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Odama

Montag, 27. August 2007
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14:40 Uhr - öse Zungen behaupten, dass Odama bei uns in Europa nie das Licht der Welt erblickt hätte, wenn es um das derzeitige Spieleangebot des GameCube nicht so schlecht bestellt wäre. Tatsächlich wirkt das Spiel vom ersten Moment an so abgedreht und japanophil, dass man sich nur schwer vorstellen kann, wo genau sich die Zielgruppe versteckt, die sich von einem Mix aus Flipper und Strategiespiel angesprochen fühlen soll. Sehnlichstes Anliegen der Entwickler, war es aber nicht unbedingt diese beiden Genres miteinander zu vermischen, sondern dem Spieler das Gefühl zu vermitteln, ein mächtiger General im mittelalterlichen Japan zu sein. Wenn diese Generäle in die Schlacht zogen, hatten sie die Verantwortung für Hunderte von einfachen, namenlosen Soldaten - die wahren Helden jedes Krieges - ohne die ein Sieg nicht möglich wäre.

Erste Erkenntnis in Odama ist deswegen auch, dass die gottartigen Abbilder solcher fragwürdigen, militärischen Idole nichts weiter als Fassade sind, denn schon ab dem ersten Level sitzt der Spieler völlig verkrampft und sehr angestrengt vor dem Bildschirm. Man fühlt sich alles andere als gross, weise und mächtig, sondern eher wie ein gehetztes Nervenbündel, mit äusserst begrenzten Einfluss, weil man wichtige strategische Ziele, wenn überhaupt, nur mit grosser Willensanstrengung erreicht.

Die Schlacht auf dem Flipper

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Oberflächlich betrachtet scheinen die Flippereinflüsse in Odama zu überwiegen, doch das täuscht. Tatsächlich sind diese Elemente eher Mittel zum Zweck, um dem strategischen Gameplay, mit einem nur schwer zu berechnenden Gegenpol, Paroli zu bieten. Was in einer richtigen Schlacht die Elemente der Natur, mit ihren mannigfaltigen Einflüssen, sind, das ist hier der Flipper mit seiner dämonischen Kugel Odama.

Diese Kugel ist von Hause aus jenseits von Gut und Böse. Sie kennt weder Freund noch Feind und walzt alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt. Ein vorsichtiger Umgang mit Odama rät sich also dringend an, zumindest solange man sie nicht zur grünen und damit heiligen Odama verwandelt hat. In dem temporären Zustand rollt Odama nur noch über gegnerische Truppen, deren Seelen der Spieler einkassiert, um sein begrenztes Buget an Soldaten aufzustocken. Odama kann sich allerdings auch in eine düstere Kugel verwandeln, worauf hin nur die eigenen Truppen überrollt werden und die gegnerischen am Leben bleiben.Damit der Geschicklichkeitsfaktor beim Flippern kein zu starkes Gewicht einnimmt, kann man mit dem linken Analogstick das gesamte Spielfeld ein wenig in alle Richtungen kippen, eine Sache die bei normalen Flippern sofort das Spielende durch "Tilt" hervorrufen würde. In Odama ist es dagegen ein sehr nützliches Spielelement, das hilft, Odama unter Kontrolle zu halten.Das strategische Element lebt das Spiel im abwechslungsreichen Missionsdesign der 11 Flipperebenen aus. Meistens geht es darum, die heilige Glocke 'Nin-ten-do' von den eigenen Soldaten, ins gegnerische Lager tragen zu lassen. Auf dem Weg dorthin gibt es reichlich Hindernisse zu überwinden, bei denen oft die Hilfe von Odama von Nöten ist. Reissende Flüsse oder kleinere Klippen müssen bezwungen werden und natürlich stellen sich auch feindliche Soldaten in den Weg. Damit die eigene Truppe stets angemessen reagiert, gibt man ihnen, mit Hilfe des mitgelieferten Mikrofons Sprachbefehle, wie 'Stürmen" oder "Sammeln'. Das Mikrofon wird zu diesem Zweck an das Cube-Pad geclipt.Die Soldaten reagieren auf die Befehle mit Sprechblasen, die je nach ihrer aktuellen Kampfmoral unterschiedlich ausfallen. Ein Heer, das deutlich dezimiert wurde und schwer zu kämpfen hat, verweigert sich schon mal den Befehlen und denkt sogar darüber nach, zum Feind überzuwechseln. Eine kampflüsterne Truppe will dagegen bestärkt werden, indem man ihnen regelmässig 'Stürmen' befiehlt. Neue Befehle lassen sich auf den Spielettern freispielen, insofern man sie mit Odama erreicht. Die Spracherkennung selbst funktioniert allerdings nicht immer tadellos. Oft muss man seine Befehle wiederholen, damit sie überhaupt bei der Truppe ankommen. Zudem muss man für jede Befehlseingabe den X-Button gedrückt halten, was in Anbetracht des hektischen Geschehens auf der Ebene etwas umständlich ist, da man gleichzeitig stets Odama im Auge behalten muss, damit sie nicht in's Aus rollt.

Nix für Anfänger

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Das Odama alles andere als ein leichtes Spiel ist, macht es vom ersten Spielett an klar. Zwar werden immer wieder kleinere Tutorial-Einlagen zu neuen Sprachbefehlen eingebaut und vor jedem Level gibt es auch ein Missionsiefing, doch nützt einem das alles nichts, wenn es nicht gelingt, ausreichend Druck auf den Gegner auszuüben. Das was Odama besonders schwer macht, ist nicht etwa die Tatsache, dass jede Schlacht anders verläuft (egal wie oft man sie beginnt), oder die konsequente Ausnutzung sämtlicher Padtasten, zuzüglich der Sprachbefehle, sondern eher das alles zusammen, kombiniert mit der strengen zeitlichen Limitierung der Schlachten auf eine Tageslänge (8-10 Minuten). Schafft man es nämlich nicht, das Ziel zu erreichen, ehe die Nacht angeochen ist, hat man das Spiel verloren. Dieser Zeitdruck hängt einem ständig im Nacken, während man sorgsam darauf bedacht ist, jeden Befehl ordentlich auszuführen und mit Odama die richtigen Ziele zu treffen. Flüchtigkeitsfehler sind da natürlich vorprogrammiert.

Trotz des deftigen Schwierigkeitsgrades hat Odama auch durchaus seinen Reiz. Vor allem die unterhaltsamen und abwechslungsreichen Anforderungen der 11 verschiedenen Ebenen, wissen zu gefallen und strotzen nur so vor detailverliebten Kleinigkeiten, auch wenn das ganze grafisch etwas altbacken inszeniert wurde. Mal darf man mit Odama jede Menge Gefechtstürme zerstören, auf denen sich Bogenschützen positioniert haben, ein anderes Mal gilt es zwei gegnerische Flipper einzunehmen, um damit einen wandernden Zwischenboss zu malträtieren. Zwischendurch sammelt man etwas Nahrung für die Truppe ein, um ihre Moral zu stärken, oder versucht mit Odama die Glocke Nin-ten-do zu treffen, um mir ihrem hellen Klang die gegnerischen Truppen vorübergehend kampfunfähig zu machen.Hat man sich erstmal dem Spiel ausgeliefert, ist eine Stunde schnell um, denn Odama gibt einem durchaus das Gefühl, es schaffen zu können, wenn man sich nur genug Mühe gibt und Odama sich endlich dem Lauf des Schicksals fügt. Ausserdem ist der Einstieg in ein neues Spiel stets so kurzweilig, wie bei einem Arcade-Spiel.

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Ich weiss nicht genau, was sich Nintendo mit dieser Veröffentlichung gedacht hat. Die oft zitierten, eiten Massen der Nicht-Videospieler spricht man mit einem derartig schweren und komplexen Spiel hierzulande sicherlich nicht an. Aber auch die Hardcore-Gamer wenden sich offensichtlich von einem Flipper ab, der viel mehr sein will, als einfach nur ein Flipper. Möglicherweise ist Odama ja ein ganz gutes Spiel für die leidensbereite Fraktion der Liebhaber traditioneller 2D-Shoot 'em Up's.

Sieht man mal von der etwas schwachen Grafik, dem überwiegend derben Schwierigkeitsgrad und der nicht immer einwandfrei funktionierenden Sprachsteuerung ab, dann ist Odama immerhin noch ein gutes und äusserst durchdachtes, wenn auch sehr spezielles, Strategiespiel.Mir persönlich hat Odama trotz allem durchaus auch spassige und fesselnde Momente beschert. Ab einem gewissen Zeitpunkt überwog jedoch leider allzu deutlich der Frust, über die immer schwerer werdenden Anforderungen und ich musste mich dazu zwingen weiterzuspielen. Schade, aber hier wäre man weniger leistungsbereiten Spielernaturen mit einem leichteren Schwierigkeitsgrad entgegengekommen, auch wenn dann vielleicht nicht hundertprozentiges Feldherren-Feeling aufgekommen wäre.

Bewertung

Odama gcn

0/10

 

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