Shadow Complex
16:03 Uhr - Als CliffyB auf der Microsoft E3-Pressekonferenz die Bühne betrat, dachte jeder ungläubig: „Geil, Gears of War 3!“ oder irgendein anderer heißer Titel aus dem Hause Epic. Der Trailer zu „Shadow Complex“ hinterließ ein eher bedrückendes Schweigen und man fühlte sich als Fan unweigerlich betrogen. Die Aufregung ist jedoch ungerechtfertig. In unserem Test verraten wir euch, warum ihr für 1200 Microsoft Points das wohl bisher beste Xbox LIVE Arcade-Spiel erwerben könnt.
Höhlenforscher sucht Frau
Müsstet ihr Shadow Complex in einem kurzen Satz zusammenfassen („Geil“ zählt dabei nicht), kämt ihr um den Begriff „Metroid“ nicht herum. Tatsächlich basiert sämtliches Gameplay des von „Chair“ programmierten „800 MB“-Titels in der 2D-Perspektive auf der Grundlage der Abenteuer von Samus Aran. Die Unterschiede zur Weltraumsaga bestehen zum einen im Protagonisten, der hier auf den Allerweltsnamen Jason Fleming hört (und verdammt nach Nathan Drake aussieht und sich im Original tatsächlich genauso anhört) und der Örtlichkeit, in der er mächtig aufräumt. Wie der Titel vermuten lässt, findet das Ganze in einem unterirdischen Komplex statt. Durch Zufall (oder vielleicht doch nicht ...) trifft Jason, der in seiner Vergangenheit eine Kampfausbildung genossen hat, seine Fähigkeiten jedoch nicht zum Töten einsetzen, sondern ein normales Leben führen will, zusammen mit seiner Freundin auf einen gewaltigen Höhlenkomplex. Mit nichts anderem als seiner Taschenlampe und einem Neoprenanzug bewaffnet begibt sich Jason in die Tiefe der Höhle, um seine vorausgeeilte Freundin zu finden. Die stellt sich (wie Frauen nun mal sind) so geschickt an, dass sie in die Fänge einer bösen Organisation, die sich selbst die „Erneuerung“ nennt, gerät und in einen gigantischen unterirdischen Militärkomplex verschleppt wird. Endlich hat Fleming die Motivation die nächsten 6-8 Stunden mächtig die Sau rauszulassen, Unzählige von Soldaten zu eliminieren und vom Allerweltskämpfer zum allmächtigen Bionikkrieger zu mutieren, der nebenbei die ganze Welt rettet.
Wo Licht ist, sind auch Farben
Zu Beginn muss der angehende Weltenretter aber etwas kleinere Brötchen backen. Obwohl er in seiner Vergangenheit im Umgang mit Waffen geschult wurde, vermag sein Bewegungsrepertoire noch nicht ganz so viel herzugeben, um es mit steilen Felswänden oder erhöhten Plateaus aufzunehmen. Recht schnell findet Jason eine Kletterausrüstung, die es ihm erlaubt, sich kurzzeitig an einer Felswand festzuhalten, um von dort weiterzuspringen. Mit jedem zusätzlichen Item-Fund erweitern sich die Fähigkeiten des Helden und eröffnen neue Pfade, um die gigantische Station zu erforschen. Eine Atemmaske gewährt euch, ständig unter Wasser zu bleiben, Sprungstiefel lassen euch einen Doppelsprung machen, der später sogar auf einen Dreier erhöht wird. Neben dem Bewegungsrepertoire verbessert sich auch das Waffenarsenal von Fleming. Benötigt ihr zu Beginn noch 5 Schuss aus einer mickrigen Handfeuerwaffe, um einen gewöhnlichen Soldaten aus den Latschen zu kippen, degradiert ihr gegen Ende von Shadow Complex dank einer experimentellen Waffe selbst die härtesten Brocken zu einem Gravitationsexperiment, das der Pyhsik-Engine hilflos ausgeliefert ist. Sprich: Ihr senst die Gegner mit derartiger Gewalt um, dass sie schreiend durch den Bildschirm fliegen (dafür gibt es übrigens Achievements).
Gezielt wird mit dem rechten Analogstick, während ihr mit dem linken Jason steuert. Die Schussbahn wird über eine blaue Linie angezeigt, sodass selbst Kopfschüsse aus der Entfernung nach ein wenig Übung zum Kinderspiel werden (Achievements!) Das Tolle an den Primärwummen ist der Umstand, dass sie unendlich Munition besitzen. Nur die Projektile der Spezialwaffen wie Granaten, Raketen und Schaum sind limitiert, werden jedoch in häufig auftauchenden Sicherheitsräumen, ähnlich wie in Resident Evil die Zimmer mit der Kiste, schnell wieder aufgefüllt. Auch besiegte Gegner hinterlassen neben Verbandskisten Muniton für Spezialwaffen. Die gilt es übrigens nicht nur gegen Feinde einzusetzen, sondern auch, um bestimmte Gebiete für sich zu eröffnen. Von enormer Hilfe ist hierbei die Taschenlampe, die Bereiche und Objekte, mit denen sich interagieren lässt (im Sinne von Wegballern) bei Bestrahlung in unterschiedliche Farben taucht. Grün steht dabei für „Lässt sich mit Granaten in die Luft jagen“, Rot für Raketen, Lila für Schaum und Orange für die Primärwaffe. Es lohnt sich also, mit seiner Funzel ständig zu leuchten (obwohl sie Energie verbraucht), denn so lassen sich die zahlreichen geheimen Items finden, die die maximale Anzahl an Munition für alle Spezialwaffen erhöhen. Besonders versteckt sind die Gegenstände, die eure Verteidigung oder Lebensenergie erhöhen. Gerade Lebensenergie kann man als Einzelkämpfer in einer Station voller respawnender Gegner gut gebrauchen. Findet man alle Lebensenergie-Kanister, steigt das Durchhaltevermögen von 100 auf 1000 Punkte – es lohnt sich also die Augen offen zu halten. Des Weiteren findet man noch Goldbarren und Schlüsselkomponente. Beide scheinen Bonusitems zu sein, die erst beim Komplettieren der Sammlung den Spieler einen Vorteil gewähren. Der Hinweis, dass man am Ende des Spiels zu 90 Prozent kampfbereit sei, lässt darauf schließen, dass besonders erkundungsfreudige Naturen mit den restlichen 10 Prozent belohnt werden (ich werde es die nächsten Tage mal versuchen). Am Ende strotzt unser Held nur so vor Fähigkeiten, dass man als Neuling dieses Genres ein wenig den Überblick verlieren könnte. Dreifachsprünge, Hakenwurf, Speedrun, Bodenstampfattacke, Wechsel zwischen den Sekundärwaffen – das alles will geübt sein und kann es auch. In Testkammern, die unterschiedliche Anforderungen an den Spieler stellen, kann man die Bewegungsabläufe üben, um das Gelernte in der Hauptmission anzuwenden – ich empfehle jedem Spieler einen Besuch dieser Traningsstätten (Achievements!).
Kluge Karte
Da man bei seinem ersten Trip durch ein Gebiet nicht immer gleich an die Bonus-Gegenstände kommt, sich aber nicht alle Fundorte aufschreiben/merken kann, werden alle Punkte auf einer übersichtlichen Karte markiert, sodass man beim Erhalt der nötigen Waffe, an Ort und Stelle zurückkehren kann, um den Schatz zu bergen. Missionsziele und Weg, um sie zu erfüllen werden per Knopfdruck durch eine blaue Linie angezeigt – wirklich verlaufen kann man sich in Shadow Complex also nicht. So gelangt man von einem Schlüsselelement, das die Story vorantreibt zum nächsten, während die Zwischensequenzen, die, man darf nicht vergessen, dass wir es hier mit einem Arcade-Titel zu tun haben, nicht gerade bombastisch inszeniert sind, die Geschichte weiterzählen. Das Ende ist angesichts der überragenden Fähigkeiten des Helden nicht gerade angemessen, da man nie wirklich in arge Bedrängnis gerät – vielleicht hilft es hier den Schwierigkeitsgrad anzuheben, was sich übrigens nahtlos über das Optionsmenü machen lässt. Generell auf einer schwierigeren Stufe zu spielen hat in sofern den Vorteil, dass man schneller Erfahrungspunkte sammelt. Hat man genug durch das Erkunden von unbekannten Gebieten, Zerstören von Objekten oder Feinden gesammelt, steigt man im Level auf und verbessert sich in den Kategorien „Präzision“ oder „Ausdauer“ - oder aber man bekommt 100 Lebenspunkte extra spendiert. Auf „Normal“ beendet man Shadow Complex auf Level 15 – 50 ist das Maximum und lässt sich nur auf dem Schwierigkeitsgrad „Insane“ erreichen (dafür gibt es dann auch wieder Gamerscore). Zum Glück speichert das Spiel kurz vor dem Endfight ab, sodass man immer noch die Gelegenheit hat, weiterzulevelen oder alle Gegenstände zu finden. Freunde, die den Komplettierungsgedanken verfolgen (dazu gehöre ich), kommen also auf ihre Kosten.
SO nutzt man die Unreal Engine
Natürlich kommen aber auch Grafikfetischisten auf ihre Kosten. Shadow Complex gehört zu den bestaussehenden Xbox LIVE Arcade-Spielen PUNKT. In der aktuellen Generation kann höchstens ein Trial HD dem Epic-Actiontitel das Wasser reichen. Die Unreal Engine zeigt, dass sie in den Händen ihrer Schöpfer weitaus mehr leisten kann, als es Dritthersteller mit ihren „Interpretationen“ vorgeben. Die Umgebung strotzt vor Details, rasante Kamerafahrten etwa bei einem Nahkampfangriff, der den Gegner sofort erledigt, zeigen, dass auch die Charaktermodelle äußerst detailliert designt wurden. Der Sound steht der Grafikqualität in nichts nach, der martialische Klang der experimentellen Waffe klingt genauso überzeugend, wie der folgende Todesschrei des Opfers, dessen Qualen durch einen Sturz in den Abgrund verlängert werden. Musikalisch wird Shadow Complex dynamisch unterlegt. Während man also zu leicht melancholischer Klaviermusik durch einen überschwemmten Abschnitt taucht, der mit Wasserleichen gespickt ist, schießt das Adrenalin in heftigen Feuergefechten durch die treibenden Beats noch schneller durch die Gefäße. Hier hat „Stuhl“ alles richtig gemacht.
Pro und Contra
- + Metroid-Prinzip greift einfach immer
- + Gute Kartenfunktionen
- + Es gibt viel zu entdecken
- + Am Ende ist man der Checker
- - Teilweise schwache Bossfights
- - Zwischensequenzen sind mau
- - KI setzt manchmal aus
Shadow Metroid
AreaGames ist ja nicht gerade dafür berühmt Xbox LIVE Arcade-Spiele zu testen, aber bei Shadow Complex hat es sich wirklich gelohnt. Die Mischung aus Super Metroid und „Black Hawk“ (der alte Blizzard-Titel für das SNES) in ein HD-Gewand gepresst, macht einfach süchtig. Das eingängige Gameplay, der gute Service (die Map, die verborgene Items und Missionsziele anzeigt), der jederzeit veränderbare Schwierigkeitsgrad und gut designten Levels machen Shadow Complex zu einem der besten XBLA-Spiele, das sich ratzfatz durchspielen lässt. Da stören auch nicht die bisweilen unspektakulären Bossfights und teilweise unfairen Savepoints nicht. Zum Glück gibt es noch genug Geheimnisse (die letzten 10 Prozent), die man nach dem Durchspielen der (zugegeben durchschnittlichen) Story lüften kann, sodass sich zu den 5-8 Stunden Spielzeit noch einmal 2-3 dazugesellen können. So viel Gameplay, so viel Spielzeit und so viel Klasse für „nur“ 1200 Microsoft Points. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld.
Bewertung
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Kommentare (39)
Rhys
also werde ich mir es holen
Poppel
da ghört meiner meinung nach auch Trails HD dazu:)
007Andre
Und Shadow Complex erinnert mich irgendwie an Undertow...
lightning
Deshalb werd ich es mir wahrscheinlich auch holen. :)
hotspot
Super Test, ist gekauft ;)
CeeKay
Zum Testbericht: Das Game hört sich wirklich schick an für die paar Kröten die es kostet. Da verlangen so manch andere Namco Spielesammlungen einen tieren Blick in den Geldbeutel.
Wird es wieder ein Gewinnspiel geben?
kalumet72
Timbosteron
Und dann noch 'nen Koop-Modus per Patch nachschieben. Bitte! :D