Metroid Prime Trilogy
12:09 Uhr - Mit der "Metroid Prime"-Trilogy bietet Nintendo ein Spielepaket an, welches ganz allein über die Sommerflaute hinweggeholfen hätte. Dafür erscheint es nun etwas zu spät. Doch wer sich bis Weihnachten nur ein Spiel leisten kann, erfährt in unserem Test, warum es gleich drei sein sollten.
Hin und wieder kommt es vor, dass man auch als größter Fan eines Franchises bzw. auch unabhängig davon die größten Werke einer grandiosen Reihe verpasst hat oder sie erst viel später erleben kann, wenn schon keiner mehr darüber spricht. Ich liebe zum Beispiel die Zelda-Serie, habe aber das Überspiel Ocarina of Time erst vor ca. zwei Jahren gespielt, als die Grafik schon fast unerträglich schlecht war und ich mit Wind Waker schon mein erstes 3D-Zelda hinter mir hatte. Der überwältigende Eindruck, den N64-Spieler schon vor über zehn Jahren hatten, kam bei mir also nicht mehr rüber, wenngleich das Spiel immer noch ein hervorragendes Action-Adventure war und ist. Resident Evil 4 hat erst in diesem Jahr den Weg in mein Laufwerk gefunden. (Es ist immer noch der Hammer!) Street Fighter IV lief bislang genau so an mir vorbei. Wie dem auch sei, es kann eben einfach vorkommen, dass die Dinge in dieser Hinsicht manchmal nicht so laufen, wie man es gerne hätte, aus welchen Gründen auch immer. So mögen also durchaus einige Metroid-Fans vor sieben Jahren die legendäre 3D-Neugeburt der Serie und ihre grandiosen Nachfolger verpasst haben. All diesen sei hiermit gesagt: Hört auf zu lesen! Vergesst meinen Test! Rennt sofort zum nächsten Händler und holt euch die Metroid Prime Trilogy! Etwas besseres werdet ihr in nächster Zeit kaum spielen dürfen! Los! ... Na gut, genug der Ausrufezeichen. Prinzipiell gilt dasselbe aber auch für alle Spieler, die in der Vergangenheit noch keinen Kontakt mit einem Metroid-Titel hatten, denn das dreiteilige Science-Fiction-Epos ist zusammengefasst auf einer Disc schlicht das bislang beste Spiel für die Wii. Wer jetzt immer noch weiterlesen will, darf sich über ausschweifende, subjektive Lobes-Hymnen auf eine der brillantesten Videospielreihen dieses Jahrzehnts freuen. Viel Spaß damit!
Geschichtsträchtig
Diejenigen unter euch, welche die letzten Jahre nicht in einem Unterwasserhaus in der Tiefsee oder in World of WarCraft verbracht haben, wissen sicherlich um den hohen Status der "Metroid Prime"-Spiele. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht noch mal ausführlich auf die einzelnen Teile eingehen. Was Samus Arans Ego-Abenteuer zu Meilensteinen der Videospielegeschichte macht, könnt ihr in unseren jeweiligen Tests oder dem zweiten Teil unserer Metroid-History nachlesen. Nur so viel: Mit Metroid Prime ist den Retro Studios im Jahre 2002 eine brillante 3D-Übersetzung des Metroid-Spielprinzips gelungen, wie sie besser nicht hätte sein können. Kämpfen, Rätseln und Erforschen ging vorher in kaum einem anderen First-Person-Titel so nahtlos und durchdacht ineinander. Auch bei Technik und Präsentation zeigte man Maßarbeit und eine verschwenderische Liebe zum Detail. Innovative Features, komplexes Leveldesign und Gänsehaut-Atmosphäre in einem gewaltigen, locker über 30 Stunden andauernden Opus – das beinahe perfekte Spiel! Die beiden Nachfolger standen diesem Meisterwerk kaum nach. Metroid Prime 2 wird im allgemeinen sein etwas zu hoher Schwierigkeitsgrad, Metroid Prime 3 seine gestiegene Geradlinigkeit, beiden die geringen Unterschiede zum Vorgänger und allen dreien das häufige Backtracking angekreidet. Doch ebenso vereint alle drei Teile der selbe Verdienst, nämlich jeweils ein über die volle Spielzeit unglaublich intensives, spannendes und motivierendes Erlebnis zu bieten, welches einen immer wieder in Erstaunen versetzt und bis heute einzigartig und in dem eigenen Sub-Genre, dass es praktisch erschaffen hat, den First-Person-Action-Adventures, unerreicht geblieben ist. Kein First-Person-Spiel – RPGs jetzt mal außen vor gelassen – konnte es seitdem mit dem Tiefgang und dem dichten Spielgefühl der Prime-Trilogie aufnehmen. Und ich sage es noch mal: Teil eins ist bereits sieben Jahre alt!
Zukunftssicher
Kann man also ein fast perfektes Spiel noch besser machen? Man kann! Und man hat es auch getan. Zwar wurden die oben angesprochenen Minimalmängel kaum behoben, da die eigentlichen Spiele nahezu unangetastet geblieben sind. Doch Nintendo hat ein paar kleine, aber feine Veränderungen vorgenommen, die auch bisherige Verweigerer bekehren könnten. Zum einen wurde den beiden GameCube-Episoden endlich ein echter 16:9-Modus spendiert, welcher deren brillante Optik erst richtig würdigt. Die hält sich übrigens immer noch mehr als gut. Einerseits natürlich aufgrund der Tatsache, dass die Wii nur marginal leistungsfähiger ist als ihr Vorgänger, auf dem die Weltraum-Odysseen schon zur grafischen Elite gehörten. Andererseits durch ihr atemberaubendes künstlerisches Design. Selbst kleinste, unwichtige Räume sind meist gestalterische Meisterwerke. Ihr werdet vermutlich des öfteren stehen bleiben, um euch einfach nur umzugucken und die faszinierende Welt zu bewundern. Tatsächlich wirken Metroid Prime eins und zwei, meines persönlichen Eindrucks nach, hier sogar noch einen tick klarer und schärfer als auf dem Spielwürfel. Teil drei stellt ohnehin nach wie vor die Grafikreferenz auf Nintendos Familienkonsole dar. Apropos „umsehen“: Auffälligste und bedeutendste Neuerung ist natürlich die auf das Bedienungsschema von Corruption angepasste Steuerung der ersten beiden 3D-Missionen Samus Arans, die es euch erlaubt, mit der Wiimote jederzeit frei euren Blick schweifen zu lassen und zu zielen, während ihr mit dem Analogstick des Nunchuk die galaktische Kopfgeldjägerin lenkt. Diese Art der Kontrolle fühlt sich nicht nur frischer an und dürfte Ego-Shooter-Fans vertrauter erscheinen, sie macht das Erkunden der verwinkelten Umgebungen auch wesentlich angenehmer und die zahlreichen adrenalinpumpenden Kämpfe noch ein bisschen dynamischer. Wenngleich ihr jetzt natürlich auch genau zielen müsst, denn die Autolock-Funktion hilft nur dabei, den Gegner im Fokus zu behalten. Anvisieren müsst ihr schon selbst. Dafür wurden zum Beispiel in Echoes einige Stellen wie der Spider Ball- und Boost Ball-Wächter leicht entschärft. Obendrein haben die Retro Studios einige kleinere technische Ungereimtheiten beseitig, die Ladezeiten in Corruption dezent verkürzt und dessen Medaillensystem, mit dem ihr Extras wie Artworks freispielen könnt, auch in den Vorgängern eingeführt. Mein einziger echter Wehrmutstropfen: Vom Menü der Trilogy aus starten die drei Spiele gleich direkt mit dem Intro in das jeweilige Solo-Abenteuer. Deren audiovisuell grandios gemachten Vorspänne und Auswahlbildschirme entfallen somit. Leider bietet die neue, übergeordnete Einleitung keinen ähnlich beeindruckenden, atmosphärisch gleichwertigen Ersatz, sie ist aber dennoch cool inszeniert. Als kleiner Ausgleich kommt das unglaubliche Paket in einem schnieken Pappschuber und mit hübschen Artworks daher. Nichts weltbewegendes, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass man auch bei Nintendo drei überwältigenden Meisterwerken entsprechende Ehrerbietung zuteil werden lassen möchte, selbst wenn sie kommerziell hinter Mario oder Zelda zurückbleiben.
Pro und Contra
- + weit über 70 Stunden allerfeinste Videospielunterhaltung
- + geschmeidige Bedienung
- + suchterregendes Spielprinzip mixt gleichwertig Erforschung, Rätsel, Action und Geschicklichkeit
- + Grafik technisch immer noch eindrucksvoll, künstlerisch unerreicht
- + passender, vielseitiger Sci-Fi-Soundtrack
- + tiefgehende Spielwelten mit detailliert beschriebenen Bewohnern
- + unglaublich dichte Atmosphäre
- + komplexes Leveldesign mit vielen Geheimnissen und überwältigender Architektur
- + durchdachtes Karten- und Hinweissystem
- + originelle Visoren
- + (... und damit verbundene) knackige Rätsel
- + bombastische, intensive Bossfights
- + abwechslungsreiches Gegnerdesign
- - bestimmte Fähigkeiten müssen in jedem Spiel neu erworben werden
- - alle drei Teile spielerisch sehr ähnlich
- - teils lange Laufwege
- - Mehrspieler-Modus von Echoes nach wie vor überflüssig
- - die genialen Vorspänne/Menüs der einzelnen Titel sind nicht mehr drin
- - unsinniges FSK 16-Logo schränkt Käuferschicht ein
Zeitlos
The Legend of Zelda – Twilight Princess ist ein wunderbares Spiel, es hat aber ein paar auffällige Defizite, die einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Die leblose Welt etwa oder der geringe Schwierigkeitsgrad. God of War ist eine einzige, unfassbar spektakulär inszenierte Mythologie-Bombe. Doch das spielerisch ausgefeilteste 3D-Action-Adventure, an dem sich weiterhin alle anderen messen müssen, ist auch nach sieben Jahren noch Metroid Prime. Ich gebe zu, mich verbindet eine besondere Liebe zu der Serie und zum Spiel, welches sich einen Platz in meiner Alltime-Top-3 gesichert hat. Doch auch bei längerem Nachdenken fällt mir kein vergleichbares, modernes Videospiel ein, das noch einmal in jeder Minute eine derartig durchdringende Stimmung erzeugt und in jeder Faser eine solche Liebe der Entwickler zu ihrem Projekt ausgestrahlt hat. Eigentlich konnte mir bis jetzt nur Deus Ex ein ähnlich tiefes Spielerlebnis bescheren. Die beiden Nachfolger schließen, trotz kleiner Unzulänglichkeiten, beinahe nahtlos an dieses Erleben an, verlieren aber natürlich den Reiz des Neuartigen. Doch durch den 16:9-Modus und die Steuerung mit Wiimote und Nunchuk wirken die Titel moderner und runder als sie ohnehin immer noch sind und spielen sich auch intuitiver. Ich bin mir sicher, dass mir einige in meiner Meinung über den enorm hohen Status der Metroid Prime-Trilogie wiedersprechen werden. Tja, aber das ist wohl immer so. Für die Wii gibt es momentan und auch in absehbarer Zeit nichts besseres und auch systemübergreifend sieht die Reihe wenig Konkurrenz. Die Metroid Prime Trilogy ist das i-Tüpfelchen auf drei der genialsten Spiele dieses Jahrzehnts. Der Stempel, der ihnen ihre Brillanz attestiert. Das Zeugnis ihrer allgemeinen Anerkennung und ganz nebenbei eine der hochwertigsten Compilations aller Zeiten. Für Nichtkenner absolute Pflicht. Für Fans ein Schmuckstück im Regal, dass man sich auch dann in die Sammlung holen sollte, wenn man die drei Teile schon besitzt und für sich allein ein außerordentliches Kunstwerk!
Bewertung
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Kommentare (9)
MaxSchmerz
LinkKun19
Cuberde
"Nischentitel"? Jetzt im ernst? oO
Alexander Laschewski-Voigt
Cuberde
sunnywusch
anonsten, sicherlich mit der beste (bzw die besten) titel für die wii, was aber nicht sonderlich schwer ist ;-)
Mr Chrisi
ps3hero
Leoneo