Onechanbara: Bikini Samurai Squad
12:03 Uhr - Eine junge Dame schaut Fernsehen und mümmelt dabei an einem Kartoffelchip. Nebenan duscht ihre Schwester. Nackt natürlich. In einem Moment der Aufregung springt das Knabbermädchen auf und rennt ins Badezimmer, um dort ihre Hände ans feuchte Glas der Duschkabine zu pressen. Es wird nicht viel geredet, da geht es auch schon nicht minder stürmisch ins Wohnzimmer zurück. Zeit zum Ankleiden bleibt da fürs Schwesterlein leider nicht. Willkommen in meinem Leben, liebe Leser.
Bikini Samurai Squad ist – abgesehen von den ganzen Zombies – grundlegend eine Adaption des üblichen Redakteurs-Alltags bei AreaGames. Und zwar eine qualitativ so schlechte, dass es fast schon wieder unterhaltsam ist.
Bikini...
Nach dem Intro versprüht der Storymode von Bikini Samurai Squad jedenfalls keinen Charme mehr, erst recht keinen erotischen. Die Handlung wird größtenteils anhand von drögen Scrolltexten erzählt, die von zierlichen Stimmchen auf japanisch vorgelesen werden. Nein danke, mir war der ellenlange Text schon nach den ersten Kapiteln zu blöd und fortan habe ich mich dann auch nur noch durchgescipt. Die Hauptakteurinnen haben irgendein magisches Blut in sich, das bei Kontakt mit Zombies irre Kräfte freisetzt. Die Bösen wollen was von dem Blut abhaben, got it, mehr muss ich nicht wissen, mehr hätten mir die stupide gedichteten Lese-Orgien vermutlich eh nicht geliefert. Und selbst wenn, hätte es fürs Spielerlebnis kaum einen Wert gehabt. Außer standbildhaften Kurzgesprächen der Marke: "Hallo." - "Hallo." - "Wir sind Schwestern." - "Das erklärt einiges." - "Wir haben keine Zeit zu reden, da hinten kommen Zombies.", gibt es ingame rein gar keinen Handlungsanspruch mehr. Bikini Samurai Squad verzichtet gänzlich auf jedwede Art von Missionszielen. Das Einzige was man von Anfang bis Ende, von Kapitel zu Kapitel macht, ist Zombies abschlachten und Schlüssel aufsammeln. Stets startet man in einem stark eingegrenzten Level und durchläuft dieses, bis man an einer auf der Minimap markierten Stelle von aus dem Nichts auftauchenden Barrieren eingefangen wird. In den so entstandenen kleinen Arenen gilt es dann jeweils alle aus dem Boden kletternden Gegner zu besiegen, damit man einen Schlüssel zum Weiterkommen erhält. Ganz ehrlich: Ihr lauft gut 90% der Spielzeit praktisch nur geradeaus und hämmert dabei im Dauerfeuermodus auf "x", wodurch eure Hohlen Gegner (die meiste Zeit über Zombies in unterschiedlichen Variationen) chancenlos in grobe, blutspritzende Klümpchen verfallen. Könnte man die vielen Leichenteile wenigstens zum Kochen einer leckeren Gulaschsuppe verwenden, hätte das Spiel zumindest eine Nuance Originalität an den Tag gelegt.
Samurai...
Ok, zu behaupten, das wären wirklich schon alle Gameplay-Elemente von Bikini Samurai Squad gewesen, wäre geflunkert. Jedoch mit guter Absicht, denn die Motorradfahrsequenzen und Boss Battles ziehen das Game nur noch tiefer in den Schlund der feisten Ungeilheit. Die Riesenmonster haben mich jedenfalls durch die Bank weniger herausgefordert, als der erste BH den ich in meinem Leben je geöffnet habe. Und der hing auch nur bei C&A an einer gar nicht mal so unerotischen Schaufensterpuppe. Als ultimative Taktik zieht bei den lahmen Endgegnern, deren eigene Strategie vornehmlich aus ungelenkter Unbeweglichkeit besteht, schlichtes hinter sie springen und ihnen den Rücken zu Brei schlagen. Kein Spektakel, keine Spannung, nichts was auf irgendeine Weise spielenswert wäre. Ich habe mir ja mal den Spaß gemacht, mich vor ein paar Standardgegnern einfach hinzustellen und nichts zu tun. Ich könnte da heute noch so stehen, denn keiner der umherstehenden Untoten wollte mich attackieren. Ab und zu feuerte mal eines der im wahrsten Sinne des Wortes hirnlosen Viecher seine Schusswaffe ab, das aber auch nur wahllos in irgendeine Richtung, weit abseits meiner Spielfigur. Frustrierend wurde es immer nur dann, wenn die zeitweise grottige Kamera mich mal wieder in einer richtig deftigen Gegnerhorde orientierungslos vor die Hunde setzte (wobei selbst dann eigentlich immer wahlloses Buttonmashing für Rettung sorgte) oder ich ein Spielelement schlicht nicht verstanden hatte. Da wäre zum Beispiel der Umstand, dass sich aus irgendwelchen Gründen eine rote Anzeige im HUD aufgefüllt hat, meine Protagonistin in Folge dessen zu leuchten anfing und noch viel mächtigeren Schaden anrichtete, dafür aber kontinuierlich bis zum Tode Lebensenergie verlor. Eher zufällig fand ich heraus, dass dieser doch nicht unwesentlich negative Effekt mit roten Kügelchen zusammenhing, die ich im Eifer des Gefechts immer unbemerkt aufgesammelt hatte (mehr im Glauben, das seien Erfahrungspunkte oder meine Tage oder dergleichen, damit kenne ich mich nicht so aus und wirkliche Erklärungen liefert das Spiel selbst dazu leider nicht). Letztendlich musste ich mit speziellen Items, so weit habe ich dann selbst kombiniert, die entsprechende Rage-Anzeige niedrig halten, um nicht auszuticken und dran zu verrecken. Ihr könnt euch vorstellen wie spaßig es vorher war, zwischendurch mal mitten im Spiel die ultimative Seuche zu bekommen und nicht den blassesten Schimmer zu haben, woher sie kommt und was man dagegen tun kann. Erwähnte Motorradsequenz lässt einen über ihre Zielvorgabe noch viel mehr im Dunkeln tappen. Hier sollte man letztendlich nur ganz lange geradeaus fahren und dabei irgendwie versuchen, eine Horde Zombiehunde abzuhängen. Nur sagt einem das niemand. Und so fährt man mit einem ultrahakelig manövrierbaren Bike über eine geradlinige Endlosstrecke auf der unter anderem auch normale Untote respawnen, schlägt mal hier ein paar nieder, sucht mal da einen weg von der Fahrbahn runter,... will eigentlich am liebsten vom lästigen Gefährt absteigen... dabei muss man nichts anderes tun, als lange und schnell geradeaus zu flitzen. Nur halt eben so lange, dass man - wenn man nicht weiß, dass dies der richtige Weg ist - Zweifel bekommt und doch stehen bleibt, um sich des Kampfes zu widmen.
...Fail!
Bikini Samurai Squad erschien bereits 2006 in Japan und schon damals war das Spiel technisch alles andere als auf der Höhe der Zeit. Man muss kein Atomphysiker sein um zu wissen, dass nur die wenigsten Dinge im Alter hübscher werden. Um zur Abwechslung mal was positives über das Spiel zu sagen: Es bedient die Regel Nr. 2 auf sehr gediegenem Wege. Im Charakter-Editor darf man die virtuellen Mädels nach Herzenslust drehen, kippen und natürlich zoomen, wobei sie standardmäßig nur minimale Körperbedeckung am Leibe haben. Hier geht Tamsofts Spieldesign ausnahmsweise mal in die richtige Richtung, denn praktischerweise sind es die Kleidungsstücke, die man freispielen muss. Nicht die Titten. Die weisen ingame übrigens eine ähnlich hüpffreudige Melonenphysik auf, wie das Naturobst der süßen Beachvolleyballerinnen aus dem Hause Tecmo. Mit leicht übertriebenen Glanzeffekten versprühen die Ladys aus Bikini Samurai Squad zwar etwas zu viel Plastikcharme für meinen Geschmack, als virtuell fleischgewordene Anime-Damen gehen sie grafisch aber noch ok. Ob's zur Versteifung der Spielermuskulatur in den pikanteren Körperregionen reicht, bezweifel ich dennoch stark. Um so steifer sehen dafür sämtliche Animationen im Spiel aus. Hier schöpften die Entwickler ebenso konsequent aus eigentlich längst verdrängten Last-Last-Gen-Zeiten, wie beim grottigen Leveldesign. Quadratische, stets triste Areale deren größte Details noch primitive Pflanzenhecken als Levelbegrenzung darstellen und die abgesehen davon fast nur aus armselig texturierten Flächen bestehen, werden zumindest der Gesamtlangeweile des kompletten Spiels gerecht. Wollt ihr noch schnell das mieseste Beispiel für die schwach polygonierten Klontruppen-Gegner geschildert bekommen? Ach, ich frag' euch gar nicht, hier habt ihr's: Der Versuch, einen Vogel in der enorm limitierten Engine von Bikini Samurai Squad darzustellen. Wir haben da also einen größeren schwarzen Klotz und ein paar kleinere schwarze Klötze, die wie Flügel und ein Kopf aussehen sollen. Dieses Minimodell, das entfernt an eine Art groben Vogelversuch erinnert, gleitet auf exakt konstanter Höhe in linearer Richtung über den Boden, bis er gegen eine andere Spielfigur oder einen Zaun stößt. In diesem Falle dreht er sich in eine beliebige Richtung und fliegt wieder linear ins Ungewisse. Es sei denn, er hängt aus ungeklärten Gründen am Zaun fest und bewegt sich nicht mehr. Dann bleibt er da einfach starr in der Luft hängen, wie magisch eingefroren. Abgesehen von solchen Sachen, das sei am Ende dieses Tests noch gesagt, ist Bikini Zombie Slayers in keiner Weise irgendwie kaputt. Das was es bietet, läuft flüssig und allgemein fehlerfrei. Nur bietet es einfach fast nichts. Keine Onlinemodi, bloß einen armen Splitscreen-Koop, der genau so wenig Spaß macht wie der Solomode. Nicht mal easy-Gamerscore. Durchspielen bringt da gar nichts, für Achievements müsst ihr diverse Aufgaben (z.B. spezielle Kombinationen von Angriffen, Anzahl getöteter Gegner,...) erfüllen, die ihr vorab aber nur selten einsehen könnt und die dazu noch größtenteils im kaum schaffbaren Bereich liegen. So lange man buttonmasht macht das "Kampfsystem" des Spiels nämlich keine Probleme. Möchte man aber mal irgendwann etwas wirklich kontrolliert machen, merkt man, wie unschaffbar schwer das Timing der stärkeren Combos ist.
Pro und Contra
- + Ein Hauch von Regel Nr. 2
- + DAS Spiel für Sammler brutal schlechter Spiele
- - Nicht vorhandenes Leveldesign
- - Mädels sehen zu sehr nach Plastik aus
- - Nicht vorhandene K.I.
- - Nicht vorhandene akzeptable Grafik
- - Vorhandene Mega-Langeweile
- - Nicht vorhandener Spielspaß
Scheißt auf die Wertung!
Wie soll ich Bikini Samurai Squad vernünftig bewerten? Das Spiel versucht offenbar bewusst in jeder Hinsicht so dermaßen schecht zu sein, dass insgesamt doch das Bild eines konsequenten Trash-Meisterwerks entsteht. Man läuft durch kaum vorhandene Kulissen, buttonmasht sich mit rudimentären Animationen durch wehrlose Feindeshorden repititiver Natur, kloppt zwischendurch stupide auf langweilige Endbosse ein und... langweilt sich dabei einfach so sehr, wie beim konsumieren eines Softpornos, bei dem alle interessanten Szenen erst ab dem Bauchnabel aufwärts gezeigt werden. Positiv wären selbstverständlich die kaum verhüllten Mädels zu erwähnen, die im Gegensatz zum Rest des Spiels nicht ganz soooo übel aussehen. Die Formel von Bikini Samurai Squad ist demnach praktisch keine andere, als sexy Mädels durch einen Haufen Scheiße laufen zu lassen. Und auf diese Fantasie dürften nur die wenigsten unserer Leser stehen. Wer allerdings einen Fetisch dieser speziellen Art in sich hegt, nach strengst stinkendem Trash dürstet oder sich einfach zum Ziel gesetzt hat, die schlechtesten Games jeder Konsolengeneration in Besitz zu haben, der muss hier einfach zuschlagen. Der erwartet an dieser Stelle auch eine absolute Niedrigwertung, alles andere würde ihn enttäuschen und vom Kauf abhalten. Bei Vollmüll gelten andere Gesetze, hier ist niedrig mehr, der Reiz und Unterhaltungswert steigt mit jedem abgezogenen Wertungspunkt. Um den Fortbestand solcher Schrottperlen mit hohem Kuriositätsfaktor und der gewissen Prise Regel Nr. 2 zu sichern, kauft ihr am besten gleich alle Exemplare, die ihr in den Händlerregalen finden könnt (auch online). Alleine schon deswegen, weil uns jeder Titel dieser Art stets feinste Munition für abstruse News in bester AreaGames-Tradition liefert. Ja, kauft diesen Müll bitte, denn ohne diesen Müll wäre das Leben nur halb so schön. Was unweigerlich nichts daran ändert, dass es Müll ist. Darüber muss man sich, trotz aller fragwürdiger Unterhaltung aufgrund der dramatisch nicht vorhandenen Qualität, im Klaren sein und deswegen gibts auch nur eine Spielspaß(!)wertung von 2/10. Aber kauft es bitte trotzdem!
Bewertung
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Kommentare (26)
tastepolice
Gerg
kleiner Lemming
Toll find ich die typischen Japanerinnen-Dialoge (Schwesterblahblah siehe oben).
Sind die in Japan wirklich so, man könnte fast den Eindruck bekommen?
Liegt das daran, dass es für die eine warme Mahlzeit ist, wenn 10 ältere Männer um sie rumstehen und an Areagamesregelnummer2 denken?
Krebsverwertung
The Darkside
Daniel Pook
Verstehe mich nicht falsch, aber eine 2/10 ist für ein Trashspiel doch praktisch fast Höchstwertung. Das WILL doch scheiße sein und genau daraus seinen Reiz beziehen, was dieser Titel hier unweigerlich tut. :) Den Sex habe ich im Spiel übrigens vermisst. Warum nicht gleich die Mumus auspacken und richtig hardcore werden, das habe ich mich eigentlich beim Zocken die meiste Zeit gefragt. Wenn schon bewusst diese Linie fahren, warum dann nicht gleich konsequent und richtig dreckig? Dann wäre sogar eine 1/10 drin gewesen und das wäre für Bikini Samurai Squad praktisch so was, wie eine 10/10 für GTA IV.
Antilogic
trotzdem habe ich 5(!) Teile der Serie im Regal stehen (4 x ps2 + 1 x wii), daher sind für mich Punkte wie das "grandiose" Leveldesign, die pazifistisch eingestellten Gegner und das "abwechslungsreiche" Gameplay keine Überraschung....aber was soll ich sagen, ich find die Spiele(mit ausnahme von Teil 1 auf ps2, der wirklich unerträglich ist, ich meine WIRKLICH unerträglich) trotzdem recht lustig und zock an und ab gerne mal ne kurze Runde....ich würde sagen das sind Games, die darf man eigentlich nicht bewerten, denn geht man nach logischen Muster hagelt es nur 6en, aber betrachet man es mal mit "Hirn aus und ne Runde Zombies betzeln" dann hat die Oneechanbara Reihe durchaus ihren Reiz :D , macht jedenfalls mehr SPass als ein Devil May Cry oder God of War (klingt lustig, mein ich aber ernst O_o)
metropolisstreetracer
Belphegor