Overlord II
„Das Böse findet immer einen Weg!“ Dieses Zitat stammt von Gnarl, dem Ältesten der Minions. Wer die Minions sind? Sie sind die wohl lustigsten, gleichzeitig aber auch abscheulichsten Kreaturen, die jemals von einem Spieler gesteuert wurden. Sie und der Overlord. Der bekommt in Overlord 2 von Codemasters seinen zweiten Auftritt spendiert und versucht die Fans des ersten Teils mit neuen Features und verbesserter Grafik zu einem Neukauf zu inspirieren, vergrault Anfänger jedoch mit einem zu hohen Schwierigkeitsgrad.
Kämpfende M&Ms
Zu Beginn von Overlord 2 weiß der Spieler eigentlich nur eine Sache: Irgendetwas Schlimmes muss dem Vorgänger, also dem ersten Besitzer des dunklen Turms wiederfahren sein. Warum sonst lasten alle Pläne des Bösen, die Welt, die von putzigen Feen und metrosexuellen Elfen bevölkert wird, zu unterjochen auf den Schultern eines kleinen Jüngling, der wie Kenny in einen Wintermantel gehüllt ist, dass man nur seine funkelnden Augen erkennen kann? Overlord 2 beginnt, indem ihr in die Haut dieses Jünglings schlüpft und den Kindern von Nordberg, die euch mit Schneebällen bewerfen, zeigt, dass sie sich mit dem falschen „Kenny“ angelegt haben. Da ihr als Dreikäsehoch trotz eurer Bösartigkeit relativ harmlos seid, benötigt ihr Hilfe. Hilfe in Form von sogenannten Minions, Kreaturen, die sich gerne unter eure Fuchtel begeben und von euch kontrolliert werden wollen. Mit dem rechten Analogstick scheucht man sie, wie man es auch aus Pikmin für den GameCube kennt, durch die Gegend und bugsiert sie zum gewünschten Ort, damit sie z. B. Schatztruhen plündern, Gegner angreifen, oder aber Schalter betätigen. Wahlweise kann man mit der RT bzw. R2-Taste seine Minions nach vorne stürzen lassen, sie interagieren dann mit den Objekten, die ihnen am nächsten sind. Auf diese Art machen wir den ersten Rotzlöffeln, die den Baby-Overlord mit Schneebällen bewerfen, mit den braunen Minions die Hölle heiß. Braun symbolisiert, dass wir es mit Kämpfern zu tun haben, also den Grundstock einer soliden Minionarmee darstellen. Im weiteren Verlauf von Overlord 2 findet man außerdem die Roten, die Gegner mit Feuerbällen beharken und denen das heiße Element nichts ausmacht, die Grünen, die Feinde am liebsten von hinten besiegen, sich unsichtbar machen können und durch Giftdampf laufen können und die Blauen. Die können sich als einzige Minion-Sorte durch Gewässer bewegen, störende Magie beseitigen und, das Wichtigste, gefallene Kameraden wiederbeleben.
Die üblichen Arbeiten eines Overlords
Doch da sind wir noch nicht, wir jagen mit unseren ersten Braunen kleine Rotzbengel und terrorisieren die Stadt Nordberg mit unserer Magie, indem wir Feuerwerke entzünden, die Stadt entflammen. Doch dann wird Nordberg von Legionären des Römischen Reiches belagert, der Kleine als Pfand herausgerückt, landet schließlich in einem Eisblock und ward viele Jahre nicht mehr gesehen. Das Tutorial ist damit abgeschlossen und wir erwachen als ausgewachsener Bösewicht mit mächtig Rachedurst. Geleitet werden wir auf unserem kommenden Feldzug gegen die Niedlichkeit von Gnarl, dem Ältesten der Minions, der auch aus Teil 1 bekannt sein dürfte und zum Glück auch die sehr gute Synchronstimme besitzt. Er zeigt euch eure Bleibe, die noch heruntergekommener scheint, als die Turmruine aus Teil 1. Natürlich gilt es neben der Unterjochung der Menschheit das eigene Domizil wieder aufzubauen, um Upgrades und Rüstungen herstellen zu können.
Overlord 2 besitzt eine relativ flache Lernkurve, denn die ersten Missionen werden ausschließlich mit den braunen Minions, also den Kämpfern bestritten. Sie laufen nach dem Prinzip „Finde Ort X und plätte Armee Y bzw. Finde Gegenstand Z“ ab. Genug Zeit also, sich mit der Steuerung, die ziemlich anspruchsvoll ist, zu beschäftigen. Per Druck auf „B“ bzw. „O“ ruft man seine Untergebenen wieder zum Overlord zurück, was vor allem dann wichtig ist, wenn man sie bei Bossfights aus der Gefahrenzone einer mächtigen Attacke bringen will/muss. Drückt man stattdessen „Y“ bzw. „Dreieck“ lässt man seine Minions diese Stelle bewachen und alles angreifen, was sich im Kampfradius befindet. Dieser Befehl ist elementar, da Minions von alleine keine Gegner angreifen würden. Hat man das Nest der Roten gefunden, kann man diese feurigen Kumpanen beschwören, die im Nahkampf absolut versagen, sich aber prima auf einem Plateau machen, um von dort Gegner mit Feuerbällen zu bewerfen.
Bockschwer
Mit dieser Kombination bestreitet man die ersten Stunden in Overlord 2, bis man auf die erste Giftgasbarriere trifft, die nur von Grünen beseitigt werden kann. Auf euren Streifzügen passiert es oft, jedenfalls, bis man alle Sorten von Minions hat, dass ihr in eine Sackgasse gerät und erst später mit den richtigen Untergebenen weiterkommt. Dieses Backtracking ist zwar nicht schlimm, leider gibt Overlord 2 aber manchmal zu wenig Hinweise, WO man als Nächstes hin muss. Zum Glück legt sich dieser Umstand, wenn man alle Nester gefunden hat. Die Grünen bekommt man erst nach einer Stealthmission, die ein neues Feature gegenüber dem Vorgänger offenbart: Man kann in die Haut seiner Untergebene schlüpfen. An bestimmten Beschwörungssteinen muss man die gewünschte Minionsorte- und Anzahl auswählen, um dann automatisch den stärksten Kämpfer der Truppe zu lenken. Nettes Feature, aber an sich ist es nicht mehr, als einen „kleinen Overlord“ zu spielen, vom Gameplay her verändert sich nichts. Trotzdem ist es mal ganz lustig, in der Haut eines solchen Kerlchens zu stecken. Gerade diese Stealthmission mit den Grünen ist aber bockschwer und dürfte die erste Hürde für „Einfach mal so“-Spieler darstellen. Es gilt nämlich einen Palast zu infiltrieren, der von schwer gepanzerten Soldaten mit Kanonen, die euch einfach wegsaugen, bewacht. Diesen Monstern kann man nur dann beikommen, wenn man sie im richtigen Moment von hinten angreift. Dadurch, dass man in Overlord 2 nicht manuell speichern kann und diese Mission sich über eine Stunde hinziehen kann und jeder Angriff sitzen muss, könnt ihr euch vorstellen, was passiert, wenn ihr versagt. Ein wenig „netter“ hätten die Triumph Studios schon sein können. Wer aber knüppelharte Spiele mag, wird an Overlord 2 seine wahre Freude haben.
Wirklich BOCKSCHWER
Nachdem wir uns also weitere Missionen mit den drei Farben durchgekämpft haben, warten als Bonbon die Blauen, die Gefallene wiederbeleben können. Hier zeigt sich das Designgeschick der Entwickler, denn in dieser Mission ist man als Overlord alleine unterwegs und muss blaue Minions nach und nach aus verschiedenen Fallen befreien. Richtiges Timing und das Beherrschen der Steuerung sind hier Schlüssel zum Sieg. Nachdem man das blaue Nest gesichtet hat, wird es von Legionären auf ein Floß entführt und weggebracht. Zum Glück kann man in Overlord 2 ebenfalls Gefährte besetzen wie dieses Floß. In anderen Missionen kann man sogar ganze Schiffe steuern, um Gegner zu rammen und sie anschließend entern. Oder aber man besetzt Katapulte oder eine Balliste, um gegnerische Städte zu belagern und sonst unüberwindbare Formationen von Soldaten zu knacken. Wir schnappen uns also das Floß und eilen hinterher. Leider wird der Overlord in einer von zahlreichen Zwischensequenzen, die in Ingamegrafik gehalten sind, gefangen genommen und muss in einer Arena um sein Überleben kämpfen. Auch hier zieht der Schwierigkeitsgrad noch einmal an, denn es gilt, mehrere Wellen von Gegnern zu überleben. Während man also beschäftigt ist, seine Minions aus Krügen zu befreien, muss man Sklaven ausweichen, später gegen Einhörner kämpfen, um im großen Finale einem Koloss gegenüberzustehen. Nix da mit großem Final, besiegt man den Wüterich, gilt es sich noch einmal allen Gefahren GLEICHZEITIG zu stellen. Eine Arena voller Einhörner, Sklaven und dem Wüterich, das ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zum Glück erbarmen sich hier die Entwickler und speichern zwischen den einzelnen Wellen. Denn hat man diese Welle überstanden, kommt das WIRKLICH große Finale. Hier wirft ein gewaltiger Yeti (dem man im Tutorial begegnet ist) mit Explosionsfässern um sich. Was man dann tun soll, verraten wir nicht, jedenfalls ist es nicht leicht. Glaubt uns, als der Kampf vorbei war, hatten wir einen ziemlich hohen Puls, der mit dem Erwerben des blauen Nests ein wenig beruhigt werden konnte. Noch einmal: Overlord 2 ist nichts für Gelegenheitsspieler.
Das beste Feature ...
Wer sich den Test bis hierher durchgelesen hat und Teil 1 besitzt, wird noch keine schlagenden Argumente gefunden haben, sich den Nachfolger zuzulegen. Bis auf den Umstand, dass man in die Haut eines Untergebenen schlüpfen kann und Gefährte nutzen kann, bleibt vieles beim Alten. Der Turm kann wieder verschönert, Burgfrauen erobert und die Rüstung durch Gold und Minion-Opfer verbessert werden. Doch auch hier wurde ein bisschen verändert. So kann man die Baue der Kreaturen in vier Stufen verbessern, sodass eure Untergebenen von Natur aus stärker sind und nicht erst durch das Aufsammeln von hinterlassenen Waffen mächtiger werden. Zaubersprüche des Overlords, die im Kampf Minions stärken oder einfach nur Schaden bei dem Gegner anrichten, lassen sich durch Katalysatoren verbessern. Doch es gibt noch elementare Features, die die Triumph Studios eingebaut haben. So ist es jetzt möglich, seine Minions auf Tieren reiten zu lassen. Das sieht nicht nur hübsch ausm macht die Untergebenen nicht nur stärker, sondern hat auch einen spielerischen Mehrwert. Eure Braunen können z. B. auf Wölfen reiten, um kleine Abgründe zu überwinden oder gegnerische Schildformationen zu sprengen. Die Grünen dagegen nutzen Spinnen als fahrbaren Untersatz. Damit können sie an bestimmten Orten Wände hinauf laufen, um versteckte Schalter zu betätigen oder sonst unerreichbare Items einzusammeln. Das wichtigste und aus meiner Sicht beste Feature ist jedoch die Möglichkeit, gestorbene Minions, denen also selbst die Blauen nicht mehr helfen konnten, wiederzubeleben. Gegen eine bestimmte Anzahl von Minionenergie, die benötigt wird, um überhaupt Untergebene zu beschwören, kann man seine gefallenen Elitekämpfer wieder zurückholen. Niedlich: Die Wiederauferstandenen geben dem Sensenmann einen fetten Knutscher – jedoch nur beim ersten Mal lustig. Trotzdem, ich danke den Entwicklern für dieses Feature, denn so kann ich meine ultimative Armee aufbauen und muss nach einem besonders heftigen Bossfight wieder von vorne anfangen. Ebenfalls schön: Alle Minions tragen Namen, sodass man sich noch besser mit ihnen identifizieren kann („Los Saul, mach sie fertig!“)
Ansonsten kann man sagen, dass Overlord 2 der Linie des Vorgängers treu bleibt. Der schwarze Humor ist genauso da, wie die übertrieben abartige Darstellung der Fabelwesen, die man sonst eigentlich ganz doll lieb hat. Doch wir verkörpern nun mal das Böse, da sind Feen eben überproportionierte Damen mit Hängebusen und Elfen vor Arroganz strotzende „David Beckham“-Verschnitte mit Rasterlocken. Daher macht es ja auch so unglaublich Spaß in dieser Welt zu wüten, Menschen zu versklaven und für sich arbeiten zu lassen. Ein großes Problem bei Overlord 1 war, dass man immer das Gefühl hatte „nicht so richtig“ böse zu sein, weil man Bauern irgendwie doch wie half, satt zu werden. Dem ist in Overlord 2 nicht mehr, denn hier wird euch höchstens die Wahl gelassen, Menschen zu versklaven oder zu töten. Eure Entscheidungen wirken sich auf eure Gesinnung aus, die wiederum entscheidend für eure Magie ist. Besonders böse Overlords haben nun mal Zugriff auf andere Zaubersprüche, als besonders Gute.
Das Böse macht Fortschritte
Technisch hat Overlord 2 einen guten Schritt nach vorn gemacht. Die Engine ist zwar immer noch die gleiche, jedoch wurde sie ordentlich aufgepeppt. Es wurden zahlreiche Umgebungsdetails hinzugefügt und die Beleuchtung verbessert, dass das Spiel einen Charme ähnlich der „Fable II“-Welt ausstrahlt – nur ist diese Welt nicht so freundlich und erst recht nicht so leicht zu bewältigen. Der Sound ist wieder einmal erste Sahne, vor allem die Synchronstimme von Gnarl, aber auch die Töne eurer Minions. Ständig hört man sie rülpsen und rumpöbeln, während ein Grüner auf einer Spinne leise „Good Spidy“säuselt. Herrlich. Falls ihr etwas von Framerate-Einbrüchen auf der Xbox-Fassung gehört habt, wir haben davon noch nichts mitbekommen. Negative Erlebnisse diesbezüglich könnt ihr in den Kommentaren gerne loswerden.
Pro und Contra
- + Harlekin lässt sich wieder treten
- + Einzigartiges Gameplay
- + Böse sein ist cool
- + Neue und gute Features
- + Toller Sound
- + Endlich eine Minimap
- - Bockschwer
- - Teilweise unfaire Savepoints
- - Steuerung etwas zickig
- - Viel Backtracking
Triumph der Triumph Studios
Overlord 2 ist so geworden, wie ich es mir gewünscht habe. Der Charme des Vorgängers blieb erhalten, die Line „Böse“ zu sein, wird stringenter durchgezogen. Das Feature, seine Untergebenen wiederzubeleben ist für mich das Sinnvollste, aber auch die Möglichkeit auf Tieren zu reiten, Schiffe zu nutzen und Katapulte zu besetzen frischen das komplexe Spielgeschehen ordentlich auf. Leider haben die Triumph Studios den Schwierigkeitsgrad, der sich nicht verändern lässt, nach oben korrigiert, sodass Neulinge sicherlich abgeschreckt sein dürften. Unfair gesetzte Speicherpunkte und die etwas zickige Kamera, die in Konflikt mit der Steuerung der Minions gerät, da beides mit dem rechten Stick gelenkt wird, verschärfen diesen Eindruck noch. Profis dagegen werden mit Overlord 2 definitiv noch mehr Spaß haben, als mit dem Vorgänger. Wer die berühmte Abwechslung von den üblichen Genres braucht, der fährt mit diesem Titel absolut richtig.
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Kommentare (15)
bikvik
blub.me
Fand den 1. Teil schon genial, also muss der hier auch her!
Original Cindy (II)
Egal, bestellt ist es 'eh schon - da muß ich jetzt durch ;-)
Saibot
(DIE AREAVISION ABER NATÜRLICH TROTZDEM!!)
So wie das früher bei Vitiv war :)
GamePROll
ArcaniaaGOTHICtale
ja ich wär auch dafür, das es für jedes spiel wieder ein testvideo gibt!!
Hattet ihr nicht eigentlich schonmal das wort "AREAVISION-DAYLY" auf den lippen??
gut eine tägliche AV ist vielleicht zu viel des guten, zumal ihr ja ausreichend News bringt!
Aber ich finde testvideos zu den einzelnen spielen wären schon zu machen!
könnt ja nochma drüber nachdenken
.krüse
halte von dem spiel überhaupt nichts, komandospiele gibt es schon länger, und das setting finde ich grausam. mir machts schon oft herzklopfen sich um den eigenen protagonisten zu kümmern. jetzt noch um 20 kleine krakele, nein danke :)
kingmo
Turkishflavor
jiro
xD