19.01.2007 10:22
Star Wars: Republic Commando
Es ist mal wieder soweit: Schlangen bilden sich vor amerikanischen Kinos, während komisch aussehende Mittdreißiger in Schlafsäcken vor den Lichtspielhäusern kampieren, nur um als zu den Ersten zu gehören, welche die vermutlich letzte Episode der Star Wars-Kinoreihe sehen zu dürfen. Videospieler haben es da doch gleich viel einfacher: Kurz das neuste Spiel aus dem Hause LucasArts, Republic Commando gekauft und schon geht es als Klonkrieger ins Gefecht. Jedis kriegt man da zwar nicht vor die Flinte, dafür erlebt man hautnah einen Teil der Vorgeschichte zu Die Rache der Sith.
Im Gegensatz zu den bisherigen Star Wars-Spielen schlüpft ihr in Republic Commando nämlich nicht in die Haut eines (Licht-)Schwert schwingenden Jedi-Ritters, sondern übernehmt die Rolle eines der aus Episode II bekannten Klonkrieger. Und da man als Spieler immer etwas besseres sein will, als Soldat 34.2223a.3, ist man nicht irgendein Klonkrieger, sondern Mitglied einer elitären Spezialeinheit, die sich auf vier Mann zusammensetzt. Eure Kameraden hören dabei auf so wohlklingende Namen wie Sieben, Scorch oder Fixxer und besitzen zumindest auf dem Papier allesamt unterschiedliche Fähigkeiten.
In der Praxis kann jedoch jeder alles. Überhaupt stellt sich ziemlich schnell heraus, dass vom versprochenen Taktikaspekt der Verpackungsrückseite im eigentlichen Spiel wenig üig bleibt. Zwar könnt ihr mittels Digi-Pad euren Kameraden einfache Befehle geben, zwingend nötig ist dies fast nie. Die gescriptete KI eurer virtuellen Kameraden ist so gut, dass sie ihren Job meist auch ohne euer Wirken bewältigen. Einzig an Schlüsselstellen wie verschlossenen Türen ist euer Eingreifen von Nöten. Hier blendet das Spiel kurzzeitig ein Hologramm einer bestimmten Aktion ein, welche eure Kommendos dann ausführen. So lassen sich dann beispielsweise Wege frei sprengen. Das System klappt dabei erstaunlich gut und geht angenehm flüssig von der Hand, mit einem echten Taktikshooter hat Republic Commando deshalb jedoch nichts am Hut
Vielmehr ballert ihr euch die meiste Zeit in bester Serious Sam-Manier durch insgesamt vier Welten. Mit Multifunktionsgewehr, dass Schnellfeuerwaffe, Granatwerfer und Scharfschützengewehr in einem ist, sowie maximal einer weiteren Waffen entfernt ihr dabei (leider) äußerst stupide Gegner aus den streng linearen Gängen. Wer Abzweigungen oder gar Rätsel erwartet, ist hier falsch. Hier und da wird zwar einmal ein Schalter umgelegt, dies war es jedoch auch schon. Dies ermüdet auf Dauer, zumal die Gegneranzahl arg begrenzt ist. Meist schlagt ihr euch für Stunden mit nur zwei Gegnertypen herum.
Dass gelegentlich dennoch der Adrenalinpegel steigt, liegt an der hervorragenden Präsentation des Ganzen. Eure Kollegen rufen sich stetig Sprüche und Befehle zu, überall echen Dutzende gescripteter Ereignisse über euch herein und der tolle Soundtrack, der neben einigen rockigen Stücken auch Elemente aus dem Episode III-Soundtrack enthält, sorgt ebenfalls für Spannung. Leider hält das Spiel die gute Präsentation nicht konstant durch und langweilt immer wieder mit sehr gestreckt wirkenden Abschnitten. Diese verlängern die Gesamtspielzeit jedoch auch nicht wirklich. Nach knapp zehn Stunden sollte der geübte Spieler das leider ziemlich aupte Ende zu Gesicht bekommen.
Bis dahin verwöhnt das Spiel jedoch immerhin mit teils beeindruckenden Grafiken, wie man sie so nur selten auf Xbox zu Gesicht bekommt. Schöne Licht- und Schattenspielerein, wohin das Auge schaut, tolle Reflexionen und hervorragende Animationen lassen den Titel in der grafischen Spitzenliga der Xbox-Liga mitspielen. Besser sieht es da nur im Soundbereich aus. Neben dem schon erwähnten Bombastsoundtrack bietet das Spiel gelungene, deutsche Sprachausgabe und krachende Soundeffekte in Dolby 5.1. Leider wird die Edeltechnik mit gelegentlichen Rucklern und einem teils heftigen Tearing erkauft. Zudem stören lange Ladezeiten zwischen zwei Abschnitten.
Im Mehrspielerbereich sieht es dagegen überhaupt nicht rosig aus. Zwar bietet das Spiel Mehrspielergefechte mit bis zu sechzehn Teilnehmern über Netzwerk oder Xbox Live, Spaß am Geschehen dürfte davon jedoch keiner haben. Die Arenen fallen durch die Bank langweilig aus und außer den üblichen Deathmatch-Modi bietet der Titel leider nichts Neues. Zumindest stimmt der Netzcode, so dass Lags nie vorkommen. Wer dennoch Probleme mit der Anbindung hat, stellt entweder selbst einen Dedicated Server oder sucht nach selbigem.
„Kein Taktikshooter!"
(Meinung » Sven Mittag)
Um eins zu Beginn klarzustellen: Egal, was euch die Verpackung weiß machen will, egal, was die Werbung sagt: Republic Commando hat so viel mit einem Taktikshooter gemein wie unser Verlagshausmeister mit einem ausgebildeten Wachmann. Der neuste Shooter aus dem Star Wars-Universum setzt noch stärker auf lineare Run-and-Gun-Action als noch Jedi Academy. Vom Weg abkommen ist unmöglich und eure taktischen Befehlsmöglichkeiten beschränken sich auf ein absolutes Minimum. Meist veringt ihr eure Zeit damit, scheinbar nie enden wollende Gegnerwellen in bester Serious Sam-Manier wieder ins Datennirvana zu schicken. Dies mag kurzzeitig durchaus Spaß machen, auf Dauer wird das sich stetig wiederholende Gameplay jedoch extrem monoton.
Dass sich Star Wars-Fans dennoch durch die (kurze) Kampagne beißen werden, liegt vornehmlich an der hervorragenden Präsentation und Technik des LucasArts-Produkts. Wabbernder Bodennebel, bombastische Explosionen und überaus gelungene Animationen sorgen für Atmosphäre pur. Zudem überzeugt der Soundtrack auf ganzer Linie. Profitieren Star Wars-Titel schon seit jeher von den bekannten John Williams-Klängen, glänzt Republic Commando mit einer Vielzahl neuer Musiktitel, welche das treibende Geschehen auf dem Bildschirm hervorragend unterstreichen.
Extrem enttäuschend fällt dagegen der Online-Part aus. Während Splitscreen-Duelle aufgrund der viel zu großen Arenen, sowie fehlender Bots schon nach wenigen Sekunden ermüden, nervt über Xbox Live der lustlose Aufbau der 3D-Arenen, sowie der Moderator, welcher wohl nur den Satz „Headshot“ beherrscht, den er dafür fast im Sekundentakt von sich gibt.
Insgesamt ist Republic Commando somit eine nette Einstimmung auf Episode III, sowie ein Technik-Fest für Fans extrem geradeliniger Shooterkost. Wer dagegen eher auf Spiele mit Tiefgang aus ist, sollte um das neuste LucasArts-Produkt einen weiten Bogen machen.