Rogue Trooper - Quartz Zone Massacre
15:02 Uhr - Von allen unbeachtet gelassenen Spielen der letzten Konsolengeneration war Rogue Trooper sicher nicht der erste Titel, bei dem wir mit einer Portierung für die Wii gerechnet hätten. Muss an unserer Unachtsamkeit liegen. Haha. Ob sich die Umsetzung für Wii-Soldaten lohnt?
Ihr kennt das ja: Da wird man als genetisch verbesserter Supersoldat in eine hart umkämpfte Todeszone auf einem giftigen Planeten geschickt, gerät in einen Hinterhalt und plötzlich steht man alleine da, weil alle anderen Klonkrieger das zeitliche gesegnet haben. In diesem erzählerischen Komplexitätswunder dürft ihr in der Wiederauflage des 2006er PC-, PS2- und Xbox-Actiontitels von Rebellion in die blaue Haut des titelgebenden Rogue Troopers schlüpfen, um im Alleingang die Drahtzieher des oben genannten, untertitelgebenden Quartz-Zone-Massakers zu finden und [männlich harte Stimme jetzt] zur blutigen Rechenschaft zu ziehen.
Gemeinsam einsam
Vollkommen auf sich alleine gestellt ist Dr. Manhat ... ähh, Rogue bei seiner Vendetta aber nicht: Die Persönlichkeit der GI-Kameraden wird nämlich auf einen Mikrochip gespeichert, den er ihnen nach ihrem Tod aus dem Nacken schnippelt und sie dann (theoretisch) wieder in einen neuen Körper einpflanzen kann. Aus Mangel an verfügbaren lebenden Super-Soldaten packt Rogue die Chips dreier verstorbener Freunde aber lieber in sein Gewehr, seinen Rucksack und seinen Helm. Das führt nur auf den ersten Blick zu innovativer Waffen- und Gegenstandsverwaltung, sorgt letztlich aber vor allem dafür, dass ihr pausenlos plappernde Ausrüstung mit euch rumschleppt. Gunnar ist der Waffenexperte und wandelt euer Standardsturmgewehr auf Knopfdruck in eine Shotgun, eine Sniper-Rifle, einen Mörser und dergleichen um und versorgt euch mit Sprengkörpern, wie Minen, Stör-, Splitter- oder Brandgranaten. Im Prinzip stellt das aber keinen Unterschied zur gewöhnlichen Waffenauswahl anderer Shooter dar. Helm ist der Hacker und öffnet euch verschlossene Durchgänge und lädt Informationen runter, was meist so abläuft, dass ihr euren Helm auf eine Computer-Armatur legt und während des Hackprozesses Gegnerwellen abwehrt. Das einzige wirklich originelle Feature ist Bagman, der sich um euer Inventar kümmert. Anders als in den meisten anderen Actionspielen findet ihr nämlich keine unterschiedlichen Waffen, Munitionstypen oder Medipacks, sondern lediglich Altmaterial, das entweder in der Gegend rumliegt oder aus erledigten Gegnern gewonnen wird. Daraus bastelt Bagman dann auf Wunsch neue Knarren, Gesundheitsauffrischer oder Nachschub für’s Magazin eures Ballermannes, so dass ihr stets selbst entscheiden könnt, welchen Bedarf ihr als erstes decken wollt. Trotz ihres mehr oder weniger großen spielerischen Gehaltes, sorgen die drei elektronischen Kumpels mit ihren (leidlich witzigen) Kommentaren für ein bisschen mehr Lebendigkeit und Variation im Vergleich zu dem blassen Charakter der Hauptfigur.
Weltallkrieg mit Extra-Bedienungsmacken
Rogue Trooper basiert auf einer in den 80ern gestarteten Comic-Serie und dementsprechend sind eure Feinde, die Nort, standesgemäße Weltall-Russen, die wesentlich besser ausgerüstet sind als die Southern, denen ihr angehört und die selbstverständlich die braven Amerikaner darstellen. Im Kampf um den strategisch wichtigen Planeten Nu-Earth heizt ihr der fiesen, aber wenig intelligenten Bagage mit eurem recht reichhaltigen Waffenarsenal ordentlich ein. Leider werdet ihr viele der Argumentationsverstärker kaum brauchen. Die meiste Zeit kommt man mit Maschinen- sowie Scharfschützengewehr und gelegentlichem Granateneinsatz gut zurecht. Auch auf die Möglichkeit, eure Wumme zu einem stationären MG umzubauen oder den Gegner mit einer Holoprojektion abzulenken, hab’ ich im Test nicht einmal zurückgegriffen. Dafür dürft ihr euch ab und an hinter ein stationäres Geschütz klemmen und auch eine komplette Railshooter-Sequenz absolvieren. Trotz der oben genannten Mängel sind die Gefechte launig. Allerdings machen einem immer wieder die teils katastrophale Kamera und die fummelige Steuerung einen Strich durch die Rechnung. Gezielt wird erwartungsgemäß mit dem Pointer der Wiimote. Unverständlicherweise gibt es auch hier immer einen (einstellbaren, aber nicht abstellbaren) Spielraum innerhalb dessen ihr den Cursor erst mal ein Stück in eine Richtung bewegen müsst, bevor euer Sichtfeld mitzieht. Eine mit Wii-Shootern aufgekommene Unsitte, die absolut sinnlos ist, erheblich die Spielbarkeit beeinträchtigt und mir schlichtweg den letzten Nerv raubt. Auch die restliche Bedienung, wie zum Beispiel der Waffenwechsel, erweist sich als etwas unhandlich und erfordert ein Weilchen der Eingewöhnung.
Weniger ist oft ... einfach zu wenig
Rogues Feldzug gegen eine ganze Armee führt durch recht gradlinige, aber durchaus interessant gestaltete Level, die meist die richtige Mischung aus vorsichtigem Vorgehen und Sturmangriff abverlangen. Na gut, wirklich vorsichtig müsst ihr eigentlich nie sein, da das Spiel auch auf normalem Schwierigkeitsgrad recht leicht ist, aber es macht oft einfach mehr Spaß, die Feinde aus der Ferne aufs Korn zu nehmen oder sich von Deckung zu Deckung zu arbeiten. Rogue lehnt sich übrigens automatisch an eine Wand oder einen Vorsprung, wenn ihr in die entsprechende Richtung drückt. Ein weiterer Nervfaktor, weil er dabei einfach überempfindlich reagiert und das andauernd macht.Optisch ist Rogue Trooper überdurchschnittlich – für die letzte Konsolengeneration! Das heißt, auf der Wii ist das Spiel optisch ... überdurchschnittlich. Es gibt häufig ganz hübsche Texturen und ansprechende Panoramen in den meist extrem weitläufigen Landschaften zu bestaunen. Dazu gesellen sich flüssige Animationen und nett inszenierte Cutscenes mit Zeitlupensequenzen, rasanten Kamerafahrten und dem ganzen Pipapo. Die allgemeine Objektdichte und die visuelle Abwechslung bleiben allerdings etwas auf der Strecke. Szenariotypisch dominieren düster triste Grau-, Blau- und Brauntöne. Bei der Soundkulisse gibt’s allerdings wenig zu meckern. Dramaturgischer Musikeinsatz, knackige Effekte und die tadellose durchgängige Sprachausgabe zeugen davon, dass Rogue Trooper kein Billigspiel ist.Wie schon erwähnt, ist die Science-Fiction-Action allerdings extrem kurz. Viel mehr als fünf Stunden werdet ihr mit dem Solomodus nicht beschäftigt sein. Darin könnt ihr sämtliche Videosequenzen, neue Schwierigkeitsgrade und Einträge in die Enzyklopädie freispielen, welche euch einen tieferen Einblick in das „Rogue Trooper“-Universum gewährt. Nichts davon erhöht aber wirklich den Spielspaß. Ebenso der Multiplayer für bis zu vier Spieler, der nur eine Handvoll Karten mitbringt und in alter GameCube-Tradition um den Online-Modus beschnitten wurde. Macht aber nichts, denn da waren eh kaum Mitspieler zu finden.
Pro und Contra
- + Große Außenlevels mit enormer Weitsicht
- + Flexibles Inventarsystem
- + Abwechslungsreiches Leveldesign
- + Ordentlich Action
- - Viel zu kurz
- - Umständliche Steuerung
- - Teils furchtbare Kamera
- - Geschichte bleibt zu oberflächlich
- - Kein Online-Multiplayer
- - Aufguss eines letztlich unwichtigen Spiels
Kurzweilige Sci-Fi-Ballerei mit viel verschenktem Potential
Rogue Trooper ist mal wieder ein Spiel der verpassten Möglichkeiten. Mal abgesehen davon, dass mich das Szenario extrem kalt lässt und meiner Meinung nach auch wenig überzeugend, weil emotionslos rübergebracht wird, hätte aus dem Teil ein richtig guter Action-Titel werden können. Die unterhaltsame Shootouts in den ansehnlichen Levels sorgen für gepflegten Ballerspaß ohne Leerlauf. Doch die krampfige Bedienung und die miese Kamera sorgen immer wieder für Frust. Nach ca. fünf Stunden ist die einfallslose Geschichte zu Ende erzählt. Danach gibt es nichts mehr was einen noch bei Laune hält. Die Tatsache, dass es sich hierbei auch noch um den Port eines drei Jahre alten Spiels ohne jegliche Neuerungen handelt, der aber trotzdem zum Vollpreis angeboten wird, verbessert den Eindruck nicht gerade.
Bewertung
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Kommentare (8)
Darakiss
EL POLLO DIABL0
Alexander Laschewski-Voigt
Ultimate Scorpion
salasar
Saibot
bufu117
z101
Die Grafik hätte man tatsächlich noch aufpolieren können, es gibt zwar mehr und bessere Effekte (Rauch, Wasser etc.) als in der PC- oder Xbox-Version aber manche Texturen sind immer noch so matschig. Das könnte die Wii Hardware deutlich besser.
"Aufguss eines letztlich unwichtigen Spiels"
Welche Spiele sind schon wichtig, da kann ein Kenner vielleicht ein halbes dutzend aufzählen und diese sind alle älter als 10 Jahre.