Pariah

19.01.2007 10:24
Pariah


Das von Digital Extremes entwickelte Pariah begeisterte darbende Shooter-Fans bereits vor etwas längerer Zeit mit durchaus beeindruckenden Screenshots. Die Tatsache, dass der Titel von den Unreal Championship-Entwicklern ins Leben gerufen wurde, kann sich letztendlich ja nicht wirklich negativ auf das eigentliche Spiel auswirken,. oder etwa doch? Das eher Story-lastige Spiel rund um Dr. Jack Mason setzt auf eine abwechslungsreiche Geschichte, packende Atmosphäre und aufrüstbare Wummen mit ordentlich Durchschlagskraft. Ob diese Zutaten den ultimativen Shooter ans Licht ingen, klärt unser Review.

Pimp my Gun

Auch wenn so manch einer von uns vermutlich nie erwarten würde, dass ein Doktor beim Umgang mit großen Schießprügeln ähnlich begabt ist, wie bei der Verwendung diverser Spritzen, lehrt uns Jack Mason eines Besseren. Während die Tatsache, dass man anstatt eines typischen Action-Helden einen stinknormalen Doktor steuert, der mehr oder weniger unfreiwillig in die Rolle des Helden gerutscht ist, doch eher außergewöhnlich ist, bleibt das Spiel an sich mehr als nur gewöhnlich. Gleich zu Anfang der Singleplayer-Kamapgne merkt ihr, dass euch bei Pariah keine Innovationen erwarten, sondern eher typische Shooter-Action, wie sie bereits so viele Spiele in den letzten Jahren zeleiert haben.

Anstatt jedoch in einem weit entfernten Universum für Ordnung zu sorgen, ballert ihr auf Mutter Erde. Unser blauer Planet ist im Jahre 2520 jedoch kein wirklich beliebter Fleck für allerlei Touristen, sondern eher ein Ort des Grauens. Und so schlägt es auch Dr. Jack Mason samt seiner ursprünglich eingefrorenen Patientin Karina eher durch einen unglücklichen Zufall auf unseren Planeten. Während eines Transport-Flugs der mit einem Virus infizierten Karina, holt euch eine Rakete vom Himmel. Getreu dem Motto Schlimmer geht's nimmer infiziert sich Jack nun bei der verletzten Karina und hat dank Virus in seinem Körper und agressiver Gegner-Schar im Umland genügend Ärger am Hals. Also, ran an die Waffen und ballern was die Knarre hergibt.

Bei eurem Feldzug stehen euch grundsätzlich 8 Waffen zur Verfügung, Anfangs könnt ihr euch jedoch nur auf eure Standard-Waffe verlassen, dem Bulldog. Moment mal, 8 Waffen? Das mag dem ein oder anderen Shooter-Fan nun ein gelangweiltes Gähnen entlocken, doch Pariah hat praktisch gesehen wesentlich mehr zu bieten. So lassen sich alle im Spiel befindlichen Bleispender gehörig aufrüsten. Dies geschieht natürlich nicht von selbst und somit solltet ihr stets nach diversen Modifikationen Ausschau halten, welche stellenweise doch sehr versteckt in den abgelegensten Ecken so mancher Level auf euch warten. Von Letzteren gibt es üigens 18 an der Zahl, durchgespielt ist Pariah jedoch bereits nach ca. 9 Stunden.

Die Auswahl eurer Waffen wurde recht intelligent gelöst. Vergleichbar mit der Selektion eines Team-Kommandos bei einem Taktik-Shooter, scrollt ihr nicht wie verrückt durch euer Waffen-Arsenal, sondern öffnet auf Knopfdruck ein kleines On Screen-Menü, bei dem ihr via Himmelsrichtung den gewünschten Prügel auspackt. Stylistisch haben die Entwickler hier an alles wichtige gedacht, vom Granatwerfer bis hin zum Präzisionsgewehr sind also alle primären Waffen-Elemente im Spiel vorhanden. Überhaupt ist das Waffen-Portfolio mitsamt der interessanten Möglichkeit, dieses ordentlich aufzurüsten der vielleicht positivste Aspekt des Spiels.

Ebenfalls gut gefallen hat uns die recht zugängliche Steuerung. Diese geht leicht von der Hand und die Option, dass Controller-Setting den eigenen Wünschen entsprechend zu konfigurieren ist ebenfalls sehr lobenswert. Vielleicht sorgt auch die gute Steuerung dafür, dass Pariah zu keinem Zeitpunkt wirklich anspruchsvoll wird. Erfahrene Genre-Fans wandern also recht schnell durch das Spiel, wobei es beim härtesten der 4 gebotenenen Schwierigkeitsgrade doch schon recht heftig zur Sache geht. Gut ausbalanciert gestaltet sich das Energie-System eures Charakters. Anstatt bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche zu segnen, verträgt der Actionfreudige Jack doch einige Treffer. Eure in 4 Bereiche aufgeteilte Gesundheit lässt sich durch das Einsammeln von Medi-Kits zudem schön individuell auffüllen.So rennt Dr. Mason nicht einfach stur über diese Kits, wenn er sich vollster Gesundheit erfreut, sondern sammelt die lebensrettenden Teile auf Vorrat ein und ihr bestimmt dann, inwieweit ihr eure Energie auf Vordermann ingen wollt.

Neben dem Aufrüsten der Waffen stellen auch die fahrbaren Untersätze des Spiels ein wichtiges Element des Gameplays dar. Leider ist die Steuerung hier ein wenig schwammig, das Gefühl der vollen Kontrolle hat sich zumindest bei uns nie eingestellt. Da zeigte sich selbst das stellenweise an dieser Stelle ebenfalls kritsierte Halo wesentlich Benutzerfreundlicher.

Dem Ingenieur ist nichts zu schwer

Wer dem Spiel zumindest in der Singleplayer-Kampagne nicht viel abzugewinnen hat, sollte einen etwas intensiveren Blick auf den Multiplayer-Part des Titels werfen. Zwar erwartet euch hier lediglich typische Genre-Kost, dafür ist die Map-Auswahl durchaus befriedigend. Merkwürdig ist zudem, dass einige Maps uns rein vom Leveldesign besser gefielen als so manch wichtiger Abschnitt der Solo-Missionen. Wer dennoch keinen Gefallen an der gebotenen Karten-Auswahl findet, kann sich in Windeseile eigene Karten zusammen basteln und, man höre und staune, diese auch Online mit anderen Spielern teilen bzw. gemeinsam auf diesen Maps zocken. Meckert ihr also bei anderen Spielen ständig rum, dass ihr das Spiel zwar eigentlich im Griff habt, die Karten des Titels euch jedoch nicht wirklich zusagen, dann habt ihr nun die Möglichkeit, individuelle Areale zu gestalten.

Erfreulich ist jedoch nicht nur die Tatsache, dass die Entwickler einen derartigen Editor eingebaut haben, sondern auch für eine entsprechend einfache Bedienung gesorgt haben. Selbst Anfänger sollten nach kurzer Einarbeitungszeit bereits die ein oder andere schöne Map aus dem Boden stampfen können. Erstellte Karten können üigens wie auch alle anderen Multiplayer-Maps in einem Trainings-Modus mit Bots gezockt werden. Letztere verhalten sich jedoch äußerst abgedreht, da sie sich nicht selbst bekämpfen und ständig in Massen auf euch treffen. Wer nun meint, er könne mit einem Kumpel gemeinsam auf der heimischen Couch Platz nehmen, dürfte enttäuscht darüber sein, dass Splitscreen bei Pariah kein Thema darstellt. Stattdessen könnt ihr euren Freunden anbieten, eine zweite Xbox mitzuingen und dann eine Runde via System Link zu zocken. Genau wie der technisch akzeptable Live-Modus des Spiels, geht es hier mit bis zu 16 Leuten wild zu.

Knäckebrot-IQ

Nachdem ihr nun wisst, was euch rein Modi-techinsch bei Pariah erwartet, machen wir uns nun an die vorhandenen Kritikpunkte des Spiels. Neben einigen technischen Schwächen, auf die wir später eingehen werden, macht uns vor allem die KI des Titels sorgen. Richtig derbe Aussetzer der gegnerischen Intelligenz gibt es zwar nicht bei jeder Kampfsituation, dennoch werdet ihr beim durchspielen von Pariah sicherlich auch die ein oder andere Situation zu meistern haben, in der euch das Verhalten eurer Gegner durchaus merkwürdig vorkommen dürfte. Während eure Feinde größtenteils schnell reagieren und sich zumindest einigermaßen natürlich verhalten, gibt es einige Ausnahmen, bei denen ihr schon nicht mehr wisst, ob ihr nun wild lachend das Spiel pausieren wollt oder doch lieber einen Schreikrampf ob der Dummheit einiger Kontrahenten vollführen wollt. So kommt es vor, dass die Jungs der anderen Seite nichts dagegen haben, wenn ihr direkt vor ihrer Nase stolziert und wild durch die Gegend ballert. Dies ist nicht nur peinlich, sondern raubt dem Spiel auch einiges an Authenzität. Stellt euch vor, ihr kämpft euch mit viel Anstrengung durch eine bestimmte Aufgabe und erwartet dann einen hohlen Gegner, der sich nicht wirklich für euch interessiert und relativ demotiviert in der Landschaft steht. Zuvor aufgebautes Adrenalin sinkt spätestens dann gehörig in den Keller und raubt euch gegebenenfalls eine Menge Spielspaß.

Neben der Tatsache, dass die Ladezeiten nicht zu den schnellsten der Videospiel-Geschichte gehören dürften, müssen wir auch die Story kritisieren. Anfangs zwar recht spannend, wenn auch belanglos erzählt, bleibt die Logik nach einigen Spielstunden gänzlich auf der Strecke und ihr sitzt mit einem großen Fragezeichen vor dem Fernseher. Genau wie bereits der kürzlich erschienene Shooter Project: Snowblind kämpft Pariah zudem mit der Problematik, keinerlei Innovationen zu bieten. Sicher sind wir uns im Klaren darüber, dass es für Spiele-Entwicker immer komplizierter werden dürfte, wirklich frischen Wind in ein eingefahrenes Genre zu ingen, doch muss denn wirklich so viel bei der Konkurrenz geklaut werden?

Ruckel-Doktor

Spätestens bei intensiver Studie der gebotenen Optik von Pariah, sollte auch der letzte Shooter-Anhänger erkennen, dass dieser Titel sich ganz erheblich bei Halo bedient. Als Beispiel sei hier nur die Gestaltung der mobilen Einheiten genannt. Doch auch das Aussehen eurer Gegner sowie das allgemeine Design wirken wie ein dreister Abklatsch von Bungies Meisterwerk. Schön ist jedoch, dass trotz düsterem Setting eine gewisse Abwechslung geboten wird. Die Leveldesigner haben also durchaus gute Arbeit geleistet. Auch eure Waffenmodelle sehen ganz nett aus und bezüglich einiger Grafik-Schmankerl wie zum Beispiel sich spiegelndes Wasser oder fette Explosionen kann man im Falle von Pariah nur positives berichten. Problem ist nur, dass die mehr als ansehnliche Optik neben einigen Design-Aussetzern gehörig mit einer unkonstanten Framerate zu kämpfen hat. Letztere ist quasi nicht existent, stattdessen erwarten euch vor allem an Bord eines Gefährts derbe Ruckler, welche wirklich nicht mehr feierlich sind.

Das oft verwendete Zitat, dass sich derartige Ungereimtheiten nicht auf den Spielspaß auswirken, trifft bei Pariah leider nicht zu, denn die Aussetzer der Bildwiederholungsrate drücken den Spielspaß durchaus deutlich runter. In Zukunft vielleicht weniger Bump Mapping und sonstige Details, dafür aber ein ruckelfreies Spielvergnügen, denn dies stellt die Grundvorraussetzung für eine gute Technik-Wertung dar. Wer hingegen auf saubere Technik pfeift und bei einem Shooter in erster Linie den roten Lebenssaft fließen sehen will, wird bei Pariah gehörig enttäuscht werden. Trotz einer, was den Action-Anteil betrifft durchaus verständlichen USK-Einstufung ab 18 Jahren, ist das Spiel frei von Blut.

Standard-Kost gibt es beim Sound, auch wenn die Musik stellenweise sehr schön produziert durch die Missionen zu treiben weiß und durchaus fein anzuhören ist. Doch auch hier überkommt einen der Eindruck, dass man dies alles bereits irgendwo besser gesehen respektive gehört hat. Die bereits kritisierte Story wird im Üigen in deutscher Sprache fortgeführt. Hierbei lieferten die Sprecher zwar nette Arbeit ab, ein wenig mehr Dynamik in der ein oder anderen Sequenz hätte es dann aber doch sein dürfen. Zudem hat man trotz 5.1-Support das Gefühl, dass Pariah nicht wirklich das Letzte aus eurem Soundsystem kitzelt. Schade drum.

„Dr. Action“

(Meinung » René Held)

Drei lange Jahre werkelte man bei Digital Extremes also an einem potenziellen Halo-Killer und dabei rumgekommen ist letztlich ein Spiel, dessen KI-Charaktere über die Intelligenz eines Rasenmähers verfügen, ein Spiel dessen Bildrate oftmals bis in den Keller sinkt und ein Spiel, dass so vieles bietet, nur keine Innovationen. Nun mag der ein oder andere behaupten, dass es da ja nur positiv sein kann, dass Einzelspieler bereits nach knapp 10 Stunden das Abenteuer rund um Dr. Jack Mason durchgezockt haben dürften.

Weit gefehlt. Denn irgendwie ist das Spiel ja doch gar nicht so schlecht. Das Setting wirkt stimmig und atmosphärisch, der Sound ist ebenfalls ganz nett und die aufrüstbaren Waffen lassen bei uns zwar die Befürchtung bezüglich eines Pimp my-Wahns bei Shooter-Spielen aufkommen, Spaß kommt dabei dennoch eine Menge auf. Besonders gefallen hat uns zudem der nette Map-Editor, ein Feature das bei so vielen Spielen schmerzlich vermisst wurde. Schön auch, dass die Entwickler kreative Karten-Bastler nicht Offline auf dem Sofa verkommen lassen, sondern deren Ideen bzw. Entwürfe auch Online spielbar sind. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage, was man uns mit dieser verzwickten Story erzählen will, denn ein wenig Abstrus wirkt die Storyline dann doch. Da merkt man dann schon, dass die Erfahrung der Entwickler sich eher auf Spiele bezieht, bei denen die Geschichte ein wenig im Hintergrund steht. Trotz aller Kritikpunkte sollten Shooter-Fans einen Blick riskieren, ein Pflichtkauf ist der Titel aber auf keinen Fall. Das ist schade, denn Potenzial ist bzw. war definitiv vorhanden.

Bewertung

Pariahxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.