MySims
Samstag, 03. November 2007
12:56 Uhr - "Nichts für Hardcore-Zocker", so lautete das Fazit von Marisa zum Test der DS Version von MySims. Kann MySims auf dem Nintendo Wii vielleicht mehr begeistern? Unser Thomas wagt den Selbstversuch.
Normalerweise würde ich jetzt anfangen, über diverse AddOns zu EAs Goldesel „Die Sims“ zu schimpfen. Ich würde toben ob der vielfältigen Möglichkeiten, mit denen dem armen, unbedarften Spieler die hart verdienten Euro aus der Tasche gezogen werden, nur, um mal wieder ein paar nie zuvor da gewesene Einrichtungsgegenstände ins virtuelle Haus zu stellen oder das harte Sim-Leben mit neuen, fiesen Kleinigkeiten noch ein wenig stressiger zu gestalten. Allerdings ist der neueste Streich der Lebenssimulation nicht so normal wie seine Vorgänger. Außerdem ist es kein AddOn. Und überhaupt – fand ich Die Sims in all ihren Variationen schon nicht schlecht, so sind die MySims ein ganz anderes Kaliber. Nicht nur inhaltlich.
Früher war alles besser. Zumindest zum Teil. Eine dieser Sachen, die damals besser waren, ist die Stadt, in der man sich zu Beginn des Spieles wiederfindet. Zumindest war sie damals viel belebter und hübscher. Doch dann kam der Tag, an dem der alte Bauherr verschwand – und es ging stetig bergab. Es fand sich niemand mehr, der Häuser für die Bewohner entwarf, der Möbel, Kühlschränke oder gar Plasma-Farbfernseher bauen konnte. Also sind viele weggezogen und die Stadt ist verweist. Genau hier setzt das Spiel an und verabschiedet sich gleichzeitig vom nervtötenden Sim-Alltag der letzten Jahre.
War man bisher im ewigen Kreislauf aus Waschen, Harndrang befriedigen und genug Schlaf finden um ja einigermaßen ansprechend gelaunt zu sein, gefangen, wenden sich die MySims vollkommen von diesem Konzept ab. Viel eher findet man sich in einer freien Spielwelt wieder, in der man dem Spiel folgen kann. Oder eben nicht, ganz, wie es beliebt. Um voran zu kommen, empfiehlt es sich auf jeden Fall, die ersten Stunden den eigentlichen Aufgaben nachzukommen. Die bestehen darin, den verbliebenen Ladenbesitzern diverse Einrichtungsgegenstände zu basteln und sie mit entsprechenden Essenzen anzupinseln. Die Essenzen findet man überall in der Umgebung. Sie wachsen an Bäumen, verstecken sich in Höhlen vergraben oder im Teich, wo man nur zur Angel greifen aucht, um sie herauszufischen. Dabei sind einige seltener als andere, und so kann man schon mal die ein oder andere Stunde damit zuingen, nach Superhelden- oder Schokokuchen-Essenzen zu suchen. Mit jeder erledigten Aufgabe steigt die Ansehen-Leiste der Stadt. Ist diese gefüllt, erhält die Stadt einen Stern, und mit jedem weiteren gibt es neue Werkzeuge, die man nutzen kann, um in neue Bereiche vorzudringen.Leider wurde komplett darauf verzichtet, die Online-Möglichkeiten der Wii in das Spiel einzubinden. Es wäre toll gewesen, mit Spielern rund um den Globus Essenzen zu tauschen oder einfach durch deren Stadt zu flanieren. Na, vielleicht beim nächsten mal…
Das Spiel ist so gemein, das es auch Jungs anspricht. Und zwar zumindest die, die schon als Kinder wie die Irren aus all ihren Legosteinen die größten Modelle gebaut haben. Dabei muss man zwischen zwei grundlegenden Bau-Modi unterscheiden. Zum einen wäre da der Hausbau-Modus. An speziell ausgezeichneten Grundstücken kann der Spieler Häuser für seine Townies oder neue Läden bauen. Dazu bedient man sich aus einer stets wachsenden Anzahl an Formen, die man in verschiedenen Stufen in der Größe verändern kann. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen Basis-Formen, Türen, Fenstern, Dächern, schmückendem Beiwerk, Säulen, spezielleren Formen, Turm-Bausteine, sinnlosem Schnörkel oder Deko-Utensilien rund um den Garten, die alle frei miteinander kombiniert werden können. Erstaunlicherweise sieht man sich selbst stets genötigt, sein vorhergehendes Bauwerk in den Schatten zu stellen, und so kommt es, dass man selbst nach dem fünfzehnten Gebäude immer noch neue Einfälle hat, die man unbedingt umsetzen möchte. Einziges Manko: Man hat nur eine bestimmte Anzahl an „Anbaumöglichkeiten“. Nach 50 oder 60 Elementen ist Schluss. Das mag zwar viel klingen, hat meinen persönlichen Schönheitssinn jedoch schon ein paar mal an den Rand der Verzweiflung getrieben.
Der zweite Bauabschnitt betriff alles, was in den Häusern wiederzufinden ist. Das geht von einfachen Tischen und Stühlen über Kunstwerke bis hin zu Eis-Theken oder Videospiel-Automaten. Auch in diesem Modus erhält man mit fortwährender Spieldauer immer neue Formen, bis letztendlich nur noch mangelnde Geduld oder zu extreme Wünsche dem handwerklichen Eifer seine Grenzen aufzeigen. Dabei orientiert man sich im wesentlichen an Bauplänen, die man von den Auftragsgebern oder Townies erhält. Doch dabei muss es nicht bleiben – wenn das Grundgerüst einmal steht, kann man nach Belieben mit dem Verschönern beginnen.Das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit kann anschließend mit den bereits erwähnten Essenzen bestrichen werden. Jede Essenz bietet verschiedene Muster, die aufgetragen werden können. Das Ergebnis ist klar: lässt man 100 Leute das selbe bauen, so kann man drauf wetten, das jedes Teil ein Unikat ist.
Abseits vom überarbeiteten Gameplay geht man auch im Design der Welt und der Figuren neue Wege. War in letzter Zeit bei den Sims doch sehr die Tendenz zu „jung, hipp und erfolgreich“ zu beobachten, geht MySims, wohl nicht zuletzt der Zielgruppe wegen, den Weg in Richtung knuffig bunte Zuckerwattenwelt mit Sahne oben drauf. So sind die Sims nicht mehr durchgestylte Trendsetter, sie sind eher knutschkugelige Miis in hübsch. Klar, dass auch hier das ein oder andere ausgefallene Accessoire nicht fehlen darf, dennoch ist das Erscheinungsbild alles in allem wesentlich sympathischer geworden, was nicht zuletzt daran liegt, dass man mittlerweile sogar die Klangfarbe der Stimme seiner virtuellen Ebenbilder bestimmen darf.
Doch nicht nur am Charakterdesign wurde gearbeitet, auch die Landschaften passen sich nahtlos dem neuen Selbstverständnis an. Abgesehen vom Stadtkern mit seinem Springunnen und der imposanten Residenz der Frau Bürgermeisterin, bietet die Spielwelt allerhand liebevolle Details zu entdecken. Neben den erst im späteren Verlauf des Spiels zugänglichen Bereichen der Stadt, die sich nicht nur optisch vom Startbereich abheben, sind es vor allem all die Kleinigkeiten abseits der Wege, die begeistern können. So fliegen Schmetterlinge über Blumen, kleine Bienen drehen ihre Runden über die verschiedensten Obstbäume und nachts kann man hier und da einen Schwarm Glühwürmchen ausmachen.So viel optische Pracht hat natürlich ihren Preis. Wenn die Stadt wieder ein wenig in Schwung kommt, man vielleicht ein paar außergewöhnliche architektonische Meisterwerke auf die Beine gestellt und ein paar Bewohner an Land gezogen hat, hat man die Lebenslichter der Spielkiste ähnlich viel Angst wie um die der anderen weißen Konsole. Dementsprechend ängstlich ist dann auch der Blick, wenn die Wii die Disc bearbeitet, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Mit Sorgenfalten auf der Stirn malt man sich die wüstesten Garantiefälle aus, so furchterregend mutet die Nachladeorgie an. Darüber kommt dann auch gern das ganze Spiel ins Stocken, so dass man bereits sein mühsam erarbeitetes Savegame ins Datennirvana entschwinden sieht. Zwar lässt sich das ganz gut in den Griff bekommen, in dem man nach einer der sehr häufigen Ladesequenzen, sei es, weil man ein Haus betritt, eines verlässt, weil man im Essenzenbuch nachsieht, seine Baupläne einsehen will, etc, die Spielfigur kurz „ruhen“ lässt – das aber ist dem Spielfluss auch nicht so richtig zuträglich. Hier hätte dringend Hand angelegt werden müssen.Einige nette Details hat auch die Soundkulisse zu bieten. Je nach Etablissement, dem man sich nähert, ändert sich die gespielte Musik. So wird es italienisch, wenn man sich der Pizzeria nähert oder gespenstisch, wenn man das Gebiet des Dorf-Gruftis streift. Dabei sind die Stücke allesamt ziemlich eingängig und bergen die Gefahr, das man gewillt ist, laut mitzududeln.
Klar, MySims ist nicht perfekt. Ladezeiten aus der Hölle sind neben den gefühlten zwei Tonnen an Aufgaben, die sich im Grunde stets wiederholen, nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Und? Ganz ehrlich, das juckt mich nicht die Bohne. Ich kann schalten und walten, wie es mir beliebt. Ich kann Freundschaften aufbauen, Möbel entwerfen, Anwesen von beinahe epischen Ausmaßen in die Landschaft betonieren oder einfach nur zusehen, wie sich mein kleines Dorf entwickelt. Nach einer Runde MySims, die gerne mal das ein oder andere Stündchen dauert, fühle ich mich einfach gut.
Das gibt dem Knuddel-Ableger der Sims seine ganz eigene Daseinsberechtigung, abseits von „Killerspiel 4711“ und dem „Renner 0815“. Versteht mich nicht falsch: so sehr ich Rennspiele liebe und mich (bekennenderweise) mit Vorliebe durch das WW2-Setting mähe, so sehr schätze ich seelenbaumelnde Abwechslung, die mir MySims auf dem Silbertablett serviert. Das nächste mal mit weniger Ladezeiten und dem gewissen Funken mehr an Abwechslung ausgestattet und EA liefert mir meinen persönlichen Hit-Kandidaten.
Es war einmal…
War man bisher im ewigen Kreislauf aus Waschen, Harndrang befriedigen und genug Schlaf finden um ja einigermaßen ansprechend gelaunt zu sein, gefangen, wenden sich die MySims vollkommen von diesem Konzept ab. Viel eher findet man sich in einer freien Spielwelt wieder, in der man dem Spiel folgen kann. Oder eben nicht, ganz, wie es beliebt. Um voran zu kommen, empfiehlt es sich auf jeden Fall, die ersten Stunden den eigentlichen Aufgaben nachzukommen. Die bestehen darin, den verbliebenen Ladenbesitzern diverse Einrichtungsgegenstände zu basteln und sie mit entsprechenden Essenzen anzupinseln. Die Essenzen findet man überall in der Umgebung. Sie wachsen an Bäumen, verstecken sich in Höhlen vergraben oder im Teich, wo man nur zur Angel greifen aucht, um sie herauszufischen. Dabei sind einige seltener als andere, und so kann man schon mal die ein oder andere Stunde damit zuingen, nach Superhelden- oder Schokokuchen-Essenzen zu suchen. Mit jeder erledigten Aufgabe steigt die Ansehen-Leiste der Stadt. Ist diese gefüllt, erhält die Stadt einen Stern, und mit jedem weiteren gibt es neue Werkzeuge, die man nutzen kann, um in neue Bereiche vorzudringen.Leider wurde komplett darauf verzichtet, die Online-Möglichkeiten der Wii in das Spiel einzubinden. Es wäre toll gewesen, mit Spielern rund um den Globus Essenzen zu tauschen oder einfach durch deren Stadt zu flanieren. Na, vielleicht beim nächsten mal…
Tom, der Baumeister
Der zweite Bauabschnitt betriff alles, was in den Häusern wiederzufinden ist. Das geht von einfachen Tischen und Stühlen über Kunstwerke bis hin zu Eis-Theken oder Videospiel-Automaten. Auch in diesem Modus erhält man mit fortwährender Spieldauer immer neue Formen, bis letztendlich nur noch mangelnde Geduld oder zu extreme Wünsche dem handwerklichen Eifer seine Grenzen aufzeigen. Dabei orientiert man sich im wesentlichen an Bauplänen, die man von den Auftragsgebern oder Townies erhält. Doch dabei muss es nicht bleiben – wenn das Grundgerüst einmal steht, kann man nach Belieben mit dem Verschönern beginnen.Das Ergebnis der schweißtreibenden Arbeit kann anschließend mit den bereits erwähnten Essenzen bestrichen werden. Jede Essenz bietet verschiedene Muster, die aufgetragen werden können. Das Ergebnis ist klar: lässt man 100 Leute das selbe bauen, so kann man drauf wetten, das jedes Teil ein Unikat ist.
Auf zu neuen Welten
Doch nicht nur am Charakterdesign wurde gearbeitet, auch die Landschaften passen sich nahtlos dem neuen Selbstverständnis an. Abgesehen vom Stadtkern mit seinem Springunnen und der imposanten Residenz der Frau Bürgermeisterin, bietet die Spielwelt allerhand liebevolle Details zu entdecken. Neben den erst im späteren Verlauf des Spiels zugänglichen Bereichen der Stadt, die sich nicht nur optisch vom Startbereich abheben, sind es vor allem all die Kleinigkeiten abseits der Wege, die begeistern können. So fliegen Schmetterlinge über Blumen, kleine Bienen drehen ihre Runden über die verschiedensten Obstbäume und nachts kann man hier und da einen Schwarm Glühwürmchen ausmachen.So viel optische Pracht hat natürlich ihren Preis. Wenn die Stadt wieder ein wenig in Schwung kommt, man vielleicht ein paar außergewöhnliche architektonische Meisterwerke auf die Beine gestellt und ein paar Bewohner an Land gezogen hat, hat man die Lebenslichter der Spielkiste ähnlich viel Angst wie um die der anderen weißen Konsole. Dementsprechend ängstlich ist dann auch der Blick, wenn die Wii die Disc bearbeitet, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Mit Sorgenfalten auf der Stirn malt man sich die wüstesten Garantiefälle aus, so furchterregend mutet die Nachladeorgie an. Darüber kommt dann auch gern das ganze Spiel ins Stocken, so dass man bereits sein mühsam erarbeitetes Savegame ins Datennirvana entschwinden sieht. Zwar lässt sich das ganz gut in den Griff bekommen, in dem man nach einer der sehr häufigen Ladesequenzen, sei es, weil man ein Haus betritt, eines verlässt, weil man im Essenzenbuch nachsieht, seine Baupläne einsehen will, etc, die Spielfigur kurz „ruhen“ lässt – das aber ist dem Spielfluss auch nicht so richtig zuträglich. Hier hätte dringend Hand angelegt werden müssen.Einige nette Details hat auch die Soundkulisse zu bieten. Je nach Etablissement, dem man sich nähert, ändert sich die gespielte Musik. So wird es italienisch, wenn man sich der Pizzeria nähert oder gespenstisch, wenn man das Gebiet des Dorf-Gruftis streift. Dabei sind die Stücke allesamt ziemlich eingängig und bergen die Gefahr, das man gewillt ist, laut mitzududeln.
Das gibt dem Knuddel-Ableger der Sims seine ganz eigene Daseinsberechtigung, abseits von „Killerspiel 4711“ und dem „Renner 0815“. Versteht mich nicht falsch: so sehr ich Rennspiele liebe und mich (bekennenderweise) mit Vorliebe durch das WW2-Setting mähe, so sehr schätze ich seelenbaumelnde Abwechslung, die mir MySims auf dem Silbertablett serviert. Das nächste mal mit weniger Ladezeiten und dem gewissen Funken mehr an Abwechslung ausgestattet und EA liefert mir meinen persönlichen Hit-Kandidaten.
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