Singularity
12:44 Uhr - Das nennen wir solide: In diesem Jahr feiert Entwickler Raven bereits seinen 20. Geburtstag. Und während sich andere Studios während so einer Zeitspanne entweder im Jahresrhythmus auflösen, um sich anschließend mit einem cooleren Namen neu zu gründen oder schlimmer noch, lediglich Xbox 360 Avatare basteln und ihre Firmenlogo umgestalten, herrscht bei den Raben noch solide Handwerkszunft. Passend zum Geburtstag melden sich die Shooter-Veteranen mit Singularity, einem rundum gelungenen Actionspiel zurück, der zwar keine Innovationen mitbringt, dafür aber eine sehr schmackhafte Mischung geliebter Spielelemente bietet.
Worum geht’s?
Der Spieler schlüpft in die Rolle eines US-Soldaten, der im Jahr 2010 zu einer kleinen russischen Insel geschickt wird, aus der seltsame Strahlungsphänomene gemeldet werden. Der Anflug via Helikopter verläuft wie in solchen Spielen üblich, soll heißen, ausgesprochen ruppig: Der Heli stürzt nach einer plötzlichen EMP-Welle ab, der Spieler schafft es gerade noch aus dem Wrack zu klettern. Mittlerweile hat man echt Probleme, sich an Spiele zu erinnern, wo man normal aus einem sicher gelandeten Helikopter aussteigt. Von Daniels Helikopter-Phobie ganz zu schweigen. Praktischer Weise ist man ziemlich genau an den Docks der Insel genotlandet, so das man sich nach ein paar Schritten in einem Gebäudekomplex mit dem Sinn der Anlage vertraut machen kann. 1955 haben die Russen auf diesem Eiland nämlich das Element 99 entdeckt, eine Substanz, die es nur dort gibt und die vielfältig einsetzbar ist: Als Energiequelle, Zeitmanipulator oder Mutagen. Schaut man sich aber den Zustand der Anlage an, stellt man schnell fest, das vor 55 Jahren wohl alles nicht so glatt gegangen ist. Alles wirkt zerfallen und staubig, quasi ein Rapture ohne Wassereinbruch.
Doch als Spieler ist man keine 20 Minuten unterwegs, als man durch einen seltsamen Riss im Raum-Zeit Kontinuum in das Jahr 1955 gesaugt wird. Und obwohl der Abstecher nur kurzer Natur ist, reicht die Zeit um einen verletzen Mitarbeiter aus einem brennenden Büro zu retten. Wieder in die Gegenwart zurückgekehrt, zeigt sich, dass zuviel Nächstenliebe auch verkehrt ist: Man hat ausgerechnet einen russischen Mini-Hitler gerettet, der dank seines Überlebens nun mit E99 die Weltherrschaft übernimmt. Es bleibt also am Spieler, die Insel lebendig zu verlassen, sich dabei mutierten Einwohnern und Soldaten des neuen russischen Weltreiches zu erwehren und gleichzeitig noch in die Vergangenheit zu reisen um die Geschichte seit 1955 wieder in die richtige Bahn zu lenken. Es gibt also viel zu tun.
Ein Shooter der alten Schule
Singularity ist ein Egoshooter. Wer Wolfenstein, Ravens letztes Spiel, gezockt hat, wird sich schnell wieder an die eigenartige Oldschool-Steuerung erinnern, die auch Singularity inne wohnt. Hier wird sich noch gebückt, wenn man beschossen wird. Kein automatisches in Deckung kriechen. Kein Autoaim. Keine Lebensernergie, die sich regeniert, wenn man sich lange genug hinter einer Holzkiste versteckt. Stattdessen drei Schwierigkeitsgrade, bei dem schon der „normale“ angenehm fordernd ist. Stattdessen klassische Healthkits. Bequem durch ein Waffenarsenal von 12 Knarren scrollen, die ihr in eurem Zauberrucksack habt? Nicht mit diesem Spiel, Sir. Zwei Waffen eurer Wahl habt ihr dabei, sonst nichts. Aber auch wenn Raven eindeutig die hartgesottenen Core-Gamer im Auge hat, ist man sich nicht zu schade, sich quer durch den Gemüsegarten bei anderen Spielen zu bedienen. Vor allem Bioshock und Half Life 2 fallen dabei ins Auge. Statt Plasmiden findet der Spieler nach knapp einer Spielstunde das ZMG. Das Zeitmanipulationsgerät. Nicht nur, dass man mit dem schicken Geräte Gegenstände, die mit E99 gebaut worden sind, rapide altern lassen kann, mit der handlichen Armwaffe kann man auch Gegenstände durch die Gegend schweben lassen, wie es die Gravity Gun bereits vor Jahren vorgemacht hat. Außerdem im Funktionsangebot: Eine Zeitblase, in der alles langsamer abläuft, und eine Schockwelle, die Gegner von euch wegstößt.
All die Funktionen des ZMG werden vor allem für kleinere Rätsel genutzt. So müssen Kisten oft via Zeitmanipulation verkleinert werden, damit sie durch einen Spalt passen, um an anderer Stelle wieder in ihren Ursprungszustand gebracht zu werden, wo sie euch zum Beispiel als Stufe dienen. Okay, Singularity ist kein Portal, ihr müsst euch also keinen Sorgen um die grauen Zellen machen. Trotzdem sind die Rätsel eine erfrischende Abwechslung zwischen den meist sehr spannenden Schusswechseln
Natürlich dürfen auch keine kleinen Rollenspielelemente fehlen. Sowohl das ZMG als auch eurer Waffenarsenal können aufgerüstet werden. Während die Waffen mit Upgrades-Sets stärker und genauer gemacht werden (Gruß an die „Power to the People“ Stationen) bietet das ZMG zahlreiche kleine Verbesserungen, vorausgesetzt ihr sammelt in den Leveln immer fleissig E99 Elemente ein. Dann könnt ihr eure Lebensernergie verbessern, den Vorrat an Healthpacks vergrößern, etc. Keines dieser Spielelemente wird euch irgendwie neu vorkommen. Auch nicht die Audiofiles, die ihr findet. Oder die Flashbacks, die euch anhand von Geistern Ereignisse der Vergangenheit zeigen. Oder die netten Filmchen, die sich auch nach 50 Jahren noch abspielen lassen und die Entstehungsgeschichte der Anlage zeigen. Aber warum sollte auch Raven nicht auf Spielelemente zurückgreifen, die Spieler in anderen Titeln schätzen? Vermutlich hätte ein reiner Shooter ohne diese Spielelemente im Jahr 2010 gar keine Existenzberechtigung mehr.
Er ballert und ballert und ballert
Ja, Singularity ist der Volkswagen unter den Shootern. Von außen nicht so aufregend und innovativ wie die Konkurrenz, aber innen solide Arbeit mit hohen Wohlfühlfaktor. Grafisch bietet Singularity die gewohnte Optik, die ein auf der Unreal-Engine basierendes Spiels heutzutage mitbringt. Es liegt visuell knapp hinter Spielen wie Bioshock und Batman Arkham Asylum, bietet aber auch immer wieder ein paar nette Effekte, wie schicke Wassereffekte auf Gegenständen und natürlich die diversen Zeitmanipulationen, die optisch immer ansprechend umgesetzt sind. Der Soundtrack passt zum Geschehen und die deutsche Sprachausgabe ist ordentlich, hier sind wohl die selben Sprecher am Werk, die sonst die Call of Duty Reihe vertonen: Eine der ersten Stimmen, die ihr hört, ist die von Captain Price.
Natürlich wird fast niemand den Multiplayer länger als 20 Neugier-Minuten ausprobieren, was vermutlich auf alle aktuellen Shooter zutrifft die kein Duty oder Battlefield im Namen haben. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, den hier werden ohnehin nur zwei Modi geboten: Extermination und Creatures vs. Soldiers in dem zwei Teams gegeneinander antreten. Schwerpunkt bleibt bei Singularity aber klar der Singleplayer-Modus.
Pro und Contra
- + Gelungener Oldschool Shooter
- + Greatest Hits bekannter Spiele-Elemente
- + Technisch ausgereift
- + Spannende Schusswechsel
- - Innovationen haben Urlaub
Perfektes Futter für Shooter-Liebhaber
Singularity ist ein perfektes Spiel für alle Coregamer, die mit ängstlichen Blicken auf die „Vercasualisierung“ ihres Hobbies schauen. Ohne großartige Innovationen mischen die Jungs von Raven ein Best of aus verschiedenen Spielelementen von Bioshock, Timeshift und Half Life 2 zusammen, das aber dank des halbwegs originellen Settings und der netten Zeitreisen weitaus mehr Spaß macht als ihr letzter Titel „Wolfenstein“. Vor allem Spieler, die vom weichgespülten F.E.A.R. 2 enttäuscht waren, dürften mit Singularity eine Menge Spaß haben. Wem dieses Genre allerdings schon seit Quake 4 zu ausgelutscht ist, der sollte sich den Trip nach Katorga 12 wohl lieber sparen.
Eine klare Entwarnung an der Schnittfront. Auch wenn die UK-Fassung des Spiels als Uncut beworben wird, fallen auch in der deutschen Version keinerlei „Beschneidungen“ ins Gesicht. Es wird geblutet, es wird gebrannt und es werden Körperteile verloren. Man würde jetzt am liebsten „Prima“ sagen, wenn man dann nicht wie ein hirnverbrannter Psycho dastehen würde. Wer also lieber eine deutsche Sprachausgabe haben möchte, und auf das letzte Promille Gewalt verzichten kann, greife beruhigt zur deutschen Version des Spiels. Mittlerweile scheint die USK ja ohnehin alles durchzuwinken. Weiter so, Jungs!
Bewertung
Bewertung
Bewertung
Weitere News
Diese Artikel könnten dich auch interessieren:
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
Singularity
Alle bisherigen Screenshots zum Zeitmanipulations-ShooterDie Neuesten User-Tests
Call of Duty: Modern Warfare 3 XBOX360
"Krieg ensteht aus Täuschung" - das sind die ersten Worte in MW3. Ist es Weisheit, Weitsicht oder Zufall das die gesamte Gaming-Welt sich auf MW ...
The Elder Scrolls V: Skyrim XBOX360
Nach, verhältnismäßig bescheidenen, 50 Stunden Spielzeit und nach Beendigung von Hauperquest nebst zweier Gilden wage ich mich an mein...

























Kommentare (27)
Jace
Trotzdem, selbst bei den Genrekönigen wie Half Life oder Call of Duty stellen sich so langsam Abnutzungserscheinungen ein. Da brauche ich keine Standardkost.
bikvik
Drahcir1710
LookMyBullet
Deutsche version ist auch Cut wie ich gehört hab..
big sepp
newdots
Colton
Wurde mal wieder Zeit für solide Shooterkost auf Konsolen, UK-Import ahoi! Zumindest, falls es meine Videothek nicht hat.
DonniDonner
Leoneo