Street Hoops

16.01.2007 11:45
Street Hoops


Mit Street Hoops versucht sich Activision an einem Straßen-Basketballspiel in der Tradition von Electronic Arts Erfolg NBA Street. Statt eine möglichst realistische, simulationslastige Umsetzung des amerikanischen Nationalsports zu kreieren, möchte Street Hoops die Atmosphäre von Straßenwettkämpfen und Hinterhofbasketball einfangen.

Nach einem Intro-Filmchen, das reale Videoszenen verschiedener Straßenbasketballer und ihrer Dunkings und Dribblings zeigt, gelangt man in das gut sortierte Hauptmenü, das verschiedene Optionen bietet. Neben dem schnellen Einstieg in die erste Partie via Quickmatch und der üblichen Möglichkeit, die Spieloptionen, -regeln und -steuerung nach seinem Geschmack anzupassen, gibt es noch 2 weitere Auswahlmöglichkeiten. Zum einen kann man einen neuen Spieler nach seinen eigenen Wünschen und Vorlieben kreieren, zum anderen kann man in verschiedene Turnierformen einsteigen.

Kernstück des Spiels ist dabei die Weltmeisterschaft. Nachdem man eine Mannschaft ausgewählt hat, reist man rund um die Welt und spielt gegen verschiedene Teams - nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um Geld. Dieses wird benötigt, um neue Spielstätten und Spieler freizuschalten. Allerdings kann man mit dem Geld noch mehr anfangen. So kann man im Kleidershop seine Mannen mit verschiedenen Klamotten angesagter Labels wie z.B. FILA oder Sean John versorgen oder im Tattoo-Shop um die Ecke ihre Körper mit unterschiedlichen Motiven "verzieren". Oder man trägt sein Geld zum Buchmacher und wettet auf verschiedene Aspekte des nächsten Spiels.

In "Lord of the Court" muss man auf seinem Heimatplatz so viele gegnerische Teams wie möglich besiegen. Auch hier kann man Geld gewinnen und andere Boni, wie versteckte Spieler oder Videos, freischalten. An weiteren Möglichkeiten gibt es Schaukämpfe, die entweder auf einem Halbfeld oder einem ganzen Court ausgetragen werden können. Während in den anderen Spiel-Modi jedes Team aus 5 Spielern besteht, kann man die Anzahl der Basketballer in den Schaukämpfen verändern. So sind auch Spiele eins-gegen-eins möglich. Alle Spiel-Modi bieten die Möglichkeit mit bis zu 3 menschlichen Mitspielern in das Geschehen einzugreifen.

Sobald man auf dem Platz steht, wird man im ersten Augenblick von der Buttonbelegung erschlagen, die nicht den eigenen Wünschen angepasst werden kann. Neben den üblichen Manövern, wie passen, werfen, rennen, blocken und Steal-Versuche unternehmen, bietet Street Hoops ein Vielzahl von Tricks, die im Angriff den Gegner vewirren sollen. Dribblings hinter dem Rücken, Fake-Pässe, Körperdrehungen und andere Bewegungen werden durch Kombination aus rechtem Trigger und einer der anderen Tasten ausgelöst. Direktpässe sind mittels des rechten Analogsticks möglich, gelaufen wird mit dem linken Analogstick. Insgesamt hat man zwar viele Bewegungsmöglichkeiten, die man aber selten anwenden wird, da die Tastenkombinationen unglücklich gewählt sind und man auch mit den Standard-Manövern zum Erfolg kommt.

Die Ballphysik und die künstliche Intelligenz der CPU sind das A und O einer Konsolenumsetzung. Leider verschenkt hier Street Hoops viele Punkte. Der Ball scheint des öfteren seinen eigenen Willen zu haben und fliegt über die Köpfe der Spieler ins Aus oder springt unrealistisch vom Hallenboden oder dem Koring ab. Besonders auffällig werden die Schwächen der Engine im Verteidigungsspiel. Während man im Angriff problemlos Körbe wirft, die Gegner ausdribbelt und ein Dunking nach dem anderen versenkt, ist das Spiel in der Defensive eine Tortur. Bälle stehlen scheint bloß zufällig zu klappen, Blocks sind so gut wie unmöglich, Abdrängen des Gegners und verschlechtern seiner Trefferquote durch konsequente Deckung sind scheinbar auch nicht vorgesehen - und wehe die CPU setzt zum Dreipunktwurf an. Fast 90% aller Dreipunkt-Versuche landet im Korb - aber man sollte nicht versuchen, diese Spielweise zu übernehmen, da man selber höchstens bei jedem 10. Versuch - egal wie frei man steht - trifft. Dafür scheint die CPU nicht immer den Überblick zu bewahren, sonst würde sie den freien Mann unter dem Korb, der den Ball nur noch eindunken muss, den Punkt machen lassen, anstatt auf einen schlechter postierten Mann zu spielen. Ingesamt ist zwar ein flüssiges und spaßiges Spielen möglich. Die Engine legt aber primär Wert auf spektakuläre Angriffsaktionen und vernachlässigt die Defensive.

Grafisch sticht das Spiel nicht besonders hervor.Die verschiedenen Courts sind zwar der Realität nachempfunden, spielen aber sicher nicht in der oberen Liga der grafischen Möglichkeiten der Xbox. Die Spieler, die nach realen Vorbildern, die außerhalb Amerikas niemand kennen dürfte, gestaltet sind, sind zwar unterschiedlich groß und haben verschiedene Haarfarben - das sind aber die einzigen Unterscheidungsmöglichkeiten, da alle Spieler die gleichen, leicht stockenden Standard-Animationen haben und ihre Gesichter seltsam formlose Gebilde sind. Unter dem Korb gibt es zum Glück ein paar abweichende Animationen, so dass man nicht immer den gleichen Dunk oder Korbleger zu Gesicht bekommt. Fast unverzeihlich ist es da, dass die Grafik zwar selten, aber dann deutlich spürbar, von den ansonsten konstanten 50 bzw. 60 Bildern pro Sekunde abweicht und fast zum Stillstand kommt. Es scheint so, als ob die Programmierer von Black Ops, die für Activision den Titel entwickelt haben, das Nachladen der Soundtracks nicht richtig optimiert hätten.

Damit wären wir schon beim nächsten Punkt angelangt. Für alle Fans von Hip-Hop-Beats hat Activision einige Soundtracks von Größen wie Cypress Hill, Master P und DMX lizensiert. Alle, die mit diesem Musikstil nichts anfangen können, dürften sich über die Option, eigene Soundtracks einbinden zu können, freuen. Die Soundeffekte für das Spielgeschehen, wie z.B. quietschende Schuhe und das Auftippen des Balles auf dem Boden, klingen schön satt. Im Hintergrund hört man die Zuschauer, die das Spiel auf ihre Art kommentieren und auch mal die ein andere andere Beschimpfung für das Gastteam auf Lager haben. Apropos Kommentar: Der Ingame-Kommentator, der von einem Radio-DJ aus Los Angeles gesprochen wird, fällt nur dadurch auf, dass der Wortschatz extrem begrenzt ist.

„Müdes Basketballspiel“

(Eigene Meinung » Alexander von Freyburg)

Streetbasketball kann so schön sein - mit ein paar Freunden raus auf die Straße und dort ein paar Körbe geworfen. In der Hoffnung, dass Street Hoops ein ähnliches Feeling bietet, wurde ich leider enttäuscht. Über die nicht ganz Xbox-würdige Grafik könnte man ja noch hinwegsehen, wenn das Spiel wenigstens im Gameplay-Bereich seine Stärken hätten. Nur leider sieht es dort ähnlich schwach aus. Ich finde es schier unverzeihlich, dass man im Spiel gegen den Computer nicht nur gegen den Gegner zu kämpfen hat, sondern man auch noch gegen die Ballphysik und die Steuerung antreten muss. Warum fliegt ein Ball ins Aus, obwohl der Pass 10 Sekunden vorher, von der gleichen Position auf den gleichen Mann gespielt, perfekt ankam ? Warum in drei Teufels Namen muss ich beim Wechsel von Angriff in die Verteidigung mental auf ein anderes Buttonlayout umschalten ? Ich kann nicht nachvollziehen, warum man im Angriff und in der Verteidigung den Sprung auf unterschiedliche Buttons legt.

Ebenso schade finde ich es, dass zwar tolle Angriffsaktionen möglich sind, aber das Defensiv-Spiel mehr oder weniger in der Versenkung der Nichtbeachtung verschwindet. Trotz dieser deutlichen Kritik kommt durchaus Spielspass auf, wenn man sich an die Prämisse des Spiels "Verteidigung ist unnötig" gewöhnt hat. Gerade mit menschlichen Gegnern und Mitspielern steigt der Spaßfaktor deutlich an und die Sammelwut ("Nur noch das eine Stadion bzw. Paar Schuhe") kann für ein paar vergnügliche Stunden an die Konsolen fesseln.

Bewertung

Street Hoopsxbox

0/10

Alexander Laschewski-Voigt

Der gelernte Industriekaufmann probierte sich im BWL-Studium aus, um dieses dann allerdings zugunsten einer Xbox-Website namens AreaXbox vorzeitig zu beenden. Seitdem steht er als Chefredakteur auf der Kommandobrücke der MS AreaGames. Der bekennende US-Serienfan legt am liebsten Renn- oder Rollenspiele in seine Xbox 360. Zu den Alltime-Hits seiner mit dem C64 begonnenen Spieleleidenschaft gehören Deus Ex, System Shock 2 und die Wing Commander-Reihe.