Star Ocean 4: The Last Hope
12:46 Uhr - Obwohl ein bahnbrechender Erfolg der Xbox 360 in Japan weiterhin ausbleibt, bietet sie im Vergleich zur Vorgängerkonsole eine ganze Armee asiatisch angehauchter Rollenspiele: Infinite Undiscovery, The Last Remnant, Eternal Sonata, Final Fantasy XIII – um nur einige zu nennen. Entwickler triACE bereichert die Genre-Bibliothek mit „Star Ocean 4: The Last Hope“ um einen weiteren Titel, und das sogar exklusiv. Wir haben uns auf eine Reise in die Galaxie gewagt und berichten euch von unseren Eindrücken!
Der Held, die Braut, der Weltuntergang
Welch kleines Problem eine Weltwirtschaftskrise eigentlich ist, sieht man an der Welt von „Star Ocean 4“. Dort ist im Jahr 2064, also noch vor dem eigentlich ersten Teil der Spielreihe, kurzerhand der Dritte Weltkrieg ausgebrochen und hat das Leben auf der Erde nahezu unmöglich gemacht. Als Konsequenz begeben sich die ehemaligen, noch übrig gebliebenen Bewohner des Planeten auf die Suche nach einer neuen Heimat, natürlich mithilfe von Raumschiffen inklusive Warpfähigkeit. Ihr schlüpft in die Rolle von Edge Maverick, Mitglied der Space Reconnaissance Force (kurz: SRF) und macht euch für die Rettung der Menschheit stark. Zusammen mit Reimi Saionji, einer langjährigen Freundin, werdet ihr Crew-Mitglied eines Raumschiffes, um bislang unerforschte Lebensräume zu erkunden. Zwar erreicht die Mannschaft einen neuen Planeten, natürlich läuft aber alles anders ab, als ursprünglich geplant: Das Schiff erleidet Schaden, stürzt ab und zu allem Überfluss tummeln sich an der ansonsten wunderschönen Oberfläche auch noch unzählige fiese Monster. Zum ersten Kampf kommt es aber erst, nachdem wir uns fast eine Stunde lang Zwischensequenzen angesehen haben, die allerhöchstens durch äußerst kurze Laufwege unterbrochen werden. Immerhin führen euch die Cutscenes perfekt in die Geschichte ein und warten mit einer ordentlichen, englischen Sprachausgabe auf. Natürlich finden sich unter den japanisch angehauchten, verniedlichten Figuren auch einige Piepsstimmen-Vertreter mit scheinbarer Hyperaktivität. Sowas gehört wohl dazu, merkt euch einfach mal den Namen "Lymle"… Für ein besseres Verständnis sind natürlich auch optional einschaltbare, deutsche Untertitel am unteren Bildschirmrand vorhanden.
Ein Weltenretter zeigt sein Können
Irgendwann übernehmen wir dann auch endlich die Kontrolle über Edge und erkunden zum ersten Mal die Gegend rund um die Absturzstelle des Raumschiffes. Bis auf ein paar energiespendende Blaubeeren in einigen Ecken gibt es hier allerdings noch nicht viel zu sehen, daher quatschen wir einfach ein paar Crew-Mitglieder an. Hier verzichtet der Titel dann schließlich auf vertonte Dialoge und serviert uns eine Textbox nach der anderen. Nach einigen investigativen Gesprächen findet unser Hauptcharakter endlich die Person, mit deren Ansprechen wir eine weitere Zwischensequenz auslösen. Na toll. Doch dann passiert alles ganz schnell: Übergroße Spinnenmonster greifen das Bergungsteam an, die trainierten und bewaffneten Soldaten haben natürlich nicht den Hauch einer Chance. Praktischerweise landet vor unseren Füßen ein glänzendes Schwert im SciFi-Stil, mit dem wir direkt in den Kampf ziehen. Gegner sind übrigens jederzeit auf der Oberwelt sichtbar und können durch den geschickten Einsatz kleiner Sprints auch umgangen werden. Am besten ist es, den Widersachern in den Rücken zu fallen, denn dann startet ihr mit einem kleinen Überraschungsmoment in den Kampf. „Star Ocean 4“ verwendet ein Real Time Battle System - auf traditionelle, rundenbasierte Kämpfe wird damit verzichtet. Stattdessen bewegt ihr euch stets in Echtzeit auf einem eingegrenzten Kampffeld und verpasst euren Widersachern per Tastendruck ein paar Schwerthiebe. Nachdem die zwei Monster erledigt sind, eilen wir in das Raumschiff zurück, um uns nach dem allgemeinen Befinden zu erkunden. Das war zu erwarten: Der Captain lobt unsere Tapferkeit (schließlich ist Edge der einzige Kämpfer, der es mit den Viechern aufnehmen konnte!) und schickt uns prompt auf die Suche nach einem zweiten Raumschiff, welches ebenfalls in der Nähe abgestürzt sein soll.
Im gemeinsamen Kampf gegen Kameraprobleme
Bevor wir die erste risikoreiche Reise antreten, gewährt man dem neuen Helden eine kleine Verschnaufpause an Deck des noch immer beschädigten Weltraumkreuzers. Hier offenbaren sich die ersten technischen Macken von „Star Ocean: The Last Hope“: In den engen Räumen schafft es die Kamera oftmals nicht, einen geeigneten Winkel einzufangen und springt zum Teil wild hin und her. Auch grafisch könnte so einiges aus der vergangenen Konsolengeneration stammen: Matschige Texturen auf Schaltpulten, Flimmern an allen Ecken und eine eher triste Gestaltung der gesamten Umgebung trüben den Eindruck deutlich. Dafür sieht die Oberfläche des Planeten dank seiner glitzernden Wasserfälle und artenreichen Flora und Fauna umso beeindruckender aus. Die kantigen Felsen, zahlreiche unsichtbare Wände und das platte Gras sollte man in solchen Momentan jedoch gedanklich ausblenden… Als unser Weg nun endlich weitergehen soll (vorher wird über einen der festen und leider sehr spärlich verteilten Speicherpunkte gesichert), folgt die nächste, längere Zwischensequenz. Natürlich will Reimi ihren Freund nicht einfach so der drohenden Gefahr aussetzen und macht ziemlich schnell klar, dass auch sie Teil der Rettungsaktion sein wird. Kein Problem, schließlich sind noch genügend Plätze in unserer Party (maximal vier Plätze) frei und auch ihre blitzblank geputzte Armbrust ist sicherlich nicht von Nachteil.
Was in den nächsten 30 Minuten folgt, ist ein Kampf nach dem anderen. Nur, dass Edge nicht mehr auf sich alleine gestellt ist. Reimi agiert dabei völlig selbstständig, weicht Angriffen aus und behagelt die Feinde ständig mit Pfeilen. Über das Pausenmenü können wir ihr einige rudimentäre Befehle geben, von der Passivität bis zum Auslassen von energieverbrauchenden Spezialangriffen ist hier alles vorhanden. Über weitere rollenspieltypische Aspekte wie das Aufleveln, die Nutzung von verschiedenen Tränken sowie MP-intensiven Spezialattacken brauche ich hier wohl keine Worte zu verlieren. Hier ist „The Last Hope“ völlig traditionell ausgerichtet und geizt, zumindest in den ersten Spielstunden, mit jeglichen Innovationen. Dafür offenbart das Kampfsystem mit zunehmender Spielzeit und ansteigender Charakteranzahl (sieben Stück werden es insgesamt) immer neue Kniffe, um sich gegen Aliens, Roboterwesen oder Echsengegner zu wehren. Mit dem so genannten Blindside-System wird die Zeit verlangsamt, die BEAT-Stile ermöglichen individuelle Offensiv- und Defensivfähigkeiten, speziell an eure Spielweise angepasst. Darüber hinaus gibt es serientypisch wieder ein Meter, das durch Spezialattacken und andere Manöver gefüllt wird und euch nach einem Fight EP-Boni, zusätzliche Energie oder sonstige Nützlichkeiten gewährt. Neben dem ausufernden Einsatz dieser intuitiven Mechaniken während der Mainquest gibt es natürlich auch abseits der Story viel zu tun: neue Charaktere bringen neue Fähigkeiten mit, etwa dem Abbau von Erzen oder Pflanzen, mit denen man am Board seines Raumschiffes neue Dinge fertigen kann. Investiert man ausreichend virtuelles Geld in die Zutaten, erhält man so immer mächtigere Waffen, Rüstungen und andere Gegenstände. Kohle fließt unter anderem nach dem Erledigen von Nebenmissionen auf euer Konto, diese gestalten sich allerdings etwas eintönig und konfrontieren euch mit immergleichen Aufgaben.
Pro und Contra
- + intuitives Kampfsystem
- + abwechslungsreiche Planeten, ...
- + gelungene englische Synchronisation
- + lange Zwischensequenzen
- - lahme Story-Präsentation
- - ..., die für sich gesehen oftmals monoton werden
- - Lymle nervt
- - lange Zwischensequenzen
- - sparsam verteile Speicherpunkte
Öde in der Galaxie, Kämpfe retten den Gesamteindruck
Anfangs war ich von "Star Ocean: The Last Hope" ziemlich angeödet. Das lag nicht nur daran, dass ich die ersten Spielstunden bereits vor etwa drei Monaten in einer Previewfassung hinter mich gebracht hatte. Nein, die Planetenoberflächen sind oftmals monoton gestaltet und zwingen aufgrund äußerst sparsam verteilter Save-Points zum langanhaltenden Aufenthalt. Doch mit der Zeit kamen neue, interessante Charaktere, abwechslungsreichere Gegnertypen und auch die Atmosphäre konnte trotz eher schwacher Story vereinzelt durchaus punkten. Was mich aber über ganze drei DVDs über an die Konsole fesselte, war das hervorragende Kampfsystem. Kloppte man zu Spielbeginn noch unkontrolliert auf der A-Taste herum, entwickelte sich mit der Zeit ein immer größeres Verständnis für die vielen Möglichkeiten, die das Spiel bietet. Und so war der Weg zum nächsten Boss-Gegner (für die "Huren": GameScore gibt es fast nur durch diese) doch noch ein tolles Erlebnis. Damit stellt "The Last Hope" den perfekten Zeitvertreib zum nächsten Japano-RPG dar. Zeitvertreib ist dabei wörtlich zu nehmen: Mit "Star Ocean" kann man mal wieder eine gefühlte unendliche Zeit verbringen.
Bewertung
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Kommentare (19)
Strolch
Um mich über mehrere DVDs zu fesseln muss ein Titel schon richtig, richtig außergewöhnlich sein, so gut kenne ich mich.
Da spar ichs mir lieber erstmal.
Robert Buch
Rude
Robert Buch
Daniel Pook
blub.me
Turkishflavor
Jeridian2
[LeX] DirtyP2002
Turkishflavor