Resistance 2
Dienstag, 09. Dezember 2008
16:45 Uhr - So ein Alien-Leben muss ganz schön öde sein. Vermutlich haben die dort, wo auch immer sie herkommen, keine Videospiele oder ein noch schlechteres Fernsehprogramm. Wie sonst lässt sich erklären, dass außerirdische Lebensformen immerzu versuchen, aus Langeweile die Erde zu unterjochen? So lange das aber in einer solchen Qualität geschieht, wie es bei Insomniacs Resistance 2 der Fall ist, gehen wir gerne aufs Neue an die Front.
Kurze Rückblende: Nachdem die ebenso tödlichen wie technologisch fortschrittlichen Chimera-Bestien in Teil 1 gesamt Eurasien einschließlich der britischen Inseln überrannt haben, gelang es US-Soldat Nathan Hale, den Hauptturm der außerirdischen Brut im Herzen von London zu zerstören. Aus feuchtfröhlichen Siegesfeiern mit Alien-Barbeque und Freibier wurde aber nichts, denn die extraterrestische Brut ließ sich von diesem kleinen Rückschlag nicht beeindrucken. Im Gegenteil, kurze Zeit später sind sogar die USA, selbst ernanntes „Land der Freien“, in der Hand der Bestien. An sich ein klarer Heimvorteil für Hale. Nur unpraktisch, dass er sich mit einem Virus infiziert hat, das ihn langsam aber sicher in eines der schleimigen Viecher zu verwandeln droht. Bleibt also nicht viel Zeit, um den Aliens diesmal endgültig Hausverbot auf Lebenszeit zu erteilen. Folglich geht es auf der Widerstand-Tour 2008 durch populäre Schauplätze wie San Francisco, Chicago und (vormals) idyllische Kleinstädte. Auf allzu ausgelutschte Szenarien wie Washington D.C. oder New York hat man schlauerweise verzichtet. Die relativ interessante Story entfaltet sich in erster Linie in den soliden Zwischensequenzen, deren deutsche Vertonung wie üblich hinter dem Original zurücksteht, auch wenn eure Ohren schon deutlich schlechteres vernehmen mussten. Sonderlich viel Tiefgang sollte man von Hale und seinem Squad aber nicht erwarten. Eine emotionale Bindung findet nicht statt. Das hat sogar Gears of War 2 besser hingekriegt. Zudem fehlte mir ein roter Faden, der die unterschiedlichen Handlungsorte schlüssig miteinander verbindet.
Bullet Hell
Herausragend ist dafür erneut das Waffenarsenal. Zwar gibt es auch wieder herkömmliche Schießeisen vom Schlage eines Karabiners oder der guten alten Shotgun. Die Stars unter den Meinungsverstärkern sind aber zweifellos die Chimera-Fabrikate - vor allem im Zusammenspiel mit den jeweiligen Sekundärfunktionen. Das Bulls Eye dient primär als moderat durchschlagkräftiges Partikelgewehr, erlaubt allerdings im Alternativ-Modus das Abfeuern eines Markierungsprojektils, dass folgende Kugeln wie von Zauberhand auf das Zielobjekt lenkt. Für mehr oder weniger sauberes Filetieren sorgt hingegen der neu dazugekommene Slicer, der wild umherschwirrende Sägeblätter ausspuckt. Da werden Erinnerungen an den Ravenholm-Abschnitt in Half-Life 2 wach. Hahn im Waffenkorb ist und bleibt aber der Bohrer. Dieser stattliche Todbringer schießt nicht nur durch solide Wände, er lässt euch auch die Widersacher hinter eben diesen erkennen. Und das Beste: per Sekundärfunktion erzeugt der Bohrer ein schützendes Kraftfeld, das kein herkömmliches Projektil durchdringen kann. Für jede aufgesammelte Waffe muss man sich allerdings von einer anderen trennen, denn Hale trägt - mittlerweile fast obligatorisch im FPS-Genre - immer nur zwei gleichzeitig mit sich herum. Das führt zu der ein oder anderen taktischen Überlegung. Verzichte ich auf Präzision zugunsten von Durchschlagskraft? Greife ich zum Bulls Eye, für das es Munition im Überfluss gibt, oder wähle ich eine stärkere Waffe mit weniger Vorrat? Ihr könnt euch aber fast sicher sein, dass kurz vor einer kritischen Situation der dafür am besten geeignete Kugelspucker irgendwo im Umkreis aufzufinden ist. Was wären die tollsten Waffen ohne die passenden Endkunden? Resistance 2 lässt sich auch hier nicht lumpen. Neben dem Standard-Kanonenfutter namens Hybrid lauert die Gefahr im Wasser, zu Lande und in der Luft. Egal ob sprintende, in Massen auftauchende Zombie-Bestien oder kolossale Spinnenroboter. Jeder der mannigfaltigen Gegnertypen hat seine eigenen Charakteristiken und Abneigungen. Die K.I. ist sicherlich kein Kandidat für die „Hall of Brain“, macht das aber mit einer teils erschreckenden Zielgenauigkeit und Renitenz wieder wett. Das sorgt (auf Stufe "normal") für spannende, ausgewogene und immer faire Shoot-Outs. Lediglich zwei, drei Stellen tendieren zu Trial & Error, ansonsten könnt ihr die Schuld für ein vorzeitiges Ableben immer zuerst bei euch suchen. Abgerundet wird das Parasiten-Panoptikum von einer Handvoll haushoher Bossmonster, die beeindruckende Auftritte haben, sich aber recht schnell als Schafe im Wolfspelz entpuppen.
Stark alleine, stark gemeinsam
Lässt man die kreativen Schießeisen außer Acht, könnte man Resistance 2 für einen weiteren linearen Ego-Shooter halten, wie es sie mittlerweile dutzendfach billiger zu geben scheint. Man könnte kaum falscher liegen. Was dem insomniac'schen Produkt einen großen Teil seiner Klasse verleiht, ist das hervorragende Pacing. Selten zuvor habe ich einen Shooter gespielt, der für derart konstante Adrenalin-Schübe sorgte. Der Widerstand gegen die Monster-Meute wird einfach zu keiner Sekunde langweilig. Stets muss man sich auf neue Umstände, Gegner oder Anforderungen einstellen. Im Zusammenspiel mit dem guten Balancing und den optimal gesetzten Checkpoints spielt es sich wie aus einem Guss. Bemerkenswert, was für ein Effektgewitter die PS3 abfeuert, ohne davon in die Knie gezwungen zu werden. Lediglich zweimal waren kurze Slowdowns zu registrieren. Auch die gelungene Licht- und Farbgebung trägt zur Atmosphäre bei. Für Abzüge sorgt aber leider der letzte Akt, der zum einen ein wenig aufgesetzt und zum anderen wie unter extremem Zeitdruck fertiggestellt wirkt. Das Spiel hätte ein würdigeres Finale verdient gehabt. Die Kampagne ist bei Resistance 2 allerdings nur ein Teil des Gesamtpakets. Seid ihr gesellige Menschen mit einem Breitbandanschluss, sorgen die verschiedenen Multiplayer-Modi für einen deutlichen Mehrwert. Maximal acht Mann können per Koop-Modus erneut in die Schlacht ziehen. Dabei stehen verschiedene Klassen zur Auswahl, die zum Teil für ein ganz neues Spielgefühl sorgen, z.B. wenn ihr euch in erster Linie darauf beschränkt, eure Kameraden zu heilen. Die Inszenierung steht hier der Solo-Mission in nichts nach. Zudem sammelt ihr - Call of Duty lässt grüßen - Erfahrungspunkte, um eure Kämpen aufzupeppeln. Noch beeindruckender geht es im Wettkampf-Modus zu, wo sich bis zu 60 virtuelle Repräsentanten bekriegen. Das kann je nach Spielvariante auch schon einmal in ein wildes Geballer münden, ist bestenfalls aber ein bombastisches Spektakel, bei dem ein gewisses Halo und dessen Jünger sicherlich etwas neidisch rüberschielen.
Dass es Insomniac nach dem ordentlichen, aber eben nicht überragenden, Erstling gelingen würde, solch ein Highlight auf die Beine zu stellen, hätte ich im Vorfeld nicht unbedingt erwartet. Resistance 2 ist neben Gears of War 2 für jeden Shooter-Fan der Pflichttitel in dieser Weihnachtssaison. Schon alleine die aufregende Solo-Kampagne würde für dieses Prädikat ausreichen, da sie mit ihrem optimalen Pacing und der Abwesenheit jeglichen Leerlaufs für Non-Stop-Motivation sorgt. Was die Sache aber erst so richtig rund macht, ist der Multiplayer-Teil, mit dem die Entwickler viel gewagt, aber auch viel gewonnen haben. Kleinere Schwächen verhindern zwar eine Höchstwertung, dennoch lässt sich aus voller Kehle rufen: Viva la Resistance!
28.01.2008 - 7 Screenshots zu Resistance: Fall of Man 2 für die PS3 mehr...
Bewertung
Resistance: Fall of Man 2 ps3
0/10
Kommentare (50)
Klappspaten
Rakete
Sicherlich nicht..das ist als ob man Äpfel und Birnen vergleicht. Bin mal gespannt, ob in einem Jahr auch noch mehr als 400.000 Leute am Tag den MP von Resistance spielen.
Ragism
Dr4g0nfir3
sunny611978
mich reizt das ding nicht dafür habe ich noch genug andere spiele die ich zocken tue!aber euch gönne ich es sehr!;-)
highdef
Alleine dieser Punkt schreckt mich bisher vom Kauf ab. Schade.
hoiji
Wenigster einer hier dem Grafik über Spielspass geht ! Solche Leute mag ich...
Joker313
ihr seid ja nich besser als der rest...
seht ihr den nicht die unterscheide...das spiel wird nur so hochbewertet weil es den vorgänger übertrumpft (was auch nich schwer ist)
gow 2 hat den vorgänger halt verbessert... das rechtfertigt nicht die gleiche wertung
finde die beiden spiele nicht gleichwertig und ich denke einmal die meisten tests geben nur so hohe note weil es weit besser ist als der vorgänger
king.of.queens
Anscheinend sind alle Foren in Deutschland von xboxlern überlaufen. Das das nicht schon schlimm genug ist, wird kategorisch jedes Spiel für die PS3 in den Dreck gezogen. Und sei es noch so genial, wie in diesem Fall RESISTANCE 2. Selbst 9/10 sind noch zu niedrig, aber gut: man lebt hier eben von der grünen Community.
Jetzt freue ich mich schon auf die negativen Bewertungen der 12 - 20 jährigen xboxler. Schon schade wenn man sich keine PS3 leisten kann und dann deren Spiele kategorisch schlecht findet. Aber irgendwann kommt auch ihr in das Alter wo ich euch gute Produkte leisten könnt...
So, und jetzt her mit den negativen Bewertungen... ich geh das man RESISTANCE 2 spielen. :D
Harlekin
Allerdings muss man auch sagen, dass das Spiel um Welten besser aussieht als die Demo die ich zur GC begutachten durfte.
Alles in allem schönes Spiel und guter Test.