Street Fighter IV
13:00 Uhr - Es ist wohl eines der prägnantesten Spiele unserer Kindheit: Street Fighter II! Wer erinnert sich nicht an die zahllosen Schlachten an einem Fernseher, in denen es hieß: Ken vs. Ryu, Blanka vs. Bison, Chun Li vs. Honda und so weiter? Was wurde auf den Schulhöfen nicht darüber diskutiert, welcher denn der beste Kämpfer sei. Ob Zangiefs fehlende Fernkampfattacken ihn, trotz seiner Größe, nicht als Opfer dastehen lassen, oder Blancas Stromschläge nur für „Noobs“ seien? Es hat ein wenig gedauert, einige Spin-Offs haben versucht den Charme des beliebtesten Teils der „Street Fighter“-Serie zu adaptieren, der dritte Teil scheiterte an zu viel Experimentierfreudigkeit. Daher ist es äußert fraglich, ob Capcom mit Street Fighter IV eine Weiterentwicklung der Serie gelingt, ohne sich vom Ursprung zu sehr zu entfernen. Wir können euch beruhigen. Street Fighter IV ist vielleicht nicht doppelt so gut wie Teil 2, trotzdem zeigt es eindrucksvoll, dass ein 2D-Prügelspiel, allen 3D-Konkurrenten zum Trotz, zum Genrekönig aufsteigen kann.
Die Neuen
Dass Street Fighter IV in Punkto Grafik ein seltsamer Genuss wird, zeigt das Intro. Unglaublich künstlerisch präsentiert und knapp drei Minuten lang, lässt es jeden Veteranen der Serie eines spüren: Die Jungs haben sich Mühe gegeben! (Nur bei der Soundauswahl wurde ich ein wenig stutzig. Dieses Pop-Gejammer musste eigentlich nicht sein – zum Glück bezieht sich diese Kritik nur auf das Intro.) Während ich die Einleitungssequenz so betrachte, fallen mir auch die neuen Gesichter in der Kämpferriege auf: Rufus, Abel, El Fuerte und Viper. Vom Desing her bewusst ausgefallener gestaltet, passen die Schlägertypen und –frauen ganz gut in das „Street Fighter“-Universum. Trotzdem glaube ich nicht, dass sie zu Lieblingen oder übermächtigen Charakteren avancieren werden – an Ken bzw. Ryu kommt man einfach nicht vorbei. (Das zeigen auch die Statistiken in den Online-Matches. Die nahezu identischen Kämpfer gehören mit Abstand zu den am häufigsten gewählten Charakteren).
Einfach unfair: Der Endgegner
Einzelkämpfer stürzen sich natürlich sofort in den Arcade-Modus. Hier prügelt man sich mit einem Charakter durch eine auf ihn zugeschnittene Story, deren Inhalt und Tragweite mit denen eines „Schmuddel“-Films vergleichbar sind. Aber Street Fighter wurde noch nie wegen seiner Geschichte gespielt. (Vielleicht sollten sich das Regisseure noch einmal zu Herzen nehmen. Es lohnt sich einfach nicht ein Beat 'em Up zu verfilmen. Dead or Alive ist da ein eindrucksvolles Beispiel.) Am Ende jeder Reise zur sechs Arenen wartet dann der Bösewicht in Form von Seth (erinnert uns ein wenig an Mr. Manhattan), der mit ziemlich miesen Attacken ein Garant für weggefeuerte Controlpads ist. Durch jeden Charakter, mit dem ihr den Arcade-Modus durchspielt, wird ein neuer freigeschaltet, so dass man nach unzähligen Sessions im Solo-Modus auf 25 gestandene Prügler zurückgreifen kann. Anfängern empfehlen wir in diesem Zusammenhang das Spiel auf „Kinderleicht“ zu stellen. Obwohl er vom Namen her impliziert, dass das Bestehen der Kämpfe zum Selbstläufer wird, wird er für komplette Neulinge schnell frustig. Das Problem an Street Fighter IV ist nämlich der knackige Schwierigkeitsgrad, der für unseren Geschmack ein wenig zu hart ausgefallen ist – wenn man die Moves der Kämpfer nicht kennt. Selbst auf der niedrigsten Stufe kommt man mit den klassischen Angriffsschlägen (harter Kick, schwacher Punch usw.) nicht weit bzw. die Konfrontationen verkommen zum Glücksspiel. Also sollte man schleunigst den Trainingsmodus besuchen. Hier kann man per Kommandoliste die einzelnen Tricks am Computergegner üben. Für die Hardcore-Fans gibt es in der Arena sogar Markierungen, anhand derer man die Reichweite der Schläge abschätzen und somit das eigene Spiel verbessern kann. Schade, dass die Moves in der Kommandoliste so merkwürdig angezeigt werden. Ein A, X oder B bzw. X oder O werdet ihr hier nicht finden. Stattdessen müsst ihr kryptische Zeichen entziffern. Generell hätte man den Traningsmodus hübscher gestalten können. Die Registerkarte, auf der die Tricks angezeigt werden, ist ein wenig lieblos geraten. Außerdem fehlt eine Vorschau, die zeigt, was denn nun überhaupt passiert, wenn man die richtigen Tasten drückt. Schade, hier hat Soul Calibur 4 klar die Nase vorn. Als Ergänzung zum Training empfehle ich den Herausforderungs-Modus. Hier wird jeder spezielle Move eines jeden Charakter abgefragt und die Tastenkombinationen angezeigt. Hätte Capcom diesen Modus nicht in das Training integrieren können? Auf mehren Stufen bekommt man die Eigenheiten der Kämpfer präsentiert. Stufe 1 zeigt die Basics, Stufe 2 die Spezialangriffe. Ab diesem Zeitpunkt wird es dann schwer, denn Stufe 3 erklärt die Focus-Attacken, das Unterbrechen von Spezialattacken und die Ultra-Kombos.
Fakten, Fakten, Fakten: Die Focus-Attacke
Hier muss ich wohl ein wenig ausholen. Die Focus-Attacke ist ein neues Element in Street Fighter und bringt viel Taktik in die Kämpfe. Sie besteht aus zwei Phasen. Hält der Spieler die Taste für „Mittlerer Schlag“ und „Tritt“ gedrückt, beginnt die Figur zu leuchten und adsorbiert EINEN Schlag des Gegners. Zwar bekommt man die Energie abgezogen, diese wird hinterher jedoch wieder erneuert. Quasi eine Art Block, der aber um Phase 2 erweitert wird, denn lässt man jetzt die Tasten los, folgt ein Konterschlag, der je nach Länge des Gedrückthaltens unblockbar wird.
Von jeder Spezialattacke, nehmen wir als Beispiel Ryus „Hadōken“, gibt es eine stärkere Version. Will man sie Einsetzen, ist genug Energie in der „Super Kombo“-Leiste nötig. Sie befindet sich unten Links und füllt sich, wenn man den Gegner attackiert. So wird das „Hadōken“ größer und trifft den Feind öfter. Neben der Leiste befindet sich dann noch der „Rage“-Meter, der sich (ihr habt es erraten) bei Gegentreffern füllt und für die Ultra-Kombos benötigt wird – quasi Konter-Spezialattacken, die noch mächtiger als die normalen „Super Kombos“ sind. Sie ist für jede Figur einzigartig und vermag es, jede noch so ausweglose Situation drehen zu können, da bei einem Erfolg knapp die Hälfte der Energie des Gegners draufgeht. Obwohl das unglaublich kompliziert klingt, sind die Fähigkeiten eurer Kämpfer sehr übersichtlich. Habt ihr euch einmal die Liste der Moves in Soul Calibur 4 angeschaut, dann wisst ihr, was VIEL bedeutet. Trotzdem ist Street Fighter IV deutlich taktischer als der Konkurrent von Namco. Das kommt durch die Kombination der einzelnen Spezialfähigkeiten, der Focus-Attacken und der Ultra-Kombos. So kann man Spezial-Attacken mitten in der Aktion abbrechen und in eine Focus-Attacke umwandeln (verbraucht aber die Hälfte der „Super Kombo“-Anzeige, um den Gegner zu überraschen und sich selbst einen Vorteil zu verschaffen). Auf diese Art kann man unzählige Bewegungen kombinieren und mächtige Kombos gestalten. Kämpft man gegen einen ebenbürtigen Spieler, so hat man das Gefühl eine Art Schach in einer Arena zu spielen – jedoch nur, wenn beide ausbalancierte Figuren haben. Leider ist es Cacpom auch in Teil 4 nicht gelungen, die Kämpfer ebenbürtig zu gestalten, was wahrscheinlich als Erbe des Vorgängers zu betrachten ist. Hätte man Blanka (aus meiner Sicht ein wenig schwach) einen völlig neuen Move verpasst, hätte die Fanbase sicherlich laut aufgeschrien. Da nimmt man ein bisschen Imbalance wohl gerne in Kauf.
Die Lieblinge: Ken und Ruy
Wo wir eigentlich auch beim nächsten Thema wären: Multiplayer. Jetzt erst beginnt nämlich der wahre Spaß mit Street Fighter IV, denn wie bei eigentlich jedem Vertreter dieses Genres entfaltet der Capcom-Titel seinen Reiz und die komplette Tiefe im Multiplayer-Modus. Im Online-Zeitalter fragen sich die Meisten natürlich: Ist Street Fighter IV lagfrei? Ein Umstand, mit dem Soul Calibur ein wenig zu kämpfen hat. Ich kann euch subjektiv beruhigen, denn bei mir ist so gut wie keiner dieser spielstörenden Fehler aufgetreten. Hoffen wir, dass das weiterhin so bleibt. Wie oben schon angesprochen, zeigt sich in der Statistik, dass ziemlich viele mit Ken oder Ryu unterwegs sind. Selten erlebt man Exoten wie Zangief oder Mr. Bison. Spielt man ein gelistetes Match, bekommt man Punkte für Siege und Abzüge für Niederlagen. Schon nach kurzer Zeit hat sich eine eigene Weltrangliste, die zweckmäßig präsentiert wird, gebildet, von deren Spitze man als Gelegenheitsspieler aber nur träumen kann ...Sollte man zu sehr von seinen anonymen Gegnern, die gerne auch mal „quitten“ (also einfach die Verbindung unterbrechen und euch somit einen Punkt verwehren) frustriert sein, kann man sich immer noch mit dem Computer prügeln und jede Menge Bonusmaterial, z.B. Bilder und Trophäen, freispielen. Offline kommt man somit sicherlich auf eine Spielzeit von knapp 15-20 Stunden. Hier, muss ich persönlich sagen, hatte Soul Calibur 4 ein wenig mehr zu bieten. Unzählige Kostüme und der Abenteuermodus, in dem man seinen eigenen Charakter erstellen und individualisieren kann, haben dazu geführt, dass das Prügelspiel im Offlinemodus deutlich attraktiver war. Trotzdem geht der Umfang von Street Fighter IV in Ordnung.
Grafisch ist Street Fighter IV ein wirklich „merkwürdiges“ Spiel. Der Comiclook verpasst dem Titel einen unnachahmlichen Charme, der die Atomsphäre des Klassikers mit den Elementen der Neuzeit verbindet. Liebevoll animierte Hintergründe und die toll gemachten Charaktere versprühen viel Leben und lassen jeden Kampf als bewegtes Gemälde erscheinen. Die Spezialattacken werden durch Kamerafahrten prima in Szene gesetzt und die herausquellenden Augen eines Blankas nach einem Treffer in die Magengegend dürften selbst den größten Erbsenzähler zufrieden stellen. Für Profis dürfte interessant sein, dass man trotz des ganzen Trubels auf dem Bildschirm nie den Überblick verliert und niemals abgelenkt wird (vielleicht nur durch den schwabbeligen Bauch von Rufus). So können sich die wahren Meister darauf konzentrieren, die einzelnen Frames der Kämpfer zu analysieren, um bereits früh zu merken, was der Gegner vorhat.
Für präzieses Spielen: Please insert Arcadestick!
Kommen wir zum größten und entscheidenden Kritikpunkt an Street Fighter IV: Die Steuerung! Ich habe den Titel lange Zeit auf der Xbox 360 getestet und bin fast ausgeflippt. Ich gehöre wahrlich nicht zu den größten Pad-Idioten, aber meine Quote für Spezial-Angriffe lag bei 50 Prozent. Halbkreis-Eingaben sind für das Digi-Pad einfach nicht gemacht. Generell scheint das Digi-Pad für komplizierte Manöver überhaupt nicht geeignet zu sein. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft mein Charakter gesprungen ist, obwohl er diesen verfluchten Feuerball schleudern sollte. Gerade auf einem höheren Schwierigkeitsgrad ist das nicht nur tödlich, sondern auch frustig. Von einem gelisteten Multiplayer-Match will ich gar nicht reden. Am schlimmsten sind aber die Kombos, die einem im Herausforderungs-Modus beigebracht werden sollen. Ich muss eingestehen, dass ich nicht weiß, was mich auf der letzten Stufe erwartet, da ich nicht über die Kombo-Sektion hinausgekommen bin. Ungelogen habe ich 2 Stunden in dieser verfluchten Arena verbracht, um die ersten Kombo von Ryu zu schaffen. Vergeblich. Gut, dass ich den Test nicht gleich nach diesem Erlebnis geschrieben habe, da die Wertung wohl unrealistisch tief ausgefallen wäre. So unfair das auch klingen mag, ihr solltet euch für Street Fighter IV einen Arcadestick zulegen, wenn ihr den Titel standesgemäß und auf hohem Niveau spielen wollt. Vielleicht hat Capcom mit den Arcadestick-Herstellern dieser Welt einen Komplott geschmiedet ... Auf der PlayStation 3 spielt sich Street Fighter IV erfreulich präziser; zwar immer noch nicht so gut wie auf dem guten alten SNES, aber besser als auf der 360 allemal. Aus diesem Grund schneidet die PS3-Fassung auch mit einem ganzen Punkt besser ab.
Pro und Contra
- + Interessanter Grafikstil
- + Viele bekannte Kämpfer
- + Online-Matches lagfrei
- + Für Profis eine Offenbarung
- - Einsteigerunfreundlich
- - Pad-Steuerung unpräzise
- - schwaches Tutorial
- - Unfairer Endgegner
Hart aber unherzlich
Ich liebe harte Spiele. Ganz ehrlich. Wenn ich mir aber einen anderen Controller zulegen muss, um es fair bewältigen zu können, hört bei mir der Spaß auf. Erst nach extrem viel Übung und einer ständigen Prise Glück kann man Street Fighter IV auf der Xbox 360 wirklich beherrschen. Einem Arcade-Stick ist man dabei aber immer unterlegen. Die „PlayStation 3“-Fassung konnte mich dagegen mehr überzeugen. Natürlich kann man Capcom für die Unzulänglichkeiten des Digi-Pads keinen Vorwurf machen, aber ein Soul Calibur 4 zeigt, dass es trotzdem „irgendwie“ geht. Vielleicht liegt das aber auch an dem Hardcore-Gedanken von Street Fighter IV. Es gibt sich bewusst puristisch, nicht nur durch die 2D-Darstellung, sondern auch die überschaubaren Moves der Kämpfer. Für Gelegenheitsspieler muten die Matches aufgrund der geringen Vielfalt ein wenig langweilig an (ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich unspektakulär ein Match zwischen Anfängern aussieht), Profis dagegen werden sich über dieses spartanische Gameplay freuen. Hier geht es darum, den Gegner niederzuknüppeln – ohne Konterchancen wie in Dead or Alive oder Rüstungen in Soul Calibur. Wenn man in Street Fighter IV gewinnt, dann nicht, weil man am schnellsten Tasten gedrückt hat, sondern weil man taktisch am schnellsten Tasten gedrückt hat. Wenn Capcom es jetzt noch geschafft hätte, die Charaktere auszubalancieren, den Titel einsteigerfreundlicher zu gestalten und Kostüme nicht per kostenpflichtigen DLC anzubieten, sondern sie klassisch freispielen zu lassen, wäre sicherlich die Höchstwertung drin gewesen. Dann eben beim nächsten Mal.
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Kommentare (49)
paulfect
Frystil
Daniel Pook
Ragism
Im Moment wird mir denke ich nur SFIV das bieten können. Tja, ich muss es mal anzocken...
DarkRaziel
Doch es ist eindeutig an Profis ausgelegt, denn selbst im Schwierigkeitsgrad "Kinderleicht" ist es schon schwer mal den Endwächter zu sehen geschweige ihn zu bezwingen.
So die Grafik ist sehr gut doch was den Schwierigkeitsgrades geht das Spiel wieder zurück, denn 60 Euro sind mir diese Frustmomente nicht wert.
Da hat Capcom einen Fan weniger von SF4, so spiele ich lieber die alten Teile wo Leich noch leicht war und nicht schwer.
Dunkelzahn
Stocki
der schwierigkeitsgrad ist auch voll ok in meinen augen. am anfang hat man sich zwar selbst auf kinderleicht an seth die zähne ausgebissen, aber mittlerweile komm ich mit meinem lieblingscharakter selbst auf der höchsten schwierigkeit ohne continue durch. die tester sollten sich vielleicht etwas länger mit dem spiel beschäftigen.
raytsh
Das Spiel richtet sich wirklich nur an die SF Profis bzw langjährige Spieler.
Auf der 360 steht man da noch einiges schlechter da, denn selbts wenn man will und die Techniken kann, kann man sie aufgrund des Controllers einfach nicht umsetzten
Ich hab mir mal einen FighStick bestellt, mal sehen wie es dann ausschaut...
Daniel Pook
Die Tester haben sich mit dem Titel verdammt lange beschäftigt. Alleine in der Herausforderungs-Arena (den Punkt solltest du dir mal genauer anschauen) haben wir 2 Stunden verbracht, um einen Kombo hinzukriegen. Der Wurf von Zangief ist dagegen ein Kinderspiel. Und wenn du dich mal in den Kommentaren umschaust, finden viele anderen auch, dass der Titel gerade für Neulinge sehr schwer ist.
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