Ratatouille
Donnerstag, 18. Oktober 2007
12:43 Uhr - Auf der Leinwand sind Pixar-Filme wahre Leckerbissen in Sachen Witz und Tricktechnik. Die Spielumsetzungen hingegen haben es oft schwer, in diesen Disziplinen mitzuhalten. Ob es Ratatouille auf der Xbox 360 gelingt, erfahrt in in unseren Testbericht.
Pixar schwimmt auf einer Erfolgswelle: Brad Birds letzter Streich "Die Unglaublichen" heimste zahlreiche Preise ein und sein neuester Film Ratatouille scheint auf dem besten Wege, es ihm gleich zu tun. Natürlich wird auch das Merchandising bei solchen Filmen inzwischen bis zur Perfektion betrieben. Und so ist es nur eine logische Schlußfolgerung, dass man die Abenteuer der Ratte Remy unter anderem auch auf der Xbox 360 bestreiten darf - oder in diesem Fall eher: muss. Denn Ratatouille erliegt dem gleichen Schicksal wie so viele andere Filmumsetzungen und macht nur bedingt Spaß. Das schlimmste am Spiel ist, dass es sich dank einiger starker Schwankungen im Schwierigkeitsgrad für keine Zielgruppe so richtig eignet.
In insgesamt sechs verschiedenen Levelabschnitten vom Hinterhof bis zur Küche (von denen der erste für das Tutorial vorgesehen ist und der letzte nicht ganz als eigenständiger Level angesehen werden kann) bekommen wir von THQ auf den ersten Blick ein klassisches Jump'n Run serviert, das auf den ersten Blick so aussieht, als könnte es tatsächlich Spaß machen. Im Großen und Ganzen ist der Abwechslungsreichtum in den einzelnen Leveln nämlich ganz gut gelungen. Es gibt massig zu entdecken und als kletterwütige Maus gibt es kein Regal und keine Lüftungsanlage, die man nicht erforschen kann. Quer durch die einzelnen Abschnitte verteilen sich pro Level 100 Münzen, die man einsammeln kann und muss, um die jeweils fünf Aufgaben sowie zahlreiche Minispiele freizuschalten. Da die Münzen ausser Xbox-360-Erfolgen keine weitere Bedeutung haben, stört es auch nicht, dass einige Münzen nur in bestimmten Bereichen vorhanden sind, die sich nur für bestimmte Aufgaben öffnen. Wer da also Münzen übersehen hat, hat Pech gehabt. Meist drehen sich die Aufgaben darum, seiner in der Kanalisation vorhandenen Rattensippe Lebensmittel oder andere Genüßlichkeiten zu besorgen.
Das lässt bereits erahnen, dass es mit einer groß angelegten Geschichte nicht weit her ist. Die Geschichte bleibt nämlich bis auf die sowieso bekannte Rahmenhandlung absolut spoilerfrei. Wer den Film noch nicht gesehen hat, erfährt im Spiel also nichts, was ihm den (lohnenswerten) Kinobesuch verderben würde. Nun ist es aber so, dass das Spiel gerade deswegen nichts verrät, weil es schlicht und ergreifend keine Geschichte besitzt. Im Prinzip wühlt man sich gezwungenermaßen durch die Kampagne ohne ein rechtes Ziel vor Augen zu haben und so wirken die einzelnen Abschnitte eher als heterogene Anhäufung von Leveln denn als Ortsfolge einer packenden Geschichte. Auch der Humor des Films glänzt durch Abwesenheit. In den Aufgaben fehlt es an Charme und Witz, lediglich die Bewegungen unseres aufstrebenden Jungkochs Linguini während der Koch-Minispielchen lassen eine Spur Slapstick-Humor erkennen.
Während die Aufgaben gelöst werden müssen, um in den nächsten Level zu gelangen, haben die Minispiele keinen besonderen Nutzen. Stattdessen sollen sie das Spiel ein wenig auflockern und offensichtlich auch etwas in die Länge ziehen. Denn lässt man die Spielchen links liegen und konzentriert man sich einzig und allein auf die Geschichte des Spiels ist man an einem Nachmittag bereits am Ende angelangt. Leider gelingt das Auflockern aber so gut wie gar nicht. Daran können auch die wenigen Spielchen nichts ändern, die man mit einem Freund gegeneinander spielen kann. Die Mini-Games sind allesamt in einer Traumwelt angesiedelt, handeln natürlich vom Kochen und variieren vom Schwierigkeitsgrad her so stark, dass man einige Aufgaben im Kopfstand mit verbundenen Augen bewältigen kann und andere hingegen irgenwann fluchend links liegen lässt. Da muss man beispielsweise auf einem Förderband Hindernissen ausweichen und innerhalb einer bestimmten Zeit eine vorgegebene Anzahl Sterne sammeln oder über bewegende Plattformen in Form von allerlei Gebäck in knapper Zeit zum Ziel sprinten. Leistet man sich dabei auch nur einen klitzekleinen Fehler, darf man gleich wieder von vorne beginnen.
Und das auch außerhalb der Spielchen. Stirbt man beim Herumflitzen in den Levels, wacht man stets am gleichen Startpunkt wieder auf - und das kann schon mal am entgegengesetzten Ende sein. Innerhalb der zu bewältigenden Aufgaben sind dafür recht großzügig Checkpoints gesetzt, so dass diese keine großen Schwierigkeiten bereiten sollten. Nachdem man die Aufgaben eines Levels erledigt hat, wartet nach jedem Level eine Art Boss-Fight auf unseren Hauptdarsteller Remy. Auf die Kamera zurennend muss man dabei seinem Verfolger entwischen und dabei allerhand Hindernissen ausweichen, ganz so wie es einige noch von alten PSOne-Crash Bandicoot-Zeiten kennen dürften. Und was damals schon genervt hat, ist heute nicht besser geworden. Hindernisse und Abgründe erscheinen so schnell im Bild, dass man nur einen Augenblick Reaktionszeit zur Verfügung hat und fast ständig ins Unbekannte hüpfen muss. Wer scheitert, muss vom letzten Checkpoint neustarten. Die Verfolgungsjagden verkommen deswegen zum reinen Try & Error-Prinzip und machen demzufolge so gut wie gar keinen Spaß.
Die größten Feinde im ganzen Spiel sind allerdings nicht die Verfolger und kleineren Gegner wie Katzen, Hummer und Ameisen, sondern die gnadenlosen omnipräsenten Brüder Kameraführung und Spielsteuerung. So sollte man meinen, dass mit einer Sprung-, einer Nahkampf- und einer Aktionstaste keine großen Probleme aufkommen sollten - doch weit gefehlt. Wie oben erwähnt sind die einzelnen Abschnitte gespickt mit Regalen, Kisten, und anderen Objekten. Und die Kamera hat es sich augenscheinlich zur Aufgabe gemacht, an so gut wie allem hängenzubleiben, was im Wege steht. Zusammen mit der unpräzisen Steuerung (vor allem bei Sprüngen) hat man im Spiel generell mehr Probleme mit der schlampigen Technik als mit den Missionen selbst.
Vom akustischen hier ist Ratatouille hingegen durchaus passabel. Die Synchronsprecher aus dem Film leisten natürlich gute Arbeit und auch der Original-Soundtrack kommt professionelle daher, auch wenn er hier und da auch ein wenig präsenter sein dürfte. Grafisch hätte das Spiel auch auf der letzten Konsolengeneration sicher ohne Abstriche so stattfinden können. Texturen und Animationen sind so durchschnittlich wie es durchschnittlicher kaum geht. Hier und da darf man trotz sowieso nicht allzu hoher Sichtweite leider auch einige Popups bewundern.
Eigentlich schon schade, dass das Spiel dermaßen weit hinter dem Film hinterherhinkt. So ist es zwar eine gute Entscheidung, dem Spieler statt der Filmstory eine Ersatzgeschichte aufzutischen - doch die ist so flau, dass man das Spiel irgendwann nur noch um des Durchspielen willens spielt. Man sollte also nicht den Fehler machen, vom Spiel auf den Film zu schließen und das Geld stattdessen lieber gleich in einen Kinobesuch investieren. Vom restlichen Geld dann Ratatouille höchstens noch in der Videothek ausleihen und sich nach einem Nachmittag dann freuen, dass man es sich gar nicht erst gekauft hat.
Klassisches Spielprinzip, ...
...das mit dem Film nicht viel gemein hat
Mini-Spiele mit Nervfaktor
Und das auch außerhalb der Spielchen. Stirbt man beim Herumflitzen in den Levels, wacht man stets am gleichen Startpunkt wieder auf - und das kann schon mal am entgegengesetzten Ende sein. Innerhalb der zu bewältigenden Aufgaben sind dafür recht großzügig Checkpoints gesetzt, so dass diese keine großen Schwierigkeiten bereiten sollten. Nachdem man die Aufgaben eines Levels erledigt hat, wartet nach jedem Level eine Art Boss-Fight auf unseren Hauptdarsteller Remy. Auf die Kamera zurennend muss man dabei seinem Verfolger entwischen und dabei allerhand Hindernissen ausweichen, ganz so wie es einige noch von alten PSOne-Crash Bandicoot-Zeiten kennen dürften. Und was damals schon genervt hat, ist heute nicht besser geworden. Hindernisse und Abgründe erscheinen so schnell im Bild, dass man nur einen Augenblick Reaktionszeit zur Verfügung hat und fast ständig ins Unbekannte hüpfen muss. Wer scheitert, muss vom letzten Checkpoint neustarten. Die Verfolgungsjagden verkommen deswegen zum reinen Try & Error-Prinzip und machen demzufolge so gut wie gar keinen Spaß.
Kamera & Steuerung: die rechte und die linke Hand des Teufels
Vom akustischen hier ist Ratatouille hingegen durchaus passabel. Die Synchronsprecher aus dem Film leisten natürlich gute Arbeit und auch der Original-Soundtrack kommt professionelle daher, auch wenn er hier und da auch ein wenig präsenter sein dürfte. Grafisch hätte das Spiel auch auf der letzten Konsolengeneration sicher ohne Abstriche so stattfinden können. Texturen und Animationen sind so durchschnittlich wie es durchschnittlicher kaum geht. Hier und da darf man trotz sowieso nicht allzu hoher Sichtweite leider auch einige Popups bewundern.
Schuld daran sind aber auch die grausame Kameraführung und die hakelige Steuerung. Gerade wenn man dicht an Wänden steht, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die Kamera so zu drehen, dass man Remys Sichtwinkel auf dem Bildschirm hat. Was bleibt, ist: Blind laufen mit anschließendem automatischen Kameradrehen, fluchen und irgendwo runterfallen. Nochmals fluchen.Das blöde ist aber auch, dass man das Spiel trotz Knuddelfaktor nicht mal Kindern ans Herz legen kann. Die Minispielchen sind sogar für Jump'n Run-Experten teilweise frustierend und der Schwierigkeitsgrad übers Spiel verteilt so schwankend, dass es dafür schlicht keine geeignete Zielgruppe gibt. Einige Aufgaben lassen sich spielend leicht lösen, andere erfordern allerhöchste Konzentration. Und spätestens bei den Verfolungsjagden trennt sich die Spreu vom Weizen, bzw. das Kind vom Spiel. Und Erwachsene stören sich dafür an fehlender Story und der miesen Kamerasteuerung. Was also tun? Besser nicht kaufen und ins Kino gehen. Da hat man mit Ratatouille im Gegensatz zum Spiel nämlich ausgesprochen viel Spaß.
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Kommentare (2)
mikekool
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