Splinter Cell - Trilogy HD
Ubisoft gehört momentan zu den fleissigsten HD-Zweitverwertern: Nachdem man bereits die Prince of Persia Reihe und Beyond Good & Evil für hochauflösende Fernseher aufpoliert hatte, widmet man sich nun der Ursprüngen der Splinter Cell Reihe. PS3-Besitzer können nun für günstige 25€ die ersten drei Teile im scharfen Gewand bewundern. Lohnt sich der erneute Besuch bei Third Echolon?
Splinter Cell erschien im Jahre 2002 erstmals für Xbox und PC. Die Reihe modernisierte das bereits von Spielen wie Metal Gear Solid etablierte Stealthgenre und machte es dank Tom Clancy Lizenz etwas glaubwürdiger als die etwas abgedrehte Spionagewelt von Hideo Kojima. Im vergangenen Jahr erschien mit „Conviction“ bereits der fünfte Teil des Franchises, das momentan etwas unter Selbstfindungsschwierigkeiten leidet (Mehr Action? Zuviel Action?) Die HD-Remakes, die vorerst PS3 exklusiv sind, basieren auf den PC-Versionen der ersten drei Splinter Cell Spiele und bieten daher ein scharfes Bild mit recht detaillierten Texturen. Gerade der dritte Teil „Chaos Theory“ kann durch den exzessiven Einsatz von Shadern auch heute noch überzeugen, auch wenn der Anblick von regennassen Oberflächen heute natürlich niemanden mehr aus den Socken haut. Alle Spiele laufen in 720p Auflösung, können mit einigen Tricks auch auf 1080p gebracht werden, was die Framerate aber unter 20 Bilder in der Sekunde drückt. Besitzer von 3D-Fernseher können alle drei Spiele auch im stereoskopischen 3D bewundern. Das mag die 2D-Defense Force von AreaGames aber nicht (bis auf Nils, diesen Verräter). Obwohl die Unreal Engine 2, auf der die Spiele basieren, mittlerweile kein Problem für die Hardwarepower der PS3 sein sollten, stellt sich bei keinem Teil ein wirklich flüssiges Spielgefühl ein. Ein kleiner Trost: Genau unter diesen Problemen litten bereits Xbox und PC-Version des Spiels. Leider liegen auch die Zwischensequenzen in ihrem verpixelten PAL-Originalformat vor, was anbetracht der restlichen HD-Grafik kein besonders schöner Anblick mehr ist. Dafür können alle Spiele dank HD-Auflösung im Breitbildformat genossen werden, jüngere Leser seien daran erinnert, dass es 2002 noch so etwas wie 4:3 Fernseher gab. Ärgerlich ist hingegen das Fehlen der Möglichkeit, die Y-Sichtachse des Spiels zu invertieren, was viele Spieler zu einer nervigen Umgewöhnungsphase zwingt. Und das obwohl die zu Grunde liegenden PC-Versionen das damals bereits angeboten hatten. Hier scheint leider auch kein Patch mehr Abhilfe zu schaffen, da Ubisoft bei seinen HD-Collections wohl nach dem Motto „Aus dem Brennwerk, aus dem Sinn“ vorgeht.
Splinter Cell
Der namensgebende erste Teil legte die wichtigsten Grundpfeiler des Franchises. Sam Fischer, ein ehemaliger Elite-Agent der NSA wird für das neue Third Echolon Programm rekrutiert und muss sich in Tiflis auf die Suche nach verschollenen Agenten machen. Dabei steht ihm modernste Tarnungs und Schleich-Hardware zur Verfügung, mit deren Hilfe er vor allem eines sein soll: Unauffällig. Aus heutiger Sicht ist das erste Splinter Cell Abenteuer ungewohnt hart. Ohne Nahkampfattacke ist Sam bei fast jeder Sichtung durch die Gegner geliefert und darf immer wieder Gebrauch von der Speicherfunktion machen. Immerhin kann der Spieler nun selbst jederzeit speichern und ist nicht auf knappe Speicherpunkte wie im Xbox-Original angewiesen. Außerdem müssen sich Spieler ersteinmal daran gewöhnen, sehr viel Zeit im Dunkeln zu verbringen und auf das Nachtsichtgerät zurück zugreifen. Selbst 2002 kam die schöne Grafik durch den ewigen Einsatz von Sichtverbesserungen nicht richtig zm Tragen. Aber diese schönen Vorhänge im Leichenhaus...Sehr streng und aus heutiger Sicht unverständlich: Sam kann immer nur sein eigenes Gewehr benutzen und lässt sich lieber erschiessen, als eine umherliegende Knarre aufzunehmen. Das nennen wir mal konsequent. Oder dumm.
Splinter Cell: Pandora Tomorrow
Pandora Tomorrow, von vielen auch liebevoll "Splinter Cell 1.5" genannt, änderte wenig an der Grundformel des Spiels und erweckte daher bei vielen Spielern den Eindruck eines Missionspack. Heute würde man das als DLC bezeichnen. Verwunderlich war das nicht, plante Ubisoft ursprünglich sogar, das Spiel als Stand-Alone Addon wie im Fall von Ghost Recon: Island Thunder auf den Markt zu bringen. Während sich spielerisch nicht viel geändert hat, sind die Einsätze jedoch etwas abwechslungsreicher gestaltet und Fisher kann dank weltweiter Einsätze sein Miles & More Konto fleissig aufladen. Besonders Highlight in der Singleplayer Kampagne ist dabei eine Mission, die an Bord eines Hochgeschwindigkeitszug spielt, der natürlich deutlich an den französischen TGV angeleht ist. Für besondere Begeisterung sorgte jedoch der Mehrspielermodus: Vier Spieler teilen sich hier in zwei Teams von NSA-Agenten und Shadownet-Spionen auf und versuchen bestimmte Missionsziele wie das Stehlen von Biokampfstoffen zu erreichen, bzw. zu verhindern. Nur ist dieser für damalige Verhältnisse bahnbrechende Spielmodus bei der PS3-HD Collection nicht mehr mit dabei. Denn die Mehrspielermodi strich Ubisoft kurzerhand aus allen drei Spielen der HD-Collection.
Splinter Cell: Chaos Theory
Wow. Sieht das gut aus. Zum Ende der Xbox und PS2 Generation ließ es Ubisoft nocheinmal richtig krachen und bot mit Sam Fischers dritten Einsatz eine Grafikpracht, die einen ersten Ausblick auf die kommende Konsolengeneration ermöglichte.In 11 Missionen wird Sam wieder über die ganze Welt gejagt, um eine Eskalation einer Krise mit Nordkorea, die angeblich ein japanisches Schiff angegriffen haben, zu verhindern (Wie war das nochmal in "James Bond 007: Der Morgen stirbt nie"...). Die wohl wichtigste Neuerung des Spiels ist ein einfaches Nahkampfmesser, das Sam nun auch ermöglicht, Gegner frontal mit einem Stich niederzustrecken. Dank mehrer Lösungswege ist eine Mission nicht sofort dann gescheitert, wenn ihr den einzigen Wachmann, der einen Zugang für einen Retinascan besitzt, „aus Versehen“ ausgeschaltet habt. Neu hinzugekommen ist außerdem der Kooperativ-Modus, der vier Missionen beinhaltet, in dem zwei Agenten sich gegenseitig helfen müssen, um das Missionsziel zu erreichen. Und schwupps, wie gehabt könnt ihr diesen Modus in der aktuellen HD-Version natürlich nicht spielen.
Die Splinter Cell Collection ist eine gute Möglichkeit für jüngere Fischer-Fans, die Ursprünge der Reihe nachzuerleben. Wer also erst mit "Double Agent" oder "Conviction" in die Third Echolon Welt eingestiegen ist, bekommt hier ein dickes Agenten-Paket geschnürt, das optisch durchaus ansehbar ist und dabei alte Tugenden wie Geduld und Frustresistenz verlangt. Allerdings sollte man sich darüber im klaren sein, dass es keine ergreifende Sam Fischer Story oder gar eine nennenswerte Rahmengeschichte gibt, die man unbedingt gesehen haben sollte um die aktuellen Spiele besser zu verstehen. Und anbetracht des günstigen Preises von knapp 25 € sollte es auch niemanden verwundern, dass Ubisoft nicht allzuviel Feinarbeit in die Collection gesteckt hat. Auch wenn gelegentliche Framerate-Eibrüche durchaus noch als „authentisches“ Spielgefühl durchgehen, so ist die nicht invertierbare Steuerung für Leute wie mich (die immer die Y-Achse invertieren) allerdings eine echte Spielspaßbremse. Es ist schade, dass Ubisoft das nicht noch nachpatchen konnte. Es fällt daher schwer, der Collection eine faire Gesamtwertung zu geben. Chaos Theory sieht auch heute noch schick aus und lässt sich gut spielen. Die anderen Spiele verlangen etwas zuviel Verständnis vom "modernen" Spieler. Trotzdem könnte man mit etwas mehr Sorgfalt sicherlich mehr aus einer solchen Sammlung herausholen. Der fehlende Multiplayer fällt dabei in meinen Augen nicht so sehr ins Gewicht wie die schludrige und hastige Konvertierung einer PC-Version. Auch Bonus-Zugaben wie Making Ofs, Artworks oder Trailer fehlen hier leider völlig. Wer also nicht die ganze Ursuppe des Splinter Cell Franchises nachholen möchte, sondern nur ein sehr gutes und halbwegs zeitgemäßes Action-Stealth Spiel nachholen will, kauft sich lieber "Chaos Theory" einzeln für knapp 10€ im PSN.
Bewertung
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Kommentare (14)
Bramahummel
Nee nee nee, hab alle drei für die gute alte xbox im Regal!!!!
karatecat
Schade das das alte ps2 intro von ersten teil nicht mehr dabei ist...das fand ich damals super und dachte so wird das spiel.
http://www.youtube.com/watch?v=MYUc0xHvp4U
Dark-Volcano
Ich hätte ja schon irgendwie wieder Bock auf das Gameplay, aber die Grafik kann ich mir wohl heute nicht mehr antun, da ich die Spiele nicht noch einmal kaufen werde. Am besten UbiSoft kündigt bald ein neues Splinter Cell mit dem alten Gameplay an. Ich glaube dann wären alle Fans auf der Welt glücklich und würden es sofort kaufen.
Jeeper74
Die ersten 3 Teile sind meiner Meinung nach auch die Besten Teile der SC-Reihe. Das sie jetzt so lieblos und neu verpackt auf den Markt kommen haben sie nicht verdient. Schade.
Warpspinne
"...leuchte mir nicht ins Gesicht, du dämlicher Scharfschütze..." Achja, der beste Dialog der SC Reihe..:D Mh schade, da hätte Ubi mehr machen können..aber leider kennt man Ubi ja nicht anders..die bringen nurnoch halbgekochten Mist raus. Assasins Creed 29039134789 :>
DeliverersBestFriend
formelle rechtschreibung dieses tests: 6/10
karatecat
Wenichtens ist der preiss nicht ubertrieben wie beim ahnlichen capcom produkten.
AssassinsWeed
@ DeliverersBestFriend:
Selber Satzanfänge und Nomen kleinschreiben, aber sich dann über die Rechtschreibung von anderen echauffieren, das mag ich.
Creed Diskens
hab auch alle ausser den ersten, der war auch fast unspielbar. war zwar endgeil damals, aber sam konnte noch zuwenig für das was das spiel verlangte. aber der conviction war für mich der tot von splinter cell.aber die gaming industrie ist mittlerweile genauso dumm wie ihre konsumenten (äh mittlerweile, den fehler machen sie eigentlich schon immer), warum zum teufel bringe ich die ganzen collections in der heißesten phase. hätte man doch eine im sommerloch oder anfang des jahres gebracht.Assassins creed ist richtig geil- gefällt mir super die serie. nur dass man nicht richtig schleichen kann also in die hocke gehen kann, finde ich immer noch lächerlich. hey ich bin assassine
Alexander Laschewski-Voigt
Wobei DeliverersBestFriend nicht ganz unrecht hatte. Musste gestern mein Fazit nochmal überarbeiten, da hatte ich ziemlich grausige Fehler und Formulierungen drin. Mea Culpa.