Source Code
Zeitreisen sind Jake Gyllenhaal dank Donnie Darko genau so wenig fremd wie depressive Identitätskrisen, beides versucht jetzt auch sein neuer Film "Source Code" miteinander zu vereinen. Dass ein gewisser Duncan Jones als Regisseur hinter einem Projekt mit solcher Thematik steckt, passt angesichts seines gefeierten "Sci-Fi"-Kammerspiels "Moon" natürlich ebenso wie die Faust aufs Auge. Können die beiden mit vereinten Kräften an die Qualität ihrer Durchbruchs-Filme anknüpfen?
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Stellt euch mal vor ihr hättet noch acht Minuten zu leben, würdet euch in einem fahrenden Zug befinden und eure höllisch süße Freundin, die für jeden Schabernack zu haben ist, säße euch gegenüber. Ach ja, eine nahegelegene Bordtoillette hat dieses Szenario auch zu bieten. Geeeenau... - Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) kommt allerdings gar nicht erst auf unanständige Gedanken, denn von seiner Mission hängen viele Menschenleben ab. Als Teil eines experimentellen Militärprogramms erlebt er die letzten acht Minuten eines Attentats-Opfers als eine Art Simulation immer wieder aufs Neue, bis er den Täter des eigentlich längst verübten Anschlags ausfindig gemacht und dessen Methoden sowie Motive ergründet hat. Seine Vorgesetzten (Vera Farmiga, Jeffrey Wright), zu denen er per Video-Übertragung aus einer Art kleinen High-Tech-Bunker heraus Kontakt hält, erhoffen sich davon Informationen, um einen angedrohten Atomschlag auf die U.S.-Großstadt Chicago verhindern zu können. Colter wird mit jedem weiteren Durchgang im "Source Code", den re-animierten letzten acht Minuten der Opfer aus dem Todeszug, allerdings auch noch von vielen anderen Fragen geplagt. Er ist eigentlich Kampfpilot im Afghanistan-Einsatz, wie wurde er Teil dieses ganzen Geheimprogrammes? Handelt es sich dabei wirklich um eine Simulation oder reist er gar richtig durch die Zeit? Vor allem aber: Gibt es eine Möglichkeit, die Passagiere des Zuges nachträglich vor ihrem Schicksal zu bewahren und dazu noch die schnuckelige Christina (Michelle Monaghan) zu retten, in die er sich so ganz nebenbei verliebt hat?
One more ride
"Noch mal, noch mal!" - Während ich Source Code geschaut habe ist mir dieses gerade bei Kindern beliebte Motto von Minute zu Minute weniger attraktiv vorgekommen. Haben die ersten Runden im immer wieder explodierenden Zug meine Aufmerksamkeitsspanne noch problemlos aufrecht erhalten können, hat es Duncan Jones' neuer Film nicht geschafft, die ständige Wiederholung ein und desselben Szenarios für mich dauerhaft interessant zu halten. Dies mag daran gelegen haben, dass Hauptfigur Colter Stevens keinen mir ersichtlichen Ermittlungsprozess verfolgte, sondern Zug um Zug eher impulsiv und kopflos auf die Suche nach dem Bombenleger gegangen ist. Oder vielleicht daran, dass ich den viel zu früh, viel zu offensichtlich in den Fokus gerückten Drahtzieher des Attentats bereits massiv in Verdacht hatte, ehe unser Protagonist ihm überhaupt Beachtung schenken wollte. Eventuell fehlte mir aber auch abseits davon eine große Portion Spannung, weil es keinen spürbaren Zeitdruck für Colters Aufgabe gegeben hat. Seine Vorgesetzten predigen ihm zwar immer wieder vor, er solle sich beeilen und es stehe ein weiterer Anschlag bevor, eine Art Countdown oder sonstige miterlebbare Veranschaulichung der nahenden Bedrohung bleibt Source Code dem Zuschauer jedoch schuldig. So ist der wiederholt abgespielte Verlauf der Geschehnisse innerhalb der Todeszug-Welt weder schweißtreibend fesselnd noch auf irgendeine andere Weise packend interessant.
- Seite 2 bringt noch keine zwölf Affen zur Erwähnung...
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Kommentare (12)
Turkishflavor
hm hab den auch in der vorpremiere geguckt, war ganz ok ^^ ziemlich spannend
aber HANGOVER 2 gestern, war geiler! super lustig ;D
Claudandus
Das ganze klingt eher wie eine Mischung aus „Groundhog Day “ und Déjà-vu“ =^.^=
Schade der Trailer an sich sah recht nett aus.
Daniel Pook
@Claudandus
Es ist halt wirklich so, dass die ganze Zugstory nahezu identisch in der TV-Serie Zurück in die Vergangenheit vorkam und die "Gegenwarts"-Szenen (auch von den Sets ansatzweise) stark an Twelve Monkeys erinnern. :) Zu den von dir genannten Filmen könnte man auch Parallelen ziehen, nur werden die einem nicht ganz so direkt aufs Auge gedrückt.
CallMeCayhan
Hört sich gut an
Samba
Endlich mal jemand der Zurück in die Vergangenheit kennt ^^. Als ich den Trailer sah musste ich auch sofort an die Serie denken, aber irgendwie war ich im Kino der einzige der die Serie kannte..da merkt man, das man älter wird ;)
Lateralis84
War gestern im Kino. Habe mich auch sehr oft an 12 Monkeys erinnert gefühlt, auch einen Tick an Assassins Creed :)
Fand ihn jedenfalls nicht besser als Moon. Trotzdem hat Duncan Jones jetzt schon 2 sehr gute Filme gemacht und ich freue mich auch auf seine nächsten.
SPOILER:
@ Daniel: Habe ich es richtig interpretiert, dass er die Welt schon öfters als nur dieses Mal gerettet hat? Mit dem einzigen Unterschied, dass er diesmal einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl hinterlassen hat?
SPOILERENDE
Johannes Krohn
@ Lateralis84: Erwartest du jetzt echt das Daniel dir darauf eine endgültig richtige Antwort geben kann? ^^
Ich kann die meisten Kritikpunkte aus der Rezension nachvollziehen, muss aber zugeben das sie für mich nicht so ins Gewicht fielen. Ich fand' den Film tatsächlich "schweißtreibend fesselnd" und "packend interessant". :) An "Twelve Monkeys" hab' ich dabei nicht ein Mal gedacht, obwohl sich der Vergleich bei näherer Betrachtung natürlich aufdrängt. Das "Ende nach dem Ende" wäre was für die DVD-Extras gewesen, dann hätte der Film noch stärker nachgewirkt. Für mich noch kein richtiges Meisterwerk, aber schon jetzt einer der besten Filme des Jahres. Von meiner Seite dafür 4 von 5 immer wieder explodierenden Zügen.
iwin86
ich hab mir den film gestern mit ein paar kumpels angesehen und kann daniel in weiten teilen zustimmen. der film hat zwar gute ansätze aber im endeffekt haben filme wie dejavu oder und täglich grüßt das murmeltier den zeitsprung meiner meinung nach besser rübergebracht.
@ daniel
wenn du weg bist, wer ist dann für die guten filmkritiken zuständig ??? :( :( :(
Kohlenstoff
Gibts auch mal Kritiken die gut ausfallen?..die Verfasser halten sich selber wohl immer für "zu" anspruchsvoll....dann aber bitte auch keine Mistgames mit guten Wertungen überschütten...
Micherl
hab mir den film gestern angesehen und bin überrascht wie oft ich den kopf genickt habe, als ich den review gelesen habe.
leider ist source code nicht der geniale überraschungshit geworden für den ich ihn gehalten habe. moon fand ich um welten besser.
12 monkeys + unendlich parallelwelten theorie = source code
super review!