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Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper

Donnerstag, 13. August 2009
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15:03 Uhr - „Kombiniere Watson ...“ Welcher Sherlock Holmes-Fan hat sich nicht schon einmal gewünscht in die Rolle des berühmtesten Detektivs der Welt zu schlüpfen, oder zumindest an seiner Seite vertrackte Fälle zu lösen? In „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ könnt ihr sogar beides und müsst euch dabei noch dem brutalsten Mörder in der Geschichte Englands stellen. In unserem Test verraten wir euch, ob es sich lohnt mit dem Besserwisserduo auf Verbrecherjagd zu gehen, oder ob die beiden lieber in ihrer Männer-WG in der Bakerstreet Pfeife rauchen sollten.

Comic-Leichen

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"Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper" spielt sich wie ein klassisches Adventure. Das Spiel lässt euch abwechselnd in die Rolle von Holmes und seinem treuen Helfer Sam ... pardon Dr. Watson schlüpfen, um den grausamen Morden, die im London des späten 19. Jahrhunderts passieren, nachzugehen. Die werden von Jack the Ripper begannen, dessen Bluttaten sich vornehmlich gegen mittellose Prostituierte richteten. Verstörend: Der Spieler schlüpft passiv in die Haut des Massenmörders und erlebt das Töten aus der Ich-Perspektive. Klar, warum „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ eine Alterseinstufung von 12 Jahren bekommen hat. Beim Untersuchen der Leichen werden die Körper übrigens als eine Art Comic-Zeichnung dargestellt. Das ist in sofern begrüßenswert, da sicherlich nicht jeder von euch, die angeschwollene Zunge einer Toten unter einer Lupe in der doch recht detaillierten Spielegrafik betrachten möchte.


KLondon

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Bewegen kann man sich durch das virtuelle London, das zwar reich bevölkert wird, die Menschen jedoch einer Klonfabrik mit nur 5 unterschiedlichen Modellen zu entstammen scheinen (es ist mir schon öfter passiert, dass drei Kerle mit derselben Kleidung und einer Weinflasche auf mich zukamen), auf zwei Arten. Entweder man wählt die klassische Third-Person-Perspektive und lässt die beiden Detektive durch Klicks auf den Boden zum gewünschten Ort, in nicht ganz so ansehnlichen Animationen, staksen, oder aber ihr wechselt mit einem Druck auf die mittlere Maustaste in die Ego-Perspektive und dirigiert euren Schützling per WASD zur richtigen Position. Mit einem Druck auf die Feststelltaste wechselt der Charakter in den „Dauerrenn“-Modus. Das erwähne ich nur deswegen, weil nach jedem Besuch in einem Haus, der nebenbei von einer kurzen Wartezeit eingeläutet wird, die Belegung umgekehrt ist. Ein erneuter Druck auf die Feststelltaste behebt dieses Problem jedoch. Leider ist die Steuerung aus der Ich-Perspektive nicht so präzise, wie der Kollege aus der übersichtlichen Ansicht. Man bleibt gerne an unsichtbaren Barrieren hängen und auch die Passanten, deren Sprachrepertoire sich auf knapp 10 Sätze beschränkt („Ich rede nicht mit ihnen. Gehen sie weiter“ ,„Komm' Süßer und lass dich verwöhnen!“) vervollständigen ihr Bild, dass sie nicht von dieser Welt sind, mit der Möglichkeit, den Spieler IRGENDWIE festzuhalten. Um schneller vorwärtszukommen, empfehle ich dennoch die Ich-Perspektive.


Holmes der Botenjunge

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Das Spielgeschehen läuft in „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ folgendermaßen ab: Holmes und Watson chillen in ihrer WG, lesen Zeitung und denken über den momentanen Status ihrer Nachforschungen nach. Dann findet ein Mord statt, woraufhin beide zum Tatort eilen und ihn auf verdächtige Spuren untersuchen. Mit einer Lupe sucht der Spieler die Umgebung ab und notiert alles Unnormale (Blut, Leichen, fehlende Ringe). Hat man alle Indizien gefunden, wechselt das Spielgeschehen in eine Art Mindmap. Sämtliche Hinweise, die mit dem Tatbestand in Verbindung stehen, werden auf diesem Brett so angeordnet, dass sie miteinander verknüpft neue Schlussfolgerungen ergeben, die man aus einem Pull-down-Menü auswählt. Hat man alles richtig eruiert, konkludiert Holmes das Wesentliche noch einmal heraus und weiter geht es. Zwischendurch warten kleine „Nebenmissionen“, die mit der Hauptaufgabe, einen Schwerverbrecher, der einfach nur irre ist und Gebärmütter aus den Körpern Prostituierter schneidet, nichts zu tun haben. So muss man den wertvollen Spazierstock eines Bordellbesuchers finden, oder aber die Tasche eines Polizeibeamten öffnen (in einem furchtbaren Minispiel, das euch bei der Lösung völlig alleine lässt, kleiner Tipp: Die „1“ muss oben stehen.). Die meisten Aufträge löst man eigentlich dadurch, dass man von einem Punkt zum nächsten reist (durch die Schnellreisefunktion auf der Karte funktioniert das hervorragend), mit einer Person spricht und zur nächsten dackelt. Wirkliche Adventure-Rätsel im Stile eines „Schlage zwei Aale aneinander, um zur Katzeninsel zu kommen“ werdet ihr hier nicht finden. Die einzigen Kopfnüsse, die man als Spieler zu knacken hat, sind die zahlreichen „Minispiele“ (wie das besagte Öffnen der Tasche), die recht häufig in das Spielgeschehn eingestreut werden und für ein wenig Abwechslung zwischen den ganzen Laufpassagen sorgen. Mein Highlight ist das Nachstellen des Mordes mit Dr. Watson als Dummie. In dieser unfreiwillig komischen Sequenz gilt es herauszufinden, ob der Mörder sein Opfer nun im Stehen, Liegen, mit bloßen Händen usw. umgebracht hat. Spätere Spielereien wie das Zusammenbauen eines Spazierstocks fallen dagegen schwach aus.


Verruchtes London

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Lesefaule Menschen sollten gewarnt sein, denn „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ ist sehr textintensiv. Zum Glück wird jeder Dialog hervorragend vertont, obwohl wir uns fragen, warum relativ bekannte Stimmen für Nebencharaktere benutzt wurden, während Holmes und Watson von unbekannten Sprechern vertont werden. (Bevor wir es vergessen, die Klonarmee auf den Straßen Londons teilt sich neben ihrem Aussehen auch einen Pool von gefühlten fünf Stimmen). Die Zeitungstexte und andere Notizen muss man sich dagegen selbst durchlesen, sie tragen jedoch eher zur Rahmenhandlung bei, als dass sie von elementarer Bedeutung sind. Grafisch gehört „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ sicherlich zu den hübschesten Adventures unserer Generation, wenn man die nötige Rechenpower besitzt. Auf den höchsten Einstellungen wird man mit scharfen Texturen, gut animierten Gesichtern und realistischen Lichtverhältnissen belohnt, die das London des 19. Jahrhunderts glaubwürdig in Szene setzen. Auch die Soundkulisse, die den Spieler im Hintergrund beschallt, schafft es die Atmosphäre des verruchten Viertels, in dem wir investigativ unterwegs sind, zu transportieren. Auf die Dauer nervt es aber schon, wenn alle zwei Minuten eine Frau, in derselben Tonlage immer und immer wieder um ihr Leben schreit. Kombiniert man das mit den ganzen Alkoholleichen, die in so ziemlich jedem Hausflur von London ihren Rausch ausschlafen, hat man das Gefühl, dass Englands Hauptstadt ein Sammelsurium von Besoffenen, Prostituierten und vergewaltigen Frauen ist.


Pro und Contra

  • + Zwei Perspektiven
  • + Gute Sprecher
  • + Einige Rätsel sind gut
  • + Schnellreisefunktion
  • + Hübsche Grafik
  • - ..., die beide ihre Macken haben
  • - ..., aber zu wenige
  • - ..., andere nicht
  • - Viele Laufaufträge
  • - Magere Lauf-Animation

Gut kombiniert

„Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ hat es mir nicht leicht gemacht. Grafisch macht Frogwares Machwerk einiges her, wenn ich aber das Gefühl habe, von einer Klonarmee umgeben zu sein, die nichts zur Handlung beiträgt und immer die gleichen Sprüche vom Stapel lässt, dann geht für mich die doch gut aufgebaute Atmosphäre flöten. Der erzählerische Kniff, die Morde aus der Sicht von Jack the Ripper zu erleben, zeigt, dass sich die Entwickler wirklich Gedanken gemacht haben, und auch einige Rätsel stechen aus dem kniffeligen Einheitsbrei des Genres heraus. Trotzdem reichen diese Beschäftigungsmaßnahmen nicht aus, vom doch recht seichten und linearen Gameplay abzulenken. Meistens rennt man von einem Ort zum anderen, hakt ein Gespräch ab usw. Das ist für ein Adventure mit Sherlock Holmes als Hauptdarsteller einfach zu wenig. Was mir sehr gut gefallen hat, sind die Passagen, in denen man Aussagen miteinander kombinieren muss. Hier ist tatsächlich Hirnschmalz gefragt und gehört zu den Highlights des Spiels. Die Story um Jack the Ripper wird düster und überzeugend präsentiert, sodass man sich am Ende von „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ tatsächlich freut, das Monster zu stellen. Wer auf seichte Rätselkost steht, sich dabei relativ intellektuell berieseln lassen und wie der beste Detektiv der Welt fühlen möchte, der kann sich den Titel gerne auf die Festplatte packen.

 

 

zur Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper Bildergalerie »

Ein paar neue Screenshots, anlässlich der Ankündigung einer 360-Version mehr...


Bewertung

Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper pc

7/10

 

Kommentare (4)

 Kommentar-Tippse 500 Liebling der Massen 500 Fragefreund Wishlist 100 Now Playing 20 Kommentarklicker 500 MyGames Liste 20 Kommentar-Tippse 50
13.08.2009 20:07 - Sehe ich alles auch so, interessant .... :)
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14.08.2009 04:44 - >>>Meistens rennt man von einem Ort zum anderen, hakt ein Gespräch ab usw. Das ist für ein Adventure mit Sherlock Holmes als Hauptdarsteller einfach zu wenig.<<<

Das ist aber genau das, was man in allen anderen Sherlock Holmes - Adventures auch schon gemacht hat.

Ich werde ein paar Monate warten, und dann zum Budgetpreis zuschlagen; unterhalten werde ich auf jeden Fall. Solange überbrücke ich mein Adventurefaible mit >Edna bricht aus< (mir ist erst jetzt das Wortspiel darin aufgefallen), das ich bisher nicht so Recht wahrgenommen hatte.
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14.08.2009 19:22 - Im Test heißt es:

"Zum Glück wird jeder Dialog hervorragend vertont, obwohl wir uns fragen, warum relativ bekannte Stimmen für Nebencharaktere benutzt wurden, während Holmes und Watson von unbekannten Sprechern vertont werden."

Das dürfte daran liegen, daß die Sprecher schon in den Vorgängerversionen Holmes und Watson gesprochen haben. :)
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23.08.2009 13:25 - Das ist mit Sicherheit ein Spiel, dass sich vom Mainstream abhebt... Jetzt ist die Frage, Xbox oder PC Version?
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