Soul Calibur – Broken Destiny
10:25 Uhr - Es wurde auch langsam Zeit das Namcos immer noch konkurrenzlose Waffenprügler-Serie auf Sonys Hosentaschen-PS2 Einzug hält. Broken Destiny stellt damit neben Dissidia Final Fantasy den zweiten Schlag der aktuellen Beat’em up-Attacke für die PSP dar. Welchem Titel solltet ihr den Vorzug geben und lohnt es sich überhaupt auch unterwegs das Seelenschwert zu schwingen?
Kratos ist dabei! Das sollte die Frage beantworten. Ich meine, die Soul Calibur-Serie ist bekannt für ihre Gast-Charaktere, hat schon Spawn, Yoda (Die armen 360-Spieler!), Darth Vader (So viel ... BESSER!) und sogar Zelda-Abenteurer Link beherbergt. Aber von allen coolen Säuen, die es hätten ins Spiel schaffen können, ist der Spartaner aus der God of War-Reihe wohl die ultimative Wahl. Nach ihm ist eine Steigerung kaum möglich. Obwohl ich schon noch einige Wunschkandidaten hätte – Dante zum Beispiel oder Alucard, Guts aus Berserk ... STOPP! Ich muss mich korrigieren. Für Guts würde ich mir persönlich den linken Arm abhacken! Er ist vielleicht der einzige der den „He’s the man!“-Faktor von Kratos noch übertrifft. Doch wie dem auch sei, die namhaften Helden befinden sich bei Soul Calibur in würdiger Gesellschaft. Denn einer der Hauptgründe, weswegen ich das Klingen-Gekloppe immer noch allen anderen 3D-Beat’em ups vorziehe, ist, neben seines zugänglichen Kampfsystems, seiner prächtigen Verpackung und dem enormen Tempo, ganz einfach, dass hier fast alle Charaktere aus der inzwischen rund 30 Kämpfer starken Riege verdammt cool aussehen und dazu auch noch die endgeilen Moves vom Stapel lassen. Entschuldigt die Gossensprache, aber ihr wisst das es wahr ist. Ich hab’ die Courage das zu sagen. Egal ob Männlein oder Weiblein, die Soul Calibur-Schläger lösen sofort dieses „So will ich auch sein!“-Syndrom aus. ... Naja, die Frauen jetzt eher weniger ... Obwohl, so mit Titten, an denen man den ganzen Tag selbst ... Aber ich schweife ab. Dead or Alive? Hauptsächlich Proll-Fighter und düsige Silicon-Sch ... necken! Mortal Kombat? Ungelenke Psychopathen! Tekken? Stillose Langweiler! Virtua Fighter? … Hahahahahahahaha … Aber Mitsurugi, Kilik, Yun-Seong, Ivy, Taki, Siegfried, Hilde, Maxi usw. sind Typen mit denen man wirklich in die Schlacht ziehen will.
First we take Manhattan, then we take Ostrheinsburg
Zweiter Neuzugang im Bunde ist der Zylindertragende, Oberlippenbart-Fetischist Salvador Dal ... ähh Dampierre – ein hinterlistiger Heuchler, der mit versteckten Dolchen kämpft und gerne den Schwächling spielt, um dann unvermittelt anzugreifen. Er ist ein äußerst flinker Charakter mit geringer Reichweite, der auch Einsteigern schnelle Erfolge vermittelt und definitiv den höchsten Slapstick-Faktor besitzt. Sein verlogenes Auftreten macht ihn allerdings wenig sympathisch. Mal sehen ob er sich auf die Dauer zu einem von den Spielern gern gewählten Kämpfer entwickelt. Kratos Gastvorstellung dürfte sich ja höchstwahrscheinlich auf diese mobilen Ableger beschränken. Der griechische Sagen-Schlächter bietet übrigens den ultimativen God of War-Fan-Service und greift mit seinen typischen Moves aus den bislang veröffentlichten drei Episoden an und bekam als eigene Arena sogar einen entsprechenden Abschnitt aus Teil eins spendiert, inklusive originaler Hintergrund-Musik (soweit ich mich recht erinnere). Der Rest vom Schützenfest ist altbekannt und entspricht so ziemlich der Auswahl aus Soul Calibur IV. Im recht umfangreichen Editor dürft ihr wieder die vorhandenen Recken verunstalten oder von Grund auf völlig eigenständige Verbrechen an der Natur begehen. Eine spaßige Angelegenheit, mit ein wenig Kreativität zaubert ihr so noch die ein oder andere zusätzliche Berühmtheit ins Spiel. Bei mir hat es zum Beispiel in wenigen Minuten Dr. Manhattan in den Ring geschafft. Aber den zusammenzusetzen ist eine meiner leichteren Übungen. Haha! Watchmen for the win! Die selbstgebastelten Martial-Arts-Meister sind allerdings immer an das Bewegungsrepertoire eines vorher gewählten Original-Charakters gebunden und es gibt keine Ausrüstungsteile mit unterschiedlichen Statusverbesserungen mehr. Immerhin bleiben die Stärken und Schwächen so – zumindest im Rahmen des seit jeher nicht ganz astreinen Soul Calibur-Balancings – halbwegs ausgeglichen.
Für Spaß zu zweit immer zu haben! ...
Wer bereits einen Teil der Serie gespielt hat, wird sich mit dem Kampfsystem sofort wieder vertraut finden – Neueinsteiger ebenso. Einer der Vorteile der Soul Calibur-Spiele: Das simple Schema aus horizontalen und vertikalen Schlägen, Kicks und blocken ist schnell erlernt und ermöglicht sofort effektive Combos und spektakuläre Special-Moves, auch wenn man gar nicht weiß, wie man sie ausgelöst hat. Dort versteckt sich nämlich auch der Nachteil: Unkontrolliertes Buttonmashing wird definitiv belohnt! Doch für fortgeschrittene Spieler bieten sich unzählige Moves, Tricks und Feinheiten, die erst mal erlernt werden wollen und mit viel Übung und geschickt angewendet auch gedankenlose Knopfmalträtierer im Regen stehen lassen. Besondere Freude kommt natürlich im Match gegen einen gleichwertigen menschlichen Kontrahenten auf. Hierfür bietet Broken Destiny zwar unverständlicherweise keinen Online-Modus, sondern nur die lokale ad hoc-Verbindung, diese läuft dafür aber tadellos und garantiert packende Auseinandersetzungen. Im Multiplayer entwickelt Soul Calibur echtes Suchtpotential und nur die Erschöpfung bzw. leere Akkus vermögen stundenlanges Kräftemessen zu unterbrechen.
... Ist zwar dumm ...
Unglücklicherweise ist das auch so ziemlich der einzige dauerhafte Spielspaß-Nährwert den das Nahkampf-Spektakel auf der PSP zu bieten hat, denn die Solo-Modi geben durch die Bank nicht viel her. Der Spießrutenlauf genannte Story-Modus ist eigentlich nur ein extrem langes Tutorial, in dem euch in ca. 80 kurzen Herausforderungen sämtliche Facetten des Kampfsystems nahegebracht werden, zusammengehalten von einer völlig skurrilen Geschichte, wie sie eigentlich nur von Japanern kommen kann. Diese wird äußerst bieder mit kleinen Porträtbildern und unvertonten Texten präsentiert, ist dafür aber so herrlich absurd witzig, dass sie durchaus zum Weiterspielen animiert, obwohl der Modus spielerisch äußerst dünn ausfällt. Meist geht es in den, selten länger als drei Sekunden andauernden Begegnungen darum, auf bestimmte Weise den Angriffen des Gegners auszuweichen und schnell einen Gegentreffer zu landen. Fast immer gibt das Spiel in den bekloppten Dialogen deutliche Hinweise darauf, wie ihr vorgehen müsst, häufig wird es sogar direkt gesagt! Da man hier, besonders als ungeübter Spieler, bei den ersten Versuchen gern mal verliert und es wenig Variationen in den „Kämpfen“ gibt, wird der Modus schnell ermüdend. Als überdeutliche Lehrplattform für die korrekte Anwendung der Bewegungsmöglichkeiten reicht es aber allemal. Im Schnellen Spiel wählt ihr euch in einer Pseudo-Online-Lobby einen Kontrahenten aus, der komplett mit künstlichem Sieg/Niederlage-Verhältnis aufgelistet wird und kämpft um seinen Titel. Die Gegner sind meist bizarre Editor-Kreationen. Der Trainings-Modus, in dem ihr die Begegnungen mit den äußerst cleveren KI-Kriegern weitaus genauen einstellen könnt, macht diesen Menü-Punkt praktisch überflüssig. Blieben noch die Prüfungen, die am ehesten an einen (fehlenden) Arcade-Modus erinnern und sich in drei Kategorien aufteilen. Im „Angriff“ müsst ihr durchschlagende Combos abziehen, um ordentlich Punkte zu scheffeln. Bei „Verteidigung“ füllt ihr euren Highscore mit Konter-Attacken nach erfolgreichen Abwehraktionen. Und „Endlos“ entspricht dem altbekannten Survival-Mode, wobei ihr nacheinander so viele Gegner wie möglich auf die Matte schickt, bis ihr einmal besiegt werdet. Eure Energie lädt sich nach jedem Kampf allerdings wieder komplett auf. Die Prüfungen sorgen noch für die größte Einzelspieler-Motivation, werden aber ebenfalls sehr trocken in Szene gesetzt. Intros oder Abspann-Sequenzen? Fehlanzeige! Überhaupt gibt es in Broken Destiny, untypisch für Soul Calibur, ziemlich wenig freizuspielen. Lediglich neue Ausrüstungsgegenstände für den Editor und sinnlose Galerie-Inhalte winken zum Lohn. Sämtliche Kämpfer sind zum Beispiel von Anfang an schon wählbar.
... aber dafür hübsch!
Mit dem Solo-Part, der des öfteren in der Serien-Geschichte mal befremdliche Blüten hervorgebracht hat, welche allerdings immer noch irgendwie Spaß gemacht haben, tut Namco PSP-Prüglern also nicht unbedingt etwas gutes. Glücklicherweise bleibt das Spiel aber nicht nur bei diesem zweifelhaften Markenzeichen und den oben genannten Vorzügen seinen Vorgängern treu, sondern auch bei der seit jeher grandiosen Optik. Kurz zusammengefasst ist die Grafik von Soul Calibur Broken Destiny einfach nur beeindruckend und befindet sich nur geringfügig unter dem Niveau des letzten PS2-Teils. In den Hintergründen könnte etwas mehr Bewegung herrschen. Abgesehen davon warten die Kulissen aber mit scharfen, hochdetaillierten Texturen, wundervollen Farben und postkartentauglichen Ausblicken auf. Vor den pittoresken Panoramen agieren prächtig ausgestattete Kämpfer, die sich flüssig animiert mit waffenklirrenden, effektgeladenen Spezial-Attacken bearbeiten. Kenner des vierten Teils werden aber kaum neues finden. Die Sound-Präsentation bleibt ebenfalls altbewährt: Bekannte Kompositionen, bekannte Effekte, bekannte Sprachausgabe, wahlweise auf Englisch oder Japanisch. Überraschungsarm, aber atmosphärisch und qualitativ immer noch top.
Pro und Contra
- + schnell erlerntes Kampfsystem
- + ... das trotzdem viel Tiefgang bietet
- + Story-Modus ist humorvoll ...
- + Multiplayer-Modus wie immer fett
- + große und vor allem coole Kämpferauswahl
- + Charaktereditor macht Laune
- + malerische Grafik
- + vorbildliche Bedienung
- + gute KI
- + Kratos!
- - fast nur Recycling
- - kaum freispielbare Inhalte
- - ... aber spielerisch witzlos!
- - keine Online-Matches möglich
- - Solo-Spiel insgesamt flach und enttäuschend
Trotz Kratos: die Göttlichkeit ist futsch
Die Wertung verrät es: Soul Calibur Broken Destiny hat mich etwas enttäuscht. Dabei vereint das Spiel beinahe alles was die bisherigen Teile so toll gemacht hat in einem technisch hervorragendem Handheld-Beat’em up. Doch genau da liegt das Problem, man hat alles schon mehr als einmal gesehen. Bis auf die beiden, überaus interessanten und gelungenen Kämpfer Kratos und Dampierre hält das Spiel keinerlei Neuerungen parat. Naja, außer den komischen Solo-Spielmodi, aber die sind irgendwie einfach Mist. Besonders irritierend ist, dass es so wenige freischaltbare Inhalte gibt. Gerade in einem Prügelspiel hält sich die Motivation für mich arg in Grenzen, wenn ich nicht mit zusätzlichen Charakteren, Waffen, Arenen, Spiel-Modi oder was weiß ich belohnt werde. Doch genug der Meckerei, denn eigentlich ist Broken Destiny ja doch ein sehr gutes Beat’em up, mit coolen Fightern, einem erstklassigen Kampfsystem, Wahnsinnsgrafik und unverwüstlichen Multiplayer-Qualitäten. Wer noch keinen Teil der Reihe gespielt hat, erhält hiermit für sich genommen sogar eines der besten mobilen Beat’em ups. Soul Calibur-Fans können das Spiel ja nutzen, um auch unterwegs an ihren Techniken zu feilen. In Sachen spielerischem Mehrwert zieht Namcos Prügler gegen Square Enix’ RPG-Fighter Dissidia aber eindeutig den Kürzeren. Einsteiger sind mit Broken Destiny jedoch besser beraten.
Bewertung
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Kommentare (2)
Zed01
Johannes Krohn