Persona 4
16:22 Uhr - Die Playstation 2 ist tot, lang lebe die Playstation 2! Obwohl schon vor langer Zeit von der dritten Generation ins Altenteil geschickt, punktet der in Ehren ergraute Kasten auch heute noch mit hochwertiger Software. Das ein oder andere neue Singstar-Gejohle lockt immer wieder vor die Röhre, Guitar Hero und Rockband lassen euch in die Saiten greifen, und vor allen Dingen Rollenspieler werden erstklassig versorgt, wenn sie denn in den USA und in Japan leben. Gelegentlich schafft es einer dieser Hits dann auch mal nach Europa, so aktuell geschehen mit Persona 4, welches wir genauer unter die Lupe nehmen.
Früh übt sich
Ein Spiel der in Japan als Megami Tensei bekannten Serie erschien erstmals 1987 auf dem NES und konnte dort aufgrund seines einzigartigen Settings auch einen Achtungserfolg landen. In den USA nahm man allerdings erst Mitte der Neunziger Notiz von Atlus' Rollenspiel. Mit Revelations: Persona wurde erstmals eine Episode ins Englische übersetzt. Europäer mussten sogar noch zehn Jahre länger warten. Hierzulande erschien erst 2005 mit Shin Megami Tensei 3: Lucifers Call ein Spiel der Serie für die Playstation 2. Dann ging es allerdings Schlag auf Schlag. Fünf weitere Titel folgten innerhalb von drei Jahren – so einen Ausschuss produziert sonst nur Square Enix. Persona 3 FES erschien erst vor wenigen Wochen in Deutschland, gerade genug Zeit um das Mammut-Rollenspiel pünktlich zum Release von Persona 4 zu beenden.
Schüler spielen Schule
Diesmal verschlägt es euch aufs Land. Die Eltern des jugendlichen Hauptcharakters sind beruflich außer Landes, der Junge verbringt das nächste Jahr in der ländlichen Idylle Inabas, wo sein Onkel ihn freudig erwartet. In der ansässigen Schule knüpft der Neuankömmling schnell erste Bekanntschaften. Der Spieler wird nach und nach mit dem Schulalltag des Jünglings vertraut gemacht. Dieser ist von hoher Bedeutung, macht er doch einen großen Teil des Spiels aus. Tagsüber geht ihr dem Stundenplan nach, pflegt Freundschaften, erledigt kleinere Sidequests und Nebenjobs, um ein wenig Geld zu verdienen. Mit euren neuen Freunden tauscht ihr euch über aktuellen Klatsch und Tratsch aus, erlebt die zarten Bande der ersten Liebe und folgt dem anfangs gemächlichen Plot.
Video killed the Teacher
Die ruhigen Stunden werden allerdings jäh unterbrochen, als eines Tages zwei Mordopfer an der Schule entdeckt werden. Auch in den nächsten Tagen kommt es zu weiteren blutigen Verbrechen. Erschüttert stellt ihr fest, dass eine allabendliche Fernsehsendung etwas mit den grausigen Morden zu tun haben muss, denn alle Mordopfer wurden noch zu Lebzeiten im Midnight Channel dem Zuschauer präsentiert. Der Protagonist macht sich nun auf, die bizarren Morde aufzuklären. Dazu beamt er sich nachts per Fernseher in die dunkle Welt des Midnight Channels. In der von Monstern und Dämonen bevölkerten Welt folgt ihr der Geschichte des eigentlichen Rollenspielparts, der sich trotz aller Neuerungen höchst traditionell gibt. In den rundenbasierten Kämpfen metzelt ihr euch gepflegt durch unzählige Gegner und die dunklen Gassen des nächsten Dungeons beherbergen viele Schätze, die gefunden werden wollen. Alles beim Alten also.
Aus Neu mach Alt
Oder auch nicht, denn Persona 4 spinnt die erstklassigen Spielequalitäten des Vorgängers zu einem noch fesselnderen Netz zusammen. Ihr durchforstet nicht mehr ein riesiges Labyrinth, sondern viele kleine, überschaubare Dungeons. Das sorgt für mehr Abwechslung, zumal sie zufällig generiert werden und somit bei jedem Besuch andere Winkel und Gassen vorweisen können. In den Kämpfen selber steuert ihr eure komplette Partie. Das macht Persona 4 deutlich komplexer und taktischer als den schon herausragenden dritten Serienableger. Zufallskämpfe gibt es nicht, alle Gegner sind stets sichtbar und in den Kampfschirm wechselt ihr erst bei Kontakt. Neben normalen Angriffen und Fertigkeiten spielen vor allen Dingen die namensgebenden Persona eine große Rolle im Kampfsystem. Dahinter verbergen sich Dämonen, die dem inneren Wesen der Charaktere entspringen und euch im Kampf zur Seite stehen. Hier kommt dann auch der Schulalltag zum Tragen. Dort könnt ihr die sozialen Beziehungen zu euren Mitschülern verändern und so immer neue Persona erschaffen.
Unansehnliche Schönheit
Persona 4 beeindruckt nicht unbedingt durch technisch herausragende Bilder, sondern vielmehr als ein vollkommen durchgestyltes Produkt. Das fängt bei den aufgeräumten Menüs an, setzt sich im schönen Charakterdesign aus der Feder von Shigenori Soejima fort und endet bei der stilsicheren, einfallsreichen Gestaltung der Persona. Natürlich müsst ihr mit Kantenflimmern leben. Auch der Detailgrad der Polygongestalten ist nicht sonderlich hoch. Das wird durch den hervorragenden Soundtrack aber deutlich wieder wettgemacht, der im übrigen als zusätzliche CD der deutschen Version beigelegt wurde. Auf das schmucke Artbook der US-Version müssen deutsche Spieler allerdings ebenso verzichten, wie auf eine germanische Sprachausgabe oder Untertitel. Wer das Ende von Persona 4 erleben möchte, sollte viel Zeit mitbringen. Denn wer wirklich alle Geheimnisse von Inaba auflöst, kommt locker in einen dreistelligen Stundenbereich.
Wer bin ich? Wo will ich hin?
Was macht Persona nun so besonders? Vor allen Dingen das frische Setting. Hier spielt man halt nicht den ewig guten Superhelden, der einen ganzen Planeten vor dem Untergang bewahren muss, hier haut man keine Orks, Schleimkugeln oder Skellette zu Brei. In Persona geht es vor allem um Freundschaft und philosophische Fragen. Dazu gesellt sich der Hang zum dämonischen, der den Plot dunkel und düster daherkommen lässt. Gekonnt werden klassische Rollenspielelemente mit frischen Ideen gemixt. Heraus kommt ein Cocktail der besonderen Art. Persona 4 ist sowohl eine Dating-Sim als auch ein Action-Adventure. Nachts entwickelt sich das ganze dann zu einem ausgewachsenen RPG, das den Spieler aber nicht mit einem zu hohen Schwierigkeitsgrad und endlosen Zufallskämpfen nervt. Viel mehr geht es darum, dem fesselnden Plot zu folgen, neue Personas zu entdecken und einfach eine gute Zeit zu haben.
Pro und Contra
- + frisches Setting
- + spannende Geschichte
- + Charaktere mit Herz und Stil
- + abwechslungsreicher Spielverlauf
- + mutiges Spieldesign
- - keine deutsche Übersetzung
- - technisch nicht ganz auf der Höhe
Da ist man gerne wieder fünfzehn
Atlus versteht es geschickt, die eh schon herausragenden Qualitäten von Persona 3 zu verbessern. Das Kampfsystem wirkt nun abwechslungsreicher und taktischer. Es macht halt doch einiges aus, ob ich nur den Hauptcharakter steuern kann oder sämtliche Partiemitglieder. Somit wäre der Hauptkritikpunkt von Persona 3 eigentlich schon ausgemerzt. Auch der etwas zähe Dungeonaufbau der vorangegangenen Episode wird durch die kleineren Gewölbe entschärft. Ansonsten ist Persona 4 einfach ein großartiges Stück Software. Die Geschichte ist spannend erzählt, die Charaktere wachsen einem mit all ihren Stärken und Schwächen schnell ans Herz. Das Kampfsystem bietet genug Tiefgang, um euch tagelang zu fesseln. Der geschickte Mix aus Schulsimulation und Rollenspiel begeistert mit Abwechslungs- und Ideenreichtum. Persona 4 beweist mal wieder, dass die besten Spiele für eine Konsole erst dann erscheinen, wenn sich deren Lebenszyklus bereits dem Ende nähert.
Bewertung
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Kommentare (8)
Cuberde
Trau mich gar nicht zu fragen, aber... gibt´s eine optionale japanische Sprachausgabe?
Schön das es auch noch mal Reviews zu neuen Spielen für die alten Konsolen gibt(/gab). ^^'
Antilogic
naja ich hab hier seit 1 Jahr die jap. Persona 4 Version mit nem Tshirt und nem Plüshkuma rumliegen..aber ich komm ned dazu XD zuviel kurzweilige Actiongames die sich immer vordrängeln
Johnson
Scrub
Antilogic
Leoneo
Naja, meine Schwägerin hätte eine..., trotzdem fehlt mir die Zeit.
Schüler müsste man sein...
Kettenhund
Kann ich also problemlos mit dem 4ten Teil anfangen?
Cuberde
Wie bei Final Fantasy, birgt jedes Spiel der Persona-Reihe eine eigenständige Geschichte.
Also kein Vorwissen nötig.