Teenage Mutant Ninja Turtles – Smash-up
12:38 Uhr - Sie ist für Nintendo ja inzwischen fast zu einem Fremdwort geworden, aber gesunde Konkurrenz kann nicht schaden, so sagt man. Und Ninja-Schildkröten-Konkurrenz sowieso nicht, sagen wir. In diesem Sinne schicken sich die Helden unserer Kindheit und wahrscheinlich auch der aktuellen Unschuldszeit anderer Martial-Arts-verrückter Kiddies an, den Party-Prügler-Platzhirsch Super Smash Bros. Brawl vom Thron zu stoßen. Haben sie sich mit diesem Gegner übernommen?
Gerade auf einem massenkompatiblen System wie der Wii, ist es eigentlich ein Wunder das es so lange gedauert hat bis jemand ein derart massenkompatibles (und gutes) Spielprinzip, wie das von Smash Bros. zu kopieren versucht. Ubisoft, die nun, nach jahrelanger Konami-Ausschlachtung, das scheinbar immer noch zugkräftige Turtles-Franchise bis zum letzten Tropfen melken, sind sich dafür nicht zu schade und präsentieren einen recht gelungenen Klon in grün.
Wer der Kröte auf den Panzer haut, danach dumm aus der Wäsche schaut!
Schon der Titel weißt auf die Gameplay-Herkunft hin und auch sonst gibt sich das Spiel keine Mühe, sein Vorbild zu verleugnen. Das ist natürlich erst mal positiv. Smash-up erlaubt es zum Beispiel auch zwischen vier Controller-Varianten zu wählen: Wiimote pur im Horizontalformat, in Verbindung mit dem Nunchuk, Classic- und Game Cube-Controller. Alle Methoden funktionieren gut, erfordern aber etwas Eingewöhnung. In weit rauszoomenden Arenen mit meist mehreren Ebenen bekämpfen sich so bis zu vier Recken aus dem TMNT-Universum. Anfangs habt ihr nur die Wahl aus sieben Kämpfern – den vier Brüdern, Splinter, April und Casey. Durch fleißiges Prügeln im Arcade-Modus kommen weitere hinzu, wie Oberfinsterling Shredder oder dessen Tochter Karai. Insgesamt bleibt die Palette aber weit hinter der gewaltigen Auswahl eines Smash Bros. zurück. Das solide Kampfsystem bietet einen ansprechenden Kompromiss aus Zugänglichkeit und ausreichend Tiefe. Jeder Charakter verfügt über einen leichten, aber schnellen und einen starken, doch langsamen, dafür weitreichenderen Angriff, die in Verbindung mit unterschiedlichen Richtungsangaben variiert werden können. Außerdem können sie Griffe anwenden, Sprints, Doppel- und Wandsprünge, sowie Wandattacken und Rollen ausführen. Gelegentlich kommt es zu kleinen Quick-Time-Aktionen, bei denen ihr schnell Analogstick- oder Wiimote bewegen müsst, etwa wenn der Kämpfer taumelt oder zwei von ihnen im Clinch liegen. Das funktioniert aber selten zuverlässig und in den meisten Fällen werdet ihr den Schaden wohl hinnehmen müssen. Spezial-Attacken gibt es keine, dafür tauchen in den Stages immer wieder Kisten auf. Diese können bei Bedarf gegen den Feind gekickt werden und enthalten entweder heilende Pizza (Videospieler wissen seit Jahren, dass das einfach die beste Medizin ist) oder Kugeln, die begrenzt einsetzbare Ninja-Magie oder –Waffen verleihen. Das sind zum Beispiel Bomben, oder Wurfsterne, sowie Feueratem oder Blitz-Aura, die, richtig angewandt, in einem Match schon mal das Blatt wenden können. Die Kämpferauswahl ist zwar klein, aber ansprechend. Ihr werdet wahrscheinlich jede Figur einmal ausprobieren wollen. Allerdings wirkt die Balance nicht ganz astrein: Mit Leonardo lassen sich die Kontrahenten im Handumdrehen wegsäbeln, während Meister Splinter seinem Gemüt entsprechend eher behäbig agiert und so schnell mal am Boden liegt. Wie so oft beweisen aber der Computer-Gegner und die menschliche Konkurrenz das es auch anders geht. Krustige Kruste? Kruste krustet!
Sowohl offline, als auch über das Netz zeigt sich das rasante Treiben fast ausnahmslos lag- und ruckelfrei, was den Multiplayer-Modus auch hier zum eigentlichen Dauerspaßfaktor macht. Doch auch alleine erwartet euch genug Stoff. Im Arcade-Mode spielt ihr eine Story nach, die dünner ist als ein achtfach gespaltenes Haar. Dafür wird sie in ultra-stylischen Zwischensequenzen dargeboten, die den Look eines Schwarz-weiß-Comicheftes haben, aber entsprechend der flachen Handlung ziemlich ereignislos daherkommen. Neben dem selbsterklärenden Survival-Mode erwarten euch noch sechs Minispiele, bei denen ihr etwa heranfliegenden Wurfmessern ausweichen, möglichst viele Pizzen einsammeln oder verschiedene Jump’n run-Parcours bestehen müsst, sowie den Mission-Modus. Hier sollt ihr unter vielseitigen Vorraussetzungen kämpfen. So heißt es mit Leo eure drei Brüder auf die Matte zu schicken, Splinter zu beschützen, Mitglieder des Footclans von einem fahrenden Zug zu schmeißen oder einen Gegner durch das Auslösen eines bestimmten Ereignisses zu besiegen. In den Herausforderungen erkämpft ihr vor allem Muscheln. Mit denen könnt ihr in einem Schießbudenspiel Figurenteile gewinnen oder Trophäenteile kaufen, mit denen ihr euch eure eigenen Pokale bastelt. Den endlosen Freispielwahnsinn, geschweige denn einen Stage-Editor, wie in Nintendos Allstar-Beat’em up bietet der Turtles-Auflauf aber nicht. Wenn man’s genau nimmt, hängt Smash-up dem Vorbild in so ziemlich allen Bereichen hinterher. Die grafische Umsetzung versprüht dennoch viel Flair und wartet mit gut animierten Charaktermodellen, vor detaillierten Hintergründen auf, die in einigen Fällen aber etwas austauschbar und nicht unbedingt der Marke Turtles zugehörig erscheinen. Hübsch, aber definitiv nicht die Grenze des Machbaren. Dafür begeistern die Arenen meist mit interaktiven Elementen, wie zerstörbaren Säulen und Wassertanks oder Zugwagons, die sich abkoppeln lassen und mehreren Ebenen. Auch die Hintergrundmusik fällt positiv auf und überzeugt mit vorlagengetreuen Kompositionen, im Gegensatz zu den englischen Sprechern, die ihre Texte nur leidlich motiviert vortragen.
Pro und Contra
- + interaktive Kampfarenen
- + abwechslungsreiche Spielmodi
- + spaßiger Vierspieler-Modus, off- wie online
- + gelungene Atmosphäre
- + unterstütz alle Controller
- - wenige Kämpfer
- - wenige Arenen
- - wenige wirklich interessante Belohnungen
- - Handlung passt auf eine Bleistiftspitze
Nur die halbe Packung
Super Smash Bros. Brawl ist ein wundervolles Geschenk an alle Nintendo-Fans, welches vor liebgewonnenen Charakteren, tollen Melodien, Spielmodi und freispielbaren Inhalten aus allen Nähten platzt und obendrein ein hervorragendes Beat’em up für jedermann. Teenage Mutant Ninja Turtles – Smash-up klaut klugerweise bei diesem denkbar besten Vorbild und hätte somit das ultimative Paket für Freunde der Kampfkröten werden können. Davon ist das Spiel aber leider noch ein gutes Stück entfernt. Zwar ist das Kampfsystem nicht zu simpel und erfordert stets den richtigen Einsatz von Deckung und Ausweichrolle. Auch wird dank Minispielen, Herausforderungs-Modus und den coolen Arenen ausreichend Abwechslung geboten. Doch das kleine Kämpferfeld, welches viele wichtige Charaktere vermissen lässt und die im Vergleich relativ geringe Zahl an erspielbaren Extras, sowie die äußerst enttäuschende Story, legen nahe, dass die Ambitionen der Entwickler wohl auf halber Strecke etwas abgesackt sind. Alles in allem ist Smash-up aber ein gelungenes Spiel, mit einem technisch sauberen, wenngleich hin und wieder etwas unübersichtlichem Multiplayer, dem man keine echten Probleme vorwerfen kann und mit dem Turtles-affine Prügelspieler sicher nichts falsch machen. Der große Wurf ist es allerdings nicht geworden.
Bewertung
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Kommentare (3)
pc_only_user_95
wii halt...
j1mbo