Mytran Wars
12:16 Uhr - Mytran Wars auf der PSP ist eine ganz seltene Erscheinung. Es ist weder eine Umsetzung eines Playstation 2 Spiels, noch beruht es auf einem bekannten Franchise. Und dann erscheint es auch noch exklusiv für Sonys Handheld. Also genug Gründe das Rundenstrategiespiel mal ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.
Hinter dem Titel stecken die Jungs von Stormregion, die vor allen Dingen auf dem PC mit der Codename Panzers Reihe und Rush for Berlin schon einiges an Erfahrung in die Waagschale werfen können. Natürlich geht es auch in Mytran Wars um Krieg, allerdings nicht basierend auf einem Weltkrieg. Diesmal verschlägt es den Spieler in die Zukunft, besser gesagt in ein alternatives 23. Jahrhundert. Die Erde steht vor dem Abgrund, fossile Brennstoffe sind knapp, Hunger und Armut prägen das Weltbild. Die Menschen fallen auf dem Planeten Phytar ein, auf dem Rohstoffe in Hülle und Fülle vorhanden sind. Die naturgebundenen Bewohner des Planeten wollen ihre Bodenschätze natürlich nicht hergeben, es kommt zum Krieg. Hier steigt ihr ein. In der Rolle eines kleinen Mech-Trupps erkundet ihr den Planeten.
Alles was nötig ist
Im Grunde spielt die Hintergrundgeschichte aber keine große Rolle. Sie ist eher schmückendes Beiwerk, das in nett anzuschauenden Comicsequenzen präsentiert wird und nur dazu dient, die Missionsziele stärker herauszuarbeiten. Mal müssen bestimmte Gebäude oder Einheiten zerstört werden, mal gilt es, wichtige Ziele der Erdenbewohner zu beschützen. Der Weg ist dabei immer der gleiche. Zieht eure Einheiten rundenweise auf dem Schlachtfeld und rückt entgegenkommenden Einheiten mit möglichst viel Feuerkraft zu Leibe. Dabei spielt vor allen Dingen eure Position eine übergeordnete Rolle. Greift ihr Feinde von hinten oder der Seite an, ist euer Schaden deutlich höher als bei einem Frontalfeuergefecht. Steht ihr in der Nähe von befreundeten Mechs, erhöht sich euer Verteidigungswert ein wenig. Eine Art Waffendreieck, bei dem bestimmte Einheiten gegen andere im Kampf besonders effektiv sind, gibt es in Mytran Wars nicht. Hier setzt ihr eher auf die Feuerkraft eurer Heldeneinheiten, die deutlich höhere Angriffs- und Verteidigungswerte als Standardmechs besitzen. Dafür sind sie aber auch unersetzlich. Schaltet euer Gegenüber eine Heldeneinheit aus, ist der Kampf verloren. Um dem entgegenzuwirken, könnt ihr alle Kampfroboter mit neuen Waffen und Rüstungen aufbessern. So erhöht ihr nicht nur eure Kampfkraft, sondern könnt Einheiten auch spezialisieren.
Nun mach schon! Schneller!
Das ganze spielt sich allerdings recht zäh. Eure waffenstarrenden Einheiten bewegen sich nur langsam über das Spielfeld, Angriffe werden in zu langen Sequenzen zelebriert. Und da fast alle Einheiten über eine lange Lebensenergieanzeige verfügen, ziehen sich auch Kämpfe gegen völlig chancenlose Gegner minutenlang hin. Hinzu kommen unzählige Textsequenzen, kurze Ladezeiten nach jedem Zug und die schon oben erwähnten Comicschnipsel, die das ganze Spiel nur noch länger erscheinen lassen. Es kommt einfach überhaupt keine Dynamik auf, alles siecht und schleicht vor sich hin. Das macht keinen Spaß und langweilt bereits nach wenigen Missionen, zumal auch der Schwierigkeitsgrad nicht sonderlich hoch ist. Klar könnt ihr über viele taktische Kniffe verfügen, aber im Grunde reicht es meist, mit eurer Heldeneinheit alles platt zu walzen. Grips braucht ihr nie, eine Taktik nur in den seltensten Fällen. Das ist unterfordernd und öde.
Detailliert wie eine Kartoffel
Was im übrigen auch auf die Optik zutrifft. Die ist zwar recht bunt und gefällt mit abwechslungsreichen Kulissen, diese werden aber nicht sonderlich detailliert in Szene gesetzt. Hier mal ein Busch, dort ein Flusslauf, gelegentlich mal eine Anhöhe ... das war es dann auch schon an grafischen Highlights. Der Planet atmet nicht, alles wirkt wie ausgestorben. Keine Spur von netten Grafikspielereien oder feinen Effekten. Die Mechs stampfen über einen leblosen Planeten, und schauen dabei nicht mal sonderlich gut aus. Sobald die Kamera mal näher an die Roboter heranfährt, lässt sich das ganze polygonarme Elend erkennen. Immerhin sind sie recht ansehnlich animiert. Das aufbauendste, was sich über den Sound sagen lässt, ist, dass er nicht auffällt. Weder im positiven noch im negativen Sinne.
Pro und Contra
- + Einheiten lassen sich vielfältig erweitern
- + Spiel lässt viel taktischen Spielraum ...
- - lahmer Spielablauf
- - ...der aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades nicht gebraucht wird
- - optisch höchst durchschnittlich
Hätte nett werden können
Schon erstaunlich, dass es den Jungs von Stormregion nicht gelungen ist, der PSP einen guten Exklusivtitel zu sichern, wenn man bedenkt, dass die Entwickler in ihrer Vita bisher nichts genrefremdes produziert haben. Mytran Wars ist leider höchst durchschnittlich geworden und präsentiert sich auch so. Die Optik als zweckmäßig zu beschreiben, ist fast schon eine zu positive Betrachtung. Auf der PSP wäre da einfach viel mehr drin gewesen. Und da es auch an spielerischer Qualität mangelt, fällt unser Urteil nicht sonderlich gut aus. Dabei sind die Grundvoraussetzungen durchaus vorhanden. Ihr könnt eure Einheiten taktisch klug auf das Feld führen und sie durch eine intelligente Upgradepolitik auf eure Spielweise anpassen. Aber warum muss sich das ganze so zäh und lahm spielen? Warum ist der Schwierigkeitsgrad so niedrig angesetzt, dass ihr auf jegliches taktisches Geschick verzichten könnt? Mit etwas mehr Feingefühl wäre ein deutlich besseres Spiel dabei herausgekommen. Schade um die guten Ansätze.
Bewertung
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Kommentare (3)
ABRAGO
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