Samba de Amigo
Donnerstag, 09. Oktober 2008
13:17 Uhr - Samba de Amigo für die Wii ist für mich persönlich ein interessantes Experiment, denn den Klassiker für SEGAs Dreamcast aus dem Jahr 2000 habe ich geliebt. Liegt vielleicht daran, dass ich eh ein Faible für Rhythmusspiele habe. Tanzmattenspiele musste ich aufgrund meiner Inkompetenz den Beat in meine Beine übertragen zu können, leider umgehen, um so besser liegen mir Titel wie Donkey Konga, Guitar Hero oder Rock Band und eben Samba de Amigo. Die Frage, die ich mir vor der ersten Session auf der Wii gestellt habe, ist: Kann dieses doch recht primitive Rhythmusspiel mit so komplexen Titeln wie den Obengenannten mithalten? Oder ist dieses Prinzip, seine Arme in drei unterschiedliche Höhen zu begeben, mittlerweile hoffnungslos veraltet?
Also die Jungs von Gearbox machen es mir als Liebhaber des Klassikers schon von Beginn unnötig schwer, denn Samba de Amigo für die Wii wird ohne Maracas ausgeliefert. Hallo? Ich spiele einen Titel, in dem es darum geht mit einem ewig grinsenden Affen, der einen Sombrero trägt, passend zum Rhythmus Maracas zu schwingen – und das ohne Maracas. Stattdessen muss ich mit der Wiimote und den Nunchuk vorlieb nehmen. Gehöre ich zur dekadenten Sorte Mensch und im Besitz einer zweiten Wiimote, kann ich mit je einer dieser Eingabegeräte in der Hand „shaken“. Vorteil ist, dass sie besser in der Hand liegen und logischerweise gleichviel wiegen. Es fühlt sich einfach besser an. Außerdem hat man dann Stereosound, denn die Wiimote imitiert bei jeder Bewegung ein Rasseln. Dass das nicht besonders überzeugend klingt, kann man sich ja denken. Zum Glück gibt es ja noch SpeedLink. Die Jungs haben sich die Marktlücke zunutze gemacht und bieten als Einzige einen Wiimote-Maracas-Aufsatz für 20 Euro. Im Bundle kostet das Ganze dann 60 Euro. Will man Samba de Amigo dann auch noch mit einem Freund spielen, denn ohne zuviel verraten zu wollen, ist das Remake des SEGA-Klassikers vornehmlich dafür geeignet auf Partys für die nötige Stimmung zu sorgen, benötigt man also vier Wiimotes (die Aufsätze passen nur auf die Wiimote) und vier Maracas. Ein durchaus teurer Spaß will man stilecht Rasseln. Lohnt sich meine Investition? Bedingt.
Beim ersten Anspielen von Samba de Amigo fiel mir natürlich auf, dass man bei Gearbox darauf geachtet hat, einen enormen Wiedererkennungswert herzustellen. Die typischen Charaktere wie mein grinsender Affe sind also wieder dabei, genau wie die meisten Songs aus dem Original, die um weitere Stücke erweitert wurden, sodass die Wii-Version auf insgesamt 40 Tracks kommt. Die Grafik wirkt ein bisschen klarer, bekannte Elemente wurden aber auch hier übernommen und um die Mii-Portraits ergänzt. Am Gameplay hat sich ebenfalls nicht getan. Wie zu Dreamcast Zeiten gilt es auch hier, seine Maracas passend zum Rhythmus, der durch blaue Perlen symbolisiert wird, auf drei unterschiedliche Ebenen (hoch, mitte, tief) zu bewegen. Unterbrochen werden die Standardmoves von Figuren und Dauerrasseleinlagen (ähnlich wie das Dauertrommeln in Donkey Konga). Je nachdem wie gut das Timing ist, bekommt man unterschiedlich hohe Punkte auf sein Konto spendiert. Hat man genügend gesammelt, werden weitere Songs freigeschaltet, die Standardprozedur bei Musikspielen also. Damit dürfte also der Karriesmodus abgehakt sein, den es in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zu absolvieren gilt. Tut mir einen Gefallen, beginnt nicht mit dem Einfachsten. Selbst mein Hund könnte den schaffen. Aber geht auch nicht gleich zu hoch, sonst werdet ihr, wenn nicht schon vom steil ansteigenden Schwierigkeitsgrad, dann von der unpräzisen Wiimote-Steuerung gefrustet. Hat man genügend Zeit zum Wechseln der Positionen ist das alles noch kein Problem, muss dann aber schnell herumgefuchtelt werden hat man öfter das Gefühl, als ob ein paar Bewegungen verloren gehen. Da hilft auch das schönste Kalibrieren nicht – egal wie oft ich meine Maracas synchronisiert habe, es fehlten auf den hohen Schwierigkeitsgraden immer ein paar registrierte „Schüttler“. Ein bisschen hat mich das an die kabellose Gitarre aus Guitar Hero III erinnert. Für die Highscores bin ich dort zur Kabelvariante umgestiegen. Für mich als Perfektionisten ist so ein Steuerungs-Fauxpas, der mich ohne eigenen Einfluss vom Höchstpunktstand abhält, natürlich besonders ärgerlich.
Warum sollte ein vernünftig denkender Mensch also Samba de Amigo spielen? Nun, vielleicht dann, wenn er mehrere Freunde besitzt, die sich, wie er selbst, gerne zum Affen machen. Wie schon oben angedeutet entfaltet der Wii-Titel erst im Multiplayer sein ganzes, dennoch dürftiges Potenzial. Am besten lässt sich dieser Modus mit SingStar vergleichen. Denn hier geht es entweder darum, den höchsten Punktstand zu erreichen oder aber im Love Love-Modus besonders synchron zu rasseln. Für mich eine der spaßigeren Spielvarianten, genau, wie der Battle-Modus in dem man durch einen möglichst hohen Multiplikator eine Bombe auflädt, um sie dem Gegner vor die Füße zu schmeißen. Hier kann doch tatsächlich so etwas wie Stimmung aufkeimen – genug Tequila und Spieler mit geringer Peinlichkeitsgrenze vorausgesetzt. Zur Not gibt es dann ja noch die Minispiele. Wirklich zur Not. Denn sie sind schnell abgehandelt. Ob man nun besonders schnell rasseln, viele Kombinationen hintereinander rasseln oder ein Pinata mit Rasseln öffnen kann. Oder aber Volleyball (WTF?) spielt. Letzteres bitte nicht machen. Da ist selbst die Volleyballsimulation aus Dead or Alive Extreme 2 besser. Wer also zu viel Geld hat, weibliche Bekanntschaften, die den Rhythmus im Blut haben und die man gerne mal „wackeln“ sehen möchte und über eine unpräzise Steuerung hinwegsehen kann UND genug Tequila im Haus hat, DER kann sich Samba de Amigo zulegen. Der Rest ersteigert das Original über eBay.
Bewertung
Kommentare (6)
SegaFreak
Zerfikka
Grendel
Danach hätte man den Test eigentlich direkt beenden können. Die Maracas sind die Seele dieses Spiels!
z101
Samba sollte man eigentlich auch boykottieren, bei dem Spiel die Steuerung zu verhauen ist echt eine Frechheit.
Purpur Tentakel
Purpur Tentakel