Super Mario Galaxy 2
08:19 Uhr - AreaGames-Neuzugang Joachim Hesse muss natürlich gleich wieder angeben. Nach intensiven Zocksessions hat sich der Gute durch Super Mario Galaxy 2 gespielt. Da wird selbst unser Johannes blass vor Neid. Laut Angaben des Testers spielt sich Mario deutlich besser als die Wii-Standardkost. Konkurrenz also für "Barbie Pferdeabenteuer"? Natürlich hat Hesse danach auch seine Eindrücke im Testbericht zusammengefasst.
Der Stelzbuddler ist ein merkwürdiges Maschinen-Tier. Es lebt auf einem Planeten in der Wirbelbohrer-Galaxie, der geformt wie eine Münze gerade nur größer ist als sein Bewohner. Mit zwei hydraulischen Stampfern stakst der Stelzbuddler nach links und rechts rund um den Rand des Himmelskörpers und versucht Mario mit seinen Metallfüßen oder mit sogenannten Bohrpedos den Gar aus zu machen. Bohrpedos, das sind Torpedos, die sich durch den Kern des Planeten bohren. Herz und Antrieb des Stelzbuddlers ist ein Power-Stern, der hinter einer Glaskuppel in dessen Korpus schwebt. Und hinter eben diesem Power-Stern ist Mario her. Also genauer gesagt ihr, denn ihr braucht die Energie des gelbe Kleinods, um mit eurem Raumschiff Erzfeind Bowser zu verfolgen. Der hat es wieder einmal geschafft, Prinzessin Peach zu entführen. Klingt ganz schön bescheuert, oder? Wer sich solchen Unsinn einfallen lässt? Na, Nintendo natürlich. Und wisst ihr was? Dieser Aberwitz bereitet tatsächlich mehr Spaß als jede Söldner-Blutorgie in realistischen 3D-Renderwelten – sofern man sich auf das kindgerechte Ambiente einzulassen vermag.
Der wunde Punkt
Zurück zum Stelzbuddler. Während der mit Bohrpedos feuert, braucht Mario nicht faul auf seiner blauen Latzhose hocken. Mithilfe des neuen Bohrer-Extras verwandelt er sich selbst in einen lebenden Bohrer. Schüttelt ihr die Wii-Fernbedienung gräbt sich der Gute wie ein Maulwurf flugs auf die jeweils gegenüberliegende Seite des Planeten. Da der Stelzbuddler seine anfällige Glashälfte ab und an nach unten wendet, könnt ihr mit einigen gezielten Wühl-Attacken die Kuppel bersten lassen. Danach gehört der Power-Stern euch und Mario kehrt auf sein Raumschiff zurück. Richtig gelesen: ein Raumschiff. Das sieht aus wie ein großer Mario-Kopf und dient euch als Basis. Einige eurer in den Levels geschlossenen Bekanntschaften ziehen dort als Tipps-Lieferanten ein, ihr könnt euch dort Extraleben-Pilze verdienen oder eure eingesackten Sternenkristalle einlagern. Die dürft ihr sogar per Spielstand mit Freunden teilen. Sehr sozial. Über eine Oberwelt, die wie bei einem Brettspiel in Felder eingeteilt ist, steuert ihr nach Gusto den nächsten Level eurer Wahl an. Soweit die Power-Sterne eben reichen. „Los geht’s! Für deine Prinzessin wie für uns! Du bestimmst den weiteren Kurs, Steuermann!“, wie eure lila Lubba-Begleiterin zu sagen pflegt. Im ersten Durchgang warten sieben Welten mit maximal 120 erreichbaren Power-Sternen auf euch. Danach dürft ihr noch einmal 120 neue Sterne sammeln bevor euch eine weitere Überraschung winkt.
Ein alter Bekannter kehrt zurück
„Du hast mich gerettet!“, ruft in einer Textblase der Mini-Saurier mit der grünen Knollennase, den ihr gerade aus seinem Ei befreit habt. Die Gespräche in Super Mario Galaxy 2 verlaufen noch genauso wie vor 20 Jahren in Computerspielen. Auf Deutsch zwar, jedoch ohne Sprachausgabe. Puristen mögen jetzt „Frevel!“ und „Verbrennt den Ketzer rufen!“, doch diese Form der Dialog-Wiedergabe stammt objektiv beurteilt aus der Spiele-Steinzeit und könnte den Sprung zur nächsten Evolutionsstufe vertragen. Himmel, selbst Final Fantasy hat es inzwischen geschafft auf das gesprochene Wort umzustellen! Aber gut, zumindest sind die Texte charmant und die Geräusche, die die Figuren dabei von sich geben klingen herzallerliebst. Genau wie die Begleitmusik. Meistens jedenfalls, denn einige wenige Stücke zehren auf Dauer etwas an den Nerven. „Mach schon! Hüpf auf meinen Rücken!“, fährt euer neuer Verbündeter fort. Ihr habt bestimmt schon erraten, um wen es sich dabei handelt: Yoshi! Das Allzweck-Reittier kehrt nach der Zwangspause im Vorgänger wieder auf den Bildschirm zurück. Zusammen mit drei neuen Fähigkeiten, die ihr erwerbt, indem ihr mit ihm die passenden Speisen verschlingt. Schnappt sich Yoshi eine Chili-Schote rast er los wie ein 100-Meter-Läufer, dessen Frau mit einem Nudelholz hinter im her ist. Schluckt Yoshi eine blaue Blasebalgbeere, verwandelt er sich in einen Ballon und ihr düst zu höheren Plattformen. Die dritte neue Eigenschaft ruft die sogenannte Glühbeere hervor. Vertilgt ihr die gelbe Pille, beginnt euer Reittier zu leuchten und das Gebiet gibt versteckte Wege frei. Die Früchte wirken jeweils nur ein paar Sekunden. Überlegt also, was ihr in der Zeit anstellt.
Lecker
Yoshi steht (wie übrigens auch Marios weiter springender Bruder Luigi) zwar nur in ausgesuchten Levels zur Verfügung, doch sein Einsatz fühlt sich an, wie von Gott genauso gewollt. Endlich steht fest, was dem hervorragenden Vorgänger neben noch mehr guten Ideen zur Perfektion gefehlt hat: Yoshi! Mit dem Fadenkreuz der Wii-Fernbedienung zielt ihr auf Gegner und Extras, mit einem Druck auf den B-Knopf lasst ihr Yoshis Klebezunge wie bei einem Frosch hervorschnellen. Das Schlabbergerät ist ein Vielfaches sogar länger als der rote Mundlappen von KISS-Bassist Gene Simmons zu seinen besten Zeiten. Sogar über Abgründe könnt ihr euch damit an bestimmten Blumen schwingen. Strampelt Yoshi in der Luft, gewinnt euer Gespann noch zusätzlich an Höhe. Dass sich der grüne Reitsaurier so elegant steuern lässt und so geschmeidig in den Spielverlauf integriert, hätte im Vorfeld kaum jemand vermutet. Gut gemacht, Nintendo!
Alter Mario, neue Extras
Auch Mario beherrscht neue Kniffe. Neben den bereits beschriebenen Bohr-Tätigkeiten, darf er unter anderem als Felsen-Mario durch die Gegend kugeln und harte Gegenstände zertrümmern oder als Wolken-Mario luftige Wölkchen-Plattformen produzieren, über die er hinweg schweben kann. Das war noch nicht alles, aber den Rest findet ihr am Besten selbst heraus. Nur so viel: Bekanntes wie Bienen-Kostüm oder Geist-Mario ist ebenfalls wieder dabei. Es ist der Wahnsinn wie Nintendo es schafft, euch in nahezu jedem Level aufs Neue mit Einfällen zu überraschen. Was auch immer in der Werkskantine in Tokio unter das Essen gemischt wird, es sollten alle japanischen Entwickler zu sich nehmen. Dann wäre schnell Schluss mit den Unkenrufen einer schwächelnden Spieleindustrie im Land der aufgehenden Sonne. Mit dem Super Mario Galaxy 2 schiebt Nintendo jedenfalls nicht bloß eine schnöde Fortsetzung nach, Super Mario Galaxy 2 ist ein Meilenstein. Ein Spiel, das jeder Videospieler gespielt haben sollte. Lasst euch dabei nicht von der kindischen Fassade täuschen, im Kern des Hüpfabenteuers steckt genügend Weisheit und Spielspaß für die ganze Familie. Selbst wer mit der Lupe sucht, findet Details wie Zwischensequenzen, die sich nach einmaligem Ansehen überspringen lassen, Spielstände, die sich jederzeit sichern lassen oder auch die Tatsache, dass euch in der Regel kein Zeitlimit im Nacken sitzt. Kleinigkeiten nur, doch in Summe ergeben Sie zusammen mit den vielen alten und neuen Einfällen ein ganz besonderes Spiel. Auch scheut sich Nintendo nicht, frühere Versäumnisse konsequent auszumerzen. Rücksetzpunkte, Erklär-Fernseher und für annähernd hoffnungslose Fälle der Kosmo-Assistent (ähnlich wie in New Super Mario Bros. Wii) helfen zusätzlich, Frust erst gar nicht aufkommen zu lassen. Der zweite Spieler im Kooperativ-Modus ist nicht nur zum Sternenteile sammeln verdammt, sondern darf auch Münzen und andere Extras für Mario aufklauben sowie Gegner plätten – eine echte Hilfe. Wahrhaft ein Spiel, das nahe an der Perfektion in Sachen Spielbarkeit kratzt. Selbst die Fuchtelei mit der Wii-Mote wirkt nicht aufgesetzt wie bei anderen Zeitgenossen.
Endgegner am Ende
„Hast du nicht genug?“, fragt Bowser Jr. von der Sessel-Kommandobrücke seines Raumschiffs herab. Blöde Frage: Nein, Mario hat natürlich noch nicht genug! Schließlich ist das gerade mal das dritte Schloss, das ihr nach Prinzessin Peach durchkämmt habt. Auch Papas Liebling mit dem netten Monstermaul-Schlabberlatz weiß das: „Ich werde dich von meinem gemütlichen Cockpit aus fertig machen. Du bist also für unseren schönen 'Großen Stern' hergekommen. Dann hol ihn dir doch, du Angeber!“ Genau das habt ihr vor. Und davon kann euch auch ein Bowser Jr. mit einem Raketen und Laserringe schießenden Riesenroboter nicht abhalten. Die passende Taktik zum Sieg, erkennt ihr schnell: Mit Yoshis Zunge Raketen einsaugen und auf die Glasbrüste des Roboters ballern. Danach mit einem Transportstern auf die andere Seite katapultieren und dem Kerl auch bei der Schwachstelle am Rücken einheizen. Ja, die Grundlagen versteht man leicht, doch kommt es auch darauf an, den Plan korrekt umzusetzen. Wer zudem Kometenmünzen sammelt, davon existiert jeweils eine pro Level, schaltet zudem Schabernack-Kometen frei. Das sind noch einmal frische und zum Teil knifflige Aufgaben in bereits abgegrasten Levels. In den späteren Welten zieht der Schwierigkeitsgrad zudem ordentlich an, so dass auch Profis auf ihre Kosten kommen. Doch Extraleben-Pilze gibt es überall reichlich, so dass ihr so probieren dürft wie ihr wollt. Um alles zu sehen, braucht ihr in den kommenden Wochen viel Freizeit.
Pro und Contra
- + brillante Spielbarkeit
- + zu keiner Sekunde langweilig
- + großteils ohne Zeitdruck
- + Wii-Mote-Steuerung gut integriert
- + angemessen steigender Schwierigkeitsgrad
- + Ein Auge für Details wie Fußspuren im Schnee
- + Spielsystem des Vorgängers konsequent weiterentwickelt
- - Schwimmsteuerung und manche Wii-Mote-Einlage bleiben gewöhnungsbedürftig
- - Gesammelte Extraleben verschwinden bei Neustart
- - Dialoge nur in Textform
- - Manchmal etwas arg kindisch aufgemacht
- - Einige wenige Aussetzer bei der Wahl der Musikstücke
Das Spiel, für das sich der Kauf einer Wii lohnt!
Super Mario Galaxy 2 markiert eine Klasse für sich. Spätestens als ein knutschendes Flugschwein Yoshis Maul verstopft und erst wieder nach einem Rüttler mit der Wii-Fernbedienung von dem Allzweck-Saurier ablässt, steht für mich Super Mario Galaxy 2 als Gewinner des imaginären Spiele-Oscars fest. Alles andere als die Spielspaß-Höchstnote zu vergeben, wäre unangemessen. So viele erstklassige Einfälle hat bisher noch niemand am Stück in einem Spiel untergebracht. Nahezu jedes Level knallt euch eine frische Idee auf den Fernseher. Auch vor 2D-Abschnitten schrecken die Entwickler nicht zurück, Hauptsache es macht Freude. Hammer! Die wenigen Kritikpunkte gehen in diesem Meer an Kreativität förmlich unter. Super Mario Galaxy 2 präsentiert sich zwar zuckersüß wie ein Spiel, bei dem man vom bloßen Anblick Karies bekommt, doch auch Erwachsene dürfen kraftvoll zubeißen. Das neue Mario-Abenteuer zählt zu den Spielen, die man ewig spielen kann.
Bewertung
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Kommentare (59)
liasis
Blackburn7
T5000
FETTE_KARTOFFEL
hbsc14
Hans von Hobel
Hahaha, freu mich voll :D
Wie sagte Herr Pook so schön, ''man fühlt sich sofort im Spaßland'' ;)
PipBoy95
Buschonaut
Cabal2k
Ich tippe trotzdem auf Red Dead, denn das ist mal was besonderes was es bis dato zum ersten mal gab: Ein Westerngame (von dem es sowieso schonmal sehr wenig gibt) mit Open World und dann noch fast perfekt...das muss einfach Game des Jahres werden.
Mario ist zwar wie immer geil denk ich aber es ist dennoch nur Mario. Auch wenn jetzt neu Yoshi dabei ist und ein paar neue Verwandlungsformen, irgendwie ist es einem trotzdem alles irgendwie vertraut. Was natürlich nicht schlecht sein muss, aber Game des Jahres werden (oder sollten zumindest) da doch eher aussergewöhnliche Titel die sich an was neuem gewagt und es auch noch geschafft haben brilliant umzusetzen.
Und da kommt für mich eben bis dato nur Red Dead in Frage.
P.S. Gut das ich auch ne Wii habe und somit auch nicht den neusten Mario verpasse ;)