No More Heroes 2 – Desperate Struggle
14:37 Uhr - No More Heroes hatte ein paar wenige, dafür nicht zu missachtende Schwächen, was den aberwitzigen Titel nicht davon abhalten konnte, sich berechtigterweise zu dem Wii-Kultspiel schlechthin zu mausern. Ende April erscheint Teil 2 endlich auch bei uns, mit den richtigen Verbesserungen und ... ungeschnitten. Höchste Zeit also die Hype-Maschine anzuwerfen.
„Not-, geld- und gewaltgeiler Anime- und Videospielfreak, mit einem Faible für Mexican-Wrestling und dem unnachgiebigen Ehgeiz die Nummer 1 unter den Auftragskillern zu werden“ beschreibt nicht nur den gewöhnlichen AreaGames-Redakteur sehr treffend, sondern auch Travis Touchdown, seines Zeichens moralverschobene Hauptfigur aus No More Heroes. Anders als wir, braucht er aber anscheinend Erholung vom ganzen Leute-Umbringen. Nach seiner Rückkehr ist sein bester Freund tot, ermordet von der neuen Nummer 1 und Travis steht inzwischen auf Platz 51. Das kommt davon, wenn man Urlaub macht. Uns wäre das nie passiert. Auch Santa Destroy hat sich gewandelt. Vom dreckigen, dekadenten Moloch, in dem ein Menschenleben nicht viel Wert ist, zum dreckigen, dekandenten Moloch, in dem das Nehmen von Menschenleben hingegen reichlich Kohle einbringt. Irgendwie auch wie Berlin. Seine Rachegelüste und die gleichzeitige Thronrückeroberung bilden in Desperate Struggle den Auftakt zu einem ultrabrutalen Stilfest, in dem keine noch so absurde Idee nicht untergebracht wurde.
Killing Spree for free
Woher ich das weiß? Das galt auch schon für den Vorgänger und ich will meine gesamte Anime-Sammlung verwetten, wenn NMH 2 da nicht mithält. Primäre Beschäftigung bleiben nach wie vor die zahlreichen Kämpfe gegen wertloses Fußvolk und natürlich die irrsinnigen Bossgegner – einer der großen Stärken des ersten Teils – die Travis wieder mit seinem Beam Katana bzw. derer gleich zwei erledigt, Ninja Gaiden-Style. Wer jetzt allerdings an die 50 Bossfights erwartet, sollte sich wieder auf der Erde einfinden. Mogelpackungen wie Gruppenkämpfe reduzieren die Ranglistenkämpfe auf ca. 15. Diese sind inzwischen frei zugänglich, sodass ihr nicht mehr langwierig Geld scheffeln müsst, um in der Story voranzukommen. Einer der großen Schwachpunkte des Spiels ist damit ausgemerzt. In den Fights knüppelt ihr eure Kontrahenten wie gehabt mit dem A-Knopf weich. Habt ihr sie geschwächt, könnt sie per Controller-Bewegung entkörpern und Fontänen aus Blut und Münzen entfachen oder einen der coolen Wrestling-Moves ansetzen. Leider ist Travis immer noch nicht agil genug für Ausweichrollen. Ein Roulette-Rad bei jedem getöteten Gegner, schaltet mit etwas Glück zeitweise einen Power-Modus ein, wobei Travis sich zum Beispiel in einen Tiger verwandelt oder Feinde sich nur noch in Zeitlupe bewegen. Treffer eurerseits füllen eine Ecstasy-Leiste, die bei voller Ladung einen Hyper-Mode ermöglicht, in dem Travis drogenumnachtet zu Techno-Beats tanzt und dabei ununterbrochen „Hyper! Hyper!“ ruft. ... Das ist natürlich gelogen, obwohl mich bei No More Heroes gar nichts wundern würde. Der Hyper-Mode erhöht Travis' Bewegungsgeschwindigkeit kurzzeitig auf den Flügelschlagrythmus eines Kolibris. Die Leiste nimmt aber auch ab, solltet ihr Schaden erleiden. Überraschenderweise wird der Titel alternativ komplett mit dem Classic Controller spielbar sein. Eine Art Vorbereitung auf die Umsetzung des Vorgängers für die HD-Konsolen? Leider müsst ihr dann selbstredend auf alle Bewegungsinteraktionen verzichten, welche NMH doch mit am sinnvollsten einzufügen wusste.
Sensual Reduction
Zweite Spaßbremse des ersten Teils war die Einrahmung der absurdenAction in eine frei begehbare Stadt, in der es, bis auf leidlich unterhaltsame Schatzsuchen, kaum etwas zu tun gab. Die Stadt gibt es, wie angesprochen, immer noch, der Free-Roaming-Aspekt fällt allerdings weg. Eure Auftragsorte, sowie Läden, das Fitnessstuido oder euer Motel wählt ihr nun nur noch über die Karte an und werdet direkt dort abgesetzt. Vorbei sind damit auch die Zeiten, in denen ihr mit Travis' zwar spektakulärer, aber sperrig zu lenkender „Zweiradkete“ ständig langweilige Fahrten zum Zielpunkt absolvieren musstet. Nebenbetätigungen gibt es aber dennoch ausreichend. Die zahlreichen Minijobs, vom Kammerjäger, über das altbekannte Kokosnusssammeln, bis zum Pizza-Ausliefern werden diesmal allesamt in Form simpler 2D-Retrospiele, im charmanten Look alter NES-Games präsentiert. Auch das Training zur Verbesserung eurer Geber- und Nehmerqualitäten läuft auf diese Weise ab. Ihr merkt, No More Heroes 2 schert sich wieder mal einen Dreck um Stil-Konventionen. Da ihr die hart verdienten Moneten nicht mehr braucht, um euch prinzipiell die Weiterführung der Story zu erkaufen, könnt ihr sie nach Lust und Laune in den Shops ausgeben und Travis mit den abgefahrensten Klamotten einkleiden, in denen sich eigentlich nur Japaner auf die Strasse trauen würden oder euer Handwerkszeug, sprich das Laserschwe ... ähm, Beam Katana tunen. Selbst in eurem Zimmer gibt es noch reichlich Zeitvertreib, etwa die heimischen Modenschau, beim Einkleiden mit den gekauften Sachen, das sportliche Workout mit Travis' übergewichtiger Katze, das Studieren der 13 Wrestling-Griffe, ein Arcadespiel oder die fiktive Anime-Serie auf dem Fernseher oder das Dekorieren der Einrichtung mit allerhand erspielbarem Tinnef. Wer sich bereits mit Freude durch den Vorgänger geschlänzt hat, wird das Wiedersehen mit einigen alten Bekannten begrüßen. Travis' heiße, aber eiskalt egoistische „Managerin“ Sylvia kehrt ebenso zurück wie die schnuckelige Shinobu und sein eher unguter Bruder Henry. Einige von ihnen werdet ihr sogar kurzzeitig selbst spielen dürfen. Macht aber wohl zumindest charakterlich kaum einen Unterschied. Irgendwie sind sie doch alle vollkommen geistesgestört (ganz wie bei AreaGames). Aber das macht No More Heroes ja auch so anders und damit auf eine fast schon perverse Art anziehend (Ähm, ihr wisst schon, wie AreaGames eben.). Wie eine Stadt voll mit Jokern. ... Jokern? ... Joker ... Jo-ker ... Jo Kre ... Jo-han Kro ... Johannes Krohn ... Trohannes Throhn ... Trannes Tohon ... Trannis Touchon ... Travis Touchdown? ... Eine Ähnlichkeit, bei der man kaum von Zufall sprechen kann. ... Naja, wie gesagt, nur Geisteskranke hier.
Guiltless Pleasure
Ich zähle die Tage bis zum Release am 30. April. Dann wird ausnahmsweise ohne Reue und Moral galonenweise Blut vergossen. Für mich besteht nicht der geringste Zweifel, dass No More Heroes 2 – Desperate Struggle eine absolute Bombe wird. Ich erwarte nicht weniger als einen wahren Sturm wilder Ideen, der mein Gehirn in Fetzen reißt. Das war nämlich schon Teil 1. Und Teil 2 wird Teil 1 in besser!
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Kommentare (4)
Saibot
Crimson
geil, STRAWBERRY ON THE SHORTCAKE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Zed01
Crimson
hab kurz vorher halt nen save gemacht, ich teste es auf jeden fall noch ;)