Shadow Ops - Red Mercury

19.01.2007 10:21
Shadow Ops - Red Mercury


Während es in den letzten Jahren schwer in Mode gekommen ist, sich lautlos an Gegner heran zu schleichen, dabei stets im Schatten zu bleiben und die Zahl der Opfer möglichst gering zu halten, sind reine Action-Shooter beinahe unter Artenschutz geraten. Mit Shadow-Ops Red Mercury bietet Atari allen Action-Fans endlich wieder neues Material aus der vernachlässigten Action-Ecke. In der Rolle von Ledernacken Frank Hayden ballern wir uns in knapp 24 Missionen durch diverse Krisengebiete, und erleben dabei eine der besten Soundkulissen, die je auf der Xbox zu erlauschen waren.

Entwickler Zombie ist kein Neuling im Militär-Shooter Genre. Schon auf der Playstation konnten sie mit Spec Ops ein aktzepables Ergebnis abliefern, dass sich allerdings in keiner Disziplin besonders hervor tat, und wohl nur bei wenigen Spielern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Mit Shadow Ops präsentiert Zombie nun einen geradlinigen Action-Shooter, der von jedem taktischen Ballast befreit wurde und dabei in den Fußstapfen von Titel wie Medal of Honor oder Call of Duty wandert. In der Rolle der Spielfigur Frank Hayden jagt man quer durch Krisenschauplätze auf der ganzen Welt, um ein Gruppe von Terroristen daran zu hindern, eine transportable Atombombe (eben die „Red Mercury“) zu zünden. Wer hat da auch behauptet, dass Action-Spiele eine originelle Hintergrund-Geschichte auchen…

Innovative Steuerung

Die Steuerung von Shadow Ops entspricht weitgehend der bekannten Xbox-Shooter, bietet jedoch ein neues Element, das durchaus von zukünftigen Spielen übernommen werden sollte: Mittels des linken Abzuges zoomt ihr auf eure Gegner und könnt euch gleichzeitig mittels des linken Analogsticks zur Seite lehnen. Da Shadow Ops euch massig Deckungsmöglichkeiten bietet, erscheint dieses Feature zu anfangs auch als ausgesprochen sinnvoll, krankt jedoch an der KI eurer Gegner: Denn auch wenn ihr euch nur vorsichtig um die Ecke lehnt, scheinen euch die Gegner sofort zu bemerken und feuern was die Terroristen-Waffenschränke hergeben. Begriffe wie „heranschleichen“ können Shadow-Ops Spieler damit getrost aus dem Wortschatz streichen.

Taktische Elemente sind in Shadow Ops daher fehl am Platze: Das Spielprinzip lässt sich auf eine einfache Formel reduzieren: Deckung suchen, die auf euch stürmenden Gegner erledigen und weiter zu nächsten Deckung rennen. Zwischendurch sollte jede Ecke des Levels nach Medkits und Munition durchsucht werden, da euch ansonsten bereits ab dem 2. Schwierigkeitsgrad sehr schnell die Munition ausgeht und ihr euren Gegner nur noch mit leeren Händen entgegen rennt. Zwar könnt ihr eure Waffen auch im Nahkampf benutzen, da jedoch fast alle Gegner wild um sich schiessend auf einen zugerannt kommen, habt ihr nur selten Gelegenheit, die Waffe zu schwingen, da eurer Spielfigur schon vorher die Körperflüssigkeit aus diversen Öffnungen läuft, und ihr den Level von vorne starten könnt.

Frustquelle Speicherpunkt

Von vorne starten? Richtig gehört. Shadow Ops bietet keinerlei Speichermöglichkeiten, wer in einem der 24 Levels das zeitliche segnet, darf nach einer langwierigen Ladezeit wieder am Anfang der Mission beginnen. Da ein Level teilweise bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen kann, ist Frust oftmals vorprogrammiert: So gibt es immer wieder Trial & Error Abschnitte, in denen ihr unvorbereitet in eine Horde Gegner stürzt, oder von einem der zahlreichen geskripteten Ereignisse überrascht werdet. Wer bei seinem Ableben kurz vor Abschluss einer Mission stand, und sich nun wieder durch 20 Minuten Dauerfeuer-Action kämpfen muss, hat dabei sicher kein Lächeln mehr auf den Lippen. Einige Speicherpunkte hätten hier sicher nicht geschadet, zumal sie auf Wunsch in höheren Schwierigkeitsgraden auch deaktiviert werden könnten. So erscheinen die fehlenden Speichermöglichkeiten vor allem als Mittel, die Spielzeit künstlich in die Länge zu ziehen, was anbetracht der zahlreichen und abwechslungsreichen Missionen gar nicht nötig gewesen wäre.

Ihr durchquert auf eurer Reise viele verschiedene Umgebungen, von dichten Dschungeln und Dörfer im Nahen Osten, über einsame russische Aussenposten bis hin zur malerischen französischen Hauptstadt Paris. Alle Level bieten eine große Anzahl von gescripteten Ereignissen, die der filmreifen Präsentation des Spiels dienen und für viel Abwechslung sorgen. Das Hollywood vor allem mit Streifen aus der Jerry Bruckheimer-Collection Pate stand, ist schon der ersten Mission deutlich anzumerken: Wie in Black Hawk Down findet ihr euch in einem erbitterten Häuserkampf wieder, in dem aus allen Richtungen auf euch geschossen wird. Neulingen dürfter dieser Spieleinstieg einige Sorgen bereiten, da die ersten beiden Missionen mit zu den schwersten aus dem gesamten Spiel gehören. Derart schweren Kreuzfeuer, wie euch in den Anfangsmissionen um die Ohren fliegt, müsst ihr euch im späteren Verlauf nur selten aussetzen.

Hart im Nehmen: Eure Kameraden

Damit ihr nicht so einsam unterwegs seid, stehen euch bei knapp der Hälfte der Missionen Teamkameraden zur Seite. Dank der schwachen KI eurer Kollegen sind diese allerdings nur als stimmungsfördernde Statisten zu betrachten. Selbst die Entwickler schienen ihren KI-Soldaten nicht richtig zu vertrauen und statteten sie sicherhaltshalber mit Unverwundbarkeit aus: So können die Kameraden weder von euch, noch von den Gegnern getöten werden, was diese zumindest zu ahnen scheinen, da sie ihr Feuer meist hauptsächlich auf den Spieler konzentrieren. Kommandos könnt ihr den Kollegen auch nicht erteilen, die daher meist ein paar Schritte hinter euch laufen und euch bei Bedarf mal eine Tür aufschließen.

Grafisch reißt Shadow Ops 2004 keine Bäume mehr aus. Das Spiel basiert auf der Unreal-Engine, bietet allerdings weder bei den Charaktermodellen noch bei den Texturen übertriebene Detail-Liebe. Vereinzelt stolpert man über einige ausgesprochen hübsche und detailreiche Texturen, der Rest des Spiels kann jedoch nicht mehr ganz mit aktuellen Titeln wie Splinter Cell mithalten. Da ihr durch dauernden Feindbeschuss jedoch meist mit anderen Dingen beschäftigt seid, als euch in Ruhe die Muster in den Gardinen anzugucken, fallen kleinere grafische Mängel nicht weiter ins Gewicht. Störend sind da eher kleinere Ruckler, die bei hohen Feindaufkommen den Spielfluss etwas ins Stocken ingen. Das Spiel kommt komplett ohne Blut aus, wer dabei an Zensurmaßnahmen zu Gunsten deutsche Behörden denkt, liegt ausnahmsweise falsch: Auch die US-Version des Spiels verzichtet zugunsten einer niedrigen Alterseinstufung auf rote Farbe.

Es gibt was auf die Ohren

Während die Grafik also durchaus nur in der zweiten Liga spielt, ist das Spiel akustisch bereits in der Champions League angekommen. Zum einen ist das Spiel THX zertifiziert, und tritt damit den erfreulichen Beweis an, dass sich nicht nur EA das Gütesiegel von George Lucas Tonstudio leisten kann. Zum anderem wird im Spiel mittels 5.1 Unterstützung eine Geräuschkulisse erzeugt, die in Dynamik und Raumklang durchaus mit Hollywood-DVDs mithalten kann. Wer zu Hause über das entsprechende Material verfügt, erhält mit Shadow Ops eine Sound-Demo, die sogar bisherige Referenztitel wie Halo oder Medal of Honor in seine Schranken weisen kann. Das Spiel ist komplett lokalisiert, wer sich jedoch die etwas lustlose deutsche Synchro sparen möchte, kann alternativ auf die bessere englische Sprachausgabe wechseln.

An der Multiplayer-Front, in der Platzhirsche wie Rainbow Six und Splinter Cell PT bereits ihr Revier markiert haben, tut sich Shadow Ops schwer: Via Splitscreen kann auf 10 besonderen Karten (die an Missionen der Solo-Spieler-Kampagne angelehnt sind) im Koop-Modus gegen die feindliche Übermacht vorgegangen werden. System-Link und Xbox Live werden auch unterstützt, maximal 8 Spieler können sich in Standard-Deathmatches oder der Vip-Eskorte unter Beweis stellen. Die starke Actionlastigkeit von Shadow-Ops verbunden mit einer ungenauen Trefferzonen-Abfrage machen Shadow Ops allerdings zu keinem Anwärter auf den Multiplayer-Thron. Shadow-Ops Stärken liegen eindeutig im Single-Player Bereich.

„Unterhaltsames Popcorn-Kino ohne Anspruch“

(Meinung » Alexander Laschewski)

Wer Bad Boys, Con Air und Pearl Harbor mochte, wird Shadow-Ops lieben. Taktische Schleichmanöver können hier getrost in der Schublade bleiben, dafür bietet Ataris Shooter jedoch beste Unterhaltung für Action-Fans. Langeweile und Leerlauf sind in Shadow Ops ein Fremdwort: Die Missionen sind zahl- und actionreich, auch wenn sich einige Spieler dank fehlender Speicherfunktion in einigen Abschnitten länger aufhalten werden, als ihnen lieb ist. Dafür bieten nur wenige Spiele eine derart Hollywood-reife Geräuschkulisse, die mit der richtigen Heimkino-Ausstattung für Kino-Stimmung in den eigenen vier Wändern sorgt. Anbetracht der bombastischen Action können Genre-Fans über kleinere Schwächen in der Gegner-KI hinwegsehen und bekommen mit Shadow Ops gelungene Unterhaltung für 10-15 Stunden.

Wer jedoch einen taktischen Actiontitel mit Spieltiefe und hohem Wiederspielwert sucht, sollte lieber bei Tom Clancy bleiben. Wer aber auf einen langfristig fesselnden Multiplayer-Part verzichten kann und über eine zünftige Surround-Anlage verfügt, sollte sich Shadow Ops Red Mercury auf keinen Fall entgehen lassen. Eure Nachbarn werden begeistert sein…

Bewertung

Shadow Ops - Red Mercuryxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.