Dialog gehören zu Metal Gear Solid wie nichts anderes. Es wäre ein Kritikpunkt, wenns nicht so wäre.
Mit dem Verwalten von Mother Base kann sich sicherlich nicht jeder (auch Fans) anfreunden, aber ich finde es mehr als genial. Ich könnte Stunden nur damit verbringen... bzw. Ich hab ja schon Stunden nur damit verbracht :D
BGKfromEden
Commander Cody
Pairikas
Ich würd sogar nochmals das Spiel kaufen wenns auf die PS2 oder ähnliches kommen würde. Ich will eine vernüftige Steuerung für diese Perle ;_;