Ready 2 Rumble Revolution
16:17 Uhr - Wenn ich an meine erste Berührung mit SEGAs Dreamcast denke, dann tauchen vor meinem geistigen Auge immer wieder zwei skurrile Boxer auf: Afro Thunder und Boris "The Bear" Knokimov. Wieviele Partien habe ich mit den beiden Jungs in Midways (!) Ready 2 Rumble wohl geschlagen? Umso erfreuter war ich natürlich, als Atari einen Nachfolger für die Wii ankündigte. Ready 2 Rumble Revolution wird ein FaceBreaker doch locker hinter sich lassen können, oder? Weit gefailt ...
Einfach nicht witzig
Eigentlich hätte ich meine Konsole schon wieder ausschalten können, als ich herausgefunden habe, dass weder ein Afro Thunder noch „The Bear“ als Kämpfer ausgewählt werden können. Ich meine, wenn man ein so starkes Franchise, das so starke Erinnerung in den Spielern auslöst, besitzt, warum zur Hölle lässt man die Markenzeichen weg? Das wäre so, als ob man ein „Super Mario“-Spiel ohne den Klempner Mario veröffentlicht und statt dessen einen Fleischwarenfachverkäufer mit Namen Bernd als Protagonist wählt. Die Jungs von AKI wollten wohl besonders witzig sein und haben sich gedacht: Lass mal ganz viele Prominente persiflieren. Da nehmen wir einen „Brad Pitt“-Verschnitt (Boah, das reimt sich, das ist so crazy!), verarschen Arnold Schwarzenegger und Prominente aus Amerika, die in Europa eh keiner kennt. Das mag witzig sein, wenn das Spiel „Promiboxen“ heißt und ein Browser-Spiel für lau ist, nicht aber, wenn man ein Spiel für über 40 Euro erwirbt und auf dem Ready 2 Rumble Revolution prangt. Was ist hier die Revolution? Dass man alles Bekannte aus dem Spiel entfernt und durch Schlechtes ersetzt? Da haben es die Franzosen in ihrer Revolution aber geschickter angestellt. Ich wäre für einen Aufkleber auf der Spielepackung, auf dem steht: „Hier findet ihr nichts, was mit Ready 2 Rumble zu tun hat.“ Ok, ein paar Ähnlichkeiten hat der Titel dann doch mit seinem Vorgänger: Neben dem Slogan ist auch sein Urheber mit von der Partie: Michael „Ich lasse der Phrase „Ready to Rumble“ ein Copyright verpassen und kriege für jede Verwendung Kohle“ Buffer. Der brüllt wieder in sein Mikrophon, hängt den Rest der Moderation aber an den Nagel und überlässt sie einem Moderator, der der Bruder der furchtbaren Sprecherin aus Alone in the Dark sein könnte. Hier hat Atari wieder ordentlich in die Trickkiste gegriffen und sich gedacht: „Wir hassen teuer! Synchronsprechen kann auch der kleine Timmy aus der Nachbarschaft, immerhin passt die Mutter ständig auf unseren Kleinen auf.“ Heraus kommt ein Gemurks, das einen automatisch die Fernbedienung zücken und Gott dafür danken lässt, dass es eine Mute-Taste gibt. Ganz ehrlich Atari, speziell von euch hatte ich nach der Reportage über Synchronsprechen mehr erwartet.
Immer noch nicht witzig
Aber gut, der Sound ist ja nicht alles, wir wollen ja nichts auf die Ohren, sondern auf die Fresse. Also suchen wir uns einen von 18 unlustigen Promi-Persiflagen aus und stürzen uns in den Ring. Zuvor wählen wir einen hohen Schwierigkeitsgrad, da wir ja „Experten“ sind – immerhin haben wir den Vorgänger ausgiebig gespielt. Nach dem ersten Gefecht (auf die Gameplaymechanik gehe ich gleich ein) gehen wir zurück in das Menü und wählen doch einen leichteren Schwierigkeitsgrad. Ja, Ready 2 Rumble Revolution ist nicht leicht, auch nicht unbedingt schwer, sondern unfair. Das liegt zum einen an den schlecht ausbalancierten Gegnern und zum anderen an der völlig verkorksten Steuerung. Ich habe schon FaceBreaker für seine Steuerung gehasst, aber dieses Spiel setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich habe mich während des Rumfuchtelns (natürlich unter ständigem Gefluche) andauernd gefragt, welcher der beiden Kämpfer ich nun bin, denn keiner der beiden schien das zu machen, was ich von ihm verlangte. Es ist schön, wenn man einen Uppercut machen kann. Es ist auch schön, wenn man einen leichten Schlag und einen starken Schlag machen kann. KANN! Aber mein Kämpfer tut es nicht. So wie man die Ultra-Moves in Street Fighter IV mit einer fünfzig Prozentigen Wahrscheinlichkeit hinkriegt, so arten die Schläge meines Charakters ebenfalls in einer Art Glücksspiel aus. Am Ende habe ich einfach nur wild in die Luft geboxt (verdammt gutes Training) und gehofft, den Gegner zu treffen; Problem an der Sache ist, dass dem Kämpfer bald die Puste ausgeht, daher sollte man seine Schläge gut einteilen. Man KANN auch versuchen, den Schlägen auszuweichen, aber das funktioniert genauso gut wie in FaceBreaker – nahezu nie. Sollte man es dann doch mal geschafft haben, mehr als drei Treffer zu landen oder den Gegner zu verhöhnen, füllt sich die Rumble-Anzeige (noch etwas, was man aus dem Vorgänger kennt) und man kann durch einen Druck auf die A-Taste die Powerkräfte des Kämpfers aktivieren. Jetzt kann man noch wilder auf den Kontrahenten einprügeln (noch mehr Gefuchtel = noch besseres Traning), ohne auf die Konditionsleiste achten zu müssen.
Am Ende auch nicht witzig
Die Promi-Persiflagen findet ihr blöd? Ihr vermisst einen Afro Thunder? Dann baut euch den Typen im Editor einfach nach. Zwar kommen die Auswahlmöglichkeiten längst nicht an die von FaceBreaker heran (dass ich das noch erleben darf, dass FaceBreaker in IRGENDETWAS besser ist), trotzdem reichen sie aus, um dem Kämpfer genug Individualität (wahlweise auch die eigene) zu verleihen. Jetzt müsst ihr euren Frischling nur noch genug trainieren, um seine Attribute wie Stärke und Kondition zu verbessern. Dann könnt ihr ihn gegen die Pseudo-Promis antreten lassen. Das macht bis zum ersten Kampf Spaß, denn dann wird man ja wieder auf den Boden der steuerungstechnisch schwachen Tatsachen geholt.
Ich könnte jetzt noch erwähnen, dass es unterschiedliche Modi wie Turnier, Schnelles Spiel, oder Teamkampf gibt, aber warum? Ist es nicht egal, in welchem Modus man einen Kämpfer furchtbar steuert? Ich bin nur froh, dass man das Internet mit diesem Spiel verschont, denn einen Online-Part sucht ihr in Ready 2 Rumble Revolution vergeblich. Technisch dagegen spielt der Titel verglichen mit dem Rest weiter oben mit. Das liegt vor allem an dem schrägen Comic-Stil des Vorgängers, der gut adaptiert wurde. Dass ein Spiel aber nicht besser aussieht als sein 10 Jahre altes Vorbild, ist dann doch wieder traurig. Hinzu gesellen sich einige Bugs wie Clippingfehler, wenn sich die Boxer ineinander verhaken. Aber wer sich eh nur die ganze Zeit über die Steuerung aufregt, hat keine Zeit auf solche kosmetischen Mängel zu achten.
Pro und Contra
- + Weckt alte Erinnerungen
- + Netter Editor
- + Gutes Armtraining
- + Lässt sich wieder verkaufen
- - ... die Erinnerungen bleiben
- - ... der nicht besonders umfangreich ist
- - ... geht auch mit Liegestützen
- - ... wenn jemand so blöd ist
- - Furchtare Steuerung
- - Schwache Präsentation
- - Grottige Synchronisation
Ready 2 Fail
Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber wenn ihr die Wahl zwischen FaceBreaker und Ready 2 Rumble Revolution habt, dann wählt bitte den EA-Titel. Er verdirbt euch wenigstens in HD und mit korrekter Steuerung die Laune. Was Atari und die Jungs von AKI sich beim Programmieren dieses Spiels gedacht haben, ist mir schleierhaft. Wie kann man bei einem Titel nur so viel falsch machen, obwohl ein Erfolg aufgrund des Namens schon fast vorprogrammiert ist? Na und, dann macht man eben einen Aufguss des Vorgängers. Der war ja auch gut. Nehmt die alten Charaktere, baut von mir aus die Funktion ein, gegen die Miis zu boxen und baut Quicktimeevents ein! Aber nein, was machen die Herren? Eine furchtbare Steuerung, schrecklich unlustige Charaktere und eine Präsentation, die eine AreaVisison als Big-Budget-Produktion dastehen lässt. Leute: Finger weg!
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Kommentare (3)
Spielereins
float
Doxy
Zum heulen, was die da angestellt haben.