Montag, 16. Juni 2008
Wenn man ganz viele Gegenstände mit Weltzerstörungspotenzial hat...
... dann versteckt man die kluger Weise
nicht alle an ein und dem gleichen Ort. Richtig erkannt hat das z.B. Da Vinci mit seinem verrückten Code. Um dessen gefährlichen Geheimnisse zu lüften, muss man schon ein Geschichtsexperte mit Talent für enorme Kombinationsgabe sein. Dazu noch um die halbe Welt reisen und ohnehin ganz viel Scherereien auf sich nehmen. Da die Hayabusas allerdings Ninjas mit Drachenblut und keine göttlichen Maler, Erfinder und Mediziner in Personalunion sind, packen sie alle möglichen Apokalypseartefakte einfach in ihr kleines Dörfchen und den benachbarten Fuji Berg. Mit dabei auch ein gefangener Erzdämon der Güteklasse
“Tschüss Welt, war schön mit dir!“. Hätte man nicht damit rechnen können, dass irgendwann mal ein düsterer Clan vorbeischneit und sich im auffälligsten Versteck der Ninjawelt nach Herzenslust bedient?
Genau das passiert am Anfang von Ninja Gaiden II und wir müssen es dann natürlich auslöffeln bzw. wieder zurechtschnetzeln. Nachdem unser Ryu mit einer... ähm... geschickt eingefädelten Entführungsaktion abgelenkt wurde, ist die böse Schwarzspinnengruppierung in den Besitz der ultramächtigen Drachenstatue gekommen. Die logische Folge: Eine Reihe eigentlich längst verbannter Monsterkreaturen macht sich daran die Erde auseinander zunehmen, während der größte Badass von allen mit dem dabei vergossenen Blut wiedererweckt werden soll. Mehr aucht ihr fürs Spiel auch gar nicht wissen, denn alles was dazwischen noch so geabbelt wird ist eigentlich ziemlich gehalt- teilweise auch recht sinnlos. Da wäre z.B. der blonde Sidekick Sonia (anders als Rachel in Sigma nicht spielbar), welcher Ryu von Anfang bis Ende wacker hinterher dackelt, selbst bis tief runter in den Hades. Trägt sie irgendwann mal wirklich was zur Story bei? Nicht so wirklich. Viel mehr hat man das Gefühl, sie sei bloß als billiger Grund für Ryu ins Spiel integriert worden ab und zu doch mal den Mund aufzumachen. Und ja, vielleicht auch als Erklärung wie er in ganz kurzer Zeit an die verschiedensten Orte der Welt gelangen kann. Sie besitzt nämlich einen schicken Fluggleiter. Wie die ganze Handlung von Ninja Gaiden II, sind die Dia- und Monologe der guten wie bösen Charaktere zwar von der Wortwahl her um Bedeutungsschwangerschaft bemüht, die Aussagen dahinter sind allerdings stets platt wie der Bodensee. Entweder heißt es im Grunde
“Ich bin böse, ich mache alles kaputt.“,
“Du machst ja alles kaputt, du bist böse und ich töte dich!“ oder
“STIRB!“. Nachdem man seine lichterloh fackelnde Heimatstadt nicht mehr vor dem Raub der Drachenstatue schützen konnte, wird man nacheinander praktisch kommentarlos an verschiedene Orte auf der Welt transportiert um die dort wütenden Dämonenkönige zu besiegen. Jeder dieser Parts fühlt sich mangels vernünftiger Handlungsverbindungen ein wenig isoliert vom Rest an, man hat in den einzelnen Szenen nie das Gefühl gerade fürs große Ganze zu kämpfen. Der eine Dämon leidet an Depressionen hervorgerufen durch Langeweile, der andere trägt melancholischen Hass gegen die Menschheit in sich, aber das alles tut nicht wirklich was zur Sache. Es bleibt zu platt und zweckmäßig um Tiefe zu erzeugen. Jeder kleine Dämon muss getötet werden, damit man den großen Dämon plätten kann. Hat man einen der Macker geschlachtet, geht es übergangslos zum nächsten.
Erzählt wird dies alles anhand vorgerenderter Cutscenes in enorm aufgepeppter Spielgrafik, was dank effektreicher Inszenierung auch ziemlich nett anzusehen ist. Ein paar coole Ninja Actioneinlagen, große Explosionen und die pompösen Auftritte der mächtigen Monsterbosse eben, guckt man sich alles auch zum hundertsten Mal noch gerne an und ist jedes mal wieder eine nette Belohnung nach bestandenem Spielabschnitt. Hierbei von wirklichen Must-Sees zu sprechen, wäre allerdings übertrieben.
Absolutely staged
Was platte Klischeestory und knappe Dialoge angeht, aucht man bei einem Ninja Gaiden allerdings nicht unbedingt von Kritik zu sprechen. Das alles ist sogar absolut stilecht. Was Team Ninja uns bieten möchten ist ein genretreues Arcade Erlebnis; das Feeling alter 2D Sidescrolling Action adaptiert in die heutige 3D Generation. Wie schon beim Vorgänger, könnte man sich jedes Level von Ninja Gaiden II auch sehr gut als geradlinige 2D Stage aus der Seitenansicht vorstellen. Gute Genrevertreter glänzten dabei immer mit viel Abwechslungsreichtum sowie aberwitzigen Verläufen des vorgegebenen Pfades und genau hier kann Ryus neues Abenteuer absolut punkten. Die Schauplätze reichen vom ennenden japanischen Dorf über New York bei Regen, Venedig bei Sonne, ein riesiges Flugzeug über den Wolken, Sumpf, Wald, Schnee... bis tief hinunter ins Reich der Toten. Wenn auch insgesamt Zerstörung und Düsternis die Spielwelt von Ninja Gaiden II beherrschen, hat jedes Setting doch einen recht individuellen Style zu bieten. Kenner des ersten Teils werden bei ihrer Rückkehr ins Dorf der Hayabusas die meisten Ecken originalgetreu in den Nachfolger transferiert wiedererkennen und über so manches in beiden Spielen genutzte Goodieversteck schmunzeln.
Was die Variation des Settings innerhalb eines Kapitels angeht, schöpft Itagakis jüngstes Baby ebenfalls aus den Vollen. Startet man auf dem Außendeck eines fliegenden Riesenflugzeugs, findet man sich nach Kämpfen über mehrere Etagen durch Lagerhallen, Maschinenräume und das Cockpit, letztendlich in einer abstürzenden Hälfte des entzweigetrennten Jumbos wieder. Geht’s im Wald los, darf man mindestens mit zwischenzeitlichen Ausflügen in wurmverseuchte Höhlensysteme, bedürftige Holzdörfer, und antike Ruinen sowie riesige Flüsse rechnen. Venedig hat außer Wasserstraßen mit piktoresken Häusern und einer gefluteten Kanalisation, auch ein mittelalterliches Schloss sowie ein riesiges Kolosseum zu bieten. Ryus Wege führen durch laufende Riesenuhrwerke, über einen Hügel aus Gerippe/Knochenmehl-Mischmasch, eine aufwendig konstruierte Wasserradmühle hinauf, durch Lavaflüsse, auf die Spitze eines gigantischen Berges in der Hölle... usw. Man ist in Ninja Gaiden II wirklich kaum mal mehr als 15 Minuten in der gleichen Art von Umgebung unterwegs. Vom Konzept des aufwendigen Backtrackings und der von Anfang bis Ende jederzeit frei erkundbaren Großlevels haben Team Ninja sich mittlerweile verabschiedet, wodurch das Spieltempo auch abseits der Fights ziemlich erhöht wurde. Die simplen Rätsel um verschlossene Tore und die zugehörigen Hebel oder Schlüsselkarten lösen sich wie von selbst, während man praktisch nur geradeaus rennt. Das ist angenehm unkompliziert und steht dieser Art von Spiel durchaus angenehm zu Gesicht. Leider gibt es so allerdings auch nicht viel extra zu entdecken. 30 Kristallschädel (Indy lässt grüßen...) liegen entweder auffällig auf dem Hauptpfad oder größtenteils offensichtlich auf den wenigen Alternativrouten verteilt. Für die Sammelobjekte erhält man allerdings nichts als Gamerscorepunkte. Außer einem zusätzlichen Kostüm (hässlicher Rot/Pink Strampler) auf der zweiten Schwierigkeiststufe, ist uns in Sachen freispielbarer Belohnungen leider ohnehin nicht viel untergekommen. Dazu passend wurden bereits kostenpflichtige Zusatzkostüme für Ninja Gaiden II angekündigt. Man mache sich selber seinen Reim darauf...
Jeder ist Bluter
Dass man im Spiel das ein oder andere Blutbad nimmt, ist nicht etwa nur den tatsächlich in den letzten Kapiteln zu durchquerenden Blutflüssen und dem dabei herrschenden Blutregen zu verdanken, sondern selbstredend auch dem enormen Gorefaktor von Ninja Gaiden II. Kaum ein Treffer ohne mindestens einen ansehnlichen Schwall roten bzw. je nach Monstergattung grünen Körpersaftes, selbst Roboter haben irgendwo noch was organisches zum auswringen an sich. Dazu kommen bzw. fliegen abgetrennte Körperteile noch und nöcher, bis auf den rohen Torso lassen Mensch wie Tier und Tiermensch sich mit dem bevorzugten Schlachterwerkzeug zerlegen. Dabei reicht es nur selten sich auf die Abtrennung von ein bis zwei Gliedmaßen zu beschränken, selbst maßgeblich verstümmelte Gegner sind stets bereit noch weiter zu kämpfen. Hier kommen die Exekutionsmoves zum Einsatz. Sobald man den Körper des Gegenübers bereits um ein Teil reduziert hat, lässt er sich per Druck auf „Y“ mit einer finalen Attacke abfertigen. Solche Situationen sind keine Seltenheit im Spiel, da oftmals wenige Schläge ausreichen um das Opfer in diese undankbare Situation zu ingen. Es ist wirklich ein Fest für alle Splatterfans und Freunde virtuoser Gewaltdarstellung. Vom Violencestyle her will jedenfalls fast schon 300 Feeling aufkommen. An die Realität erinnert dabei kaum noch etwas, was geboten wird ist viel mehr Slapstick für Erwachsene, mit künstlerischem Appeal. Dass so ein Spiel in Deutschland erst gar nicht in den Handel gekommen ist, war seit den ersten Screenshots so zu erwarten.
Unbestrittene Stars des Schlachtfestes sind natürlich Ryus Waffen. Ob Riesensichel, zwei kleine Sensen oder Kettenungetüm, jedes der Splatterutensilien hat einen ganz eigenen Kampfstil sowie unterschiedliche Finishing Moves zu bieten. Trotzdem kann man das Game im Prinzip (also sofern freigeschaltet) auch komplett mit seinem Mordsfavoriten angehen, die Waffenhierarchie ergibt sich in erster Linie durch die Vorlieben des Spielers. Findet man einen neuen Schnetzler, heißt es also nicht unbedingt gleich er sei jetzt die beste Waffe im Angebot. Unserer Erfahrung zur Folge ist der schon sehr früh zu bekommene Mondstab wegen seiner guten Mischung aus Reichweite, Rundumabschirmung und Schnelligkeit, der beste Allrounder. Die Riesensense dagegen kommt uns vom Schaden her am mächtigsten vor, gerade weil sie meistens direkt Fatalities ausführt. Und trotz dieses Wissens, haben wir die unterschiedlichen Waffen während unserer Ninja Gaiden Sessions immer mal wieder durchgewechselt. Einfach der Abwechslung wegen und weil sie eigentlich alle ziemlich effektiv sind. So freut man sich auch bei jedem Neuzugang im Arsenal und jedem erworbenen Upgrade aus dem Shop, über neue Moves und hochstilisierte Tötungsarten die es zu bewundern gibt. Womit wir hier auch nun wirklich den Hauptreiz an Ninja Gaiden II beschrieben hätten, denn der liegt ganz klar auf superflotten, animationstechnisch extrem ausufernden Gemetzeln. Schön eins nach dem anderen, ohne große Pausen. Genrefanatiker lieben das und werden mit Ryu Hayabusas neustem Abenteuer auch tatsächlich eines der in dieser Hinsicht besten Slashergames geboten bekommen. Einzig Freunde des Fernkampfes sind weniger begeistert. Während Shuriken und Schneidebummerang durch die Bank eine viel zu geringe Reichweite haben, nervt bei der Nutzung all dieser Sekundärwaffen die unflexible Haltung Ryus. Der sonst so fuchseflinke Ninja wird sobald er einen Bogen oder ein Wurfgerät einsetzt regelrecht starr in seinen Bewegungen, was ihn selber zu einem viel zu dankbaren Opfer aller Feinde macht. Wenn es geht verzichtet man also auf Distanzattacken und rennt einfach so agil wie gewohnt mit ein paar Ausweichmanövern ins Getümmel, um die Sache im direkten Körperkontakt zu klären. Eure Gegner halten sich das komplette Spiel über stets an ihre festen Angriffsmuster und sehen trotz aller Arcade K.I. Simplizität niemals wirklich dumm aus. Alles dem Genre entsprechend und dem Spielprinzip entgegenkommend eben, ohne dabei schlecht oder unbedacht designed zu wirken.
Definiere „unfair“!
Ein Mythos welcher der Ninja Gaiden Serie schon länger anlastet, ist das Image unfair und bockschwer zum Spieler zu sein. Warum wir diese Herausforderung trotzdem seit jeher gerne annehmen? Nun, Team Ninja schaffen es immer wieder eine Steuerung auf die Controllerbeine zu stellen, die uns jederzeit das Gefühl gibt Herr der Lage zu sein. Selbst wenn von allen Seiten Feinde heranstürmen und uns Magiegeschosse um die Ohren fliegen, haben wir den passenden Befreiungsmove parat oder rennen einfach längs an der Wand entlang um etwas Luft zu holen. Man weiß jederzeit, auch wenn es mal sehr hart ist: „Dieses mal war ich nicht gut genug, aber es ist machbar.“ Klar, es gibt in Ninja Gaiden wieder Elemente die einem zwangsläufig und ohne dass man sich dagegen wehren kann Lebensenergie rauben. Brandshuriken oder Raketenwerferdauerfeuer zum Beispiel. Das kann auch nerven, genau so wie die flinken Hundegegner oder die kleinen Fledermäuse. Bossgegner lassen einen manchmal auch gut und gerne die halbe Lebensenergie lang dabei zusehen, wie sie Ryu wehrlos bearbeiten. Aber ist ein Game gleich unfair, wenn es den Spieler dazu verdammt auch mal was abkriegen zu müssen?
Dagegen spricht eine ganze Reihe teils neuer Features in Ninja Gaiden II, die uns zum klaren Schluss kommen lassen: Es fordert, aber es frustet nicht! Während laufender Kämpfe, erhält man wie gewohnt leuchtende Energiesterne von bereits getöteten Widersachern. Darunter Mana genau so wie sofort wirkende Lebensenergie. Hat man alle Feinde im nahen Umfeld abgeschlachtet, verannt oder sonst wie erledigt, lädt sich die Healthbar jedes mal wieder fast komplett von alleine auf. An jedem Speicherpunkt gibt es sogar bei der ersten Benutzung die komplette Gesundheit, samt permanentem Schaden, wieder aufgefrischt. Den Luxus gibt es so in etwa alle zehn bis fünfzehn Minuten, in dem Abstand begegnet man den großzügig gestreuten Savepoints nämlich in Ninja Gaiden II. Raubt ein Boss euer Leben, dürft ihr den Kampf an Ort und Stelle sogar sofort wieder von neuem aufnehmen. Praktisch an jeder Ecke im Spiel findet ihr Kisten, deren Inhalt meist Gegenstände mit Lebensspenderfaktor oder Manaquellen darstellen. Setzt man eine der jeweils um zwei Stufen hochlevelbaren Zauberkräfte oder einen anderen Specialmove ein, ist man währenddessen unantastbar. Fiese Waffen wie die Explosionsshuriken kann man selber auch einsetzen, Hinrichtungsattacken vollführt man nach kurzer Zeit am Fließband.
All diese Hilfsfunktionen und Ingamegoodies zusammen sorgen dafür, dass Ninja Gaiden II auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad auch für den
“durchschnittlichen“ Gamer zu schaffen sein sollte. Sicher mit der nötigen Konzentration, dem Willen sich ein wenig einzuüben und etwas Durchhaltekraft beim kleinen Endgegnermarathon zu Ende des Spiels, trotzdem sollte sich mit der richtigen Einstellung kaum jemand vor den 14 Stages von Ryus zweitem Abenteuer fürchten müssen. Geübtere Spieler sind auf
“Einfach“ gar schon an einem langen Zockerwochenende durch und auch die zweite Schwierigkeitsstufe ist für Profis mit Ninja Gaiden Erfahrung keinesfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Obwohl es hier schon etwas härter zugeht, gerade in den letzten Stages, doch besonders der sich ständig regenerierende Lebensbalken ist ein deutlich spürbarer Frustentschärfer, der so manches an sich unfaire Element des Spiels verzeihbar macht.
Ein spezieller Bereich von Ninja Gaiden II ist derweil sogar fast zu simpel geraten: In den häufigen Boss- und Zwischenbosskämpfen reicht es oft einfach blind draufzuschlagen so gut es nur geht und dabei ab und an vor Großattacken Reißaus zu nehmen. Der rechtzeitige Einsatz von Nimpos (Zaubern) zum Schutz sowie Lebensspendern für neue Kraft, ist bereits das höchste Maß an Taktik das man für den Erfolg gegen die meisten Ninjamaster und Monsterkolosse aufingen muss. Einer der Endgegner überrascht üigens mit einer immensen Selbstmorddetonation zum Abschluss... des Rätsels Lösung diese zu überstehen ist mit etwas Einfallsreichtum aber gar nicht mal so knifflig. Man muss einfach nur drauf kommen.Wenn man sich da mal an Teil eins erinnert, wo man stellenweise regelrechte Tränkedurststrecken durchleiden und in manchen Abschnitten jeden gegnerischen Treffer als vorzeitiges Todesurteil ansehen musste... kein Vergleich zum Nachfolger. Unfaire Dimensionen so wie wir
„unfair“ definieren würden (also trotz Einbezug aller Spielelemente nur mit Glück zu schaffen) erreicht Ninja Gaiden II wohl erst in den extra freizuspielenden Schwierigkeitsgraden, aber gut: Niemand zwingt euch dazu euch diesen Anforderungen an Stress und Nerven zu stellen, wer will bleibt beim
“Weg des Akrolyten“ und hat eben damit seinen Spaß. Ohne dabei jetzt verschweigen zu wollen, dass das Zufriedenheitsgefühl nach jeder geschafften Stage natürlich im Verhältnis zum gewählten Herausforderungsgrad größer ausfällt... und euer Highscore natürlich auch.
Den dürft ihr üigens via Xbox LIVE mit euren Freunden sowie der Weltspitze vergleichen. Dabei gibt es Spezialkategorien fürs Durchspielen mit nur einer einzigen Waffe, sowie auf Bestzeit. Das ist ganz nett und kann darauf versierte Spieler natürlich auch enorm motivieren, trotzdem hätten wir uns endlich mal einen richtigen Mehrspielerpart gewünscht. Was wäre eine coolere Neuerung gewesen, als im Koop Ninjametzger zu spielen? Nach dem Motto:
„Du machst das Gulasch, ich die Sülze! Und den dahinten schneiden wir gemeinsam in Salamischeiben!“ Ja, ja, das wäre DER Xbox LIVE Modus für alle Menschen mit dem Motto
„Fleisch ist mein Gemüse“ geworden. Für dessen Fehlen entschädigt auch das Ninjakino nicht. Schaltet man die entsprechende Option an, werden alle Sessions des Spielers aufgezeichnet und jeweils von Savepoint zu Savepoint als kleines Replay gespeichert. Für Vitivi mag das komfortabel zum capturen gewesen sein, für den handelsüblichen Gamer ohne Spielevideoportal ist das Tool allerdings mehr Fisch als Fleisch. Das fängt schon damit an, dass man die Kamera beim Ansehen des Replays nicht bewegen kann, dazu auch auf andere Funktionen wie Spulen, Zeitlupe, Miniclips rausschneiden, etc. verzichten muss. Einzig ein Schwarz/Weiß-Filter im Stil alter Filme darf als Feature aktiviert werden, ganz nett für Leute mit Faible für Oldschoolstyle. Dass man von seinen Replays nur ein einziges auf einmal zur Anschauung ins LIVE Netzwerk hochladen darf, macht die Sache nicht gerade attraktiver. Wer den Komfort und die Möglichkeiten eines Halo 3 Kinos gewohnt ist, wird hier bei Ninja Gaiden II besonders enttäuscht sein. Falls ihr an dieser Stelle noch eine Erwähnung des Menüpunktes
"Challenges" o.ä. erwartet, können wir euch damit aus gutem Grunde nicht beglücken. Jegliche Arenen in denen man gegen übermächtige Feindeshorden um sein Leben kämpfen muss, findet man jetzt direkt im Spiel. Die Herausforderungen müssen zwar nicht bestritten werden um weiterzukommen, liefern allerdings 'ne Menge Punkte und dazu noch seltene Gegenstände welche fürs Abenteuer höchst nützlich sind (Leben der tausend Götter, Dämonensiegel, Wiederbelebungsrollen,...). Eigentlich 'ne ganz begrüßenswerte Änderung, so hat man neben Highscore Aspekten (plus Gamerscorepoints) auch 'ne greifbare Belohnung als Motivation sich den Bonusmissionen zu stellen.
Gammelskandal vs. Fantasieschlachtplatte
Als die Xbox 360 damals kurz vor Release vorab bei uns in der Redaktion eintrudelte, war Ninja Gaiden Black mangels
„echter“ Next-Gen Titel die erste Wahl, die HD Kiste mal zum Atmen zu ingen. Und ja, vor ein paar Jahren hatte die Neuauflage des 3D Serienerstlings auch grafisch noch Staunpotenzial, war sie dem Standard ihrer Heimathardware (der ersten Xbox) doch bei Erscheinen sogar noch erstaunlich weit voraus gewesen. Die erweiterte PlayStation 3 Portierung Sigma wurde grafisch ein wenig aufpoliert und ging als gute Umsetzung zum Konsolenrelease, noch als hübscher zweiter Einstand durch. Jetzt beim wahren Nachfolger allerdings immer noch mit der gleichen Grafikengine anzutanzen, dazu außer den beschriebenen Gewaltaspekten keine nennenswerten Weiterentwicklungen vorzuweisen, ist schon ein wenig schade. Gerade wenn man sich ins Gedächtnis zurückruft, dass Ninja Gaiden mal für optisches Erlebnisfeuerwerk stand. Seine schlimmsten Momente hat das Game im gesamten ersten Drittel, wo detailarme und äußerst trist wirkende Umgebungen des Bild beherrschen. New York hinterlässt dabei einen genau so seelenlosen Eindruck, wie Venedig. Letzteres demonstriert dazu zweifelhaft eindrucksvoll, dass auch an den Wassereffekten der Serie so langsam aber sicher der Zahn der Zeit nagt. Enttäuschend ist außerdem, dass es in den Szenerien fast gar nichts zu zerstören und beeinflussen gibt. Eine gewisse Interaktion mit der Spielwelt, ist in der aktuellen Konsolengeneration mittlerweile eigentlich Standard. Und mal abgesehen davon, dass die Linearität und bewegungsmäßige Einschränkung des Games der Sache technisch sicher keinen Riegel vorgeschoben hätte: Wenn sich effektreich zerstörbare Levelobjekte und Co. irgendwo so richtig angeboten hätten, dann ja wohl in einem Spiel um einen außer Rand und Band um sich schlagenden Ninja.
Nachdem man die Einstiegskapitel von Ninja Gaiden II allerdings
“überwunden“ hat, steigt die Qualität der optischen Präsentation des Spiels regelrecht von Stage zu Stage an. Vor allem liegt dies daran, dass die Kulissen gerade zum Finale hin immer heller, bunter und epischer gestaltet wurden. Die faszinierende Unterwelt mit ihren organischen Auswüchsen an Wänden und Decken sowie der in Blut schwimmende Todestempel zeigen, wie viel Opulenz man mit fantasiereichem Dekor noch aus einer sichtlich betagten Engine herausholen kann. Ein weiterer Aspekt der Ninja Gaiden II trotz aller Grafikkritik insgesamt noch in den visuell guten Bereich hebt, sind die imposanten Kampfanimationen. Seien es Ryus epische Combo Orgien und morbiden Entrumpfungsmoves, oder die ebenso gerne ausufernden mega Attacken der Bossgegner: Stets läuft alles fließend ineinander, obgleich die Bewegungen größtenteils superschnell vonstatten gehen. Alleine an den fein animierten Fights mitsamt dem bereits in einem eigenen Testabschnitt beschriebenen Gorefaktor, werden Slasherfans sich auch beim mehrmaligen Durchspielen noch nicht sattgesehen haben. Zumal es hier doch weitaus mehr Variationen gibt (siehe Ingame Tastenkombinationslisten), als die meisten Spieler durch den Dauereinsatz der üblichen Standardmoves überhaupt zu Gesicht bekommen werden. Und selbst dann ist jedes Scharmützel ein wahres Spektakel, das die teils großen Schwächen auf Seiten der Kulisse schnell vergessen macht.
Soundtechnisch gibt sich Ninja Gaiden II gewohnt klassisch, ohne dabei altbacken zu klingen. Im Hintergrund läuft Kampfmusik mit 'ner gehörigen Portion Automatenstyle, allerdings ohne dabei großen Nervcharme zu versprühen. Waffenklirren, Blutsplashen sowie andere Kampfgeräusche schaffen ebenfalls den Spagat zwischen Arcadetreue und den Ansprüchen der heutzutage lebenden Ohrenbesitzer. Ganz großes Schmankerl für Japanofans: Man darf frei zwischen englischer und japanischer Sprachausgabe wählen, dazu wenn man möchte einen von unzähligen Untertiteln aus allen Herren Ländern aktivieren. Regelrecht umgehauen werden üigens auch Besitzer einer Dolby Digital Anlage, denn Team Ninja haben bei ihrem neusten Streich mit ordentlichem Bass kaum weniger gegeizt als mit rotem oder je nach Gegner auch mal grünem Körpersaft.
Das unübertroffene Feeling der Kämpfe, die neuen Zerstückelungseffekte, die endlich rundum zufriedenstellenden Schwierigkeitsstufen für jedermann, samt zahlreicher Frustkiller Features,... rein spielerisch als Arcade Slasher betrachtet ist Ninja Gaiden II der beste Teil der Serie und gleichzeitig auch der König des flotten Metzelgenres. Und trotzdem, insgesamt betrachtet ist das Spiel für mich eine Enttäuschung. Die Umgebungsgrafik ist an manchen Orten erschreckend veraltet, hat Itagaki sich nicht mal Gedanken gemacht seine Engine abseits von Brutalität mal ein kleines bisserl der Gegenwart anzupassen? Die Kamera ist so schlecht wie immer, dabei haben doch bereits so viele andere Spiele zuvor bewiesen, dass es schon mit ein paar Handgriffen besser geht! Echte Xbox LIVE Funktionen kennt man bei Team Ninja ebenfalls noch nicht, Chance vertan ein paar große Bonuspunkte für die Wertung zu sammeln.
Auch wenn ich diese Versäumnisse und fehlenden Weiterentwicklungen seit dem ersten Xbox Ninja Gaiden äußerst schade finde und sie deutlich an meiner Begeisterung zu Ryus Abenteuern gekratzt haben, die tolle Spielmechanik von Ninja Gaiden funktioniert natürlich noch immer klasse. Für meinen Geschmack wurde sie sogar noch deutlich verfeinert, endlich bin ich gewollt auch mal andere Attacken als immer nur den sicheren Flug-Beam-Sprung-Trick mit dem Drachenschwert einzusetzen und darf frohen Mutes höchst effizient nach Lust und Laune abmetzeln. Auch wenn für mich wohl nach dem zweiten Schwierigkeitsgrad Schluss sein wird, aber hey, niemand zwingt mich dazu in den Hardcoremodus zu wechseln und ich kann sehr gut damit leben. Dafür hat jeder Normalgamer auf “easy“ eine mehr als faire Chance, sich einmal im Leben als wahrer Ninja zu fühlen.Genre- und Serienfans müssen fast schon unbedingt zugreifen, wer auf Gore und Violence steht eigentlich ebenfalls. Alle anderen leihen sich das Game erst mal aus und schauen ob sie einen Hang zum Genre haben. Ohne die wahre grafische Begeisterung hat Ninja Gaiden II nämlich keine wirklichen Gründe mehr parat, auch Gamer mit weniger Hang zum blutigen oldschool Dauermetzeln in seinen Bann zu ziehen.
Kommentare (59)
Daniel Pook
salasar
Maze
Steffen261279
boones
Bart Wux
Bart Wux
Doctor Patman