Naruto: Ultimate Ninja Storm
Mittwoch, 03. Dezember 2008
15:05 Uhr - Jeder Konsole ihr Naruto: Während die 360 vor kurzem mit The Broken Bond ein waschechtes Action-Adventure spendiert bekam, besitzt das PS3-Pendant zwar auch Adventure-Elemente, ist im Grunde aber ein rasantes Prügelspiel, bei dem sich grenzwertig gekleidete Teenager gegenseitig ordentlich einen/eins auf die Zwölf geben. Und die Fans lieben es. Es folgt der Erfahrungsbericht eines Naruto-Noobs.
Ninjatown
Die Geschichte des Spiels basiert lose auf der Animeserie und zeigt Narutos Ausbildung und seine Bestrebungen, ein Hokage zu werden - der angeseheste Ninja von allen. Dreh- und Angelpunkt ist das Heimatdorf Konohagakure, das erstaunlicherweise von mehr zerstör- und sammelbaren Gegenständen bevölkert wird als von Menschen. Die vorhandenen Bewohner sind dafür in der Regel sehr redselig und haben verschiedene Jobs für euch parat. Für das Erledigen dieser Gefälligkeiten erhält der quirlige Möchtegern-Ninja Erfahrungspunkte, die zum Freischalten von neuen Story-Missionen benötigt werden. Dieser Subquest-Zwang hat mir schon bei Saints Row missfallen. Bei Naruto kommt hinzu, dass sich viele Aufgaben schnell wiederholen.
Bevor es allerdings richtig losgeht, gilt es, sich durch ein Tutorial zu quälen, dass euch fest an die Hand nehmen und selbst die einfachsten Schritte durchkauen will („drücke den Analogstick nach vorne, um nach vorne zu laufen“ - Potzblitz!). Dabei dürftet ihr die äußerst eingängige und flüssige Steuerung in wenigen Sekunden verinnerlicht haben. Auch bei haarsträubenden und hektischen Aktionen behaltet ihr immer volle Kontrolle über den orangenen Rotzbuben. In der Stadt befinden sich zudem verschiedene Händler, bei denen ihr unter anderem neue Items für den Kampf kaufen könnt. Womit wir auch beim Kernelement des Spiels wären, denn im Prinzip dient die idyllische Gemeinde nur als aufgeblähtes Menü für die aufregend inszenierten Scharmützel.
Aufs Maul?
Diese sind – da hat das Backcover ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – eine wirklich gelungene Melange aus Anime und Videospiel. Vor allem die spektakulären, ausgiebig zelebrierten Chakra-Manöver dürften bei Fans für feuchte Schlüpfer sorgen. Manchmal müsst ihr auch bestimmte Bedingungen einhalten, z.B. den Gegner mit einem bestimmten Supermove besiegen oder mindestens 30 Prozent eurer Lebensenergie übrig behalten. Für zusätzliche Tiefe wollte man wohl durch das Team-Feature sorgen, das euch vor einigen Fights zwei Mitstreiter wählen lässt, die sich „on the fly“ in die Schlacht schicken lassen und mit ihren individuellen Fertigkeiten kurzzeitig für Unterstützung sorgen. In der Realität ändert das aber nichts daran, dass meistens auch hektisches Buttonmashing zum Sieg führt. Es sei denn, die Kamera macht euch einen Strich durch die Rechnung, die vor allem, wenn es an vertikalen Objekten zur Sache geht, so wirkt, als hätte sie zu viel Sake im Blut. Von diesen Mängeln abgesehen, lässt es sich aber sehr unterhaltsam verdreschen, auch weil der Humor nicht zu kurz kommt. Ich als Nicht-Eingeweihter fand es jedenfalls amüsant, wenn mir mein Gegner als Spezialangriff ein paar Hundewelpen entgegen hetzte oder ich gegen den „perversen Weisen“ antreten durfte. Naruto-Jünger finden sicherlich noch viele weitere Anspielungen und Insider-Gags, die mir leider verborgen geblieben sind.
Abgerundet werden die Prügelorgien durch Bosskämpfe gegen haushohe Monstrositäten, die am Ende eines jeden Kapitels warten. Spätestens hier werden auch diejenigen zufrieden gestellt, die bis jetzt den Begriff "Quick Time Event" vermisst haben. Netterweise kann man, wenn man es aufs Wesentliche reduziert mag, das ganze Drumherum mit Stadt und Story auch ad acta legen und vom Startmenü aus gleich den freien Kampfmodus wählen, in dem außer Naruto auch seine ganze Ninja-Clique zur Auswahl steht. Naturgemäß spielt es sich gegen menschliche Kontrahenten noch einmal eine ganze Ecke besser, Online-Duelle werden allerdings nicht unterstützt.
Eigentlich kann ich ja weder mit japanophiler Optik noch mit lahmen Tutorials etwas anfangen – Naruto: Ultimate Ninja Storm hat beides. Trotzdem bereitete es mir Spaß, mit dem Bengel über Hausdächer zu springen und effektvolle, ruckelfreie Kämpfe zu bestreiten. Leider bieten diese auf Dauer zu wenig Spieltiefe, um Virtua-Fighter- oder Dead-or-Alive-gestählte Prügel-Veteranen zu beeindrucken. Aber das will Naruto auch gar nicht. Mit seinem zugänglichen Gameplay, einem jederzeit einstellbaren Härtegrad sowie der authentischen Präsentation mit ihrem passenden Cel-Shading-Look und dem typischen Overacting (eingefleischte Nippon-Fans wählen die japanische Sprachausgabe) wendet sich Storm an die Heerscharen von treuen Naruto-Fans, die sicherlich zufrieden gestellt werden. Für mich persönlich war es eine nette Erfahrung, die mich zwar nicht zum Fan werden ließ, mir aber zumindest ein gutes Stück Sympathie abgerungen hat.
Bewertung
Naruto: Ultimate Ninja Storm ps3
0/10
Kommentare (3)
Spielereins
Gerg
chiefrebelangel