Monsters vs. Aliens
15:13 Uhr - Pixar vs. Dreamworks, das ist der ewige Kampf in der Animationsfilmbranche. Lizenzspiel vs. Qualität, das ist der ewige Kampf in der… ihr wisst schon wo. Spiele wie „Kung Fu Panda“ oder „Madagascar 2“ haben zuletzt jedoch verdeutlicht, dass die Software-Umsetzungen aber keinesfalls über einen Kamm geschert werden können. Jetzt tritt auch der neuste Streifen namens „Monsters vs. Aliens“ diesen Qualitätsbeweis an, kann dabei aber nur in Teilen überzeugen.
Bizarrer Kampf der komischen Wesen
Die Story ist so einfach wie auch schnell erzählt: Die US-Regierung unterhält unter der Kontrolle von General K.O. Putsch eine geheime Basis, in der eine Reihe von Monstern haust: Dr. Kakerlake, einem ambitionierten Forscher mit entsprechendem Aussehen ist der Kopf der Bande. Ihm unterstehen B.O.B, ein unzerstörbares und formbares Schleimwesen, Gigantika (eigentlich Susan), eine meterhohe, moderne Frau, die auch mal gerne Militärjeeps als Rollschuhe missbraucht sowie die Fisch-Mensch-Mutation namens Missing Link. Zuletzt wäre da noch das lustigste Mitglied der Gruppe: Insektosaurus. Der Name verrät wohl schon alles. Ihm ist es auch zu verdanken, dass euch die in Spielegrafik gehaltenen Zwischensequenzen den einen oder anderen Schmunzler abgewinnen können. Ansonsten erwarten euch leider ein Haufen stupider Sprüche und lahmer Gags am laufenden Band. Vielleicht hätte man sich hier besser an der Filmvorlage orientieren und einige Clips eins zu eins übernehmen sollen. Doch auch wenn Humor und Optik hier eher zu kurz kommen, kann man den Kampf gegen Alien-Invasor Gallaxhar ohne Probleme nachvollziehen. Auch die zahlreichen Anspielungen auf alte Science-Fiction-Schinken kommen im Videospiel noch einigermaßen gut rüber und sorgen bei Genre-Liebhabern für nostalgische Erinnerungen an vergangene B-Movies.
Repetitives Standard-Gameplay
„Monsters vs. Aliens“ macht all das, was andere Filmumsetzungen bereits getan haben: Ihr bestreitet ein strikt lineares Level nach dem anderen, wechselt dabei öfters zwischen den einzelnen Protagonisten hin und her und seht nach ca. sieben bis acht Stunden den Abspann. Hört sich ja im ersten Moment alles wunderbar an: Lineare Level für die kleinen Zocker unter uns, Abwechslung durch verschiedene Charaktere und eine ordentliche Spielzeit für ein Lizenzgame. (Wer bereits zur unten stehenden Wertung gescrollt hat, fragt jetzt sicher nach dem „aber“. Und das sollt ihr haben.) Aber: Die linearen Level sind nicht nur leicht zugänglich, sondern langweilen auch jeden Spieler aus jeder Altersklasse, gerade im späteren Spielverlauf. Denn oftmals läuft es nach folgendem Schema ab: Ihr betretet einen abgegrenzten Bereich, werdet vor ein Problem gestellt – Türöffnungsschalter, bewegende Plattformen, knackige Gegner – und löst es. Danach gelangt ihr in einen größeren, abgegrenzten Bereich, und werdet noch einmal vor genau dasselbe Problem gestellt. Das mag zwar die Arbeit des Entwicklungsstudios sehr komfortabel gestaltet haben und ermöglicht gleichzeitig die relativ lange Spielzeit, sorgt unter der zockenden Bevölkerung aber für reichlich Langeweile und Demotivation. Da helfen selbst nicht die verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Charaktere. Während man mit B.O.B durch allerlei Materialien hindurchschleimen und Gegner einfach verschlucken und danach ausspucken kann, ist Missing Link eher für die reine Prügel zuständig. Einige wenige Abschnitte mit dem schrägen Insektosaurus setzen voll auf simple Reibereien mit ebenso riesigen Robotern. Insgesamt unterscheiden sich die beiden aber nicht genug voneinander, um ein eigenständiges Spielgefühl zu gewährleisten. Außerdem sind die Kapitel auf jeweils einen festen Charakter zugeschnitten, ein dynamischer Wechsel der Spielfiguren ist nicht möglich.
Ein Riese auf Rollschuhen
Nur die eher kurzen Abschnitte mit Gigantika unterscheiden sich wesentlich vom Rest, denn hier skatet man durch diverse Geschicklichkeitsabschnitte und sammelt ordentlich DNA ein. Selbige kann im Labor dann gegen allerlei Extras wie Konzeptgrafiken, Audiokommentaren und Bildern aus dem Film eingetauscht werden. Dazu muss man zum Teil bereits gemeisterte Level noch einmal unter Zeit- oder Erfolgsdruck bewältigen, damit wirklich alle Inhalte freigeschaltet werden. Am interessanten sind aber die Upgrades, die für mehr Energie und Schaden bei den Hauptcharakteren sorgen. Oder neue Fähigkeiten für den optionalen Koop-Partner. Ja, richtig gehört, „Monsters vs. Aliens“ unterstützt kooperatives Beisammensein. Leider übernimmt Spieler 2 nur die Rolle von Doktor Kakerlakes Strahlenkanone und kann mit einem Zielkreuz Feinde auf’s Korn nehmen oder später auch via Greiffunktion durch die Gegend schleudern. „Super Mario Galaxy“ lässt grüßen! Auch einige Abschnitte erinnern frappierend an das Meisterwerk von Nintendo – etwa die Erklimmung eines riesigen Roboters inklusive dem Ausdrehen von Schrauben – erreichen aber zu keinem Zeitpunkt auch nur annährend dessen Qualität. Darüber hinaus gibt es weitere Anleihen aus anderen Titeln, etwa die obligatorischen Quicktime-Events, sogar beim Öffnen schwerer Metalltüren.
Technisch ist der Titel, gerade auf den Plattformen Xbox 360, PS3 und PC, eine Enttäuschung. Zwar läuft alles flüssig, allerdings finden sich an jeder Ecke und vor allem in den Zwischensequenzen immer wieder äußerst unscharfe Texturen wieder, die direkt von der PS2- oder Wii-Version stammen könnten und wahrscheinlich wirklich nur hier hineinkopiert wurden. Dafür bietet besagte Nintendo-Variante die präzisere Steuerung für den Koop-Partner, denn das Zielkreuz reagiert bei einem konventionellen Analog-Stick etwas zu empfindlich. Immerhin entschädigt die einschaltbare Zielhilfe... Gemessen an ein Lizenzgame enttäuschen die Synchronstimmen und hinken dem Kino-Auftritt klar hinterher. Irgendwie zwar professionell, trotzdem aber gelangweilt und zuweilen nervig (Gigantikas Schreie!) - anders lässt sich die Vertonung nicht beschreiben.
Pro und Contra
- + mehrere spielbare Charaktere
- + ordentliche Spielzeit
- + Koop-Modus
- + viele Extras zum Freischalten
- - Repetitive Level
- - abwechslungsarmes Gameplay
- - z.T. gelangweilte Sprecher
- - technisch nur unteres Mittelmaß (360/PS3/PC)
- - stupide Zwischensequenzen
Nur für jüngere Spie… Moment mal!
Normalerweise könnte ich jetzt wieder die Standardphrasen für ein Lizenzspiel loslassen: „Es gibt wesentlich bessere Alternativen“, „investiert lieber in eine Kinokarte inklusive Popcorn und Getränk“ oder auch „wartet, bis ihr den Titel auf dem Grabbeltisch findet“. Ausleihen wäre natürlich auch keine schlechte Idee! Aber nein, „Monsters vs. Aliens“ macht streckenweise Spaß und erinnert mithilfe der verschiedenen Spielelementen und Settings an moderne Klassiker wie „Super Mario Galaxy“ oder „God of War“, auch wenn es nie ansatzweise an deren Güteklasse heranreicht. Aber gerade – und jetzt greife ich wieder einen Allerweltssatz auf – Fans dürfen hier durchaus zugreifen, um das Abenteuer von Gigantika, Missing Link & Co. virtuell nachzuerleben. Speziell das jüngere Publikum dürfte über viele der angesprochenen Kritikpunkte hinwegsehen können und seinen Spaß mit dieser Filmversoftung haben. Doch Achtung: Die USK hat das Spiel unverständlicherweise erst ab 12 Jahren freigegeben! Wie auch immer… „Monsters vs. Aliens“ ist gewissermaßen das Ratatouille der Lizenzspiele: Es sieht nicht besonders appetitlich aus, aber irgendwie schmeckt es dann doch. Zumindest denen, die nicht ständig mit Luxusfutter verwöhnt werden. Pixar macht trotzdem die besseren Filme…
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Kommentare (9)
Steffen261279
Du greifst einen Satz AUF, nicht aus ;)
Schöner Test, aber ich glaub das Game wird an mir vorbei gehen ohne Tränen nachgeweint zu bekommen
Lyf
Naja, 60 Euro ist es jedenfalls nicht wert. 30 fürn PC vielleicht.
EL POLLO DIABL0
Robert Buch
Cyberia
HollowFFM
xXDonReneXx
Saibot
Toy Story fand ich übrigens ganz gut :D
Daniel Pook