19.01.2007 10:23
Sudeki
Rollenspiele waren seit Launch der Xbox die Achilles-Verse der Microsoft-Konsole, und auch wenn Umsetzungen bzw. Parallelentwicklungem von großen PC-Rollenspielen wie Morrowind oder Knights of the Old Republic auch auf der Xbox überzeugen konnten, so machte sich das Fehlen der klassischen Action-Rollenspiele im japanischen Stil doch schmerzhaft bemerkbar. Neben Fable soll vor allem Sudeki diesen Mangel ausgleichen. Wer bei dem Blick auf den Entwickler Climax dabei nur an Motorräder denkt, liegt falsch: Seit 1988 entwickelt das in seiner Größe oft unterschätzte englische Studio von Climax bereits Videospiele, darunter Umsetzungen wie Diablo oder Populus für die Playstation. Die Entwicklung eines solch ambitionierten Action-Rollenspiel sollte daher bei Climax in guten Händen sein.
Sudeki entführt den Spieler in ein zweigeteiltes Fantasy-Reich. Während in der hellen und freundlichen Welt von Haskilia die Bürger des Lichtimperiums friedlich ihren Tätigkeiten nachgehen, ist im Schattenreich Akloria hingegen die Saure Gurken-Zeit angeochen. Hier bereitet sich das Böse darauf vor, eine Invasion des Lichtimperiums zu beginnen. Da man im Lichtimperium natürlich seinen Platz an der Sonne verteidigen möchte, lässt man im Auftrag der weisen Königin Lusica ein Schutzschild errichten, das die feindlichen Invasoren abwehren soll. Da dieses Schutzschild jedoch seltene Kristalle benötigt, werden dem königlichen Chefingenieur Elco drei Gefährten zur Seite gestellt, die sich auf die Suche nach den Kristallen begeben sollen.
Die ersten 2-3 Stunden Spielzeit veringt der Spieler daher auch damit, jede der vier Spielfiguren etwas näher kennen zu lernen und sich mit deren Spezialfähigkeiten vertraut zu machen. Kämpfer Tal scheint in seiner Jugend recht viel Sokoban gespielt zu haben, und verschiebt am liebsten Kisten oder andere Gegenstände. Prinzessin Ailish ist Magierin und kann versteckte Schätze oder Türen aufspüren, die durch kleine umherschwirrende Elfen angezeigt werden. Tiermensch Buki kann ihre Krallen unter anderem dazu nutzen, Wände herauf zu klettern, während Schlaukopf Elco neben vielen futuristischen Waffen als größten Schatz einen praktischen Raketenrucksack besitzt.
Mit dieser Heldengruppe durchstreift der Spieler die hübsch anzusehende Spielwelt, und kann dabei (mit Ausnahme einiger Situationen, in denen sich die Party aufteilt) jederzeit zwischen den einzelnen Spielfiguren wechseln, was anbetracht der Spezialfähigkeiten auch häufig nötig ist. Leider sind die Rätseleinlagen oft so offensichtlich, dass der Spieler selten das Gefühl hat, wirkliche Kopfnüsse zu lösen. Wer vor einer Efeu-Wand steht, muss nicht lange überlegen, wer dort mit seinen Krallen hochklettern kann. Natürlich werden in Sudeki nicht nur Rätsel gelöst, sondern auch fleißig die Waffen geschwungen. Auf euren Wanderungen stolpert ihr andauernd in Kampfzonen, in denen euch böse Kreaturen an die Rüstung wollen. Ausweichen könnt ihr diesen Kämpfen nicht, da bis zum Ende des Kampfes wie durch Zauberhand die Ein und Ausgänge der Zone versperrt werden.
Die im Kampf erworbenen Experience Points (Erfahrungspunkte) werden genretypisch zum Aufleveln der Charaktere benutzt. Die Vielfalt echter Genregrößen bei der Charakterentwicklung bietet Sudeki allerdings leider nicht. Es können entweder einzelne Attribute gesteigert oder aber neue "Kampfattacken" erlernt werden, wobei man immer im Auge behalten sollte, dass einzelne Charaktere eher im magischen Bereich Fortschritte machen sollten, während andere wiederum mit reiner Muskelkraft Gegner in Stücke schlagen.
In den Kampzonen geht es dabei actionlastig vor. Die beiden Nahkämpfer Tal und Buki greifen den Gegner mit Schwert und Krallen an, während Ailish und Eco den Feinden mit Magie und Feuerwaffen die Hölle heiß machen. Im Kampf könnt ihr zwischen den Figuren eurer Party hin- und herwechseln, die Fernkämpfer werden dabei aus der Ego-Perspektive gesteuert, was einen netten Nebeneffekt hat: Durch die Egoperspektive wird der Spieler viel stärker in das Kampfgeschehen hineingezogen und befindet sich mittendrin statt nur dabei. Vor dem Kampf empfiehlt es sich, Heil und Energie-Tränke auf das Schnellwahlmenu zu legen, das ihr mittels des Digitalpads aktiviert. Ein Druck auf die Y-Taste verlangsamt das Spielgeschehen zur Zeitlupe, so dass euch genug Zeit bleibt, im Kampfmenu nach dem passenden Zauberspruch zu suchen. Viele Kampfzauber müssen nach der Aktivierung nur noch ausgerichtet werden, und schon utzelt den Gegnern eine hübsche Feuerwand entgegen. Die Zaubersprüche verauchen natürlich Energie, die im Kampf durch Tränke stets erneuert werden muss.
Die Nahkämpfer hingegen werden in der üblichen 3rd-Person Perspektive gesteuert und schlagen nach Knopfdruck auf die Übelwichte. Da die normalen Standardschläge nicht viel Schaden verursachen, empfiehlt es sich, schnell die Kombos der einzelnen Spielfiguren zu erlernen. Mit dem richtigen Timing können so besonders kraftvolle Attacken auf den Feind ausgeführt werden, die dann auch wirklich bleibende Wunden hinterlassen. Sollte die feindliche Übermacht einmal zu groß sein, kann jede Spielfigur einen Beschützerschlag starten, der einen Kampfgott herbeiruft, der dann zu einem plötzlichen und recht blutigen Massenableben bei euren Gegner führt. Da der Energie-Verauch für die Beschützerschläge recht hoch ist, sind diese nur selten und mit Bedacht einzusetzen.
Die künstliche Intelligenz der Spielfiguren, die einem bei den Kämpfen theoretisch zur Seite stehen sollte, ist einer der größten Schwachpunkte in Sudeki. Zwar kann man jeder Spielfiguren eins von drei Verhaltensmuster (Aggressiv, Defensiv und Rückzug) zuteilen, in der Realität sind vor allem die Fernkämpfer jedoch eine Enttäuschung: So lassen Ailish und Elco Gegner grundsätzlich problemlos in ihre Nähe kommen, anstatt immer eine gewisse Distanz zu den Gegner zu halten. Spielt man nämlich selbst einen der beiden mittels der 1st-Person Sicht, kann man das aus Ego-Shootern bekannte Verhalten anwenden: Schiessen, dabei rückwärts laufen, und gegebenenfalls ausweichen. Die KI ist zu solche ausgefeilter Technik leider nicht in der Lage und kommt auch nicht auf den Gedanken selbständig Heilzauber oder ähnliches zu aktivieren, wenn die Hälfte des Teams bereits im Sterben liegt und das Licht am Ende des Tunnels sucht.
Zwischen den Kämpfen streift man durch kleine Ansiedelungen oder Dörfer und hält dort ein Pläuschen mit den skurrilen Anwohnern. Von dem ein oder anderen erhält man einige Sub-Quests, die sich meist darum drehen, bestimmte Gegenstände aufzutreiben. Ansonsten haben die Unterhaltungen eher wenig Nutzwert, zumal das Interface auch etwas unglücklich aufgebaut ist. So habt ihr meist drei bis vier verschiedene Antwortmöglichkeiten, die allerdings auch dann bestehen bleiben, nachdem ihr eine davon benutzt habt. Auf diese Art könnt ihr alle Antworten ausprobieren, von freundlich bis beleidigend, ohne dabei Einfluss auf den Gesprächsverlauf oder die weitere Story zu nehmen. Wer hier ein Kotor-Light erwartet, ist zweifellos an der falschen Adresse. Grundsätzlich scheinen viele NPCs nur die leeren Hallen und weiten Außengelände zu füllen, und bieten zu wenig eigenes Profil.
Die Grafik gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Die Ländereien des Lichtimperiums sind farbenfroh und verleiten dazu, sich für manche Spielminuten einfach nur die Umgebungsgrafiken anzusehen und einen Sonnenuntergang zu genießen. Auch die Charaktermodelle sind ansprechend modelliert und tragen neben vielen schicken Spezialeffekten dazu bei, dass auch die Kämpfe (vor allem beim Einsatz von Magie, Spezialattacken oder den Beschützerschlägen) in Sudeki eine Augenweide sind. Nur eine 16:9 Unterstützung wird bei Sudeki leider wieder einmal vermisst.
Beim Sound hingegen gibt es Licht- und Schattenwelten: Während die Umgebungsgeräusche, das Kampfgetümmel und die Hintergrundmusik klar und deutlich in 5.1 Dolby Digital am Spieler vorbeirauschen, wünscht man sich dank der deutschen Synchronisation wieder ins Stummfilm-Zeitalter zurück. Die Stimmen passen fast nie so recht zu den Charakteren, klingen dabei oft gelangweilt oder schlicht zu schrill. Für ein Projekt dieser Größe war der Synchronisationsaufwand zweifellos nicht angemessen.
Ein Actionrollenspiel mit einer vierköpfigen Heldentruppe klingt natürlich nach einem gefunden Fressen für Multiplayer- und Coopfans. Was wäre da nahe liegender als die Spielwelt gemeinsam via Splitscreen oder XBL zu erkunden? Die Antwort wird Climax uns wohl schuldig bleiben, als reines Singleplayer-Abenteuer bietet das Spiel keinerlei Multiplayer-Unterstützung. (AL)
„Viel gewollt und nicht alles gekonnt“
(Meinung » Alexander Laschewski)
Sudeki bietet ein abwechslungsreiches und farbenfrohes Action-Rollenspiel, das durchaus einige Zeit an den Fernseher fesselt. Wer allerdings glaubt, mit Sudeki andere Konsolenjünger von den Vorteilen der Xbox überzeugen zu können, dürfte einen schweren Stand haben. Zum einen leidet Sudeki an dem Versuch der Entwickler, möglichst viel in das Spiel zu packen, von dem am Ende aber kaum etwas genutzt wird. So gibt es zwar ein riesiges Spielmenu, in dem allerhand Daten zu den Monstern, Tränken, Waffen und Rüstungen aufgezählt werden, für das eigentliche Spiel sind diese Informationen oft jedoch überflüssig. Bei den Charakterwerten gibt es nur wenig Spielraum, wer den Großteil seiner Punkte in Kraft und Energie investiert, hat schon eine der anspruchsvollsten taktischen Hürden des Spiels gelöst.
Die Kämpfe machen vor allem dank des Kombo-Systems anfangs eine Menge Spaß, werden aber mit steigender Spielzeit nervig, zumal der Spieler zu häufig nervige Babysitter-Aufgaben für seine Helden übernehmen muss. Wer nicht ständig die Energieleisten seiner Kameraden im Auge hat, kämpft schnell alleine gegen die feindliche Übermacht. Zum anderen ist die deutsche Synchronisation des Spiels ein derart herber Fehlschlag, der anbetracht der Größe des Projekts unverständlich und vermutlich vermeidbar gewesen wäre. Neben der Synchronisation sorgt auch das Dialogsystem dafür, dass die Welt von Sudeki für Rollenspielverhältnisse zu blass bleibt. Egal welche Antwortmöglichkeit man in den diversen Unterhaltungen wählt, langfristige Konsequenzen auf die Spielwelt oder das Verhalten des Gesprächspartner bleiben Fehlanzeige.
Interessierte Spieler sollten daher unbedingt ein Probespiel wagen, zumal die Spielwelt mit ihrem Mix aus pseudo-japanischen Spielfiguren und ausgefallen Fabelwesen durchaus nicht jedermanns Geschmack ist. Ich möchte mich jedenfalls nicht mehr mit einem Hasen übers Angeln unterhalten…
„Man nimmt, was man kriegt“
(Meinung » Sebastian Philipp)
Zwar muss ich Alex leider fast in allen Punkten zustimmen (vor allem die KI der Mitspieler und die zu schwache Story haben mich doch nach einiger Zeit sehnsüchtig auf die Rollenspielwelt der PlayStation 2 blicken lassen), allerdings bin ich doch froh, dass mit Sudeki ein solider Titel für ein nettes Rollenspiel für zwischendurch geschaffen wurde. Mit vielen Speicherpunkten und der angesprochenen flachen Story ist es gerade zu prädestiniert für Gelegenheitsspieler, die "mal schnell ne halbe Stunde daddeln wollen." Angst, dass man die Geschichte vergisst oder plötzlich nicht mehr weiß, wo es als nächstes hingeht, muss man nämlich bei Sudeki (auch dank guter Übersichtskarte mit Navigationspfeil) nicht haben.
Das Problem mit der schwachen KI lässt sich meiner Meinung nach nur durch eine einzige Handhabung des Spiels weitestgehend beseitigen, auch wenn solche Notlösungen eigentlich nicht Sache des Spielers, sondern als schwaches Spielbalancing den Entwicklern anzukreiden sind. Mein Tipp: Schnappt euch in Kämpfen vor allem Ailish, sorgt dafür, dass sie immer rechtzeitig die komplette Party heilt und überlasst den Großteil des Kampfes euren Mitstreitern, die zumindest stupide draufschlagen können (und manche Gegner sind so skurril, dass Stupidität definitiv das Mittel zum Zweck ist).
Trotz aller Kritik hat mir Sudeki letztendlich Spaß gemacht, auch wenn es lange nicht epische Ausmaße wie beispielsweise ein Knights of the old Republic oder gar die Final Fantasy-Reihe auf der Konkurrenz-Konsole annimmt. Wer quietschbunte Grafik mit Japano-Flair mag, darüber hinwegsehen kann, dass die Welt sehr klischeehaft in Gut und Böse eingeteilt ist und sich über ein letztendlich simples Spielprinzip freuen kann, der macht mit Sudeki sicherlich nichts falsch. Trotzdem erhoffe ich mir von Fable wesentlich mehr.