Dienstag, 11. November 2008
11:05 Uhr - Nach Dead Space schickt EA einen weiteren ungewöhnlichen Titel in die weite Softwarewelt und untermauert mit Mirror's Edge der Battlefield 2-Macher DICE, dass es seinen neuen Weg auf die Qualität seiner Spiele ein noch höheres Augenmerk zu legen und den Entwicklern größere Freiheiten zu schenken, durchaus ernst meint. Mirror's Edge ist ein so noch nie da gewesenes Spiel, dass trotz einer hanebüchenen Story allen Ego-Spielen der Zukunft seinen Stempel aufdrücken wird.
Hör auf zu erzählen, ich will rennen!
Um die größte Schwäche von Mirror's Edge schnell abzuhandeln, beschränke ich mich darauf, kurz zu erwähnen, dass der Titel in einer Zukunft spielt, die schon in vielen Filmen abgehandelt wurde. Die Menschheit lebt in prächtigen Kunstbauten, die Straßen sind auf Hochglanz poliert und von Kriminalität ist aufgrund der einschüchternden Überpräsenz der Sicherheitskräfte nichts zu spüren. Doch mit dieser Zukunft verhält es sich wie mit einem Hering im Mondenschein: Er glänzt, aber er stinkt! Andere Meinungen werden in diesem totalitären System nicht akzeptiert, und wie so oft ist die Macht auf die Schultern weniger Eliten verteilt. Die einzige Möglichkeit revolutionäre Gedanken auszutauschen oder an dem System vorbei zu arbeiten wird durch die sogenannten Runner repräsentiert. Und genau in so einen Runner schlüpft der Spieler, um genau zu sein in die asiatisch angehauchte Faith. Die gerät nach ein paar Routinedienstbotengängen in eine Falle. Ihr wird der Mord einer wichtigen Persönlichkeit angehängt, einzig ihre Schwester, die auch noch bei den Sicherheitskräften arbeitet und die ständige Stimme von Merc im Ohr, der ihr mit wichtigen Tipps aus der Patsche hilft, sind ihre Verbündeten.
Im Körper der Frau
Ab jetzt gilt es, buchstäblich die Beine in die Hand zu nehmen und mit Faith eins zu werden. Wo ich bei der größten Stärke von Mirror's Edge bin: dem Gameplay. Ich habe noch nie ein Spiel erlebt, in dem ich so sehr das Gefühl habe, mich in einem virtuellen Körper zu befinden. Klar, in Dark Messiah of Might an Magic kann ich an mir heruntergucken und meine Beine sehen, ein wirkliches Körpergefühl kam dennoch nicht auf. Das ist hier gänzlich anders. Zwar als Shooter aufgemacht, ist Mirror's Edge eher eine gelungene Parkour-Simulation, gespickt mit Prince of Persia-Elementen. Faith muss auf ihrer Flucht vor den Sicherheitskräften nicht über Stock und Stein, sondern über Rohre, Dächer, Häuserschluchten und was es sonst noch für Hindernisse gibt, wetzen. Nützlich: Per Knopfdruck schaut Faith automatisch in die Richtung des nächsten Zieles. Die Steuerung ist dabei sehr intuitiv und lässt Faith mit wenig Knopfdrücken spektakuläre Manöver ausführen. Ein Knopf ist für den Sprung, einer für das Sliden unter Hindernisse und wieder einer entwaffnet Gegner. Das klingt sehr leicht und lässt einen an Assassin's Creed denken. In Mirror's Edge ist das Timing aber viel entscheidender und macht aus 'einfach' 'verdammt anspruchsvoll'. Gerade bei weiten Sprüngen über Häuserschluchten verzeiht einem das Spiel keinen Zentimeter verschenkten Raumes. Genauso frustrierend sind die „Wallrides“. Wenn man also in Prince of Persia-Manier eine Wand seitwärts entlang laufen will, muss man erstens den richtigen Absprungpunkt finden und zweitens den korrekten Winkel. Dadurch, dass man sich die ganze Zeit in der Ego-Perspektive befindet, fehlt einem vor allem zu Beginn die Übersicht die Distanzen und Winkel richtig einzuschätzen. Als komplizierteste akrobatische Einlage dürfte sicherlich der Doppelsprung gelten. Erst muss man eine Wand hochrennen, am höchsten Punkt die Taste für das Umdrehen drücken und dann noch einmal Sprung – verdammt schwierig.
Von unklugen Gegnern
Dementsprechende hoch ist die Lernkurve und die Abstürze auf den harten Asphalt der Zukunftsstadt. Zum Glück hat DICE die Savepunkte fair verteilt, sodass man meist nur ein paar Sekunden zum Punkt des eben noch vorzeitigen Ablebens laufen muss. Trotzdem blieb mir der häufige Blick auf den Ladebildschirm selbst am Ende des 8 stündigen Durchspielens nicht erspart. Mirror's Edge ist ziemlich schwer und erfordert eine gewisse Frustresistenz. Vor allem die Kämpfe mit den später auftauchenden Eliteeinheiten nehmen den sonst sehr schnellen Laufpassagen die Luft raus. Meist gilt es sich vier Gegnern gleichzeitig zu stellen, die aus vollen Rohren auf Faith ballern. Hier kann man entweder versuchen durch geschicktes Ausweichen zu fliehen, was meist mit dem Tod endet, oder aber man geht in den Nahkampf. Nähert man sich einem Gegner, vergisst der auf einmal, dass er eine großkalibrige Waffe in den Händen hält, und versucht Faith mit seinem Maschinengewehr niederzuschlagen. Dieses absolut unrealistische Verhalten nutzte ich insofern aus, als dass ich den Gegner während des Zuschlagens entwaffnen kann. Einfach die dementsprechende Taste drücken, wenn die Waffe rot aufleuchtet und die Animation genießen. Das äußerst knappe Zeitfenster, in dem die Waffe aufleuchtet, kann durch Aktivierung einer Art Bullettime, die sich durch akrobatische Aktionen wieder auflädt, verlängert werden. Der Gegner ist daraufhin K. O. und ich steh mit einer Waffe im Anschlag dem Rest gegenüber. Jetzt kann ich entweder drauf losballern, bis das Magazin leer ist, oder aber ich lasse die Waffe fallen und versuch auch die übrigen Peiniger zu entwaffnen. Dadurch, dass der Shooter-Part wirklich grausam ausfällt, was von DICE beabsichtigt ist, entscheide ich mich für Letzteres und lasse meinen flinken Körper sprechen. Wenn aber mein Timing nicht stimmt, dann beißt Faith wieder ziemlich schnell ins Gras und es gilt, den Ladebildschirm zu begutachten. Das passiert wie gesagt häufig und zehrt durchaus an den Nerven. Da ich mich aber immer auf Herausforderungen freue, ist das für mich kein Grund Mirror's Edge nicht zu spielen. Nach einer gewissen Zeit arrangiert man sich nämlich mit den Unzulänglichkeiten und will das Spiel in Rahmen dieser schlagen. Und nachdem mir das gelungen ist, widme ich mich den Time Trials. Diese letzte Herausforderung dürfte sicherlich nur die Hardcorefans ansprechen, für diese aber eine Offenbarung sein.
Mirror's Edge wird hoffentlich einen Impact auf die kommenden Ego-Shooter Spiele haben. Es gibt keine bessere Körpersimulation als dieses EA-Spiel. Leider wussten die Jungs von DICE diese nicht mit einer packenden Story zu versüßen. So bleibt ein wirklich hübsch anzusehender Titel, der mit einmaligen Gameplay gleichermaßen zu frusten als auch begeistern weiß. Wer mal etwas Anderes als den ständigen Einheitsbrei spielen will, der kommt um Mirror's Edge dieses Jahr sicherlich nicht herum.
Kommentare (26)
Nesaija
Kampfwurst2
Dunkelzahn
"Ich habe noch nie ein Spiel erlebt, in dem ich so sehr das Gefühl habe, mich in einem virtuellen Körper zu befinden"
Ich erinnere mich noch an Breakdown (für Xbox Uno) und hatte damals auch schon dieses Gefühl, vielleicht sogar ein bisschen stärker. Aber wahrscheinlich kennt der Tester den Titel nicht.
MilchBanDi
Jo Das stimmt ,habs auch durchgespielt ^^
FinalAuthority Pinta
Ich denke mal das der Tester den Titel kennt. Aber nur weil man bei Breakdown gekotzt hat, hebt es nicht das Mittendrin Gefühl.
salasar
Die Story liest sich ein bischen wie eine sehhhr nahe zukunfts version von Deutschland ;-)
Vetulus
Abbath82
Hat Preis/Leistung keinen Einfluss aufs neue Wertungssystem?
Johnson
Dratir
Es tönt nicht mal besser!