Scribblenauts
15:04 Uhr - Schon viele Spiele haben uns in eine gottgleiche Position erhoben, in der wir die Geschicke von Völkern und Welten beeinflussen und lenken konnten. Zum Beispiel Populus, Spore oder Black & White. Aber keines erlaubte bislang so unmittelbare und kreative Eingriffe wie Scribblenauts. Wir überprüfen, ob auf eine tolle Grundidee auch ein ebenso tolles Spiel folgt.
Schreib mal wieder
Bereits in ihrem früheren Werk 'Drawn to Life' förderten die Entwickler von 5th Cell eigenen Input und Kreativität. Mittels der speziellen DS-Fähigkeiten konnte man seine eigenen Avatare gestalten und die Level mit selbst gezeichneten Objekten ausstatten. Der perfekte Probelauf für das “Macht was ihr wollt”-Prinzip von Scribblenauts, das mit vielen Awards ausgezeichnet wurde und mit dementsprechenden Erwartungen in den Handel kam. Als ich zum ersten Mal vom innovativen Puzzle-Spiel hörte, klang die Idee dahinter fast schon zu ambitioniert, um in ein kleines DS-Modul gequetscht zu werden. Quasi jedes in der englischen Sprache existierende Wort sollte sich im Spiel manifestieren lassen – vorausgesetzt es ist greifbar, kein Name, nicht obszön und kein Rauschmittel (damit fällt schon einmal die Hälfe des Wortschatzes eines AreaGames-Redakteurs flach). Doch 5th Cell hat die Aufgabe mit Bravour gemeistert. Ein paar Leute waren ausschließlich damit beschäftigt, Lexika zu wälzen und alle in Frage kommenden Wörter per spezieller Objectnaut-Engine ins Spiel implementieren zu lassen. Scribblenauts wurde komplett ins Deutsche lokalisiert und verfügt in unserer muttersprachlichen Version über ein Begriff-Repertoire von etwa 20.000 Wörtern. Das sind weit mehr, als der durchschnittliche Deutsche jemals verwendet.
Doch wie genau funktioniert Scribblenauts überhaupt? So simpel wie genial. Per virtueller QWERTZ-Tastatur oder Schrifterkennung gebt ihr den gewünschten Begriff ein, der im Spiel daraufhin im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel fällt. Schreibt ihr “Stuhl” kann Protagonist Maxwell eben diesen in den kunterbunten Welten benutzen, schreibt ihr “Auto” erscheint – potzblitz! - ein passendes Gefährt und lässt sich durchs Level steuern. Dabei müsst ihr den Begriff nicht einmal komplett richtig schreiben, damit Scribblenauts ihn erkennt. Bei mehrdeutigen Wörtern könnt ihr das für die jeweilige Situation passende aus einer Liste mit Begriffserklärungen auswählen. Denn es macht schon einen Unterschied, ob “Ballon” ein mit Heißluft gefülltes Fluggerät oder ein beliebtes Kinderparty-Utensil hervorbringen soll. Genau hier wird aber auch deutlich, dass das Wörterbuch – so umfangreich es auch sein mag – ab und an etwas inkonsequent ist. Schreibt man z.B. “Maus” lässt sich nur eine Computermaus manifestieren, das gleichnamige Nagetier wird nicht angeboten. Die einzige Möglichkeit besteht darin, auf “Ratte” auszuweichen. Das betrifft zwar nur wenige Einzelfälle, dürfte aber eigentlich nicht vorkommen. Auch die alten Schreibformen von bestimmten Wörtern werden öfters nicht erkannt.
Word up
Scribblenauts benötigt keine Story und verfrachtet Maxwell nach einem längeren Tutorial direkt in die erste von 10 Welten, die insgesamt über 200 Level zur Verfügung stellen. Aller Anfang ist natürlich leicht, doch schon die ersten Puzzles zeigen, auf wie viele verschiedene Arten ein Level gelöst werden kann. Das Ziel ist es stets, einen sogenannten Starite einzuheimsen, doch das “Wie” liegt allein in euren Händen. Befindet sich das Objekt der Begierde auf einer unerreichbaren Anhöhe könnt ihr z.B eine Kiste, eine Leiter oder ein Trampolin manifestieren. Oder ihr macht es besonders elegant und organisiert euch einfach ein Flugzeug oder einen Helikopter. Alles ist möglich. Schnell wird es nötig, um ein paar Ecken zu denken, um der Lösung eines Rätsels auf die Spur zu kommen. In einem verschneiten Tal treffen wir auf einen Weihnachtsmann, dem wir etwas geben sollen, das ihn glücklich macht, er aber noch nicht hat. Schlitten und Rentier stehen allerdings schon bereit. Eine der möglichen Lösungen ist, Santa einen Kamin vor die Nase zu setzen. Wie wir wissen, rutscht der alte Mann in Coca-Cola-Farben diese gerne runter. Es gibt dabei für jedes Puzzle mindestens drei unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten. Bereits gespielte Level könnt ihr daher im Fortgeschrittenen-Modus erneut angehen und am Stück nach drei passenden Ansätzen fahnden. Bei den herbeigezauberten Objekten ist zu berücksichtigen, dass diese unter Umständen mit der Umwelt und dem Protagonisten interagieren. Schreibt ihr “Bär”, um einen Wolf zu verjagen, wird Meister Petz zwar das andere Tier angreifen, anschließend aber auch über Maxwell herfallen. Auch neue Gegenstände lassen sich durch Wechselwirkungen erzeugen. Wie jeder Fleischliebhaber weiß, ergibt z.B die Kombination von “Kuh” und “Beil” ein saftiges Steak. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall, denn so bekommt ihr nicht nur Kreativitäts-Boni in der Endabrechnung, sondern entdeckt auch so manch witziges Detail.
Leider nicht im Wortschatz: Gute Steuerung
Mit der Zeit wird Scribblenauts richtig kniffelig und bringt eure grauen Zellen auf Hochtouren. Zum Glück muss nicht jedes Level stur nach Reihenfolge absolviert werden. Mit der spielinternen Währung, den Ollars, lassen sich vorab neue Welten freischalten. Ollars bekommt ihr durch die bereits erwähnten Boni, zu denen unter anderem auch das Benutzen von neuen Objekten oder der Verzicht auf Waffen zählen. Zudem hat jedes Level wie beim Golf ein Par. Bleibt ihr darunter, manifestiert also weniger Objekte als vorgegeben, gibt auch dies einen Bonus. Unter Par zu bleiben ist nicht immer einfach, denn oft ist die vermeintlich logischste Lösung nicht unbedingt auch die richtige. Während manche Gegenstände viel zu oft sinnlos sind, verrichten andere nicht den eigentlich erwarteten Dienst. Die Folge ist langwieriges Rumprobieren und aufkeimender Frust. Das größte Problem von Scribblenauts ist aber mit Abstand die Steuerung, die ausschließlich über den Touchscreen erfolgt. Mit dem D-Pad lässt sich lediglich die Kamera positionieren. Die von der mangelhaften Kontrolle verursachten Schwulitäten böten Stoff für einen eigenen Artikel. Maxwell reagiert auf Kommandos viel zu hektisch, lässt sich nur äußert schwammig dirigieren und hebt ständig die falschen Gegenstände auf. Noch chaotischer wird es freilich in Kombination mit Fahrzeugen oder mehreren Objekten. Es passiert ständig, dass Dinge über Kanten rutschen, sich von der überempfindlichen Physik beflügelt selbstständig machen oder sich einfach nicht vernünftig platzieren lassen. Warum man dem Helden nicht einfach eine traditionelle Steuerung spendiert hat, ist eines der ungelösten Rätsel von Scribblenauts. Besonders verhängnisvoll wird dieses Manko in den Action-Leveln, von denen im Spiel ebenso viele vorhanden sind, wie von ihren Puzzle-Pendants. Denn hier kommt es oft auch noch auf schnelle Reaktionen und Präzision an. Ruhiger geht es im Editor zu. Hier entwerft ihre eure eigenen Puzzles und könnt sie mit anderen Scribblenauten teilen. Bereits absolvierte Level dienen als Hintergrund, ihr drappiert Objekte, legt deren Wirkungen fest und bestimmt das Verhaltensmuster von anwesenden Tieren oder Personen.
Pro und Contra
- + tolle Spielidee
- + großer Wortschatz
- + knuffiger Comic-Look
- + fördert Kreativität
- + Leveleditor
- + umfangreich dank zweier Spielmodi
- - suboptimale Steuerung
- - zum Teil unlogisch und frustig
- - nicht alle Begriffe werden reibunglos erkannt
- - Regel Nr. 2 nicht anwendbar
An sich genial, aber...
Die Grundidee von Scribblenauts finde ich nach wie vor extrem originell und faszinierend. Anfangs freute ich mich daher auch diebisch, nahezu grenzenlos Dinge herbeirufen zu können und probierte munter drauflos – mit unterschiedlichen Resultaten. Während “Raketenrucksack” Maxwell tatsächlich zum Rocketman macht, blieb “Megan Fox” leider ohne Ergebnis (kleiner Tipp: probiert mal “Teleporter” aus). Doch mit der Zeit werden die zwei großen Schwächen von 5th Cells Puzzle-Program immer deutlicher. Dass einige Rätsel nur durch wildes Probieren lösbar sind, kann ich noch verkraften. Es gehört ja auch irgendwie dazu, sein Hirn mal auf links zu drehen und sich originelle oder absurde Sachen einfallen zu lassen. Die miese Steuerung fällt da schwerer ins Gewicht und hat mir nicht selten den Spaß am Weiterspielen genommen. Stellt euch einfach vor, ihr müsstet auf einer schlaglochübersäten Schotterpiste auf dem Dach eines fahrenden Autos Mikado spielen – und schon habt ihr eine Vorstellung, wie “gut” sich Maxwell durch die Level bugsieren lässt. Wie viel Vergnügen ihr mit Scribblenauts haben werdet, liegt also zu einem guten Teil daran, wie ihr mit diesem Malheur leben könnt, und mit wie viel Einfallsreichtum ihr gesegnet seid. Denn so richtig stark wird das Spiel nur dann, wenn ihr dessen Potenzial so gut es geht anzapft und euch auf das ungewöhnliche aber verführerische Prinzip einlasst.
Bewertung
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Kommentare (8)
Tim Hopmann
21.10.2009 17:57 - Ist jetzt drin. Und du hattest Recht. ;)Black Hole ist eines davon...
J1mp4n53
21.10.2009 20:48 - das werde ich mir definitiv geben!Saibot
21.10.2009 21:47 - Die Idee ist echt super, könnte mir vorstellen, das demnächst mehr DS Spiele in diese Richtung gehen.7/10 ist ja auch nicht schlecht, deshalb werd ich man anspielen :)




















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