Special: Wie die Untoten Videospiele infizieren!
Sie grummeln vor sich hin, schlurfen schwerfällig durch die Gänge und haben einen unstillbaren Hunger nach frischem Menschenfleisch. Und einmal die Woche nehmen sie einen Podcast auf. Aber halt: Hier geht es um die einzig wahren und unausrottbaren Untoten: Die Zombies und die Spiele, die sie infizieren.
Moden und Phänomene, wie die derzeit ungebrochene Begeisterung für Zombies quer durch die unterschiedlichen Medien, teilen sich eine ganz bedeutende Eigenschaft mit den untoten Fleischfressern: Gerade dann, wenn man glaubt sie wären tot, stehen sie wieder auf und schwingen sich zu ungeahnten Höhen empor.Und so steuern wir derzeit auf einen neuen Höhepunkt der Spielewelle zu, die sich die allseits und überall beliebten lebenden Toten zum Thema gemacht hat. Ausgelöst wurde die neue Zombiespiel-Epidemie bereits vor über zehn Jahren: Auch wenn der Zombieboom eigentlich niemals völlig zum Erliegen kam, fachten das Remake des Filmklassikers »Dawn of the Dead« von Zack Snyder (2004), die britischen Werke »28 Days Later« (2002) und »28 Weeks Later« (2007) sowie die schwarzhumorige Zombiehommage »Shaun of the Dead« (2004) das Untotenfieber erneut an.
Entscheidend für die neue Generation der Zombies sind ihre neu hinzugewonnene Intelligenz und ihre Fähigkeit, anders als die üblichen Vertreter, blitzschnell zu Laufen. Allerdings muss man der Richtigkeit halber auch erwähnen, dass es bereits im Film »The Return of the Living Dead« (1985) äußerst flinke Vertreter der Spezies gab, die zudem zum ersten Mal gezielt Hunger auf Hirn hatten. Vom Erfolg dieser neueren Filme, die ihrerseits wieder Inspiration aus Spieleserien wie der Resident Evil -Reihe (seit 1996) zogen, entstand eine gerade in den letzten Jahren fast überschwängliche Begeisterung für das Motiv der lebenden Toten in all ihren Ausführungen.
Auch wenn es dutzende Beispiele gibt, nennen wir nur mal drei, die letztes Jahr besondere Bekanntheit erlangten: Die auf fünf Episoden angelegte Adventure-Reihe The Walking Dead , die auf dem gleichnamigen Comic beruht und vor allem den gemeinsamen Überlebenskampf einer Gruppe thematisiert, die Mod DayZ für den PC-Shooter Arma 2 , die das Überleben nach einer Zombie-Apokalypse in ein Multiplayer-Universum verfrachtet und das stark gehypte, letztlich aber nur durchschnittlich gute ZombiU (eine Fortsetzung des Amiga-Klassikers Zombi) für die Wii U, in dem es den Spieler ins virtuelle Zombielondon verschlägt.
Die uralte Angst vor den Untoten
Aber woher kommen sie eigentlich, die Zombies? Schließlich waren sie nicht immer Teil der modernen Popkultur, zu der selbstverständlich auch die Videospiele gehören. Die Antwort ist gar nicht so einfach, denn der archetypische, moderne Zombie, wie er zum allerersten Mal im Film »Night of the living Dead« (1968) von George A. Romero auftaucht, ist wiederum von vielen anderen Vorbildern inspiriert worden. Zählen wir einmal auf, welche Eigenschaften dieser klassische Untote so hat, der wegen seines Schöpfers auch Romero-Zombie genannt wird. Er ist körperlich in einem ziemlich üblen Zustand der Verrottung, was daran liegt, dass er eine zu neuem Leben erwachte Leiche ist. Er schlurft sehr gemächlich, aber von einem unstillbaren Appetit nach Menschenfleisch getrieben, durch die Welt, stößt merkwürdige, grummelnde Geräusche aus. Die wichtigsten Details: Er kann nur durch Abtrennen des Kopfes oder Zerstörung des Gehirns erledigt werden und infiziert alles und jeden mit der Zombieseuche, was er anknabbert.
Auf diesen Film gehen heute mehr oder minder alle Zombietypen und -szenarien zurück. Romero selbst baute allerdings auch nur auf dem uralten Motiv der Angst der Menschen vor der Wiederkehr der Toten auf, das sich schon im Gilgamesh-Epos (18 Jhdt. v. Chr.) finden lässt, einem der ältesten schriftlichen Zeugnisse der Menschheit. Dort heißt es von der wütenden Göttin Ischtar: »Laß ich auferstehen die Toten, dass sie fressen die Lebenden, der Toten werden mehr sein denn der Lebendigen. « Aber völlig egal, in welche Kultur wir blicken, Zombies oder deren Vorläufer gab es immer. Bei den Nordmännern waren es die »draugr«, die in Form der Untoten, die aus ihren Gräbern steigen und auch im Rollenspiel Skyrim vorkommen. Oder der Klassiker: Die durch Magie wiederbelebten, willenlosen Sklaven des haitianischen Vodoo-Kultes. Von der dort gesprochenen Kreolsprache, die wiederum Einflüsse aus der zentralafrikanischen Sprache der Kimbundu aufnahm, leitet sich übrigens auch das Wort »Zombie« ab. Dort bedeutete »nzùmbe« ursprünglich »Totengeist« und fand während der Zeit der amerikanischen Besatzung von Haiti (1915-1934) Eingang in die amerikanische Kultur.
Die ersten Zombiespiele
Die ersten Gehversuche in Videospielen verdanken die liebenswürdigen Untoten dann auch dem Horrorfilmsubgenre der Zombiefilme, die ihrerseits wiederum auf der Welle der Horror-, Slasher und Splatterfilme der frühen 80er Jahre schwammen. Man kann also mit gutem Recht sagen, dass der Zombiefilm so eine Art großer Bruder für die frühen Zombiespiele war. Was heute total veraltet wirkt, war Anno 1984 tatsächlich das erste Spiel, in dem Zombies die Gegner darstellen: Zombie Zombie. Heute nahezu in Vergessenheit geraten, war es in Zombie Zombie (1984 für den ZX Spectrum Heimcomputer als Nachfolger zu Ant Attack erschienen) erstmals die Aufgabe des Spielers, sich gegen die fiesen Fleischfresser zu verteidigen, indem er mit einem Helikopter Strukturen baute, auf die die Untoten klettern sollten, um anschließend in den endgültigen Tod zu stürzen.
Bemerkenswert an dem Stück Spielegeschichte ist auch, dass es nicht nur zum ersten Mal Zombies thematisierte, sondern auch auf eine für die damalige Zeit moderne, isometrische Ansicht setzte und Zweikanal-Sound bot. Direkt an den Film »Dawn of the Dead« angelehnt war Ubisofts Softwaredebüt Zombi, das unter anderem für den legendären Commodore 64 erschien. Ganz wie im Leinwandvorbild muss sich der Spieler hier mit einer Gruppe von vier Leuten durch ein zombieverseuchtes Einkaufszentrum schlagen und Untote mit einem Mausklick ausschalten. Um sich von einem Raum zum nächsten zu bewegen, klicken wir lediglich auf einen der vier Pfeile, die am Bildschirmrand angezeigt werden. Aber auch Portierungen von Arcade-Hits wie Ghosts ‘n Ghoblins (1985), die sich die Zombies nicht zum alleinigen Hauptthema machten, kamen damals nicht mehr ohne eine Portion der Untoten aus, die später zu einem Standardgegner vieler Spiele werden sollten.
Die Zombies werden zum Kult
Nachdem die Zombies in der 8-Bit-Ära ihre ersten, zaghaften Versuche, in der Spielwelt Fuß zu fassen, erfolgreich absolviert hatten, wurden sie in der darauffolgenden 16-Bit-Ära zu echten Publikumslieblingen. Schon 1983 waren die übelriechenden Modermenschen so populär, dass sogar Michael Jackson in seinem Musikvideo zu »Thriller« mit ihnen das Tanzbein schwang.Da war es später auch nur eine logische Konsequenz für die Entwickler des Sega-Mega-Drive-Spiels Michael Jackson’s Moonwalker (1990), den King of Pop auf einem Friedhof mit den Zombies tanzen zu lassen. Spätestens jetzt hatten es die schlurfenden Gestalten geschafft, mehr als nur langweilige Hirnfresser und weitgehend wehrlose Zielscheiben der Machohelden des italienischen Horrorkinos (Ein Kadaver hing am Glockenseil 1980) zu sein: Sie waren abgedrehte, aber sympathische Dumpfbirnen geworden, die sich dem Charme der zeitlosen Musik von Jackson nicht entziehen konnten und selbst ein Teil der Popkultur wurden.
Sie waren sogar so populär, dass Entwickler LucasArts eine liebenswerte Hommage an viele Horrorfilme und natürlich auch an »Night of the Living Dead« für das SNES und den Mega Drive veröffentlichte: Zombies(1993). In Amerika hieß der Titel übrigens Zombies ate my Neighbors – das war wohl zu hart für Deutschland. Hier tauchen einfach überall Zombies auf, die mit so ungewöhnlichen Waffen wie Limonadendosen und Wasserpistolen beseitigt werden können. Besonders spaßig an dem Spiel ist aber die Tatsache, dass zwei Spieler gleichzeitig sich durch die kniffligen Levels kämpfen dürfen, die aus der Vogelperspektive dargestellt werden.
Noch gruseliger wird es auf Seite 2 unseres Zombie-Specials!
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Kommentare (14)
Valium
Boah ich wollte grad ganz bitterböse losflamen, hab dann aber noch gesehen dass ihr auf GamePro verwiesen habt ihr Säcke ;)
Alexander Voigt
Ja, wie schon im Fall des Bioshock-Specials nutzen wir einfach die Vorteile, wenn man zur selben Firma gehört :-)
Bramahummel
Super, könnt Ihr gerne regelmäßig bringen solche Specials!
Burning
So lange das kopiere hier keine Überhand nimmt geht das schon klar. Aber ich will so Specials auch mal aus eurer Feder lesen ;) Am liebsten von den Herren Voigt und Krohn.
Alexander Voigt
Ja, diese Specials sehen wir ja auch eher als Bonus-Programm fürs Wochenende. In der Woche gibts ja wieder jede Menge Voigt, Krohn, Preisser und Smeets.
Saibot
Kann da Burning nur zustimmen: In Maßen und als Bonus am Wochenden gerne, ansonten lieber euren vielgeliebten Schreibstil in Specials verpackt!
blueeye
Ich mag GamePro nicht. Und auch das Special liest sich nicht sehr Areagames-like. Das Bioshock Special von Krawall finde ich dagegen sehr gut.
PandaVegetto
iiih, Gamepro.
Ich hatte mich bei der Überschrift jetzt auf ein richtiges Areagames Special zu dem Thema gefreut.
Valium
btw
Zombies ate my Neighbors hatte ich ganz vergessen, glaube das war DAS Game was mich zusammen mit den alten Romero Filmen zu dem Zombiefan gemacht hat der ich heute bin ;) Grad auf YT ein Lets Play geschat, göttlich, die Musik und alles haha Good old Times
Thems
Mich würde mal interessieren, ob ich der einzige bin, der Zombies mittlerweile langweilig findet, weil sie überall vorkommen.
Es ist halt ausgelutscht bis zum geht nicht mehr und so kreativ wie Hawaii-Toast. Wäre stark dafür, dass man sich mal umschaut nach neuen Gegner-Typen Horror-Spielen.