Rhythm Paradise
09:46 Uhr - Rhythmusspiele auf Nintendos DS sind keine Seltenheit, Elektroplankton und Elite Beat Agents zeigen, wie man die Features des Handhelds sinnvoll nutzen kann. Die Vorarbeit ist also geleistet, sodass „Rhythm Paradise“ das zuvor Geleistete nutzen und perfektionieren kann. In unserem Test verraten wir euch, ob es sich lohnt, als rhythmisch wippender Freak in der U-Bahn bestaunt zu werden, oder ob der Touchscreen „umsonst“ zerkratzt wird.
This is the Rhythm of the night ...
Um Rhythm Paradise spielen zu können, müsst ihr den DS(i), wie es bei Dr. Kawashimas Gehirn Jogging ebenfalls Usus ist, wie ein Buch halten. Linkshänder können auch hier wieder auf die Einstellung für „Minderheiten“ zurückgreifen. Spielt ihr den Takt-Titel zum ersten Mal, wird der Startbildschirm zum Hindernis, denn hier müsst ihr eine Figur auf dem Touchscreen mit dem Stylus festhalten und nach oben „schnippen“ - also den Stylus heftig nach oben wegschieben. Seid ihr zu langsam, oder habt nicht korrekt „geschnippt“, dürft ihr die Prozedur so lange wiederholen, bis euch Rhythm Paradise zum eigentlichen Spielgeschehen vordringen lässt. Da man jedes Mal beim Starten von Nintendos Musikspiel den schnippischen Bildschirm überwinden muss, kann es einem dann doch ab und zu auf den Sack gehen – mir ging es jedenfalls so.
Nachdem man sich ein Etikett als Spielername ausgewählt hat, geht es an das erste Tutorial, dass euch in die Kunst des Schnippens, einem Grundelement in Rhythm Paradise, einweist. Wie oben beschrieben, müsst ihr dazu den Stylus auf den Touchscreen drücken und nach oben „wegschnippen“ lassen. Das klingt nicht nur ziemlich materialstrapazierend, sondern ist es auch. Der Wert des noch relativ neue DSi sank nach ein paar Stunden Rhythm Paradise spürbar, da der Touchscreen durch die heftigen Bewegungen mit dem Stylus arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Hat man das Tutorial (das man jederzeit wieder aufrufen darf) überstanden, geht es in den Hauptbildschirm für die 50 Minispiele. Die müssen alle nacheinander abgearbeitet werden, sodass man tatsächlich jedes Spiel bestehen muss, um das Nächste ausprobieren zu können. Das ist gerade am Anfang ein wenig frustrierend, wenn man noch nicht das richtige Gefühl für Rhythm Paradise bekommen hat. Wir können euch aber beruhigen, gebt euch und dem Titel eine Chance, dann werdet ihr jedes Minispiel mehr oder weniger souverän bestehen.
Rhythm is a Dancer ...
Jetzt reden wir die ganze Zeit von Minispielen, ihr aber habt keinen blassen Schimmer, was wir überhaupt damit meinen. In Rhythm Paradise gibt es, wie gesagt, 50 dieser kleinen Musikspiele, die euer Taktgefühl auf die Probe stellen. Das erste Spiel lässt euch Pflöcke in die Löcher von zwei Quadraten schießen, die sich auf einem Steg aufeinander zubewegen. In dem Moment, an dem sich die beiden Löcher überschneiden, müsst ihr den Pflock per Schnipp-Bewegung hineinschießen. Was auf dem Papier ziemlich nüchtern klingt, gestaltet sich im Spiel sehr spaßig, da sich alles auf dem Bildschirm passend zum Rhythmus der Musik bewegt. Theoretisch könntet ihr sämtliche Passagen auch nur nach Gehör spielen, aber die Visualisierung hilft dennoch, das Timing zu verbessern. Doch es wird nicht nur geschnippt, sondern auch getippt, etwa wenn Affen ein gesungenes Lied durch Klatschen bejubeln müssen oder über den Touchscreen gerieben, wenn zwei Echsen einen Balztanz ausführen. Wieder eine Variante ist das Gedrückthalten des Stylus, etwa wenn man in einer Girl-Group mittanzt und auf seinen Einsatz zum Posieren wartet. Lässt man den Stylus dann los, schwingt sich euer virtuelles Ich in die richtige Pose. Dies ist nur ein Auszug aus der großen Sammlung an Rhythmus-Spielen. Wir sparen es auch noch von zu fotografierenden Autos, singenden Osterinselfiguren (ziemlich schwer), Klöße essenden Freaks und abzuschießenden Asteroiden zu berichten. Alle haben eines gemeinsam: Achtet auf den Rhythmus, sonst habt ihr keine Chance. Nach jeder Session werdet ihr von Spiel bewertet, also ob ihr bestanden habt, durchgefallen seid, oder es gar perfekt gespielt habt. Sollte euch Letzteres gelingen, werden neue Bonusinhalte freigeschaltet und ihr verdient neue Medaillen, die ihr für andere Sorten von Minispielen ausgeben könnt.
Get Rhyhtm ...
Bis ihr aber überhaupt auf den Gedanken kommt, ein Minispiel auf „Perfekt“ durchspielen zu können, wird einige Zeit vergehen, denn viele Rhythmusspiele sind sehr anspruchsvoll und bei fehlendem musikalischen Gespür nur schwierig zu meistern. Aber auch das Verstehen der Aufgabe ist nicht immer leicht, da die Übungsaufgaben zu den jeweiligen Spielen nicht immer auf Anhieb klar machen, was man überhaupt tun soll. Bestes Beispiel ist das „Affenspiel“. Hier weiß man einfach nicht, in welchen Rhythmus man nun klatschen soll. Hier hilft nur langwieriges Ausprobieren.
Habt ihr vier Minispiele in einer Reihe geschafft, geht es an den „Remix“, der, wie der Name schon sagt, ein Remix aus den vier vorhergegangen Spielen ist. Schnelles Umdenken und das Einfühlen in den neuen Rhythmus sind hier gefordert. Für mich gehören die Remixes zum Highlight von Rhythm Paradise, da sie musikalisch am meisten hergeben und die Minispiele perfekt und harmonisch vereinigen. Leider kam es auf dem DSi während der Remixes immer wieder zu Abstürzen, die das Spielgeschehen negativ beeinflusst haben. Hat man gerade einen perfekten Lauf und das Spiel friert an ein und derselben Stelle immer wieder ein, kann man schon wütend werden. Auf dem DS gab es diesbezüglich keine Probleme. Abseits der Minispiele gibt es noch die „Cafeteria“, in der ihr euch die freigespielten Bonusinhalte anschauen könnt, Tipps abholt und das Schnippen üben könnt.
Grafisch macht Rhythm Paradise überhaupt nichts her, was gut ist. Denn durch die minimalistische Darstellung wird das Gehirn nicht abgelenkt und kann sich voll und ganz auf den Rhythmus konzentrieren. Die Musik, logischerweise Hauptaugenmerk des Titels, besitzt zwar keine CD-Qualität, trotzdem reichen die treibenden Beats aus, dass ihr euren Kopf passend dazu wippen lasst (was beim Spielen ungemein hilfreich ist). Es gibt sogar eine Sprach- bzw. Gesangsausgabe und das sogar auf Deutsch. Die klingt aber, gelinde gesagt, unterdurchschnittlich, da die „Sprecher“ scheinbar vollgekiffte Österreicher waren und die Sängerin die Tochter des Produzenten sein muss, die mit einer Strumpfmaske über den Kopf performte. Anders können wir uns die Soundfiles wie „Lala IRGENDWIE“ oder das dumpfe „Hey du, dich meine ich“ nicht erklären. Für kleine Kinder dürfte die Qualität aber ausreichen.
Pro und Contra
- + Tolle Musik
- + Freakige Ideen
- + Viele Bonusinhalte
- + Macht einfach Laune
- - Stürzt auf dem DSi ab
- - Hoher Schwierigkeitsgrad
- - Minispiele bauen aufeinander
- - Sprachausgabe schlecht
- - Tutorial nicht immer hilfreich
Für "Takt"iker
Rhythm Paradise ist, trotz seiner Minispiel-Aufmachung, kein Titel für Zwischendurch. Es legt einfach viel zu viel Wert auf korrektes Taktgefühl und verzeiht zu wenig Fehler, als dass man schnell mal in der S-Bahn eine Runde spielen könnte. Völlige Konzentration und eine entspannte Haltung sind erforderlich, um die anspruchsvollen Rhythmusgames zu bestehen. Obwohl es sich durch seine verspielte Darstellung eher an Kinder richtet, werden diese schnell überfordert sein. Der Umstand, dass man nur dann das nächste Minispiel probieren darf, wenn man das Vorherige geschafft hat, ist bei diesem Schwierigkeitsgrad unangemessen und dürfte recht früh für Frustration sorgen. Arbeitet man sich aber in Materie weiter ein, schafft man selbst die schwierigste Stelle. Leider kam es bei uns auf dem DSi immer wieder zu Abstürzen bei den Remixes, die ein Weiterkommen unmöglich machten. Erst der Umstieg auf den DS erlaubte es uns, die nächsten Spiele zu begutachten. Wir hoffen, dass dies ein Einzelfall ist, denn sonst bekommt der Kunde eventuell einen Titel, den er nicht durchspielen kann. Die grafische Aufmachung ist nüchtern und zweckmäßig, musikalisch spielt Rhythm Paradise seine Stärken vor allem bei den Remixes aus, daher empfehlen wir, das Spiel mit Kopfhörern zu genießen. Schade nur, dass der Touchscreen so arg in Mitleidenschaft gezogen wird, aber das bringen Rhythmus-Titel wohl so mit sich. Wer Patapon auf der PlayStation Portable geliebt hat und auf der Suche nach neuem Takt-Futter ist, der darf sich Rhythm Paradise genauer angucken.
Bewertung
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Kommentare (9)
Doxy
Hoffentlich mehrt sich das nicht und Nintendo hat sich da selber ein Ei gelegt.
CeeKay
CeeKay
Kannu
Kurisu
http://img3.imagebanana.com/view/c18fujfw/Fuuuuuu.jpg
Das hab ich damals vor lauter Frust gemacht.
Will garnet wissen, wie grässlich das auf deutsch klingt =D
CeeKay
@Kannu: Ich lausche! Es gibt nen Vorgänger von dem Game fürn GBA? Ich muss mal google anschmeißen wenn du es mir nicht vorher verrätst.
Kannu
Kurisu
CeeKay
http://www.youtube.com/watch?v=t0k45BRE4GM
Sieht für mich jetzt nicht unbedingt spaßiger aus, vorallem weil mich die GBA Soundausgabe ein wenig stört. Den DS kann mann an ne Anlage anschließen und immernoch "befriedigenden" Sound genießen. Was bei Rhythm Paradise auch zu empfehlen ist.
Ich werde mich mal um nen Import kümmern wenn es denn zu bezahlen ist. Solche Perlen muss man einfach Zuhause haben.