Red Dead Redemption
15:43 Uhr - Irgendwann zwischen November 2009 und April 2010 wollen Rockstar San Diego mit uns Cowboy & Indianer spielen. Besser gesagt: nur Cowboy, denn in „Red Dead Redemption“ (Xbox 360, PS3) schlüpfen wir in die Rolle des rehabilitierten Outlaws John Marston. Dabei wird uns nicht weniger versprochen, als die bisher größte Spielwelt, die das Studio jemals auf den Bildschirm gezaubert hat. Ob es der Wilde Westen mit dem mehr oder weniger zivilisierten Liberty City aufnehmen kann, versuchen wir in unserer Vorschau herauszufinden. Als Bonus haben wir noch 15 brandneue Screenshots zum Spiel!
Vom Verbrecher zum Familienvater
In „Red Dead Redemption“ neigt sich der Wilde Westen gegen Anfang des 20. Jahrhunderts seinem Ende entgegen, denn die stetig wachsende Industrialisierung geht mit einer immer stärker werdenden Einflussnahme des Staates und seiner Regierung einher. Da sich die Politik von den gesetzlosen Outlaws, meist organisiert in verbrecherischen Banden, endgültig entledigen will, wird das so genannte Bureau gegründet - ein institutioneller Vorgänger des FBI. Um der chaotischen Lage Herr zu werden, wendet sich das Bureau unter anderem an John Marston, selbst ein ehemaliges Mitglied einer Schurkenbande, mittlerweile aber friedliebender Familienvater. Wir übernehmen die Rolle des Ex-Outlaws und erleben am eigenen, virtuellen Leibe mit, wie schnell eine gerade angebrochene Idylle zerstört werden kann. Denn eines ist klar: das Bureau ist ebenfalls kein lückenloser Verfechter des sich immer weiter etablierenden Gesetzes und geht mit harter Brutalität gegen seine selbsterklärten Feinde vor. Einen typischen Gut-Böse-Plot wird es in Rockstars Westernabenteuer damit nicht geben, stattdessen befindet man sich stets in einer Grauzone, auf deren Helligkeit und Intensität man im fortlaufenden Spielverkauf immer wieder Einfluss nehmen kann. Doch dazu später mehr. Die Spielwelt setzt sich aus dem unter Frontier bekannten Grenzland, dem Grasland des Nordens sowie Mexiko zusammen und soll sowohl unzivilisierte, kleine Vorposten, aber auch vielbevölkerte Knotenpunkte bieten. Auch zwischen den einzelnen Örtlichkeiten gibt es genügend Land zum Erkunden, hier verspricht man uns aber ebenso abwechslungsreiche Gebiete statt öden Wüstenlandschaften, in denen nichts passiert. Alles in allem will man die gesamte Größe eines Liberty City mit „Red Dead Redemption“ noch einmal überbieten und damit das bislang wohl größte Rockstar-Spiel erschaffen.
Auf dem Rücken der Pferde
Wer „Red Dead Revolver“ aus dem Jahr 2004 gespielt hat, kann in etwa erahnen, wie sich die Missionen im zeitlich später angesiedelten Nachfolger gestalten. So arbeitet man etwa mit den mexikanischen Militär zusammen, um einen Postzug vor einer Bande Räuber zu beschützen. Da Marston und seine KI-gesteuerten Kollegen stets in der Nähe des Zuges bleiben müssen, schwingen wir uns kurzerhand auf ein Pferd. Die tierischen Begleiter können dabei sowohl aus fremder Hand gestohlen, aber auch in der Wildnis gezähmt werden. Dabei bringt jeder Gaul seine individuellen Eigenschaften mit und unterscheidet sich in puncto Schnelligkeit, Kraft oder Dressur von seinen Artgenossen. Dressur? Genau, denn beansprucht man die Leistung eines Pferdes zu stark und zwingt es selbst auf unebenem Boden zu einem schnellen Galopp, so kann es schon mal passieren, dass man von seinem tierischen Begleiter aus dem Sattel geworfen wird. In diesem Fall wäre die Mission damit gescheitert... Wie es sich für einen echten Haudegen gehört, können wir auch während eines Ritts den Revolver aus dem Halfter ziehen und uns gegen gegnerische Truppen, ebenfalls auf Pferden, aber auch zu Fuß unterwegs, zur Wehr setzen. Hat man eine Mission erfolgreich bewältigt, kann man entweder mit dem Zug, einer Postkutsche oder einem Wagen schnell zum nächsten Auftraggeber reisen, oder aber die völlige Freiheit auf dem Rücken des Pferdes genießen und den Weg „manuell“ hinter sich bringen. Das wird laut den Entwicklern auch immer wieder mit kleinen Nebenmissionen belohnt. So werden wir Zeuge eines Raubüberfalls jeglicher Art, einer öffentlichen Hinrichtung per Strick oder von in Not geratenen Zivilisten, die vor wilden Tieren, etwa Bären, Pumas oder Wölfe, fliehen. Hier entscheiden wir uns dann, wie schon eingangs erwähnt, für die gute oder böse Seite von John Marston. Helfen wir etwa einer Räuberbande bei der Plünderung einer Bank, so werden wir unter Umständen an der Beute beteiligt. Allerdings muss unser Gewissen dann den möglichen Tod unschuldiger Bürger hinnehmen.
Kinoreifes Westernabenteuer
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass „Red Dead Redemption“ seinem Vorgänger in Sachen Kinoreife und Popcorn-Story ein ganzes Stück überlegen sein wird. Anhaltspunkt Nr. 1 ist dafür natürlich die fortgeschrittene Hybrid-Technik, denn wieder einmal kommt die hauseigene Euphoria-Engine mit einem Schuss RAGE (Rockstar Advanced Game Engine), welche auch schon in „Grand Theft Auto IV“ oder „Midnight Club: Los Angeles“ verwendet wurde, zum Einsatz. Dadurch wollen die Entwickler einerseits eine riesige Welt flüssig darstellen, andererseits die Eigenschaften und Animationen der einzelnen Charaktere sowie deren Interaktion miteinander besonders zum Vorschein bringen. Von der besseren Hardware soll ebenfalls die Natur profitieren und eine realistische Nahrungskette auf den Monitor transportieren. So lauern hinterlistige Schlangen unachtsamen Hasen auf und die Überreste eines toten Gürteltiers werden von einer Gruppe Geiern zerrissen. Wie viel man während des Spiels von dieser lebendigen, intakten Welt mitbekommt, bleibt allerdings noch abzuwarten. Sollte die Umsetzung aber funktionieren, so erwartet uns mit Sicherheit eine grandios dichte Atmosphäre. Zusätzlich werden aber auch die einzelnen Missionen für ein intensiveres Erlebnis im Vergleich zu „Red Dead Revolver“ sorgen, denn hier scheint man sich einiges bei den Kollegen von Rockstar North („GTA“) abgeguckt zu haben. Egal, ob wir während einer holprigen Kutschfahrt wütende Schergen mit Pistole, abgesägter Schrotflinte oder gar einer Axt ins Jenseits schicken oder eine gefangen genommene Freundin durch einen gezielten Präzisionschuss in Zeitlupe von einem Strick befreien, während sie bereits luftringend um ihr Leben kämpft - spannend wirkt es irgendwie fast immer.
Das Dead Eye rettet Leben
Wie auch schon vor fünf Jahren verdient man sich in „Redemption“ durch das Ausschalten von Gegnern die Dead-Eye-Fähigkeit. Mit dieser lässt sich das gesamte Geschehen in Zeitlupe abspielen, so dass heikle Situationen doch noch zu euren Gunsten ausgehen können. Während die altbekannte Methode mit allen verfügbaren Waffen ausgenutzt werden kann, haben die Entwickler auch noch eine zweite Variante des Dead Eye eingeführt, die uns verdammt an den direkten Konkurrenten „Call of Juarez: Bound in Blood“ erinnert. So ist es möglich, die Zeit komplett zu stoppen, um mithilfe eines Fadenkreuzes einzelne oder mehrere Feinde zu markieren. Drückt man nun die Feuer-Taste, so erledigt Marston seine Widersacher innerhalb von kürzester Zeit mit präzisester Schussgenauigkeit. Immerhin bleibt diese übermächtige Fähigkeit ausschließlich Pistolenträgern vorbehalten. Wer denkt, damit sei die Orientierung an modernen Shootern vorbei, der irrt. Auch an ein ausgeklügeltes Deckungssystem wurde gedacht, als Feuerschutz dienen dabei nicht nur Hauswände, Kutschen oder Heuballen, sondern auch Tierkadaver. Lecker. Da einige Missionen länger ausfallen als andere, gibt es immer wieder Checkpoints, von denen aus man nach dem Ableben wieder beginnt. Nutzt man jegliche Deckungsmöglichkeiten voll aus, sollte es aber nur selten zum virtuellen Tod kommen, denn eure Energie füllt sich nach und nach wieder auf. Für etwas Entspannung zwischen den hitzigen Gefechten sorgen zwischen den Missionen frei begehbare Lokalitäten, wie etwa waschechte Westernsaloons. Nun ja, Adrenalin kann dort trotzdem freigesetzt werden, zum Beispiel bei einer gepflegten Runde „Five Finger Filet“. Der Name ist vielleicht nicht so bekannt wie die praktische Umsetzung: In einem Minispiel versucht man, so schnell wie möglich mit seinem Messer zwischen den ausgebreiteten Fingern hin und her zu stechen. Beweist man hier besondere Fingerfertigkeit, winken saftige Geldpreise, mit denen neue Items in den unzähligen Läden erworben werden können. Mag man es Risikofreier, verkauft man einfach die während der Missionen gefundene Beute.
Was wir bisher von „Red Dead Redemption“ gehört haben, hört sich gut an. Sehr gut sogar: Eine riesige Spielwelt (größer als Liberty City!), abwechslungsreiche und belebte Locations und kinoreife, intensive Missionen, die von einer viel versprechenden Story zusammengehalten werden. Jetzt muss Rockstar San Diego nur noch beweisen, dass es die hohen Ambitionen auch in die Tat umsetzen kann, schließlich schnitt der Vorgänger bei Presse und Fans eher mittelmäßig bis „nur“ gut ab. Zumal zeichneten sich die Jungs und Mädels in der Vergangenheit eher für Rennspiele verantwortlich... Egal, wir lassen uns gerne positiv überraschen und warten gespannt auf die E3 für mehr Informationen und hoffentlich auch erste Ingame-Szenen.
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Kommentare (22)
Cabal2k
Daniel Pook
Krebsverwertung
Daniel Pook
fiasco
Spawn
Selbst gespielt?
fiasco
kleiner Lemming
Will trotzdem beide gerne spielen!
Robert Buch
Krebsverwertung