Mittwoch, 07. November 2007
1986 – Das Jahr der Reaktorkatastrophe in Tschornobyl und der Niederlage des deutschen Teams im WM Finale gegen Argentinien hatte auch positive Ereignisse zu bieten, die 21 Jahre später noch für Wirbel im Videospiel-Sektor sorgen sollten.
Metroid erschien auf dem Nintendo Entertainment System. Nach diversen Ablegern wie
Super Metroid (SNES) oder
Metroid II: The Return of Samus (Game Boy) erhielt die Science-Fiction-Saga mit
Metroid Prime (GameCube) auf dem Planeten Tallon IV Ihren ersten Auftritt in dreidimensionalem Gewand. Aus der Ego-Perspektive steuernd erschufen die Retro Studios ein völlig neues und einzigartiges Gefühl des Alleinseins auf einem riesigen Planeten. Im Kampf mit den Weltraumpiraten war eine Menge Spannung und eine packende, sehr dichte Atmosphäre garantiert. Gespickt mit fantastischem Leveldesign und ausgeklügelten Rätseln avancierte
Metroid Prime zu einem der besten Spiele der letzten Konsolen-Generation.Nur zwei Jahre später musste die wohl erste weibliche Protagonistin eines Videospiels wieder auf die weite Reise gehen. Ein Krieg der guten Luminoth und der durch eine Phazonverseuchung entstandene dunkle Rasse, den Ing war ausgeochen und letztere waren kurz davor den Planeten Aether an sich zu reißen. Eine Wechsel zwischen den Welten der hellen und dunklen Seite war notwendig, um den Planeten zu retten. Natürlich hatten auch hier wieder die Weltraumpiraten eine nicht ganz unwichtige Rolle eingenommen. Mit
Metroid Prime 3: Corruption soll dem ganzen Weltraum-Epos ein würdiges Ende gesetzt werden.
HYPERPOWER!
Der letzte Teil der Trilogie spielt sechs Monate nach den Ereignissen auf dem Planeten Aether. Der Supercomputer der Föderation, Aurora-Einheit 242 wird von einem mysteriösen Virus befallen. Es wird angenommen, dass es zu einem Sabotageakt der Weltraumpiraten gekommen ist. Doch noch während die Planungen für einen Angriff liefen, überraschten die Weltraumpiraten mit selbigem. Der zentrale Moment dieser Ereignisse ist die Gegenüberstellung zwischen den Kopfgeldjägern der Galaxy (darunter Samus Aran) und der tot geglaubten dunklen Samus. Diese verfügt über eine unheimlichte Macht und verseucht die Kopfgeldjäger durch einen Phazon-Stoß. Eine weite Reise nimmt Ihren Lauf. Diese Phazon-Substanz führt dazu, dass die Anzüge der Kopfgeldjäger mit speziellen Phazon Enhancement Devices (kurz PED) ausgestattet sind. Diese PED erlauben die Benutzung des Phazon zu eigenen Gunsten: Man kann in den Hypermodus wechseln, was zur Folge hat, dass die Angriffe wesentlich stärker werden – Doch es muss aufgepasst werden, eine Überreaktion kann zum eigenen, langsamen und schmerzvollen Tod führen. Auf der Suche nach der Dunklen Samus müssen die riesigen Phazon-Keime, die sogenannten „Leviathanen“ zerstört werden, um einer kompletten Verseuchung und Übernahme der Weltraumpiraten zu verhindern.
The Beginning of The End
Das Grundprinzip von
Metroid Prime 3: Corruption hat sich im Vergleich zu den beiden Prequels nicht großartig verändert. Noch immer durchlauft und erforscht Ihr gigantische Planeten und Areale, steht den verschiedensten Gegnerrassen gegenüber und versucht eure Ausrüstung zu erweitern, um neue Wege beschreiten zu können. Dabei nimmt der Forschungsanteil, wie nicht anders zu erwarten, den größten Teil des Spielens ein. Hier kommt auch das fantastische Leveldesign zum Tragen. Es kommt nicht selten vor, dass man Orte ein zweites oder drittes Mal besuchen muss, um mit neugewonnenen Utensilien oder erhaltenen Informationen im Spiel vorankommt. Irgendwo befindet sich immer eine neue Tür die geöffnet werden kann, ein kleines Loch durch welches man mit dem Morph-Ball schlüpfen kann oder entdeckt eine üchige Wand, um einen neuen Weg zu ebnen. Von essenzieller Bedeutung ist dabei die Anwendung aller Waffensysteme und Visoren. Durch Schalten in den Scan-Modus kann die Gegend genauer analysiert werden. Ihr erhaltet alle nötigen Informationen über die Lebewesen und die Geschichte, sowie Beweggründe der jeweiligen Rasse, erfasst beispielsweise üchige Stellen, untersucht die Schwachpunkte eurer Feinde oder aktiviert Schalter. Letztere werden durch die dazu nötige Handbewegung mit der Wii-Fernbedienung ausgeführt. Ihr zieht beispielsweise die Wiimote nach hinten, um die Halterung des Schalters herauszuziehen, dreht eure Hand und bewegt sie wieder nach vorne, um einen Mechanismus auszulösen. Auch Codes müssen durch korrekte Handhaltung an dem zugehörigen Terminal eingegeben werden. Dies sind nur zwei von mehreren Interaktionsmöglichkeiten, welche die Funktionen des Nintendo Wii sinnvoll nutzen. Ihr steuert die Kopfgeldjägerin mit dem Analog-Stick des Nunchuk und schaut euch durch das Bewegen der Wii-Fernbedienung auf den Planeten um. Feinde lassen sich durch punktgenaues Zielen der Wiimote einfach zur Strecke ingen. Zur Hilfe lassen sich diese mit der Z-Taste anvisieren, zielen müsst Ihr aber trotzdem noch immer selbst. Das Umschauen und Zielen gelingt schon nach wenigen Spielminuten überraschend gut.
Je weiter man fortschreitet merkt der Spieler immer mehr, wie sich die eigenen Fähigkeiten in Punkto Zielen verbessert haben. Durch das Drücken der A-Taste lässt eure Heldin Feuersalven ab und springt mit der B-Taste. Missiles finden mit einem Druck der unteren Steuerkreuz-Taste Ihr Ziel. Haltet Ihr den Minus-Knopf gedrückt, kann zwischen den verschiedenen Visoren gewechselt werden. Die Plus-Taste führt sprichwörtlich zu einem Überschuss an Kraft. Hier kann der Hypermodus de- bzw. aktiviert werden. Per Handbewegung mit dem Nunchuk lässt sich mit der Grapple Beam ausholen, um zum Beispiel zwischen Verankerungspunkten hin und her zu schwingen, oder Schilder von Feinden wegzuziehen. Zu guter letzt rollt Ihr nach Drücken der C-Taste als Morph-Ball durch enge Gassen und Tunnel. Hier schaltet das Spiel in die Third-Person-Perspektive über. Bomben lassen sich nun problemlos mit A legen. De facto kann man eindeutig sagen, dass kein Spiel die Steuerung in der Ego-Perspektive zuvor so einfach, so genau und so intuitiv gemeistert hat.
Survivalism
Um auf den verschiedenen Planeten überlebensfähig zu agieren, muss nicht nur die Steuerung in Fleisch und Blut übergegangen sein. Der Spieler muss seine Umwelt genauestens im Blick haben und darf nie die Übersicht verlieren. Eine umfangreiche, detaillierte 3-D Karte bietet hier mehr als genug Möglichkeiten immer zu wissen, was als nächstes zu tun ist. Tappt man trotzdem darüber im Dunkeln, wie man sich weiter voranarbeiten soll, wird nach wenigen Minuten meist ein Hinweis gegeben, damit man nicht ganz verloren ist. Während dieses Erkundens werdet ihr vor die unterschiedlichsten Rätsel gestellt, die meist eine Kombination eurer Ausrüstung erfordern. Neben einfachen Dingen wie Schalter umlegen müssen neue Wege entdeckt werden und dadurch zum Beispiel Stromdurchläufe aktiviert werden, um eine Tür zu entsperren. Dem Ideenreichtum der Entwickler waren dabei anscheinend keine Grenzen gesetzt. Während des Spielens ist man teilweise erstaunt, auf was für verrückte, aber auch interessante und abwechslungsreiche Rätsel die Jungs des amerikanischen Studios gekommen sind.
Vessel
Im Spielverlauf durchstreift Ihr triste Ödlandschaften, besucht idyllische Wintergegenden oder lasst euch in Feuergebieten die Hölle heiß machen. Doch nicht jeder Ort lässt sich direkt erreichen. Eine sinnvolle Ergänzung ist hier die erstmalige umfassendere Benutzung von Samus’ Schiff, was einen Wechsel zwischen den Planeten und Arealen viel flexibler und einfacher gestalten lässt. Auf eurer Karte sind Punkte eingezeichnet, auf welchen Ihr euer Schiff landen könnt. Ein Wechsel in den Command-Visor lässt euer Jagdschiff an den angegebenen Feldern laden. Außerdem lassen sich mit euerem Schiff größere Gegenstände hochheben und an einen anderen Ort transportiert werden. Dies führt in einigen Fällen zu des Rätsels Lösung. Nach kurzer Spielzeit wird euer Schiff mit Raketen ausgerüstet. So lassen sich beispielsweise große Geschützstationen ausschalten. Die Funktion des Speicherns und Aufladen des Energie- sowie Munitionsvorrats im Schiff wurde natürlich nicht vernachlässigt. Die Speicherstationen innerhalb der Welt wurden sehr gut gelegt und es ist eigentlich nie ein Moment im Spiel, wo man nach einigen Minuten keinen Ort zum speichern findet.
Meet Your Master
Logischerweise sind diese Stationen auch immer vor großen Bosskämpfen gesetzt. Schon in den beiden Vorgängern waren diese Schlachten ein großer Pluspunkt des Spiels, denn nur selten ist es einem Titel dermaßen gelungen, solch spannende, abwechslungsreiche und atemberaubend inszenierte Bossfights einzubauen, die einem alles abverlangen. Auch im dritten Teil des Science-Fiction-Epos ist es den Entwicklern wieder einmal gelungen, sich selbst zu übertreffen. Gigantische, meist mehr als bildschirmfüllende Bosse stehen einem gegenüber. Schwachpunkte müssen gefunden und raffiniert zu eigenem Nutzen umgemünzt werden. Das komplette Arsenal an Waffen, Visoren und Verwandlungen erfordert eine Applizierung im richtigen Augenblick. Ergo muss jedem Zwischen- bzw. Endboss auf eine andere Art und Weise der Gar ausgemacht werden.
The Greater Good
Metroid Prime 3: Corruption packt den Spieler schon nach wenigen Minuten durch die dichte Atmosphäre auf den Planeten und im Weltall. Die abwechslungsreichen Welten und Räume sind unterschiedlichst designt worden. Die Welten verfügen über eine äußerst lebendige Vegetation: Tropische Waldgebiete gespickt mit vielen Pflanzen sind genauso enthalten, wie lavaströmende Flüsse, zahlreiche Tempel und moderne Laboratorien. Dazu gesellt sich die äußerst gelungene Darstellung der vielen Gegnerarten. So fliegen die bisher schönsten Weltraumpiraten in einem
Metroid durch den Bildschirm, die Obermotze strotzen nur so vor Details und wurden mit wunderschönen flüssigen Animationen bespickt. Neben toll inszenierten Zwischensequenzen in Spielgrafik wurde wieder einmal viel Liebe zum Detail bewiesen. Regnet es, perlt Wasser von Samus’ Visier ab. Gegner wirbeln Staub auf und am Himmel ziehen Vögel Ihre Kreise. Das Visier der schönen Kopfgeldjägerin wird manchmal durch äußere Einflüsse kurzzeitig beschlagen. Falls sich ihr elektrische Gegner nähern, kann es passieren, dass Ihr Visor im Blitzgewitter kurzzeitig versagt. Schaltet Ihr in den Scan-Visor, seid Ihr die ganze Zeit in der Lage, Samus Gesicht, genauer gesagt ihre wunderschönen blauen Augen sowie Ihre Nase, im spiegelnden Visor zu bewundern. Auch lassen sich diverse Veränderungen im Forschritt des Spiels feststellen, auf die jetzt hier nicht genauer eingegangen werden soll. All diese kleinen Details führen dazu, dass man schnell das Gefühl bekommt, durch das Visier von Samus Aran zu schauen und alles hautnah mitzuerleben. Die Ladezeiten vor dem Starten des Spiels sind so gut wie gar nicht vorhanden. Geladen wird nur einmal kurz vor dem Start des Spiels. Durch Datenstreaming im Hintergrund existieren zwischen den Abschnitten eigentlich keine Ladezeiten. Es kommt jedoch einige Mal vor, dass man 1-2 Sekunden vor einer Tür steht, bevor sich diese öffnet, da noch der nächste Raum geladen wird. Dies ist aber zu verschmerzen. Das Spiel läuft die ganze Zeit mit 60 Bildern pro Sekunde flüssig über den Bildschirm und selbst wenn sich viele Gegner in der Nähe herumtummeln, geht das Spiel erfreulicherweise nie in die Knie. Eine Unterstützung des 480p rundet die superbe Optik des Spiels ab. Somit lässt sich ganz einfach sagen, dass
Metroid Prime 3: Corruption das bisher schönste Spiel für Nintendos Wii ist.
Zu einem audiovisuellen Hochgenuss wird das Spiel durch die Musik. Die Songs sind unglaublich variantenreich, atmosphärisch und passen sich perfekt der Bildschirm-Action und dem Ambiente an. Die typischen Metroid-Sounds, wie zum Beispiel nach dem Lösen eines Rätsels, sind natürlich wieder mit von der Partie. Wieder einmal hatte Soundmaster Kenji Yamamoto seine Finger im Spiel. Die Effekte werden durch die Unterstützung von Dolby Pro Logic II bombastisch aus den Boxen wiedergegeben. Eine sinnvolle Ergänzung ist die erstmalige Verwendung einer gelungenen englischen Sprachausgabe. Durch diese wird man noch näher an das Geschehen geacht. Durch die Integration von verschiedenen Personen ins Spiel, die sich in einigen Situationen zu Wort melden, geht das Gefühl vom kompletten Alleinsein leider etwas flöten. Letztendlich ist man aber immer nur auf sich allein gestellt, da man niemandem über den Weg trauen sollte.
Zero-Sum
Es ist nicht viel, was man an
Metroid Prime 3: Corruption kritisieren kann. So sind die Laufwege teilweise sehr weit geraten. Auch erscheinen zuvor besiegte Gegner wieder in einem Raum, wenn man diesen noch einmal betritt. Auf einen Mehrspieler-Modus wurde komplett verzichtet, da man sich einerseits auf den Einzelspieler-Modus konzentrieren wollte, anderseits wusste die Umsetzung des Mehrspielers in
Metroid Prime 2: Echoes alles andere als zu gefallen und schien dort nur ein nettes, aber unnötiges und nicht allzu spaßiges Beiwerk zu sein. Man hätte wohl mehr Zeit geaucht, um so etwas wie die Mehrspieler-Variante in
Metroid Prime: Hunters (Nintendo DS) inklusive Online-Modus einbauen zu können. Das Spiel verfügt trotzdem über eine WiiConnect 24-Unterstützung, indem man seinen Freunden anzeigen kann, dass man gerade
Metroid Prime 3: Corruption spielt. Zudem lassen sich Freundes-Coupons zuschicken, nachdem bestimmte Orte oder Fortschritte erreicht worden sind. Andersfarbige Coupons erhaltet Ihr durch das Scannen von (Boss)Gegnern, Berichten und Überlieferungen. Mit diesen virtuellen Scheinchen lassen sich diverse Dinge erwerben. So könnt Ihr euch davon Stücke des Soundtracks kaufen und noch einmal schön zu Gemüte führen, Konzept-Galerien anschauen, oder euer Jagdschiff beispielsweise mit Aufklebern, oder einem Mii-Wackelkopf, personalisieren. Die Spielzeit bis zum Ende beruft sich selbst für geübte Spieler auf fast 30 Stunden, Neueinsteiger können hier noch einmal mindestens 5 Stunden draufschlagen. Bis alle Items entdeckt worden sind, vergehen noch weitere Stunden. Vom Schwierigkeitsgrad her scheint das Spiel für geübte Spieler etwas einfacher geworden zu sein. Dennoch hat dies gar keinen Abuch des Spielspaßes zur Folge, da es immer wieder Momente gibt, die einen trotzdem ins Grübeln ingen. Somit lässt sich sagen, dass Kenner der Serie blind zugreifen können. Neulinge sollten, sofern Sie nur ein kleines bisschen Interesse aufingen können, zu diesem Metroid Prime Teil greifen. Denn
Metroid Prime 3: Corruption hat zwar nicht den „Aha-Effekt“ des Erstlings von 2002, verbindet aber sämtliche Metroid-Elemente aller drei Teile am besten und vermittelt ein Spielgefühl, das nur sehr wenige Spiele erreichen können.
Die Metroid-Prime-Reihe hat es nicht leicht. Im großen Schatten von Mario und Link hat es sich Samus Aran eigentlich schon lange verdient so erfolgreich zu werden, wie die beiden größten Nintendo Franchises. Doch nie konnte ein großer Durchuch gelingen. Dass sich dieser Umstand durch Teil 3 ändert, ist nicht zu erwarten, obwohl es das Spiel mehr als verdient hätte.
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Stalkingwolf
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Flaming BiFi
Stalkingwolf
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