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Spielwelt vs. Welt zum Spielen

Sonntag, 04. Januar 2009
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07:56 Uhr - Mit Grand Theft Auto IV haben Rockstar sich vom mit Spielfeatures sowie Interaktionsmöglichkeiten vollgepackten Konzept eines San Andreas wegbewegt und den Fokus bewusst mehr auf eine lebendig wirkende Welt mit zahlreichen Details zum Angucken gelegt. Mir persönlich kam diese Entscheidung sehr entgegen. Das unnachahmlich reale Großstadtfeeling des Next-Gen Liberty Citys alleine rechtfertigt in meinen Augen bereits die von unserer Redaktion vergebene Höchstwertung. Obwohl die Mehrheit unserer Leser sich laut AreaGames Awards 2008 Voting ebenso begeistert vom virtuellen Abbild New Yorks zeigt, gibt es auch gar nicht so wenige GTA Fans, die vom vierten Serienteil enttäuscht sind.

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Nicht wegen der gewohnt hackeligen Steuerung des Hauptcharakters und auch nicht wegen technischer Kompromisse an die aktuelle Konsolenhardware, ganz zu schweigen von diversen PC Zickereien. Vielmehr vermisst dagegen eine nicht zu verachtende Gruppe von GTA IV Spielern die aus der letzten Episode gewohnte Wunderkiste voll abwechslungsreicher Aktivitäten und Interaktionspunkten in der Spielwelt. Zum Vorwurf möchte ich das niemandem machen. Bei den Meinungen über Rockstars aktuelles Gangsterepos treffen schlicht zwei Philosophien aufeinander. Mag man lieber unzählige vorgefertigte Events, die in ihrer Summe den Eindruck vermitteln, man bewege sich durch eine „echte“ Welt? Oder kommt es einem vor allem auf die optische Authentizität sowie den Detailreichtum der Kulisse an? - Möchte man viel „anfassen“ und benutzen können? Oder bedeutet „erleben“ eher, sich vom Flair eines Games umgarnen zu lassen? Ich für meinen Teil bevorzuge jeweils letzteres. Am liebsten bewege ich mich durch eine virtuelle Welt, die an und für sich schon ein Erlebnis ist, die es schafft, mich durch reines Zugucken zu begeistern, selbst wenn ich gerade selbst gar nicht viel mache. Natürlich muss in dieser Welt dann auch ein gutes Spiel geboten werden, doch es müssen für mich dann eben nicht unbedingt ein Overkill an Kleidungsstücken, total abgedrehte Bonusmissionen an jeder Ecke und ein bizarres wie großes Waffenarsenal geboten werden. Der Star ist bei Sandboxgames in meinen Augen die Spielwelt, mitsamt ihrer lebendigen Eigendynamik. In ihr verbringe ich sowohl die unweigerlichen „Leerlaufmomente“, als auch die eigentlichen Hauptpassagen und sie muss es schließlich schaffen, beides zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden, ohne auf Dauer Langeweile aufkommen zu lassen. Auch wenn, wie gesagt, gerade eigentlich mal gar nichts passiert. Ich muss mich also vor allem in ihr wohl fühlen können und eventuell sogar fasziniert von ihr sein. Alles andere sind Gimmicks die sich schnell abgenutzt haben.


Einkaufszentrum Dead Rising.jpg

Die meisten „fahrenden“ Händler im Ödland von Fallout 3 sind generische Dummies. Regelmäßig so eine Kolonne zu treffen oder aus der Ferne zu beobachten, wie sie zufällig auf ein paar Mutanten trifft und in ein Feuergefecht mit offenem Ausgang verwickelt wird, intensiviert mein Mittendringefühl trotzdem ungemein. Beobachte ich in Far Cry 2 nebenbei den in Echtzeit ablaufenden Sonnenuntergang, während ich in weiter Ferne ein paar Söldner ausspähe, die sich am Lagerfeuer unterhalten, entschädigt das für so manche nervige Schwäche des Gameplays. Dabei rede ich gar nicht von Grafikblendung oder dergleichen, sondern von gekonnter Inszenierung, die selbst in passiven Momenten tief ins Geschehen zieht. Diese Art des Designs bzw. so die Schwerpunkte beim Konzept zu setzen, ist meiner Meinung nach die effektivste Variante, um ein Game zum wahren Erlebnis zu machen. GTA IV, Far Cry 2 und Fallout 3 werde ich noch lange Zeit immer mal wieder ins Laufwerk packen, nur um noch mal ein paar Atemzüge der jeweils auf ihre ganz eigene Art fantastischen Spielwelt aufzusaugen. Besonders mit etwas Abstand zur letzten Session schafft es vor allem das Next-Gen Liberty City immer wieder, mich vorm HD Fernseher regelrecht ins Schwärmen zu bringen. Dead Rising dagegen habe ich einmal durchgespielt, dann noch mal ein paar Stündchen im Überlebensmodus zugebracht und seitdem nie mehr aus dem Regal geholt. Obwohl ich Capcoms Zombiespiel klasse finde und es grafisch auch heute noch super aussieht, hat es nach dem Durchprobieren sämtlicher Interaktionsobjekte schlicht seinen Reiz für mich verloren. Säge genommen, gesägt, gelacht, Hammer geholt. Gehämmert, gelacht, Duschkopf geholt. Geduscht, gelacht, Auto gefunden.- Und so weiter eben, bis ich dann durch, satt und Dead Rising praktisch verbraucht war. Saints Row 2 ist auch so ein Vertreter. Es mag beileibe kein schlechtes Game sein, niemals würde ich dessen Mannigfaltigkeit an „crazy stuff to do“ jedoch im Tausch für eine Taxifahrt über den Liberty City Times Square bei Nacht akzeptieren. Oder für einen Kabarettausflug mit Brucie. Das Eine sind ganz viele leicht durchschaubare, dafür aber vielfältige Mechaniken in einer simpleren Kulisse. Das Andere sind aufwendiger präsentierte, dafür aber  sparsamer eingesetzte Mechaniken in einer atmenden Welt. Man merkt in der Formulierung natürlich wieder einfach, wo meine persönlichen Präferenzen liegen. Dass beides Spaß machen kann und es den „richtigen“ Designweg für die Allgemeinheit nicht gibt, möchte ich darum noch mal deutlich dazusagen.


Ob wir auch mal ein Sandboxspiel geliefert bekommen werden, das eine „Spielwelt zum Erleben“ ohne Einbußen mit einer „Welt zum Spielen“ verbinden kann? Dass Rockstar mit Grand Theft Auto IV keine lebensnahe New York Simulation samt der Gameplaymöglichkeiten eines San Andreas geschaffen haben, liegt wohl vor allem an der heutzutage vorhandenen Hardware. Doch selbst mit besserer Technologie wäre ein solches Spiel nicht einfach umzusetzen. Alleine der zeitliche und finanzielle Aufwand wäre (nach heutigen Maßstäben) gigantisch. Das Thema wird voraussichtlich also noch eine ganze Weile lang grundlegende Entscheidungssache bleiben und solange das so ist, schlägt mein Spielspaßgeigerzähler mit ziemlicher Sicherheit auch weiterhin eher in Richtung Weltenflair statt Aktionsvielfalt aus.

zur GTA IV Bildergalerie »

Exklusive Vergleichsbilder zwischen New York City und dem neuen Liberty City aus GTA IV. Darunter au mehr...


 

Kommentare (20)

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04.01.2009 12:38 - Klasse Kolumne!

Ich kann die Meinungen der verschiedenen Spieler gut nachvollziehen. Auch ich war etwas skeptisch, als ich bei GTA IV gemerkt hatte, dass es kaum soviele Freiheiten gibt wie es sie in San Andreas gab.

Mit einiger Verspätung habe ich mir letztens Bioshock gekauft. Klar, man kann es nicht wie ein GTA vergleichen. Ich möchte nur auf das Flair des Games anspielen, welches meiner Meinung nach grandios geworden ist, was auch diverse Tests besagen ;)
Es ist eine Spielwelt, die einen in den Bann zieht. Die Splicer, Rapture, die Story, alles harmoniert wunderbar miteinander, infolgedessen diese absolut geile Atmosphäre entsteht.

Also, in diesem Sinne: ich bin auch ein Weltenbummler und möchte eine Spielwelt, die nur so vor Detailreichtum strotzt :)

Super geschrieben!
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04.01.2009 13:35 - Kann dir bis auf Far Cry 2 total zustimmen. FC2 hat mich total enttäuscht, diese Langeweile, diese blöde hin und herfahrerei, dieses immer gleiche rumschlagen mit blöden Straßensperren die immer wiederkehren schockt einfach nicht.
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04.01.2009 13:42 - ich fand es bei gta IV mit wenigeren, dafür autentischeren möglichkeiten, besser, weil passender zur thematik.
krankenwagenfahrer oder feuerwehrmann hätte da gar nicht
rein gepasst.
bei san andreas wiederrum hat mich das nicht gestört, war
doch der generelle handlungsstrang mit geheimagentenmissionen
und das klauern von kampfflugzeugen weniger realistisch.
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04.01.2009 14:00 - Jep, sehr gute Kolumne, v.a. da deutlich auf die subjektive Sicht der Dinge hingewiesen wird!

Dennoch gehöre ich zu dieser nicht minder großen Gruppe von Spielern, die eine Spielewelt voll von Interaktionsmöglichkeiten, schrägen Miniaufträgen, Klamotten oder Feilschirmsprüngen bevorzugt, besonders wenn sie auch in einer klasse Umgebung wie bspw. in Saints Row 2 eingebettet sind.
Natürlich ist diese nicht derart "atmungsaktiv" wie in GTA4, dennoch entdecke ich auch immer wieder Kleinigkeiten, (Zeitungslesende, Obdachlose unter einer Brücke, Sportler im Park usw.)die ebenso eine durchaus lebhafte Sandboxwelt suggerieren, ohne dabei auf die für mich so wichtigen unzähligen Freizeitaktivitäten zu verzichten.
Klar hat auch Niko einige "Hobbies" denen er nachgehen kann, allering hab ich als Spieler vor lauter Lebhaftigkeit der Umgebung nur selten das Gefühl selber lebhaft eingreifen zu können. So amüsant die Comedyabende auch waren, ziehe ich doch "reale" Interaktionen während einer Zombiejagd oder während einer Runde Destruction Derby jederzeit vor...gerade durch die enorme Langlebigkeit durch den grandiosen KO-OP-Modus!

Ohne Zweifel ist Gta4 ein grandioses Spiel, dass jedoch meiner Meinung nach gerade wegen der Fixierung auf eine atmende Spielewelt, das eigentliche Spielen durch den Gamer etwas vernachlässigt, sodass für mich Saints Row2 diesen Jahr als Sieger vom Platz geht...aber wie schon die Kolumne zu Recht hervorhebt...hiebei kommt es ganz allein auf die Erwartungen und individuellen Vorlieben des einzelnen an!

In diesem Sinne...morgen ist Montag;(
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04.01.2009 14:34 - ich vermute mal stark das es diese gen auch noch ein gta auf
dem wii geben wird. nicht teil 5 sonder wie auf dem ds ein
spinoff. und da die hardwarekapizität nicht für eine sehr
lebendige weld ausreicht wird es wohl in richtung san andreas
bzw saint row 2 gehen.

würde ich jetzt nicht mein letztes hemd für verwetten aber
ich halte es für ziemlich wahrscheinlich.
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04.01.2009 15:38 - ich finde eure kolumnen auch immer sehr gut gelungen und wirklich schön zu lesen. Klasse, dass abseits der normalen Bereichterstattungen auch mal ein Meinungsaustausch stattfindet.

Zum Thema: Ich finde es bedingt gut, welcher Wandel sich gerade breitgemacht hat. Spielefreiheiten etc sind gut und schön aber dieser Trend zu Größe und Pompösität finde ich nicht schön. Spiele wie GTA sollten groß sein und auch so ihr Flair verbreiten aber ich z.B. habe mein Gta verkauft, weil es für mich garkeinen Reiz mehr bietet. Ich verschick es morgen, nachdem es jetzt seit dem Kauf fast nur rumlag. DAs selbe mit etlichen Spinoffs wie die Cod Reihe, was aber vl mehr an meinen eigenen Vorlieben für Spiele liegt und dem welches Spiel den eigenen Geschmack trifft. Far Cry 2 finde ich super, ich liebe das Spiel, jedoch fehlt mir da z.B. die Dichte der Story, Videsequenzen oder mehr Cineasmus hätten dem Spiel das Sahnehäubchen gegeben. Ebenfalls tendiere ich mehr zu Saints Row als zu Gta, was an der vielseitigkeit der Welt liegt. Interaktion heißt für mich Anreiz, ich möchte erleben, interagieren und ausreizen. Andererseits denke ich, dass diese Schematik nicht zu jedem Spiel passt, da gereade alle mit einem Strom schwimmen. Alles muss groß und pompös sein, die Grafik muss protzen und die Mechanik ist bei allem gleich. Siehe Shooter. Durch Kimme und Korn ist total in Mode, ebenso die Kurzsprintversion, riesen Areale und supergeile Grafik aber eine maue Story. Da spiel ich lieber Wii und lass die 360 oder die Ps3 aus und genieß mein Red Steel o.Ä. Vl nicht pompös, keine Hammergrafik etc, aber das Gefühl ist geil, Es fasziniert, die charaktere, ich kann level neuladen und nochmal spielen, ich bin in die Welt hineinversetzt und ich werde im kleinen Rahmen mit vielen tollen Ideen beeindruckt, ohne DLC, ohne Onlinezwang etc...

DAs wäre finde ich auch ein gutes Thema für eure nächste Kolumne. Der Wandel der Spiele und die Unterschiede der letzen Generation zu heute. Rainbow zu Rainbow Vegas, FarCry Instincts zu Far Cry 2, Halo 2 zu Halo 3 und allgemein wenig Spiele aber viel Vielfalt zu viele Spiele aber ein Einheitsbrei.

viel geworden aber das muss halt so sein xD

lg

moink moink
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04.01.2009 22:01 - Schöne Kolumne :)

Zusammengefasst: 30 Stunden mit Brucie gelacht, 130 Stunden mit CJ in San Andreas verbracht und inzwischen ca. 70 Stunden Stillwater unsicher gemacht, aber noch etliche Missionen vor mir (ich freue mich darauf)...welche Art von Sandkasten-Game könnte mir wohl gefallen? :) Rockstar kann durchaus superbe Geschichte erzählen, nur kannte man das beste schon aus San Andreas oder auch Bully, es wird einfach zu oft wiedergekäut, ich konnte mit Nico nichts anfangen (ich würde so gerne, kann aber nicht, wen muss ich dafür töten, Geld habe ich am Ende zu Genüge, doch verkauft mir niemand dafür Apparments etc) - wie rotzfrech und böse man eine Story erzählen kann, haben die Jungs von Volition auch gezeigt...bisher zumindest...Bruderschaft und Ronin sind abgehakt, sie müssen sich nicht verstecken und gut spielen lässt es sich dazu auch noch...
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 Wishlist 20 Kommentar-Tippse 50 Liebling der Massen 50 MyGames Liste 20 Fable 2 Spieler
05.01.2009 04:33 - ich bevorzuge ja mehr saints row 2.
schon die tatsache seinen eigenen char zu erstellen und nicht mit so einem komischem russen spielen zu müssen fand ich super.dann die ganzen aktivitis .ich hatte noch nie soviel spaß mit einem truck der scheiße sprüht...
storytechnisch fand ich beide nicht so toll.mit brucie und co bowlen gehen kann mich einfach nicht fesseln den es war weder lustig noch sinnvoll.
aber gta ist natürlich auch super es hat eine tolle welt und schöne grafik aber ehrlich gesagt mehr finde ich an dem spiel net...
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 Liebling der Massen 50 Kommentar-Tippse 50
05.01.2009 05:55 - Ich will Shenmue 3
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 Kommentar-Tippse 50 Liebling der Massen 50
05.01.2009 13:53 - ich will mafia 3
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