Rise of the Argonauts
Mittwoch, 17. Dezember 2008
18:25 Uhr - Liquid Entertainments Actionrollenspiel im Setting griechischer Mythen war bis zuletzt mein Geheimtipp des Jahres. Dass sich Jasons Suche nach dem Goldenen Vlies in der finalen Version jedoch als dermaßene Enttäuschung herausstellen würde, hätte nach den vielversprechenden Vorabvorstellungen wohl auch das Orakel von Delphi selbst nicht vorhersehen können. Eine längere Verschiebung hätte dem besonders technisch sehr mageren Endprodukt jedenfalls nicht nur aus verkaufsstrategischen Gründen gut getan, so wird der Titel in der weihnachtlichen Masse mit ziemlicher Sicherheit aber ohnehin untergehen. Und das auch leider zu Recht.
Nicht nur qualitativ eine Tragödie
Im alten Griechenland spielt sich eine Tragödie ab, wie schon so oft. König Jason wollte eigentlich seine geliebte Alceme zur Frau nehmen, doch noch vor der Hochzeit wird sie ermordet. Wie verlockend klingt da doch die Legende vom Goldenen Vlies, einem magischen Stück Stoff, das die Macht in sich trägt, die Toten ins Leben zurück zu holen. In seiner Verzweiflung überlässt Jason also seinem Onkel das Königreich und macht sich mit dem absoluten Überschiff „Argo“ auf, der Sache nachzugehen. Auf der Reise stechen nach und nach die Argonauten, samt Herkules, Achilles, Atlanta und Pan, dazu, die Jason mit ihren Kräften und Weisheiten zur Seite stehen. Auch in jeder erdenklichen anderen Hinsicht trifft man auf Figuren und Anleihen aus der griechischen Sagenwelt. Endgegner wie die Medusa sind dabei genauso vertreten wie antike Gottheiten von Ares bis Hermes. Um das gleich zu Anfang klar zu stellen: Setting und Charaktere sind die große Stärke von Rise of the Argonauts. Die geschickte Verknüpfung aller möglichen bekannten Figuren und Erzählungen machen Jasons Abenteuer zu einem interessanten Neuerleben des antiken Stoffes, bei dem man an jeder Ecke gespannt ist, welches coole Chameo bzw. welche Sagengeschichte als nächstes und vor allem auf welche Weise eingewebt wurde. Bei Story und Script lässt sich jedoch traurigerweise auch am stärksten erkennen, dass diesem insgesamt verhunzten Game zumindest ein fantastisches Konzept zugrunde lag.
Fail of the Argonauts
Wer erwartet hat, Rise of the Argonauts schlage in die Kerbe eines God of War, muss sich abseits des hohen Gewaltgrades und des archetypisch übertriebenen Art Designs schnell wieder von diesem Gedanken verabschieden. Jede der Inseln, die ihr von Jasons Heimat aus besucht, quält euch größtenteils mit ständigem hin- und herlaufen zwischen verschiedenen Personen und damit verbundenem Backtracking quer über die komplette Map. Dass die fast ausnahmslos durch Gespräche und simple Botengänge absolvierten Quests vom Verlauf her oft ziemlich unterhaltsam und die Hauptpersonen, mit denen ihr zu tun habt, durchweg interessant sind, verkommt durch meist abgehackt wirkende Wortwechsel und starre Animationsdarbietung der simplen 3D Figuren völlig. Die unübersichtlich designten Städte schreien geradezu nach einer On-Screen Map. Ich schreie als Spieler ununterbrochen, wenn Jason mal wieder an unsichtbaren Barrieren, Rändern von Objekten oder seinen Argonauten hängen bleibt. Die hakelige Steuerung des Hauptcharakters, gepaart mit einer nicht minder ungünstig agierenden Kamera, macht selbst das simple Überqueren eines Marktplatzes zum anstrengenden Nachjustierparcours. Von den Entwicklern gewiss ungeplante Szenen, in denen ihr zwischen einer Kiste, einem Händler und Herkules festhängt, während Pan wie ein Bekloppter verwirrt auf und ab geht, kosten das letzte Quäntchen Atmosphäre, welches die Spielgrafik noch nicht verschlungen hat.
Die bewegt sich nämlich mehr schlecht als recht auf Last-Gen Niveau... und damit meinen wir noch nicht mal die Ebene eines PS2 God of Wars oder anderer Optikhighlights zum Ende des vorhergegangenen Grafikzyklus. Die langweilig entworfenen Kulissen strotzen nur so vor Detaillosigkeit, die meisten gängigen Next-Gen Techniken melden sich abwesend und es gibt genügend ingame Objekte sowie Grafikeffekte, die sogar einfach nur als hässlich zu beschreiben sind. Die PC Version wirkt dem mäßigen Gesamtbild mit sichtbar weniger Treppchenbildung, geschmeidiger wirkenden Texturen und insgesamt saubererem Look entgegen, weswegen sie im Gegensatz zu ihren Konsolenpendants von uns mit einem Punkt besser bewertet wird. Die konstant zwischen "nett" und "mittelmäßig" schwankenden Synchronstimmen geben mit einer Aufnahmequalität Marke Telefonhörer zwar eine ähnlich schwache Performance ab, der epische Soundtrack dagegen macht seine Sache auf Soundseite wirklich gut.
Mythenmassaker
Ein großes Augenmerk wurde in den Vorabpräsentationen immer aufs Kampf- sowie Skillsystem von Rise of the Argonauts gelegt. Von Schutzschilden, die sich auch wirklich konsequent als solche verhalten (selbst wenn man die Taste zum Blocken mal nicht gedrückt hält), gezielten Verwundungen und tödlichen Ersttreffern bei Feinden, bis hin zu brutalen Exekutionsmoves wird so weit auch alles eingehalten wie versprochen. Die, über die komplette Spielzeit gesehen, viel zu selten frequentierten Kämpfe gegen unterschiedlichste Mythenwesen und einige größere Endgegner wirken angesichts ihrer geringen Häufigkeit jedoch viel zu generisch. Kaum ein Feind bedarf einer speziellen Taktik und so ganz kontrollierbar sind die Fights ohnehin nicht. Was unter'm Strich actionmäßig über bleibt, ist ein recht unterhaltsames Durcheinander, das nicht immer sehr rund choreographiert wirkt, dafür aber zwischendurch immer wieder stylische Zufallsmomente bereit hält. Euer Waffenarsenal vom Schwert übers Speer bis zum Streitkolben ist dabei zwar auf den ersten Blick recht begrenzt, die deftig austeilenden Kriegswerkzeuge gibt’s allerdings in unzähligen Ausführungen mit unterschiedlichem Look und verschiedenen Spezialwirkungen. Ordentlich knallen, tun alle Exemplare, wovon bis zum Finale der Reise zerplatzte Köpfe, aufgespießte Bäuche und aufgeschlitzte Arme in verhältnismäßig rauen Mengen zeugen. Sofern man im Besitz der unzensierten 18ner Version des Games ist.
Magie spielt für Jason nicht unbedingt eine überlebenswichtige Rolle, da er im gutbürgerlichen Nahkampf alleine schon verdammt übermächtig ist. Trotzdem kann man über Multiple Choice Dialogoptionen sowie Erfüllung von Aufgaben gewonnene „Gunst“ (aka Erfahrungspunkte...) an die Götter widmen, damit sie einem Zaubersprüche oder passive Eigenschaften verleihen. Letztere sind meistens die bessere Wahl, da man auf seine Hotbuttons für direkt gesprochene Magie nur vier Fähigkeiten legen kann. Die einzig wertvollen sind dabei im Prinzip ein starker Heilzauber sowie ein paar später freigeschaltete Massenvernichtungsangriffe, für die ihr euch eure nur langsam regenerierenden Manapunkte sowieso aufsparen müsst. Wer vornehmlich in aktive Magie investiert, vergeudet nur Skillpoints und verpasst es Jasons Grundfähigkeiten auszubauen. Aber wie gesagt, eine bedeutende Rolle spielt das Ganze sowieso nicht wirklich.
Rise of the Argonauts zu spielen, war für mich speziell auf den Konsolen ein wahrer Stich ins Herz, aber auch die technisch bessere PC Version kann das verschenkte spielerische Potenzial meiner persönlichen Enttäuschung des Jahres nicht vertuschen. Jede noch so gute Idee, vom Kampfsystem, das stärker den Gesetzen der Logik folgen sollte, bis hin zum clever zusammengeschusterten Sagensetting, wurde auf eine Art und Weise umgesetzt, die nicht mal ansatzweise ans starke Ursprungskonzept heranreicht. Nimmt man die veraltete Grundoptik, verstärkt bei den Konsolen auftretende Grafikfehler und höchst störrische Steuerungsprobleme hinzu, fühlt man sich in Liquids Game die meiste Zeit so, als würde man einen frühen Prototypen vor sich haben. Das Spiel wirkt an allen Ecken und Enden unpoliert, unfertig und nicht verkaufsreif, was mir angesichts der bei jedem Treffen in der Vergangenheit ziemlich ambitioniert und entschlossen wirkenden Entwickler rund um Ed Del Castillo einfach nicht in den Kopf gehen will. Entweder ging den Entwicklern im entscheidenden Stadium des Projekts das Geld aus, Publisher Codemasters musste unbedingt bis zum Jahresende eine Mindestzahl an Spielen herausbringen und schmiss den Titel deswegen einfach auf den Markt oder jemand hat Liquid einen Streich gespielt und heimlich eine Uraltfassung von Rise of the Argonauts an die Presswerke geschickt. Was angesichts dieses hart gesprochenen Urteils vielleicht noch wundern könnte, ist die vergleichsweise gnädige Wertung unter dem Testartikel. Die rührt einfach daher, dass mich die Handlung rund um Jason und die Rettung seiner Frau samt all ihrer Zwischenstationen und berühmten Charaktere dazu bewegen konnte, das Spiel trotz aller Fehler durchzuspielen. Zwischenzeitlich hatte ich mich sogar an die meisten groben Macken sowie die triste Optik gewöhnt, weil ich einfach wissen wollte, wie es weiter geht und die Story manchmal sogar kleine Glanzmomente verblüffenden Ideenreichtums aufblitzen ließ. Da die (ich wiederhole: erstaunlich seltenen) Kampfszenen mir dazu recht viel Spaß gemacht haben, schrammt Rise of the Argonauts vor allem dank seiner inneren Werte an einem echten Desaster vorbei. Zum Vollpreis empfehlen würde ich es trotzdem niemandem, denn mit griechischen Geschichten alleine bedient mich jede kleine Dorfbibliothek letztendlich weitaus besser.
25.04.2008 - 11 Screenshots zu Rise of the Argonauts mehr...
Bewertung
Rise of the Argonauts pc
0/10
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...