PAIN
Wikipedia beschreibt Schmerz als „eine komplexe Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist“. Merkt euch das gut, denn im ursprünglich als PSN-Titel debütierten PAIN geht es einzig und alleine darum, eurem Alter Ego möglichst viel davon zuzufügen. Klingt brutaler als es im Endeffekt ist. Unser Test der jüngst veröffentlichten Retail-Version geht der Frage nach, ob solch ein minimalistisches Konzept für maximalen Spielspaß sorgen kann.
PAIN wurde vor fast anderthalb Jahren zunächst online im PlayStation Network veröffentlicht. Während man damals mit lediglich einem Level und zwei Charakteren auskommen musste, kommt die Blu-Ray-Version mitsamt allen Erweiterungen in den Handel, was den vormals sehr mageren Inhalt des Spiels deutlich erweitert, ohne es allerdings wirklich umfangreich zu machen. Wer PAIN zuvor noch nicht spielen konnte oder wollte, bekommt hier dennoch das bis dato definitive Schmerz-Paket.
No pain, no gain
PAIN klingt zunächst wie ein Versuchsaufbau für das Experimentieren mit Ragdoll- und Havok-Physik: Einer von 15 abgedrehten Charakteren, zu denen zum Beispiel ein Typ in einem Kuhkostüm, ein britischer Punk und Luchador El Chile Grande gehören, nimmt auf einem Katapult Platz und lässt sich freiwillig durch insgesamt vier vollgepackte, aber überschaubar große Szenarien schleudern. Um möglichst viele Punkte zu ergattern, wirft man die menschlichen Geschosse gegen Treibstofftanks, durch Fenster oder in Baugerüste, denn je mehr in der Umgebung sowie am Polygondummy zu Bruch geht, desto schneller steigt der Kombozähler in die Höhe. Doch obwohl das Spiel genau Buch darüber führt, ob sich euer Charakter gerade das Genick gebrochen, den Arm ausgerissen oder den Hoden gequetscht hat, bleibt jedes Körperteil brav da, wo es hingehört. Auch Blut fließt keins.
Für einen noch höheren Score dürft ihr im Flug aus verschiedenen Posen wählen und eurem Kanonenfutter selbst am Boden liegend noch einen Bewegungsimpuls verpassen, um die schon verloren geglaubte Kombo weiterzuführen. In den komplexen Levels finden sich immer mehrere Möglichkeiten zum Experimentieren. Im Labor könnt ihr an einem Katamari-artigen Klebeball herumrollen, im Vergnügungspark nutzt ihr die Fahrgeschäfte, um euch im Flug einen saftigen Stoß (und noch mehr Schmerzen) zu verschaffen. Die Übersicht ist trotz einer aufrufbaren Vogelperspektive allerdings oft nicht leicht. Neue Spots entdeckt ihr daher meist durch Zufall.
No brain, no pain
Neben der reinen Punktejagd gibt es noch weitere Minispiele, die sich aber oft in einem leicht veränderten Gewand wiederholen. Mal schnappt ihr euch in der Luft einen Clown, um ihn in explosive Kisten zu schleudern, mal macht ihr das Gleiche mit einem Franzosen und Fensterscheiben. Mein persönlicher Favorit aller Spielvarianten ist die Bärenjagd (nein, nicht diese Bärenjagd): Bei einer Art Topfschlagen müsst ihr einen bestimmten Teddybären finden, in dem ihr zunächst andere Bären beschießt und herausfindet, ob ihr euch nah oder fern vom Zielobjekt befindet und es damit immer näher einkreist. Dieses Spiel ist auch das Einzige, was man solo länger als 10 Minuten angehen kann, ohne in einen schlafähnlichen Zustand zu gelangen. Wer unbedingt will, kann sich indes noch länger mit den Einzelspieler-Aufgaben beschäftigen, schließlich warten drei weitere Schwierigkeitsgrade auf ihre Freischaltung. Dummerweise ist das Spiel aber auch so schon ziemlich knackig und es wird euch nicht verraten, welche Bedingungen zum Erreichen der nächsten Stufe erfüllt werden müssen.
Doch machen wir uns nichts vor: PAIN ist ein reines Party-Spiel, das nur mit ein paar Mitspielern seinen Zweck erfüllt. Alle gängigen Multiplayer-Varianten wie HORSE sind dementspechend auch mit dabei. Aufgrund des doch ein wenig eingeschränkten Spielprinzips dürfte es zwar für ein, zwei launige Abende reichen, ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich PAIN in vielen Spielerunden als ernsthafte Konkurrenz der Partyspiel-Platzhirsche etablieren kann.
Als kurioser Bonus lässt sich das PAIN-Labor betrachten, in dem nicht fertiggestellte Level-Ideen ausprobiert werden können. Das macht ungefähr für fünf Minuten Spaß, danach wünscht man sich, einen richtigen Editor zu haben, den ich hinter dem Namen eigentlich auch vermutet hatte.
Pro und Contra
- + originelles Spielkonzept...
- + schwarzer Humor
- + gute Ragdoll-Physik
- + klassisches Party-Game...
- - ...ohne Tiefgang
- - dürftiger Umfang
- - öder Singlepayer
- - ...das aber trotzdem nicht lange motiviert
- - unübersichtlich
Schmerz lass nach
PAIN scheint man ein bisschen zu spät noch mal als Blu-Ray auf den Markt geworfen zu haben, um der wachsenden Casual-Gemeinde Gerecht zu werden und den ein oder anderen Extra-Euro zu machen. Ob man für die zwei, drei spaßigen Stunden, die man bei einem Spielabend mit PAIN haben kann, allerdings 30 Flocken investieren muss, ist jedem selbst überlassen. Ich würde eher dazu raten, mal einen Blick auf FlatOut 2 zu werfen, das nicht nur recht ähnliche (aber abwechslungsreichere) Crash-Test Dummy-Minispiele bietet, sondern auch noch ein komplettes Rennspiel drumherum hat. PAIN ist nicht schlecht – die Physik funktioniert, der schwarze Humor gefällt und die Titelmusik frisst sich unbarmherzig in die Hirnrinde – aber mir fällt leider niemand ein, dem ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen könnte. Vielleicht gibt es einige unter euch, die PAIN bereits als Download-Titel gespielt haben und Spaß dabei hatten, mir ist das Katapultieren aber zu limitiert und zu schnell abgenutzt.
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Kommentare (4)
EA the Master
132Shadow
(wehe nicht -.-) xD
tastepolice
Turkishflavor