Freitag, 05. September 2008
16:20 Uhr - Es soll der Titel des Jahres werden, Quatsch was rede ich eigentlich, der Titel des Jahrzehnts. Immerhin sitzt Mastermind Will Wright hinter den Kulissen. Mit Sim City hat er gezeigt, wie man Städte errichten und managen kann. Eine Revolution. Mit Die Sims hat er gezeigt, wie man Menschen „errichten und managen“ kann. Noch eine Revolution, denn die Simulation eines Menschen/Hundes/einer Familie und was es sonst noch für Addons gab, ist die meistverkaufte Spieleserie aller Zeiten. Spore vereinigt diese beiden Titel miteinander und erweitert sie um die Möglichkeit bereits beim sprichwörtlichen Urschleim einzugreifen. Evolution der Revolution?
Als ich zum ersten Mal von Spore gehört habe, war ich stark begeistert. Die Evolution nachspielen! Das gab es noch nie. Ich und meine Entscheidung haben Einfluss auf das Geschehen um mich, die Landschaft und natürlich meine Kreatur. Man will doch tatsächlich Sims-Elemente mit denen von Städtebausimulationen und Echtzeitstrategie-Spielen kombinieren. Am Ende steht sogar das ganze Universum offen und man kann mit all den anderen Sporern interagieren. Ein Genre-Komplettpaket? Auf dem Papier klingt es danach fast, doch schon damals habe ich mich gefragt, wie man diese ganzen Elemente einem Überziel unterordnen will, dass den Spieler nicht nur fordert, sondern auch längerfristig unterhält. Mich beschlich die Befürchtung, das ganze Will Wright-Überprojekt könnte als eine Art Mini-Spielsammlung, deren Enden sich zwar gegenseitig bedingen, dennoch separat zu betrachten sind, enden. Wird es den Jungs von Maxis gelingen eine Einheit zu schaffen, die es dem Spieler ermöglicht, ständig herum zu experimentieren, oder gibt es irgendwann einen Punkt an dem alles zur Routine wird und man nach Schema F das Universum erobert?
Lange Zeit verging und man hörte wenig von Spore, doch dann veröffentlichte EA den Spore Creature-Creator. Ein Tool zum Erstellen eigener Kreaturen, deren Form und Farbe gänzlich den Vorstellungen des Erschaffers unterlagen. Ein bisschen mit dem Editor auseinander gesetzt, gelang einem die wahnwitzigsten Ausgeburten menschlicher Phantasie. Da man sein Werk über Youtube den Bewohnern dieser Erde zugänglich machen konnte, war das Videoportal schnell mit den merkwürdigsten Kreaturen zugepflastert. Von Xbox 360-Controllern über Brüsten auf Füßen bis hin zu... nun lassen wir das. Die Community spielte also schon mal mit. Der Grundgedanke von Will Wright, nämlich der Social-Aspekt schien also erfüllt. Jetzt noch das perfekte Spiel drumherum veröffentlichen und der Rekord von Die Sims dürfte ernsthaft in Gefahr geraten.
Versucht sich nicht gänzlich vom Hype um Spore anstecken zu lassen, habe ich mir den Titel geschnappt und gleich losgelegt. Im Vorfeld dieses Tests will ich aber anmerken, dass dieses Spiel noch auf sein volles Potential getestet werden kann, denn die wahre Perle soll ja der Online-Aspekt sein. Wie der sich mit (aus EA-Sicht) hoffentlich Millionen Fans gestaltet, lässt sich noch nicht absehen, daher versuche ich mich eher auf den Weg bis zu diesen Punkt zu konzentrieren und einen kleinen Ausblick zu wagen.
Wenn es um die Frage der Entstehung des Lebens geht, dann hat Will Wright, zumindest in Spore, nur eine Antwort parat: Ein Meteroit muss auf einen Planeten, den ich übrigens vorher benennen darf, hab mich, altmodisch wie ich bin, für „Erde“ entschieden, eingeschlagen sein. Klingt ehrlich gesagt nicht unbedingt nach Leben, aber im Inneren des Klumpens warteten Einzeller endlich aus ihren steinigen Gefängnis entlassen zu werden, um den unwirtlichen Planeten bevölkern zu können. Und genau eine dieser Zellen darf ich mir vorher aussuchen, benennen und bestimmen, ob sie, wenn es um das Thema Nahrung geht, eher dem Fleisch zugetan ist, oder aber dem Grünzeug frönt. Jetzt noch schnell einen von drei Schwierigkeitsgraden gewählt und schon startet man als Einzeller. Da so ein Einzeller von Steuererklärungen und Scheidungen nichts weiß, sondern einzig das Überleben und Wachsen zum Ziel hat, werde ich ebenfalls mit diesem Thema die nächste, sagen wir halbe Stunde verbringen. Da mein Einzeller eher auf Fleisch steht, gilt es leicht zu erkennende, rote Partikel in der trüben Ursuppe anzuklicken, was wiederum dazu führt, dass sie über das Fresswerkzeug eingenommen werden. Dafür bekommt man dann so genannte DNA-Punkte und ein Fortschrittsbalken am unteren Bildschirmrand füllt sich. Hat man genug gemampft, fängt die Zelle zu wachsen an. Das ist auch bitter nötig, denn man ist mit seiner Kreatur in dieser Suppe weit entfernt davon, allein zu sein. Überall wuselt das Leben und das Prinzip Fressen oder Gefressen werden herrscht in allen Ecken. Ständig schwimmen andere Einzeller vorbei oder aber ihr begegnet hungrigen Räubern, die euch gerne mal jagen. Im Hintergrund seht ihr dann wahre Riesen, die von euch aber NOCH keine Notiz nehmen – bis ihr zu wachsen beginnt.
Kommentare (18)
Sehr schöner Test =)
PS: Was passiert denn, sobald man die Weltraumphase abgeschlossen (alle Balken gefüllt) hat? Steht dann da ein tolles Game Over, sieht man einen Embryo im Weltall, der meine Kreatur darstellt *g*, oder, oder, oder?
T.K.
T.K.
jensen
Zerfikka
Sven Siemen
Wolverine
Real_Claymore
Real_Claymore
Sorry gerade erst gelesen ;)
Daniel Pook