MotorStorm: Apocalypse
„Frankensteins Todesrennen“ auf der Playstation 3! Im dritten (eigentlich vierten) Teil des Sony-exklusiven Motorsport-Irsinns verpassen die „Evolution Studios“ ihrem Baby eine gehörige „Split/Second“-Infusion und definieren den Begriff „Offroad“ gleich neu. Ist „Apocalypse“ also der endgültige „MotorStorm“ oder nur ein weiterer stürzender Pfeiler, der den Untergang des Action-Rennspiels markiert?
Tausche Wald gegen Stadt. Hey, die ist ja schon kaputt.
Bevor ihr noch über die Ungewissheit der eben gestellten Frage wahnsinnig werdet, wollen wir sie lieber schnell beantworten. „MotorStorm: Apocalypse“ ist der Zenit einer pfiffigen Action-Rennspiel-Serie, die als aufsehenerregende Grafik-Demonstration für die Playstation 3 begann und dieser enormen Beachtung nun endlich auch inhaltlich gerecht wird, wenngleich das nicht unbedingt aufgrund wegweisender Technik geschieht und einige alte Kritikpunkte auch in der Endzeit bestand haben. Dass die Reihe über die beiden Next-Gen-Vorgänger und das PSP/PS2-eigene „MotorStorm: Arctic Edge“ eine solide Fanbasis aufbauen konnte, liegt womöglich auch zum Teil daran das den einzelnen Episoden stets eine neue Szenerie zugrundelag, welche das im Kern unverändert gebliebene Prinzip frisch hielt. Von matschig-dreckigen Wüstenlandschaften im Original, ging es über satt bewachsene Dschungelgebiete und feucht erquickende Strände in „Pacific Rift“, die arktischen Schneegebiete im genannten Last-Gen-Spin-Off und nun in das vielschichtige Straßennetz einer fiktiven – und mit „fiktiv“ meine ich San Francisco – Großstadt. Moment! Großstadt? War „MotorStorm“ nicht immer eine Offroad-Angelegenheit – unwegsames Gelände, waghalsige Abzweigungen und jede Menge Dreck? Jepp, und die ist es auch geblieben. Wie der Titel es verrät, vollzieht sich nun auch im Rennspiel-Genre der Weltuntergang und die Stadt und damit genau das Areal in dem ihr eure Rennen austragt, wird von Erdbeben, Explosionen, und Wirbelstürmen komplett umgestaltet. Dieses Szenario ist gleich dreifach ein cleverer Kniff der Macher. Nicht nur sind eingeknickte Highways, zusammengestürzte Straßenzüge und unfreiwillig stillgelegte U-Bahntunnel, von Trümmern und Müll gezeichnet, noch immer eine ideale Spielwiese für PS-starke, wendige Buggies, Jeeps und Motorräder. Gleichzeitig haben nun auch fehlende Fahrzeugklassen, wie Supersportwagen und Muscle Cars ihre Daseinsberechtigung. „Evolution“ haben damit wohl das erste Road-Offroad-Rennspiel der Videospielgeschichte geschaffen. Noch viel wichtiger aber: Der zelebrierte Weltuntergang erlaubt überwältigend bombastische Panoramen der Zerstörung, die häufig auch noch den ganzen Streckenverlauf verändern.
Am Ende regieren also doch wieder die Verrückten
Erleben dürft ihr die High-Speed-Apokalypse in allen sozialen Kombinationsmöglichkeiten: Alleine, online gegen maximal 15 Wahnsinnige aus aller Welt und endlich auch mal wieder im Splitscreen mit bis zu drei weiteren Mitspielern. Letzteres Feature bekommt von mir ganz besonderes Lob, denn nicht nur habe ich diese Option in den meisten jüngeren Rennspielen schmerzlich vermisst (Als WG-Bewohner mit recht vielen videospielgeisterten Freunden, die sträflicherweise noch immer dem PC den Vorzug geben, sind schnell mal zockwillige Gemeinschaften für eine entspannte Runde vor der heimischen Glotze gebildet.), ihr könnt dabei sogar immer noch zusammen oder in gepflegter Feindschaft gegen die Internet-Konkurrenz antreten. Dabei wird die Grafik zwar auf ein noch gut erträgliches Maß heruntergeschraubt, immerhin laufen die Auseinandersetzungen dann aber immer noch flüssig ab. Bei den Spielmodi stehen allen Beteiligten gewöhnliche Rennen, Eliminator- (Innerhalb eines sich wiederholenden Countdowns scheidet der jeweils letzte im Fahrerfeld aus. Wer am Ende übrig bleibt gewinnt.) und Verfolgungsherausforderungen (Ihr müsst eine bestimmte Zeit lang auf Höhe des forderen Fahrerfeldes bleiben, um nicht rauszufliegen. Je weiter vorne, desto mehr Punkte gibt es nach einer Runde. Wer zuerst 20 Punkte hat, gewinnt.) zur Auswahl. Das ist insgesamt etwas spärlich. Hier hätte das Szenario deutlich mehr hergegeben.
Solisten bekommen mit dem Festival zusätzlich noch einen umfangreichen Story-Modus, sowie einen fein ausgearbeiteten Time-Attack-Mode. In der Kampagne nehmt ihr nacheinander in der Rolle eines Anfängers, eines Profis und eines Veteranen an einem Rennsportfest teil, dass eine Ansammlung von Bekloppten von einem Flugzeugträger (!) aus genau in dieser Stadt abhält. Und ihr seid unter ihnen. Was letztlich nicht für euren hohen IQ, wohl aber für eure Spaßbereitschaft spricht. Präsentiert wird die „Geschichte“, wenn man sie so nennen will, in kurzen, stylisch gezeichneten, aber auf „South Park“-Niveau animierten Comic-Clips, zwischen den Rennen. Diese stehen meist in keinem engeren Zusammenhang und sind alles andere als intellektuelle Arthouse-Werke. Aber sie sind auch nicht unsympathisch, weil herrlich überzogen, bringen die Action durchaus in einen erzählerischen Kontext – was den meisten Konkurrenzprodukten immer noch abgeht – und sorgen für frische Farbtupfer und einen gehörigen Gute-Laune-Faktor in der ansonsten tristen Endzeit-Welt. Innerhalb des Festivals werdet ihr (so klassisch, dass es schon wieder originell ist) schön der Reihenfolge nach von einem Event zum nächsten geschickt, vorgegebener Feuerstuhl inklusive. Das ist vielleicht nicht sonderlich komplex oder fortschrittlich, aber angenehm unkompliziert und vermittelt nebenbei ganz hervorragend die Vor- und Nachteile der verschiedenen Fahrzeugklassen und für welches Setting sie am besten geeignet sind.
Lest auf Seite 2, warum der Weltuntergang jede Menge Spaß macht...
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Kommentare (16)
MacAl
KING_BAZONG
Interessant könnte sein, dass ich Apocalypse etwas leichter finde als die Vorgänger (es gibt aber immer noch zähe Events/Rennen).
Und was auch noch erwähnenswert ist: Es wiederholen sich so gut wie keine Strecken in der Karriere. Immer ein wenig anders gestalten die sich. Langeweile kommt hier nicht auf.
Die KI kann manchmal auch wieder hundsgemein sein und rempelt ohne Gnade. Doch ist hier weit weniger Frust versteckt als noch in Pacific Rift oder dem Einser.
Das "in vielen Einzelbereichen auf PS2-Niveau" würde ich anders formulieren: In wenigen Einzelbereichen auf PS2-Niveau, was aber schon immer so war.
Ich sehe in APOCALYPSE vor Allem einen nahezu verschwenderischen Umgang mit Polygonen, sei es in Bezug auf die hochdetaillierten Wagenmodelle oder auf die ganzen Partikel, den Schutt, die Einrichtungsgegenstände usw., die einem auf der Strecke begegnen. Das ist schon zum mit der Zunge schnalzen !
Und die versteckten Karten auf jeder Rennstrecke motivieren ebenfalls zum mehrfachen Fahren derselben.
Ladezeiten sind recht lang, das stimmt. Kann nerven.
Unterm Strich fände ich es schade, wenn die Reihe eingestellt würde. Ist ja aber wohl geplant. Muß man sehen, was nachkommt.
Dennoch ist und bleibt MS für mich neben UNCHARTED das wohl beeindruckendste neue Franchise in dieser Generation !
Steffen261279
KING_BAZONG
karatecat
tc@mper
Realdeal
MyNameIsDotty
Was solls, ich hoffe dass Evolution irgendwann wieder neues WRC bringen. Da gabs diese Gen noch gar nichts wirklich gutes. Dirt schön und gut, aber das ist halt auch eher Arcade-Racer mit zu wenig Rally für meinen Geschmack.
TheoRy
KING_BAZONG
Also "unterirdische Grafik" kann ich wirklich nicht bestätigen. Ich finde das Spiel beeindruckend, wie schon die Vorgänger.