Sonic Unleashed
Dienstag, 09. Dezember 2008
14:14 Uhr - Bevor wir überhaupt richtig loslegen: Begrabt all eure Hoffnungen. Alle. Alle die ihr immer habt, wenn ein neues Sonic Game herauskommt. Ganz besonders jene, die daraus resultieren, dass Sonic Unleashed mal wieder versprach, an den Stil der guten alten Tage anzuknüpfen... und jetzt vergesst bitte auch die „guten alten Tage“ alsbald wieder. Glaubt mir, sonst tut es einfach nur weh, diesen Testbericht zu lesen und sogar noch viel mehr Sonic Unleashed zu spielen. Ehrlich, ich habe versucht, es zu mögen und das weitaus länger, als meine Geduld es eigentlich zulassen wollte. Das Schlimme daran: Je länger ich gespielt habe, umso enttäuschender wurde es eigentlich. Na ja, jetzt habt ihr es hier schon mal klar und deutlich: Wer bis jetzt noch auf Sonic Unleashed als Wiedergeburt gehofft hat, braucht dies also gar nicht erst bis zum Ende dieses Artikels weiter zu tun.
Dr. Eggman + riesiges Raumschiff + Megakanone
...kann nicht gut gehen und das geht es im technisch hervorragenden CGI Intro von Sonic Unleashed natürlich auch nicht. Das notorische Ekelpaket zerschießt Segas Comicversion unsere Erde in mehrere Stücke und bedient sich dabei Sonics Körper als Energiespender. Der daraufhin unter der Werwolfs… verzeihung, Werehogkrankheit leidet. Er kriegt also krallen, spitze Zähne und… Arme aus Gummi, wenn die Nacht anbricht. Ihr habt es bereits gecheckt, um sich vor einem reinen Laufspiel der alten Schule zu drücken, hat Segas Team Sonic wieder mal versucht ein neues Alternativelement zu etablieren. Hoffentlich bleibt’s beim Versuch, denn der Werehog ist nicht nur eine große Geschwindigkeits- sondern auch eine Spaßbremse. In Monstergestalt lauft ihr durch höchst lineare Klotzlevel, in denen hauptsächlich hirnlos herumgekloppt wird. Die freischaltbaren Kombos spielen dabei gar keine Rolle. Man buttonmashed sich durch hordenweise hässliche, variantenarme Froschquallen sowie Roboter und kann gerade bei größeren Feindesmengen ruhig ab und zu mal während des Spielens aufs TV Programm umschalten, ohne Angst um seinen mutierten Igel haben zu müssen. Fordernd und dann gleich nervig wird es nur bei den Endgegnern, die euch oft lange warten lassen, bevor sie den schwachen Moment in ihrem Angriffsmuster offenbaren und auch so enorm viel einstecken können.
Von einem Monster mit dehnbaren Armen erwartet man eigentlich eine gewisse Agilität beim Klettern, nicht so bei Sonic Unleashed. Am meisten irritiert, dass man nie genau weiß, wie weit sich die Extremitäten des Werehogs spannen können. Mal greift er einen mehrere Meter weit entfernten Gegner, kurz darauf reichten seine Arme beim Fall in eine tiefe Grube nicht an die kaum 30 cm. entfernte Festhaltekante. Wobei man hier dann auch noch mal extra darauf achten muss, dass es sich bei der Greifmöglichkeit um eine geeignete Oberfläche handelt. Sonic ist da wählerisch, selbst wenn es um sein Leben geht. Derer hat er nicht unbegrenzt viele und so ist es frustrierend aufgrund defekter Glibberarme oder auch störrischer Kletterkamera ein ums andere Mal hilflos in den Tod zu stürzen. Extrablöd ist dann auch noch, dass die Kontrollpunkte innerhalb eines Levels euch nach jedem Ableben ziemlich weit zurücksetzen und das Spiel dazu noch alle Gegner respawnen lässt.
"Armeen von Geisterschwabbelfrösche verschiedener Größen, hier komme ich noch mal! Und NOCH MAL! Nicht weil es mir Spaß macht, euch monoton und mühelos zu verwatschen, sondern weil Sonic Unleashed mich so für jeden durch schlampiges Spieldesign bedingten Sprungtod bestraft." Wer das Game zufällig gerade selber begonnen hat zu spielen und es bis jetzt nicht unbedingt so unfair findet, wie hier beschrieben, urteile bitte nicht bloß aufgrund der recht einfachen Startlevels.
Wieder ganz der alte „Forrest Gump“?
„Lauf Sonic, lauf!“ - Was im Vorfeld natürlich von Sega so gut wie möglich in den Vordergrund gerückt wurde, ist Sonics versprochene Rückkehr in den Stil alter Tage. Optisch sind die klassisch angehauchten Speedlevels in zuweilen dreidimensionaler 2D Perspektive auch tatsächlich sehr gelungen. Beim reinen Anblick der abwechslungsreich durch Loopings und manch luftige Höhe inszenierten Rennpassagen kann einem das Fanherz schon mal 'ne Ladung Glückshormone durch die Adern pumpen. Schade nur, dass die unbestritten besten Levels in Sonic Unleashed bei allem Geschwindigkeitsgefühl selbstverständlich auch viel zu fix an einem vorbeirauschen. Es wäre also eine Milchmädchenrechnung, zu sagen, die Hälfte des Spiels nehme der doofe Werehog und die andere Hälfte der coole Igel ein. Als Monster ist man ziemlich lahm und dementsprechend in jeder Stage auch länger unterwegs. Als Original-Sonic kann man kaum so schnell gucken, wie das Vergnügen auch schon wieder vorüber ist. Weiter getrübt werden die Rennpassagen zu allem Überfluss durch den ständigen Wechsel zwischen Inaktivität und Überforderung des Spielers. Während die Kamera sich oft pausenlos dynamisch um Sonic herumbewegt, kann man kaum etwas anderes machen, als sich den immerhin cool inszenierten Dauerlauf teilnahmslos anzuschauen. Was letztendlich leider das Spaßigste am ganzen Spiel ist.
Kommt es dann aber zu einer Situation, die mehr als nur den simplen Druck auf die Sprungtaste erfordert, rast man öfters hilflos in eine Falle oder gleich einen tödlichen Abgrund. In den ersten Stages mag das zwar noch nicht so häufig geschehen, besonders zum Ende des Spiels hin wirken die Rennabschnitte mit aufgeleveltem Sonic auf Topspeed jedoch gameplaytechnisch genau so kopflos designt wie die Werehog Passagen schon das ganze Game über. Auch in den Ur-Sonics hat man auf Höchstgeschwindigkeit schnell den Überblick verlieren können und, um den optimalen Pfad zu nehmen, war wiederholtes Spielen sowie Auswendiglernen gefragt. Bloß waren die Stages damals noch über mehrere Ebenen nach oben und unten gestaltet, ein Sturz kostete selten direkt das Leben. Diverse Quicktimeevents sorgen in Sonic Unleashed dann letztendlich sogar ganz dafür, dass einem die an sich rasanten Sprinteinlagen in ihren besten Momenten eher wie interaktive Cutscenes vorkommen. War nicht irgendwann mal der eigentliche Clou an Sonic, dass er so schnell und
GLEICHZEITIG toll zu spielen war? Muss ich wohl falsch in Erinnerung haben... stattdessen quäle ich mich nun mit unsäglichen Walljumps herum. Interessant, aber deswegen nicht auch gleich gut, sind zudem Situationen in denen man langsamer werden muss, um auf engem Raum präziser Maß zu nehmen. Schon ein leichtes Bewegen des Ministicks lässt unseren liebsten virtuellen Igel zum Sprint ansetzen und damit oft ins Verderben rennen, was angesichts seiner Natur auch kein Vorwurf an ihn persönlich sein soll, viel mehr an die Leveldesigner, welche es bei Sonic Unleashed leider nicht geschafft haben den Spirit der alten Serienteile gleichwertig der gelungenen Präsentation auf die Next-Gen Konsolen zu transferieren.
Sonic the Failhog
Natürlich hat die Truppe vom Team Sonic sich schlussendlich nicht damit zufrieden geben können, Sonic Unleashed bloß mit den lahmen Nachtlevels in die Länge zu strecken. Um neue Stages freizuschalten muss man nämlich nicht bloß überall verteilte Medaillen sammeln, sondern sich auch noch durch gähnend langweilige Zwischengebiete schleppen. In den Städten gilt es jeweils Informationen von den Bewohnern zu sammeln, wobei man nie einen Anhaltspunkt hat, wer gerade gesucht wird und jede Person, die man anspricht, nur eine belanglose, unoriginelle Texteinblendung zum besten gibt. Dabei folgt ihr einer Story auf Niveau samstagmorgendlicher Standardcartoons mit einem grenzdebilen Sidekick, den der peinlich gestaltete Werehog (irgendwie erinnert der vom Stil her an „Poochie“ von den Simpsons...) am besten gleich beim ersten Treffen zerfleischt und aufgefuttert hätte. Die menschlichen Charaktere wirken grafisch irgendwie, als wären sie eins zu eins aus dem letzten Larry Spiel übernommen worden, nur ohne den Erotikfaktor. Überhaupt sieht Sonic Unleashed zwischen den Dauerläufen gar nicht mehr so überzeugend aus. Dekorobjekte, Gebäude und Pflanzen, die beim Herumflitzen noch ganz ordentlich wirken, lassen bei Schrittempo aus der Nähe erkennen, wie simpel und teils hässlich sie eigentlich sind.
Genau so muss ich die Mogelpackung Sonic Unleashed schweren Herzens auch insgesamt beschreiben. Die schnellen Passagen im klassischen Serienstil sehen dank weicher Lichteffekte und rasanter, flüssiger Inszenierung klasse aus... so lange ich als Spieler auch wirklich nur zugucke. Wenn es aber an die Materie des Games geht, nämlich das Spielen an sich, entblößt es Schwäche um Schwäche, womit der Spaß dementsprechend mit Topspeed genau da hin stürzt, wo Sonic in seinem aktuellen Next-Gen Abenteuer dank schlechten Spieldesigns viel zu oft landet: Im Abgrund. Das beste Spiel mit dem blauen Flitzigel finden Zocker auf den aktuellen Konsolen also nach wie vor via Downloadservice im Arcadebereich. Für weitaus weniger Euros, wohlgemerkt.
19.05.2008 - 7 Screenshots zu Sonic Unleashed mehr...
Bewertung
Sonic Unleashed xbox360
0/10
Kommentare (25)
Eiskalt_
Traurig traurig, wie sehr die Spielreihe von damals so viel spaß gemacht hat und jetzt so zerstört wird :(
Daniel Pook
sponk
wenn es sega zuviel ist, soviel 3d stages zu bauen, dann sollen sie halt levelrecycling wie bei den rennspielen machen.
sprich: eine 3 stage mehrmals mit abwandlungen verwenden. immernoch besser als werigel oder so ein schnee ...
außerdem muss sonic nicht nur high-speed sein, die alten sonic teile waren viel langsamer als die stages in den neuen 3d sonics. so gehts nicht sega - sackgasse!
Kettenhund
pb2007
seVn fiRe
Aber es ist sehr sehr schade, dass es schon lange kein gutes Sonic Spiel mehr gibt, wird mal wieder Zeit, dass der Igel ein Spiel bekommt, dass ihm gebührt.
Kettenhund
HeikoFCE
Von der ganzen rennerei wird man doch blöde...
Werner Stelzenpop
Schade, schade...
Daniel Pook