Nightcaster - Defeat The Darkness

16.01.2007 11:42
Nightcaster - Defeat The Darkness


Es war einmal vor langer, langer Zeit - als Rotkäppchen noch in die Windeln machte und die sieben Zwerge noch glücklich waren - da lebte ein junger Zauberer mit Namen Arran. In seiner Kindheit wohlbehütet wird er eines Tages von einem grausamen Schicksalsschlag heimgesucht - seine Eltern werden auf utale Weise umgeacht, die Welt um ihn herum verdunkelt sich und seine geliebte Heimatstadt Perth versinkt im Chaos. Apokalyptische Endzeitstimmung ist über das Land hereingeochen und Arran ist so allein wie nie zuvor.

Hat er anfangs noch keine Erklärung für diese chaotischen Zustände erfährt er bald von Orb, seiner spirituellen Lehrerin, wer für dieses Unheil verantwortlich ist und so wird innerhalb weniger Stunden der böse Zauberer Nightcaster zu Arrans meistgehasster Kreatur. Getrieben von Wut und Rachegedanken, aber auch mit dem Wissen, dass er der einzige ist, der die Welt vor Nightcaster beschützen kann, macht er sich auf den Weg, gegen das Böse anzutreten und wieder Licht in seine Welt zu ingen. Sehr schnell muss Arran erkennen, dass sein Weg mühsam und beschwerlich werden wird, denn mit der Dunkelheit, die sich wie kalter Nebel über das Land gelegt hat, sind auch die Kreaturen gekommen, deren einziger Wille es ist, alles zu vernichten, was sich ihnen in den Weg stellt.

Glücklicherweise ist Arran kein schlechter Zauberer, auch wenn er noch am Anfang seiner Magierkarriere steht, und so kämpft er verbissen mit den vier elementaren Zauberschulen Feuer, Wasser, Licht und Dunkelheit gegen das Böse, das ihm den Erfolg seiner Mission natürlich erschweren will. Wie bereits jetzt klar sein dürfte, ist die sich um das erste Märchen der Xbox rankenden Geschichte nicht gerade sonderlich innovativ, läuft es doch wieder einmal darauf hinaus, dass sich ein einsamer Kämpfer auf den Weg macht, seine letzte Chance, das Böse zu vernichten, zu nutzen.

Zwar hört sich der Plot dieses Spiels sehr nach einem reinrassigen Rollenspiel an, doch echte Rollenspielfreaks werden hier leider enttäuscht. Das Spiel mutet leider eher wie ein Action-Titel aus der Third-Person-Perspektive an und bietet nur in ganz wenigen Elementen einen Flair von RPGs. Deutlich wird das vor allem durch die fehlende Möglichkeit, seinen Charakter hochzupowern und mit zunehmendem Level seine Charaktereigenschaften zu verbessern. Die einzige Möglichkeit des Charakter-"Tunings" liegt in der mit der Zeit stärker werdenden Magie, ein richtiges Rollenspielsystem kann dies aber natürlich nicht ersetzen.

Das Gameplay ist gleichermaßen simpel wie auf die Dauer leider auch etwas ermüdend. Die Message lautet: Töten sie alles, was sich bewegt. Sollte ihnen eine Figur freundlich gesinnt sein, wird sie es im Zweifelsfall überleben. Das Zaubern mittels der vier sogenannten Zauberschulen Feuer, Wasser, Licht und Dunkelheit ist das Kernstück des Spiels und gleichzeitig wichtigste Aktion des Helden. In jeder der vier Zauberschulen sind vier unterschiedliche Zauber enthalten, die je nach Manavorrat unterschiedlich schnell am Stück angewendet werden können und sich im Laufe der Zeit upgraden lassen (man könnte also auch von über 40 Zauber-Varianten sprechen). Wie man es in anderen Rollenspielen schon oft gesehen hat, stehen sich zwei Zauber immer konträr gegenüber - so steht Feuer im klaren Gegensatz zu Wasser und Licht und Dunkelheit sind auch nicht die besten Freunde. Da alle Gegner in eine dieser vier Kategorien eingeordnet sind (rote Farbe der Gegner entspricht dem Feuer, sind sie gelb, dann sind es Lichtwesen, blau steht für Wasser und violett für Dunkelheit), ergibt es sich zwangsläufig, dass man die Gegner immer mit der ihnen entgegensetzten Zauberkraft angreifen sollte, einem Feuerwesen verpasst man also eine kräftige Dusche während man ein Wesen der Dunkelheit eher mit einem Lichtblitz utzeln sollte.

Von diesen angesprochenen Gegnern, die im Kampf direkt auf dem Spielbildschirm auftauchen und nicht etwa in einen eigenen Kampf-Bildschirm verbannt wurden, gibt es viele und nach wenigen Minuten Spielzeiten möchte man fast sagen, zu viele. Nicht nur, dass sich ohnehin schon zahlreiche Gegner unserem Recken entgegenwerfen, es gibt auch noch an jeder Ecke ein paar Nester, die für regen Gegnernachschub sorgen, zumindest so lange, bis man sich diesem Nest erst einmal gewidmet hat.

Die Steuerung des Spiels ist solide und sehr eingängig. Trotzdem wird sie während dem ersten Kapitel sogar noch mittels Lehrbüchern, die in der Welt verteilt sind, erklärt. Mit der R-Taste wird der derzeit aktive Zauber (welcher das ist, erfährt man am rechten unteren Bildschirmrand) eingesetzt, drückt man die L-Taste kann man zum nächsten Zauber wechseln. Hält man die Y-Taste gedrückt, bekommt man eine Karte der Welt präsentiert, die während des ersten Kapitels von Anfang an vollständig zu sehen ist, in späteren Kapiteln aber nur die Bereiche zeigt, in die Arran bereits vorgedrungen ist. Für alle Gegner, die sich gegen Zauber resistent zeigen, muss die A-Taste herhalten, dann gibt es einen kräftigen Schlag auf den Kopf. Leider ist dieser Schlag oft so unpräzise, dass prinzipiell eher das Zaubern zu empfehlen ist und die meisten Kreaturen zeigen sich glücklicherweise davon ja auch beeindruckt. Mittels der Start-Taste kann das Zauberbuch geöffnet werden, in dem man nicht nur die Einstellungen des Spiels ändern kann, sondern auch eine Übersicht über bisher eingesammelte Gegenstände erhält.

Der Fortschritt des Spiels wird bei Pilzringen gespeichert, die quer über die Karten verteilt sind. Leider erweist sich die Idee, diese Pilzringe nach einem Mal speichern verschwinden zu lassen, oft als nicht gerade motivationsfördernd, muss man sich doch teilweise recht lange Wege vorkämpfen, die man nach einem misslungenen Kampf und dem damit verbundenen Ableben des Helden nicht unbedingt noch einmal sehen möchte.

Im Spiel kommen insgesamt drei Kameraperspektiven zum Tragen, eine davon dient nur dazu, sich genauer umschauen zu können und findet fast keine Verwendung. Die zweite präsentiert den Helden aus einer Third-Person-Perspektive, also einer Kamera, die immer ganz knapp hinter dem Helden steht. Leider ist diese Kameraperspektive nicht halb so nützlich wie man es sich wünschen würde, denn gerade bei - mal wieder stattfinden - Gegnerschlachten mit im Laufe des Spiels teilweise Dutzenden Gegnern, glänzt diese Perspektive in keinster Weise durch Übersicht. Viel zu oft kommen Gegner aus dem aufgrund des begrenzten Bildschirms nicht mehr sichtbaren Bereich gesprungen und sind so schnell bei Arran, dass dieser sich nicht mehr rechtzeitig umdrehen kann um sich der Angriffe zu erwehren.

Glücklicherweise wäre da noch Kameraperspektive Nummer 3, die man schon fast als Vogelperspektive bezeichnen kann. Die Kamera zeigt dabei das Geschehen mehr oder weniger von oben, der Spieler sieht, von welchen Richtungen die Gegner ankommen und kann wesentlich schneller auf deren Erscheinen reagieren. Besonders nützlicher Nebeneffekt dieser Perspektive ist die Möglichkeit, das oben bereits kurz angesprochene Orb, das an dieser Stelle als "Zielfadenkreuz" dient, mit Hilfe des rechten Ministicks über die Karte zu bewegen und somit die ausgeführten Zauber ganz gezielt an der richtigen Stelle auf der Karte einzusetzen, damit sie auch möglichst viele Gegner ins Jenseits befördern. Diese Funktion ist im Laufe des Spiels unabdingbar, bietet sie doch die einzige Chance, überhaupt mit den Massen an Gegnern fertigzuwerden (und wer das Spiel eine Weile gespielt hat, wird feststellen, dass selbst das nicht immer möglich ist und manchmal das Heil nur noch in der Flucht zu suchen ist).

Am Ende jedes Kapitels wird eine Statistik angezeigt, die mit den sinngemäßen Worten: "Möchten sie das neue Gebiet betreten?" endet. Ob man hier mit Ja oder Nein stimmt, sollte man an der Tatsache festmachen, ob man alle Objekte dieser Gegend gefunden hat. Glücklicherweise gibt die Statistik darüber genauso Aufschluss wie über die Prozentzahl der getöteten Gegner, die bevorzugte Zauberschule (sprich das am meisten angewendetste Element), den bevorzugten Zauber und eine sich daraus ergebende Gesamtbewertung.

Die Grafik des Spiels ist ein zweischneidiges Schwert, hinterlässt insgesamt aber einen eher positiven als negativen Eindruck. Während einerseits beispielsweise die Umsetzung der Zauber wirklich gut aussieht und die Grafik auch irgendwie Charme ausstrahlt und durch ihr märchenhaftes Ambiente zumindest zur Stimmung passt, wird jedoch schnell klar, dass das Spiel grafisch nicht einmal annähernd das bietet, was angesichts der technischen Voraussetzungen der Xbox möglich wäre. Ein besonderes Problem liegt vor allem daran, dass die Grafik am besten in der oben erwähnten Third-Person-Perspektive zur Geltung kommt, diese Perspektive allerdings nach einiger Zeit kaum noch angewandt wird, da wie ebenfalls bereits erwähnt, Übersichtlichkeit und Überlegenheit über die Gegner verständlicherweise grafischen Pluspunkten vorzuziehen ist.

Trotzdem, grafisch kein Meisterwerk gibt es doch einige positive Auffälligkeiten zur Grafik zu sagen. Das Bumpmapping auf den Texturen und auch auf den Charakteren ist ähnlich schön wie die gut umgesetzten Licht-(und Schatten-)effekte die nicht nur während des Zauberns, sondern auch in ruhigeren Phasen des Spiels überzeugen können. Ganz eng mit der Grafik verknüpft ist die Atmosphäre, die insgesamt als sehr gut gelungen zu bezeichnen ist. Wüsste man es nicht besser, so würde man vor allem am Anfang des Spiels glauben, als männliches Rotkäppchen durch einen Wald zu irren, dass zwar nicht mit dem bösen Wolf kämpfen muss, sich jedoch haufenweise anderer Märchenkreaturen erwehren muss. Mit einer Mischung aus kindlicher Märchenwelt und düsterem Ambiente ist dieser Spagat gut gelungen, so dass das Spiel weder sonderlich kitschig noch pseudo-gruselig wirkt. Insgesamt ist die Grafik sehr dunkel, was aber durchaus passend ist. Die Gegner sind aufgrund ihrer durch die Element-Zugehörigkeit bedingte Farbenfreude ohnehin gut vom Untergrund zu unterscheiden.

Beim Sound kann das Spiel insgesamt überzeugen, vor allem die träumerische Musik, die aus dem Ambient-Bereich kommt, passt hervorragend zum Spiel und ist zwar, wenn man darauf achtet, nicht sonderlich abwechslungsreich, beginnt aber an keiner Stelle zu nerven. Zahlreiche Texte der Haupt- und Nebencharaktere sind zudem mit einer gelungenen Sprachausgabe unterlegt, die passend zu den jeweiligen Charakteren bedrohlich, gutmütig, niedlich oder hinterlistig wirkt. Einzig die Soundsamples beim Ausführen eines Zaubers, die leider jedesmal eingespielt werden, können mit der Zeit nerven. Glücklicherweise kann man diese Sprachfetzen aber gesondert von den üigen Soundeffekten abstellen. Eigene Lieder kann man nicht in das Spiel integrieren, allerdings ist das bei diesem Spiel weder sonderlich nötig noch wären Songs härterer Gangart zu empfehlen - der kleine Zauberer Arran umgeben von der Kulisse von Marilyn Manson?

Einen Multiplayer-Part wird man in diesem Spiel leider vergeblich suchen.

„Weder Fisch noch Fleisch...“

(Eigene Meinung » Sebastian Philipp)

Selten hat mich ein Spiel so schwer in die Enge getrieben, wenn es darum ging, eine endgültige Note für das Gesamtpaket zu geben. Einerseits macht das Spiel durchaus Spaß und der Frustfaktor ist recht niedrig, andererseits hält sich die Abwechslung in Grenzen und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der ein oder andere Spieler nicht besonders lange vor den Bildschirm gefesselt sein wird.

In Sachen Umfang lässt sich den Spieleherstellern allerdings kein Vorwurf machen, denn das Spiel bietet zwar nicht die epische Breite wie ein Rollenspiel der Königsklasse, lässt sich aber auch nicht mit Action-Adventures wie Genma Onimusha vergleichen, die bereits nach kurzer Zeit in den Tiefen irgendwelcher Schubladen enden und vermutlich nie wieder das Tageslicht sehen.

Wirklich schade finde ich, dass man aus diesem Spiel nicht ein handfestes RPG gemacht hat. Der Arbeitsaufwand, der benötigt worden wäre, um weitere Waffen, noch mehr Zaubersprüche und vor allem ein gescheites Erfahrungspunkte-System in das Spiel zu integrieren, wäre sicherlich überschaubar gewesen, hätte aber mit Sicherheit einige Punkte mehr auf der Bewertungsskala geacht.

Bewertung

Nightcaster - Defeat The Darknessxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.